Im Bündnerland darf das Wild nun auch in den Wildschutzzonen geschossen werden.


Publiziert von kopfsalat, 2. Juli 2015 um 17:58. Diese Seite wurde 1083 mal angezeigt.

[www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/bvfd/ajf/aktuelles/jag...]

"Erneut zu hoher Hirschbestand
 
Die Ursache für den Populationsanstieg trotz weitgehend erfüllten Abschussplänen liegt bei den geringen Fallwildverlusten im Winter und einer erhöhten Reproduktionsrate.
 
In sechs Regionen wird der geforderte Anteil weiblicher Tiere am Abschussplan auf 55 Prozent erhöht.
 
Um diesen Abschussplan zu erreichen, werden zusätzliche Abschüsse während der Hochjagd ermöglicht

Dabei wird die Bewirtschaftung der Wildschutzgebiete stark ausgebaut."


Herrlich, einfach herrlich. Es ist gekommen wie vorhergesagt, Wildschutzzonen sind nichts anderes als Winterställe für das Vieh der Jäger.

Der Euphemismus "Bewirtschaften" für "Töten" ist schlicht unterste Schublade und gehört in die braune Vergangenheit.

Wobei die Lösung so einfach wäre. Gäbe es weniger Wildschutzzonen, gäbe es mehr Störung durch den Menschen und somit automatisch weniger Reproduktion und mehr "Fallwild" *. Dies wiederum käme "leider" auch den Grossraubtieren zu Nutzen, da sie sich, im Gegensatz zum menschlichen Jäger auch mit Aas zufrieden geben.

Die einzigen leidtragenden wären ... die Jäger ! ! !

Vielleicht sollte man in Naturschutzkreisen mal zu einem Walk-In, Ski-In oder Snöb-In in Wildschutzzonen aufrufen - um die Natur zu schützen.

* Fallwild ist auch so ein Euphemismus, welcher darauf hindeutet, dass die Jagd ausschliesslich ein wirtschaftlicher Faktor ist. Als Fallwild werden nicht etwa nur Tiere bezeichnet, die einem Unfall zum Opfer fallen, sondern auch diejenigen, welche eines natürlichen (!) Todes sterben, dann sie sind dadurch für die Jagd nicht mehr nutzbar!

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Kommentare (17)


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Schneemann hat gesagt:
Gesendet am 2. Juli 2015 um 23:34
und sowas nennt man "Wildschutz"gebiet. Eine Spielwiese für die Tiermörder...

Gelöschter Kommentar

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 3. Juli 2015 um 09:36
du würdest ja eben keines natürlichen todes sterben und somit nicht als fallwild enden, sondern in einer heimeligen arvenstube als trophäe an der wand prangen.

Alpin_Rise hat gesagt: Wildruhezonen/Schutzgebiete schützen NICHT vor der Jagd!
Gesendet am 7. Juli 2015 um 11:12
Was ist denn nun los? Ist der Hirschbestand zu hoch, der Jägerbestand zu tief, sind die Hirsche zu geschickt oder die Jäger schlicht unfähig? Oder alles zusammen? Und wer bestimmt die optimale Hirsch/Jäger Zahl? Und wer die "Schutz"gebiete? Und wer hebt sie wieder auf?

Halali! in den Schutzgebieten und
G, Rise

Was vielen leider nicht bekannt ist: Wildruhezonen und Wildschutzgebiete schützen das Wild eben NICHT vor der Jagd! Sie schützen es nur vor "Störung" durch den Freizeitbetrieb, als ob die Jagd keine Freizeitbeschäftigung oder Störung wäre...

Zitat Wildruhezonen.ch

"Keine Jagd zu Ruhezeiten
Wildruhezonen sind keine zusätzlichen Jagdbanngebiete. Auch in den Wildruhezonen ist die jagdliche Regulierung der Wildbestände nötig. Dabei ist es wichtig, die Bestimmungen des Jagdbetriebs und diejenigen der Wildruhe sorgfältig aufeinander abzustimmen. Insbesondere soll die Jagd nur zu Zeiten ausgeübt werden, in denen kein Ruhegebot gilt.
Schlussendlich kommt es aber auch auf jeden einzelnen Jäger an. Sein rücksichts­volles Verhalten ist nötig, damit die Wildtiere während dem Jagdbetrieb nicht übermässig gestört werden."

Alles klar?




Polder hat gesagt: RE:Wildruhezonen/Schutzgebiete schützen NICHT vor der Jagd!
Gesendet am 7. Juli 2015 um 15:12
Hahaha - das letzte ist das beste - eine ganz innovative Sicht auf den Terminus "Rücksichtnahme": Die Tiere dürfen zwar abgeschossen werden, sollen dabei aber durch den rücksichtsvollen Jäger nicht übermässig gestört werden.

Tststs - diese Wildhegepflegeruhezonenschutzabschuss-Bürokratie....

PStraub hat gesagt: Jagd: Glauben vs. Fakten
Gesendet am 8. Juli 2015 um 09:15
Vorab eine Personalie: Weder ich noch irgend jemand aus meinem persönlichen Umfeld hatten jemals ein Jagdpatent. Die einzigen Schüsse, die ich - zwangsweise - abgegeben habe, waren in einem Umfeld, das zwischen Fasnacht und Irrenanstalt anzusiedeln war.

Und eine Begriffsfestlegung: "Wildschutzzonen" gibt es nicht.
Es gibt Jagdbanngebiete, die sind permanent und gegen die Jäger gerichtet; und Wildruhezonen, die sind zeitlich limitiert und richten sich gegen Sportler.

Und nun zur Sache:
Jagd ist bei vielen Personen, vorwiegend Städtern, emotional stark besetzt. Und wie so oft, wird Überzeugung zur Ideologie - faktenfrei und immun gegen Argumente.

Für uns, die in den Bergen wohnen, ist Wald nicht (nur) ein Erholungsgebiet für Touristen, für uns hat er vor allem eine Schutzfunktion. Je nach Region sind 50 bis 100 % der Fläche in einer der Schutzkategorien.
In einem Schutzwald ist es halt schon von Bedeutung, dass die natürliche Verjüngung funktioniert. Und das ist in Wäldern, in denen (zu) viel Wild steht, oft nicht der Fall. Wenn Nahrung knapp ist, hilft selbst das Bestreichen der jungen Triebe mit Chemikalien nicht gegen Verbiss - mittelfristig wird der Wald zunehmend schwächer.
Und es schleckt keine Geiss weg: Die Wilddichte von heute gab es noch nie.

Nun wäre es schön, wenn Grossraubtiere Abhilfe schaffen würden. Nur, der Luchs besetzt riesige Territorien, in welchen er als Jäger gar nicht zu spüren ist. Und der Bär taugt nichts als Jäger. Bliebe der Wolf. Doch solange ihm unbehirtete Schafe à discretion zur Verfügung stehen, jagt er nicht wehrhafte Hirsche.
Grossraubtiere als Bestandesregulierung, leider nicht mehr als eine Sesselpupser-Idee.

Also bleibt die Regulierung durch Bejagung. Ob durch Jäger oder, wie in Genf (das die Jagd abgeschafft hat) durch Wildhüter, macht nur für den Steuerzahler einen Unterschied.

Nun zur Vorstellung "Jäger als blutrünstige Bestie".
Jagd bei uns ist Patentjagd: Wer die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt, darf im Herbst zwei Wochen auf die Jagd. Das sind jeweils rund 500 Personen. Jeder Jäger darf bis 4 Gemsen, 3 Murmeltiere und beliebig viele Rothirsche, Füchse und Wildschweine schiessen.
Würde da wild drauflosgeballert, gäbe es eindrückliches Blutbad. Tatsächlich werden die von der Verwaltung vorgegebenen "Jagdziele", für 2015 zB. 220 Hirsche, nie auch nur ansatzweise erreicht.
Das ist der Grund, warum es Nachjagden braucht. Und zur Entlastung der Jagdbann-Wälder dort (für ganze 2 x 2 Tage) ebenfalls gejagt werden darf.

Und noch zum "Wildschutzzonen sind Winterställe für das Vieh der Jäger."
Wie oben erwähnt, brauchen die Jäger diese "Winterställe" nicht - es dürfte, ja müsste weit mehr geschossen werden, als tatsächlich wird.
Bei uns zumindest ist das Gegenteil der Fall: Weil sich gerade die Vertreter der Jägerschaft in den Fachgremien klar gegen die wahnwitzigen Vorschläge des Jagdverwalters gewehrt hatten, gibt es hier bisher keine rechtsgültigen Wildruhezonen.

Wer ernsthaft etwas gegen Wildruhezonen unternehmen will, müsste genau diesen Punkt aufnehmen.
In der "Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel" (Jagdverordnung, JSV, Art.4bis) heisst es: "Soweit es für den ausreichenden Schutz der wildlebenden Säugetiere und Vögel vor Störung durch Freizeitaktivitäten und Tourismus erforderlich ist .."
Wenn endlich einer (SAC??) damit bis vor Bundesgericht geht, wären Schlag auf Fall alle bisherigen Wildruhezonen rechtswidrig.
Denn keine Jagdverwaltung wird plausibel machen können, dass Wild speziellen Schutz braucht, das wenige Tage vorher noch in Sonderjagden dezimiert werden musste.

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:Jagd: Glauben vs. Fakten
Gesendet am 8. Juli 2015 um 22:42
... und auf welchem Mist ist wohl die (vor kurzem zum wiederholten Mal massiv zu Gunsten der Jäger und zu Ungunsten der Natur gelockerte) Jagdverordnung gewachsen? Ganz sicher nicht auf dem der Naturschützer, SACler, Freizeitsportler und Touristen.

Seitdem die CVP(-Bundesrätin) über das BAFU gebietet, hat die Jagdlobby quasi frei Hand, ihre Interessen durchzusetzen. Eine Namensänderung zu BAGU (BundesAmt Gegen Umwelt) ist schon lange überfällig.

NB: Macht man eine Vollkostenrechnung inklusive all der von der Allgemeinheit zu (er)tragenden Einschränkungen und externen Kosten (z.B. Kosten für Jagdunfälle), ist die Jagd für den Steuerzahler einiges teurer, als eine professionelle Wildhut, wie z.B. im Kanton Genf.

Jäger verletzt Mann lebensgefährlich, weil er ihn für ein Wildschwein hielt: "Der Unfall ereignete sich, als die Treibjagd eigentlich beendet war. Als der Jäger ein Geräusch hörte, lud er sein Gewehr nochmals und zielte auf eine schwarze Masse im Maisfeld." usw. usf.

Schneemann hat gesagt: RE:Jagd: Glauben vs. Fakten
Gesendet am 9. Juli 2015 um 21:56
"Jagd ist bei vielen Personen, vorwiegend Städtern, emotional stark besetzt. Und wie so oft, wird Überzeugung zur Ideologie - faktenfrei und immun gegen Argumente."

Es gibt keine Argument PRO Jagd. Das ist das Problem. Und das hat weder was mit Städtern noch Emotionen zu tun. Jagd ist Tradition, Freizeit und Erlebnis. Das mag so manchem reichen als Begründung, da kann man drüber diskutieren. Aber diese Versuche Jagd irgendwie rational zu rechtfertigen, also zum Schutz des Waldes, Schutz vor Naturgefahren, Ersatz von fehlenden Raubtieren, etc., entbehrt einach jeglicher Argumente.

"Also bleibt die Regulierung durch Bejagung. Ob durch Jäger oder, wie in Genf (das die Jagd abgeschafft hat) durch Wildhüter, macht nur für den Steuerzahler einen Unterschied."

Ersteres stimmt nicht. Es gibt sehr viele regulierende Faktoren, neben den Räubern. Beispielsweise füttern viele Jäger gar das WIld durch den Winter. Man züchtet sich sozusagen das Wild heran, welches man dann zum Vergnügen abknallen kann.

Zweiteres überzeugt mich auch nicht. Es gibt Unterschiede ob Profis oder Laien das Wild erlegen. Und zwar in Hinsicht darauf wie gejagt wird und wie mit den Tieren umgegangen ist. Das ist bei weitem nicht nur eine monetäre Frage. Ich seh auch Unterschiede darin ob Metzger Tiere töten oder ob das jeder Zuhause macht, nach Lust und Laune.

silberhorn Pro hat gesagt:
Gesendet am 8. Juli 2015 um 23:04
PStraub für den Abschnitt "Grossraubtiere" herzlichen Dank!!! :-).

Gruess, maria

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 8. Juli 2015 um 23:25
Raubtiere/Prädatoren (weder tierische noch menschliche) regulieren die Bestände generell nicht. Das ist einer der Hauptdenkfehler im ganzen Hirsch-Management.

Die Grösse einer Population richtet sich vorallem nach Nahrungsangebot und Habitat. Natürliche Raubtiere sind "einzig" ein sehr wichtiger qualitativer Faktor, menschliche leider überhaupt nicht.

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. Juli 2015 um 06:38
Hier noch ein link zu einem Vortrag (auf Deutsch) des Genfer inspecteur de la faune et de la pêche (DGNP): /www.youtube.com/watch?t=12&v=5s92OpvxGk0

Sehr interessant. Auch für Jäger.

Alpin_Rise hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2015 um 11:39
Schon mal was von der Räuber-Beute-Beziehung gehört? Besonders interessant die zyklischen Schwankungen. Diese möchte man mit dem Jagdmanagement unterbinden, in dem ein "Maximalbestand" nicht überschritten werden sollte.
Also reguliert der Menschliche Prädator die Population doch wesentlich, indem etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Hirsche (Bsp. GR) geschossen werden.

Ausserdem dürfte die Anwesenheit von Prädatoren / Menschlichen Störungen die Reproduktion behindern.
Sprich: je "gestörter" die Hirsche sind und je mehr Prädatoren da sind, desto weniger Hirsche.

G, Rise

Schneemann hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2015 um 19:15
Sehe ich ähnlich. Allerdings ist zu bestreiten, dass der Bestand der natürlichen Raubtiere, den Bestand der Beute-Tiere reguliert. Vielmehr ist die Kausalität wohl umgekehrt - der Bestand der Beute-Tiere reguliert den Bestand an Räubern....

Wer also argumentiert man bräuche die Jäger, um die natürlichen Räuber zu ersetzen, der lügt sich einen in die Hand.

http://www.wildtierschutz-deutschland.de/2014/12/mehr-wolfe-weniger-rehe.html

silberhorn Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 13. Juli 2015 um 20:27
"Allerdings ist zu bestreiten, dass der Bestand der natürlichen Raubtiere, den der Beutetiere reguliert." ...

Ich denke, kommt drauf an wie hoch der Bestand der Raubtiere in einem Land sein darf. Da er in der Schweiz unter dem Minimum einer überlebensfähigen Population liegt ist eine Regulation unmöglich.

Eine Anmerkung zum künstlichen Wolf versus Schaf Problem: Im Yellowstone - Nationalpark legen Wölfe zur Futtersuche unfreiwillig bis zu 50Km zurück, wenn sie in näherer Umgebung nichts fressbares finden (oder zur Neubildung von Rudel). Aus langjährigen Beobachtungen ist bekannt, dass im naheliegendes Futter viel mehr behagt. Bei uns also Schafe. Eine meiner Überlegungen ist wenn, nebst bekannten Massnahmen, Kadaver liegen gelassen werden dürfte weniger Schafverluste zu beklagen wären.

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 20. Juli 2015 um 21:32
> der Bestand der Beute-Tiere reguliert den Bestand an Räubern....

genau so ist es. und der bestand der beute-tiere wird wiederum durch deren nahrungsangebot "reguliert".

solang hirsche also (mehr als) genug zu fressen haben (z.b. durch zu- und winterfütterungen), vermehren sie sich eben auch entsprechend.

wobei man klar sehen muss, dass das problem nicht in der schweiz alleine gelöst werden kann. solange v.a. in österreich künstlich (z.b. mit winterfütterungen) unnatürlich grosse hirschbestände "herangezüchtet" werden, ist es unvermeidbar, dass sich die populationen entsprechend ausdehnen. landesgrenzen sind eine rein menschliche erfindung.

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:
Gesendet am 25. Juli 2015 um 22:47
> Also reguliert der Menschliche Prädator die Population doch wesentlich, indem etwa ein Viertel bis ein Drittel aller Hirsche (Bsp. GR) geschossen werden.

Der menschliche Hobby-Jäger kann eine Tierart willkürlich dezimieren oder (innert kürzester Zeit) gar ganz ausrotten (darin ist er einsame Spitze im Tierreich) aber regulieren im Sinne des Erhalts eines "natürlichen" Bestandes kann er nicht.

Ziel dieser Sonderjagden ist in erster Linie der Jagderfolg. Natur- oder Kulturenschutz dienen einzig als Feigenblatt, um das Verständnis der Bevölkerung zu erschleichen:

"Die Sonderjagd ist als Ergänzung organisiert. Sie konkurrenziert die traditionelle Hochjagd nicht, sondern garantiert dieser gar nachhaltig hohe Jagderfolge."


Alpin_Rise hat gesagt: "subtile Bewirtschaftung" der Wildschutzgebiete
Gesendet am 13. Juli 2015 um 11:44
Aus diesem Text der Kantonsverwaltung Graubünden ein Zitat, das geradezu absurd anmutet:

"Wildschutzgebiete werden im Sinne des Antrages des Bündner Kantonalen Patentjäger-Verbandes (BKPJV) subtiler bewirtschaftet, indem dort gezielt Störaktionen und Einzelabschüsse vorgenommen sowie einzelne Wildschutzgebiete partiell geöffnet werden."

"Gezielte" Störaktionen im Wildschutzgebiet? "subtile Bewirtschaftung"?

Klar, so lange es der Jagd dient, dürfen die Tiere gestört und geschossen werden. Im Schutzgebiet. Halali!

G, Rise


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