Lunae Montes - Teil 14 - Nil


Published by detlefpalm Pro , 12 June 2019, 08h35.

Region: World » Uganda
Date of the hike:24 February 1981
Hiking grading: T1 - Valley hike
Waypoints:
Geo-Tags: EAU 
Time: 2 days

Eis am Äquator, Viertausender in Afrika. Die von Ptolemäus erwähnten Lunae Montes als große Attraktion. Die Schneemassen der Mondberge speisen die sagenumwobenen Quellläufe des Nil. Die Legenden um Burton, Speke, Emin Pascha, Stanley und Livingstone beflügeln die Phantasie. Entlang des Weges: Kilimanjaro, Mount Meru, die Virunga Vulkane und Mount Elgon. Und alles was dazwischen liegt. Terra incognita, 1980 - 1981

Mbarara, wieder einmal
 
Es braucht drei Tage um aus Kasese wegzukommen. Fliegen ist eine Option, aber der Pilot will Dollar. Es hat ein Zugunglück gegeben, die Trasse ist gesperrt. Die Quicktaxis haben kein Benzin. Meine Recherche führt mich zu einem regierungseigenen store randvoll mit Johnnie Walker und rosa und hellblauen Babydecken. Bleibt der Bus. Ich stehe auf nur einem Bein, es ist kein Platz für meinen anderen Fuß. Auf halber Strecke ein Roadblock, alle müssen raus. Beim Wieder-Einsteigen ist die Menschenmasse genau choreographiert, alles ist zusammengerüttelt, keine Luft zwischen den einzelnen Körperteilen; den Rest der Strecke stehe ich wieder auf dem gleichen Fuß.

In Mbarara bin ich zu Hause. Gleiches Zimmer, diesmal ohne Doom. In dem bunten Café mit den Einschusslöchern herrscht buntes Treiben, es gibt mandazi und Tee mit Zucker. War alles nur ein Irrtum? Wer hat sich in den zwei Wochen verändert: der Ort oder ich selbst? Die kleine runde Kellnerin versteht nicht, wie man in der Nachbarschaft von wilden Tieren schlafen kann. Sie meint Kampala sei gefährlich.

Der Irre läuft wieder rufend durch die Nacht; am Morgen treffe ich ihn in einem Café. Er ist mit einem Sack bekleidet, manipuliert die Lichtschalter, schnorrt Zigaretten, rückt Geschirr herum. Er führt lästerliche Reden über den Zustand Ugandas, niemanden stört es, man spendiert ihm Tee. Ein Gast flüstert mir hinter vorgehaltener Hand zu, dass es sich um einen Professor handelt. Der Hofnarr in einer irren Welt.

Kampala

Hochhaus. Fahrstuhl. Eine Stahltür mit Spion. Der deutsche Türsteher öffnet, Pistole im Halfter. Die üblichen Terroristenplakate hängen an der Wand. Ich erkläre mein Begehren, fülle einen Zettel aus. Der Botschafter sei in einer Besprechung.

Wir warten. Ein Gespräch ist mit dem Wachmann nicht möglich; aber er verspricht mir Haarshampoo und Seife, er hat genug, wir können uns später treffen. Ich will gerade gehen, da stürzt der Botschafter durch die Tür. Ob ich der Bergsteiger sei, ob mein Anliegen dringend sei, oder geschäftlich, oder ob ich ihm die Freude machen wollte ihn nachmittags privat zu besuchen. Er wird mich abholen lassen.

Haare frisch gewaschen, finde ich mich am Treffpunkt ein. Der Botschafts-Mercedes hat einen Plattfuß, der Einstich des Messers ist gut zu erkennen. Ich helfe dem Fahrer beim Radwechsel. In der Villa des Botschafters: Teppiche, eine Stereoanlage, Bücherregale, eine saubere Toilette. Er ist interessiert an meinen Bergtouren, und ich an seinen. Er kann nicht sagen, ob man den Mount Elgon von Uganda nach Kenia gefahrlos überschreiten könne. Um sechs bittet er um Entschuldigung; er und seine Frau erwarten Gäste; ob sein Fahrer mich nach Hause bringen dürfe. Kampala ist totenstill und menschenleer. In den Nebenstraßen saugen Gestalten das Benzin aus parkenden Autos.

Das Tourist Hotel ist der einzige Ort in Kampala, wo reisende Muzungus unterkommen können. Tagsüber ist Kampala eine Großstadt. Unmassen von Autos lärmen hupend durcheinander. Menschengewimmel. Es gibt Geschäfte, in denen es etwas zu kaufen gibt; Straßenhändler; Zeitungen; Banken und feine Leute. Um sechs Uhr ist der Spuk vorbei. Nachts Gewehrfeuer, Detonationen, die Randale dauert nicht lang.

Vier andere travelers sind im Transit, von Ruanda nach Kenia. Einer ist aus dem Sudan gekommen.

Murchinson Falls

Wir haben Sundowner auf der Terrasse, überblicken das Ufer des Nils. Im Tiefflug kreuzt ein Buschflugzeug mehrmals über die Chobe Safari Lodge bei den Murchinson Falls, bevor es sich auf dem Airstrip in eine Staubwolke hüllt.

Der Pilot entpuppt sich als Sir Douglas-Hamilton. Es gibt noch zwei Engländer, business. Der deutsche Ingenieur des Katwe Salt Projects und seine Familie hatten mir einen Lift gegeben. Bereitwillig zeigt Douglas-Hamilton unserem illustren Kreis seine Bücher und seine prämierten Artikel der Elefantenforschung. Alle außer dem Ingenieur und seiner Familie beurteilen das Katwe Salz Projekt als umweltzerstörend. Etwas afrikanische Elite kommt hinzu, alle vertragen sich, wir schauen den grunzenden Nilpferden zu.

Nilbarsche

Die Angestellten graben im Morast nach Würmern. Mit den Maden werden Köderfische geangelt; die Afrikaner mit ihren Schnüren schlagen sich deutlich besser als die Muzungus mit ihren Hochleistungssportangeln. Die Köderfische werden an Holzstücke gebunden und in die Strömung geworfen. Wieder gewinnen die Schnüre der Angestellten. Alle fangen Nilbarsche, alle freuen sich, die Muzungus laut, die Afrikaner leise.

Abends in der Lodge. Alle essen Barsch. Ein zusammengewürfelter Haufen, keiner langweilt.

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