Grattour über die Serra de la Punta & die Serra del Cavall Bernat (Mallorca)


Publiziert von ZuRiQuOi , 18. Dezember 2016 um 03:45.

Region: Welt » Spanien » Balearische Inseln
Tour Datum:29 November 2016
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: E 
Zeitbedarf: 7:30
Aufstieg: 977 m
Abstieg: 977 m
Strecke:18 km
Kartennummer:Mallorca Serra de Tramuntana Nord I

Mallorca von seiner bergsteigerisch attraktivsten Seite. Die Serra del Cavall Bernat über die scharfe Gratkante zu begehen macht grossen Spass. Die Weitsicht während der ganzen Tour nahe dem nördlichsten Küstenausschwung Mallorcas mit dem Cap de Formentor ist fantastisch. Ein wirkliches Muss für jeden gepflegten Alpinwanderer oder Scrambler, der das Tramuntanagebirge in besonders schönem Ambiente erleben möchte. 

Ich hatte den Plan, die Serra de la Punta und die Serra del Cavall Bernat miteinander zu einer Tour zu verbinden. Ich konnte nicht gut einschätzen wie schnell ich mich in dem Gelände am Grat fortbewegen würde, konnte aber mit Sicherheit die Lage besser einschätzen, wenn einmal an dem Coll de Siller angelangt. Ich startete nicht ganz im Südwestens der Serra de la Punta, weil ich einen guten Parkplatz an einer zur Ma-2200 parallel verlaufenden Quartierstrasse fand.
Die Serra de la Punta ist technisch wenig anspruchsvoll zu begehen. Teilweise sind Steinmännchen vorhanden, sonst ist man weglos unterwegs. Das Gelände bietet die Möglichkeit zu unterschiedlichen Routen auf die jeweiligen Graterhöhungen. Von richtigen Gipfeln kann nicht die Rede sein. Ich versuchte mich wie so oft, so nah wie möglich auf dem Grat fortzubewegen - meist gehend und zeitweise kraxelnd/kletternd auf kurzen Gipfelgratauf- oder abschwüngen. max. Schwierigkeitsniveau: T4 / III

Wenn man den Grat der Serra de la Punta wie ich von SW nach NO begeht, endet sie im Coll de Siller, dem Sattel zwischen der Serra de la Punta und der Serra del Cavall Bernat. Es führt ein Landweg links zur Cala Sant Vincenc und rechts nach Port de Pollenca. Ich ging links an dem einzigen Gebäude vorbei, dem Zaun folgend in Richtung Grat der Serra del Cavall Bernat. Auch hier kann man je nach Liebe zur Nähe zum Grat, ganz links haltend oder etwas mehr in der Südflanke den stetigen Anstieg zum ersten und einzigen Gipfel mit Namen der Serra del Cavall Bernat - dem Talaia Vella - meistern. Dies ist zugleich die höchste Erhebung dieser Serra. Der Weitblick ist in alle Richtungen gewaltig. Die Sicht auf Port de Pollenca und die ganze Bucht bis nach Alcudia ist atemberaubend und lädt zum Verweilen ein. Genauso verlockend ist aber die Aussicht auf den Grat-Leckerbissen, der mir nun bevorstand und ich auch sogleich konzentriert in Angriff nahm.
Da ich erstens nicht sehr gut einschätzen konnte, wie schnell ich mich auf diesem Grat fortbewegen kann und zweitens nicht wusste, ob ich den ganzen Grat bis zur Spitze der Serra - dem Punta de la Salada - begehen kann, versuchte ich nicht allzu lange Pausen zu machen. Nicht zuletzt um bei einem Notfall den Weg zurück im Tageslicht zu finden, da zu dieser Jahreszeit der Sonnenuntergang bereits früh um 17:30 ist. Zudem wusste ich wie gesagt noch nicht, wo ich absteigen könnte, geschweige denn die Schwierigkeiten der jeweiligen Abstiegsmöglichkeiten einzuschätzen. Ich wusste von der Karte und Recherchen im Web, dass es den einen oder Abstieg durch die SO-Flanke gab, die alle im Vall de Boquer mündeten. Diese wollte ich aber nur suchen müssen, wenn sich der Grat nicht durchgehend meistern liesse.
Ich hatte einen Tag zuvor die Möglichkeit vom Mirador de Collomer aus, der sich auf dem Weg zum Cap de Formentor befindet, die beeindruckende SO-Flanke der Serra del Cavall Bernat zu bestaunen. Diese erschien von da aus wirklich sehr steil und ich konnte mir kaum vorstellen, dass sich mehrere mehr oder weniger senkrechte Abstiege vom Grat hinunter ins Tal anbieten würden. In die nordwestliche Seite der Serra wusste ich, gab es keine Möglichkeiten abzusteigen, was zumindest dieses Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit vermuten liess: http://www.hikr.org/gallery/photo2258374.html?post_id=115641#1
Der Grat entpuppte sich als weniger ausgesetzt wie erwartet. Links geht's zwar senkrecht s'Loch ab, aber die SO-Flanke wirkte beruhigend steil und war weniger wie diese Ansicht vom Vortag andeutete: http://www.hikr.org/gallery/photo2258418.html?post_id=115641#1

Die Schwierigkeiten bewegen sich im T4-T6 Bereich, wobei oft eine gewünschte Schwierigkeit mit einer entsprechenden Routenwahl gewählt werden kann, da meist beliebig weit in die Flanke ausgewichen werden kann. Wer sich durchgehend an der Gratkante versucht fortzubewegen, muss mit Schwierigkeiten T6 / III rechnen.
Der Fels besteht wie so oft im ganzen Tramuntanagebiet aus karstigem, gutgriffigem Kalkgestein, dem ich mit der Zeit ziemlich viel Vertrauen schenken lernte. Man rutscht so gut wie nie ab und der Fels bricht sehr selten, wenn überhaupt.
Der Grat zieht sich eine gefühlte Ewigkeit, was ihn mir natürlich umso paradiesischer erscheinen liess. Ich dachte nicht daran den Grat zu verlassen und nach einem der möglichen Abstiegsvarianten Ausschau zu halten, ging immer der scharfen Kante folgend weiter. Als sich der Gebirgszug dem Ende zu neigte war bereits später Nachmittag und ich entschied mich für eine vorzeitige Wegsuche in Richtung Cala Boquer ohne bis zum nördlichsten Punkt Punta de la Salada vorzudringen. Mit ein wenig Glück findet man den mit Steinmandli gekennzeichneten Weg problemlos.

Ausrüstungstipps: Für die Kletterpartien empfehlen sich Handschuhe, wer keine blutigen Finger durch die scharfkantigen Felsformationen mag. Aus dem gleichen Grund und zusätzlich dank der starken Sonne, empfehle ich auch lange Hosen und Shirt. Ich möchte nicht wissen, wie heiss es dort oben im Sommer ist, also auch genügend Wasser mitnehmen. Ich habe bis zur letzten Passage im unteren Bereich des Weges vom Punta da Salada bis zur Cala Boquer keine Trinkmöglichkeiten gesehen. Dort befand sich aber ein kleines Bächchen, das die Wand herunterlief. Ich konnte es fast nicht glauben, dass das Wasser wie Süsswasser schmeckte und eine Quelle zu sein scheint. Wer weiss, ob davon im Sommer durch die Hitze überhaupt etwas übrig bleibt.
Bedingungen: Speziell würde ich bei der Gratüberschreitung der Serra del Cavall Bernat darauf achten, dass bei einer konsequenten Gratbegehung der Wind nicht allzu stark ist, da ein Fall in die SW-Wand durch eine starke Böe mit Sicherheit tödlich wäre. Ich hatte Glück, da sich der Wind im Verlauf vom Tag gelegt hatte, obwohl er mir am Morgen noch Sorgen bereitete. 

Fazit: Rückblickend würde ich den Grat der Serra del Punta weglassen, da dieser im Vergleich zur langen, ergiebigen Grattour der Serra del Cavall Bernat wenig lohnend ist. Ich hatte mir die Gratwanderung beider Serras in einem Zug mächtiger vorgestellt und würde die Serra de la Punta nicht wieder begehen oder weiterempfehlen. Ganz im Gegensatz zum abwechslungsreichen, abenteuerlichen, maritim geprägten Küstengrat der Serra del Cavall Bernat! Wir Schweizer sind ja mit Sicherheit auch (Berg-) verwöhnt, aber solche Grate vor der Haustür zu haben, macht ein bergverliebten Zürcher schon ein wenig neidisch..

http://connect.garmin.com/modern/activity/1465626555
Die Zeit ist inklusive mehrerer Pausen. Da die benötigte Zeit sehr individuell ist auf Grund unterschiedlichen Zielen und Umständen einer Tour, verzichte ich generell auf detaillierte Zeitangaben. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit auf dem Grat ist auch sehr individuell und es empfiehlt sich genügend Zeit für die Überschreitung einzuplanen.

Tourengänger: ZuRiQuOi


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