Lunae Montes - Teil 13 - Irene Lakes


Published by detlefpalm Pro , 11 June 2019, 09h04.

Region: World » Uganda
Date of the hike:20 February 1981
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: EAU 
Time: 2 days

Eis am Äquator, Viertausender in Afrika. Die von Ptolemäus erwähnten Lunae Montes als große Attraktion. Die Schneemassen der Mondberge speisen die sagenumwobenen Quellläufe des Nil. Die Legenden um Burton, Speke, Emin Pascha, Stanley und Livingstone beflügeln die Phantasie. Entlang des Weges: Kilimanjaro, Mount Meru, die Virunga Vulkane und Mount Elgon. Und alles was dazwischen liegt. Terra incognita, 1980 - 1981

Irene Lakes
 
Der Schneesturm kam unvermittelt, war heftig und kurz. Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht in der Biwakschachtel. Gerade schien noch die Sonne; jetzt ist alles überpudert, gespenstischer Nebel waberte über die Irene Lakes auf 4490 Meter. Ich muss das Wetter im Auge behalten.

In der zwei mal zwei Meter großen Hütte gibt es Kerzen und ein Hüttenbuch. Der letzte Eintrag ist eineinhalb Jahre her. Rückwärts lesen, ungefähr ein Eintrag pro Jahr, meistens kleine Gruppen, die ersten Eintragungen aus den vierziger Jahren. Haarsträubende Geschichten, Unfälle, Rückzüge im Schneesturm; Hilferufe im Nebel, Bergsteiger die verlorengingen, irgendwo da oben müssen noch welche liegen. Ich beschließe besonders vorsichtig zu sein.

Die Kerze ist fast runtergebrannt; ich geh nochmal raus, sternenklarer, eisiger Himmel.

Margherita Ostgrat

Bei Anbruch der Morgen-Dämmerung versuche ich den Sonnenaufgang zu fotografieren; es ist zu kalt. Der Kocher schnurrt, ich habe mir noch etwas Bergsteigerkonzentrat aufbewahrt. Bald mach ich mich auf zum Ostgrat, der Steilhang ist übersät von hüfthohen Strohblumen.
 
Auf dem Grat pfeift der Wind, wirbelt die Wolken auf- und durcheinander. Mal stehe ich im Nebel, dann wieder freie Sicht. An den Kletterstellen ziehe ich die Handschuhe aus; ich sehe den Bujuku See mehr als 1000 Meter unter mir. Oberhalb einer Verschneidung, auf 4800 Meter, stoße ich auf eine Abseilschlinge. Nein, es sind drei, eine ist gerissen. Sie sind aus gedrehtem Hanfseil, wahrscheinlich zehn oder zwanzig Jahre alt.
 
Bisher fand ich die Kletterei nicht schwer; warum, um Himmels Willen hängen diese verdammten Schlingen hier? Was konnte passieren, dass andere es nötig fanden hier abzuseilen? Ich warte ein bisschen, beobachte das Wetter, dann gehe ich zurück.

Zurück

Panga und Eispickel vor das Gesicht haltend, preschen wir durch den Dschungel, wie im Rausch. Wir wollen an einem Tag bis Ibanda zurück laufen, normalerweise zwei volle Tagestouren im Abstieg. Gestern noch war Salary krank, Kenneth hatte Sorge zu verhungern, das Wetter zu kalt. Ein Umweg über die Kitandara Seen war nicht nach dem Geschmack meiner Begleiter. Es geht nach Hause, alles ist wieder gut.

Sonntagswetter. Dem Bigo Bog ist es egal, ob wir rauf oder runter laufen. Dornen, Schlingpflanzen und Widerhaken reißen Kleidung und die Haut von Armen, Schultern und Schienbeinen. Wir dampfen. Am Fluss fülle ich meinen Hut mit Wasser und setze ihn auf.

Der grässliche Gegenanstieg, ausrutschend, durch Brennesseln, zur Nyabitaba Hütte. Kurze Pause, Tee mit dem letzten Zucker. Es ist nachmittag, eine Tagesetappe liegt noch vor uns. Wieder Geschrei, black mamba, Kenneth wirft den Schlangenkopf auf die andere Seite des Weges damit er nicht wieder mit dem Körper zusammenwächst. Wir entrinnen dem Dschungel, baden im Mubuku Fluss, von Gletscherwasser gespeist, ich hab noch ein Stück Seife, hole meine bis hierhin gehütete trockene Ersatzkleidung raus.

Das Büro des Mountain Club wird meine Unterkunft. Wir feiern mit Pombe, die faulige Brühe schwappt im Bauch, den Bananenschnaps verweigere ich.

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