Im Reich der Steinböcke: Von Nigüelas auf den Loma de los Tres Mojones


Publiziert von marmotta , 27. Februar 2009 um 20:14.

Region: Welt » Spanien » Andalusien » Granada
Tour Datum:14 Februar 2009
Wandern Schwierigkeit: T2 - Bergwandern
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 6:00
Aufstieg: 1600 m
Abstieg: 850 m
Strecke:Nigüelas - Tajo Bernal - Loma de los Tres Mojones (P. 2454) und zurück
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von Nerja mit PW auf der N-340 bis Salobrena, dann auf der N-323 über Dúrcal (Ausfahrt) nach Nigüelas
Kartennummer:Mapa-Guía del Parque Nacional de Sierra Nevada -La Alpujarra, Marquesado del Zenete (1:40.000) des Editorial Penibetica [http://www.penibetica.com Editorial Penibetica] oder Mapa Topográfico Nacional Blatt 1041 Dúrcal (1:50.000)

Der Parque Natural de Sierra Nevada (ein Teil davon wurde von der UNESCO 1986 als Biosphärenreservat und 1999 als Nationalpark anerkannt) hat aufgrund seines besonders günstigen Klimas eine einzigartige Flora und Fauna (allein ca. 65 Pflanzen- und 80 Tierarten sind endemisch, d.h. kommen weltweit nur dort vor). Ein besonders charakteristisches Tier dieses Gebirges ist der hier ebenfalls endemische Südostspanische oder Sierra Nevada-Steinbock (capra pyrenaica hispanica), eine Unterart des Pyrenäen-Steinbocks (capra pyrenaica). So lebt in der Sierra Nevada auch die grösste Steinbock-Population der Welt und man kann diese Tiere daher bei fast jeder Wanderung irgendwo beobachten.

Die Sierra Nevada ist nicht nur für sein Wintersportgebiet bekannt, sondern ist auch ein Eldorado für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer. Neben dem mit 3.479 m höchsten Gipfel Festlandspaniens, dem Mulhacén, gibt es noch 14 weitere 3000er. Wir hatten uns den südlichsten 3000er herausgepickt, den Cerro del Caballo (3.011 m). Aufgrund seiner Exposition mit langen, südwestlich ausgerichteten Graten sollte dieser Berg auch bei der vorherrschenden, für dieses Gebirge aussergewöhnlichen Schneelage (zu dem Zeitpunkt war der Retorten-Skiort Pradollano infolge des Schneechaos vorübergehend nicht zugänglich) ohne Wintersportgeräte zu besteigen sein. Als Ausgangsort wählten wir Nigüelas, ein kleines, maurisch geprägtes Bergdorf am südwestlichen Fuss der Sierra Nevada.

Eigentlich war die Sache von vornherein zum Scheitern verurteilt, was im Wesentlichen an zwei Dingen lag: Zum einen hatten wir im Vorfeld keinerlei Kartenmaterial für die Sierra Nevada organisiert bekommen (mir standen lediglich aus dem Internet ausgedruckte Tourenbeschreibungen spanischer Bergsportseiten zur Verfügung) und zum anderen -was wesentlich entscheidender war- kamen wir nicht rechtzeitig aus den Federn und nach einer etwas mehr als einstündigen Anfahrt viel zu spät in Nigüelas an. Den Gipfel des Caballo in Gedanken schon abgeschrieben, schauten wir uns dann erstmal in aller Ruhe den wirklich schuckeligen Ort an und genehmigten uns in der winzigen "Bar" im arabischen Stil nahe der Dorfkirche einen "café con leche".

Bis wir dann den richtigen Einstieg in die Schlucht des Rio Torrente gefunden hatten (Mann ist ja zu stolz zum Fragen) verging dann nochmal eine knappe Stunde, so dass wir die Tour effektiv um 11.00 Uhr starteten - reichlich spät für einen 3000er, den man zudem auch noch vom Tal aus besteigen möchte...

Wir wollten die Tour dennoch einmal angehen und schauen, wie weit wir kommen. Zum Rio Torrente gelangten wir über einen spektakulären, aber gut abgesicherten Steig entlang steiler Felsen bzw. durch diese hindurch. Dieser war zwar wegen Bauarbeiten und drohender Lebensgefahr (!) offiziell geperrt, es waren jedoch weder eine Baustelle noch besondere Gefahrenquellen zu erkennen.

Vom Rio Torrente, der unterhalb des Cerro Caballo entspringt, führt eine Schotterpiste kilometerlang zur Fuente Frias und den (verfallenen) Cortijos de Echevarria, wobei auf ca. 12 km über 1000 Höhenmeter überwunden werden. Zunächst ging es an zahlreichen Gehöften mit terrassenförmigen Gärten und vielen Mandelbäumen vorbei. Diese Gärten und auch das spezielle Bewässerungssystem der "Acequias" gehen auf die Zeit der Mauren zurück, die sich Ende des 15. Jahrhunderts in die Berge der Alpujarras als letzte Bastion zurückgezogen hatten.

Etwas störend war der ständige Verkehr durch Allradfahrzeuge, mit denen die Bauern zu ihren entlegenen Höfen weit oben in den Bergen fuhren (na ja, immerhin fuhren sie nicht zum Spass da hoch). Was für die Bauern mit ihren Jeeps kein Problem darstellte, für uns aber sehr wohl, war die Überquerung des Rio Torrente nach ca. 1,5 h. Hier war die Fahrstrasse komplett überflutet und für uns zu Fuss nicht passierbar! Irgendwie haben wir es dann aber nach etwas Kampf durchs Unterholz etwas flussaufwärts doch geschafft, dieses Hindernis trockenen Fusses zu überwinden. Noch immer schienen die schneebedeckten Gipfel vor uns unendlich weit weg und unerreichbar zu sein, so dass wir beschlossen, die endlosen Serpentinen der Schotterpiste an geeigneter Stelle (wo ausnahmsweise mal kein mannshohes, stachliches Gestrüpp war, nachdem dort offensichtlich vor 3-4 Jahren ein Flächenbrand gewütet hatte) abzukürzen. Allerdings handelte es sich bei der Piste, die wir nun erreichten, gar nicht mehr um die eigentliche Schotterstrasse, sondern um einen unbedeutenden Feldweg, der lediglich zu einem einsamen Gehöft führte und dort offensichtlich endete. Genau war dies nicht zu erkennen, da ab hier (auf einer Höhe von ca. 1.700 m) Schnee lag. Dies war in diesem Fall jedoch unser Glück, da die eigentliche Fahrstrasse in einem riesigen Bogen um den Hang herumführt, wie wir auf dem Rückweg bemerkten.

Da die Richtung klar war, stiegen wir von hier weg einfach weglos über Schneefelder und Geröll zu dem Bergrücken auf, der zum Loma de los Tres Mojones führt, über den man auf den Gipfel des Caballo gelangt. Hier sahen wir auch die ersten Vertreter der o.g. Steinbock-Spezies, die uns dann mehr oder weniger den ganzen Nachmittag begleiteten. 

Nachdem wir auf dem Bergrücken auf einer Höhe von knapp 2.000 m eine ausgiebige Pause in der auch hier oben noch sehr warmen Sonne mit schönem Ausblick hinüber zu den Sierras de Tejeda, Almijara y Alhama gemacht hatten, beschloss ich, alleine noch max. 1 h auf dem -auf der Ostseite stark verwächteten- Bergrücken aufzusteigen und dann umzukehren. Kurz bevor ich den Loma de los Tres Mojones erreichte, traf ich einen englischen "hiking guide", der auf dem Abstieg war. Dieser sagte mir, dass ich von hier bei dem Schnee noch ca. 2 h auf den Gipfel hätte. Angesichts der Tatsache, dass es bereits kurz vor 16.00 Uhr war, war das Erreichen des Gipfels natürlich völlig utopisch! Ich stieg noch einige Meter zu einer kleinen Erhebung, offenbar dem ersten der drei "Mojones" (was soviel wie "Grenzmarkierung" heisst) -P. 2454 auf der Landeskarte- auf. Von hier bot sich mir ein prächtiger Ausblick auf Granada und die Alhambra (UNESCO-Weltkulturerbe) sowie die Berge auf der Nordwestseite der Sierra Nevada. Leider musste ich mich gleich wieder an den Abstieg machen, den ich dank des Schnees, auf dem weitgehend abgerutscht werden konnte, in etwa 1/4 der Aufstiegszeit bewältigte. Gemeinsam gingen bzw. "fuhren" wir dann wieder hinunter zu dem Gehöft, an dem "unser" Feldweg im Aufstieg geendet hatte.

Als wir uns schon die endlose Schotterpiste hinunterlaufen und den Ort Nigüelas etwa bei Einbruch der Dunkelheit erreichen sahen, hörten wir plötzlich ein Fahrzeug hinter uns und die Erlösung in Form des "hiking guides", den ich oben am Loma de los Tres Mojones getroffen hatte, bog mit einem alten, klapprigen, aber für derartige "Einsätze" offenbar prädestinierten Wagen um die Ecke! In abenteuerlicher Manier -einer auf der Ladefläche, ich links neben dem Steuer (es war ja ein englisches Auto) ging es dann hinunter ins Tal des Rio Torrente. Wir mussten noch einige Male aus dem Auto springen, damit der Wagen an Stellen mit besonders üblen Wannen und Gräben nicht auseinanderflog, waren aber dennoch sehr froh, dass uns dieser fürchterliche Talhatscher erspart blieb. Thank you so much, David!!


Tourengänger: marmotta, nevada

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