Massive Preiserhöhung bei der Kletterzentrum Gaswerk AG


Publiziert von whannes, 15. Mai 2011 um 15:35. Diese Seite wurde 1058 mal angezeigt.

Preiserhöhungen sind nie etwas Schönes, doch manchmal sind sie unumgänglich. Was sich aber die führende Anbieterin von Indoor-Kletteranlagen in der Schweiz per 1. Juli 2011 erlaubt, liegt eher über der Schmerzgrenze: Mit einem Schlag werden praktisch alle Ermässigungen und Rabatte gestrichen und damit die Preise von einzelnen Jahresabos fast verdoppelt. Unweigerlich kommt da der Verdacht auf, dass hier eine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt wird.

Die Kundenmitteilung, welche am 14.5.2011 per Mail verschickt wurde, erscheint auf den ersten Blick gar nicht so dramatisch. So ist dort nur von geringfügigen Anpassungen beim Jahresabo für Erwachsene sowie dem Entfallen gewisser Vergünstigungen die Rede.

Vergleicht man aber die neuen Preise etwas genauer mit den bisherigen (Abbildung 1), so scheint es viel eher, als würden die meisten Vergünstigungen bei den Abonnementen gestrichen. Die Angebote für Kinder und Jugendliche werden im Preis um 200 bis 260.-- erhöht, was annähernd einer Verdoppelung des Preises gleichkommt. Aber auch Studenten, welche nicht Mitglied in einer der Zürcher SAC Sektionen Uto, Manegg oder Hörnli sind, müssen nun 205.-- mehr hinblättern, ein Zuschlag von fast 30%.

Konnte man früher beim Kauf eines Jahresabonnements noch mit einem Gutschein für den betriebseigenen Klettershop rechnen, so wurde auch diese Leistung ersatzlos gestrichen. Im Schnitt steigen die Preise der Abos damit um 150.-- (+37%) respektive um 210.-- (+47%), wenn der Wegfall der Gutscheine berücksichtigt wird.



ABBILDUNG 1: PREISERHÖHUNGEN DER EINZELNEN KATEGORIEN IM DETAIL. BESONDERS FÜR KINDER, JUGENDLICHE UND STUDENTEN ERFOLGT EIN HAPPIGER AUFSCHLAG.

Der Hauptgrund für die grosse Steigerung der Preise in einzelnen Kategorien liegt in der Anwendung eines erheblich reduzierten Rabattmodells. Bei diesem wird vom Basispreis 1099.-- der Erwachsenen für Studenten nur noch ein Rabatt von 15% gewährt (gegenüber 30% vorher), bei Kindern sind es 50% (gegenüber mindestens 70% vorher). Die Beträge fallen für SAC-Mitglieder zwar noch etwas geringer aus, aber nur wenn man Mitglied in einer der drei oben genannten Sektionen ist.





ABBILDUNG 2: DIE DIFFERENZ ZU DEN VORHERIGEN PREISEN SOWIE DIE PROZENTUALEN AUFSCHLÄGE.

Als Fazit (Siehe Abbildung 2) kann deshalb herausgehoben werden, dass die Aufschläge vor allem die finanziell schwächste Klientel, namentlich Schüler, Lehrlinge, Studenten sowie Kinder und Jugendliche betreffen. Es kommt fast zwangsläufig der Verdacht auf, dass die Kletterzentrum Gaswerk AG hier einmal mehr Ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzt, über die sie zweifelsohne verfügt.

Unter der Betrachtung dieser Zahlenwerte tönt es darum auch recht unglaubwürdig, wenn in der Kundenmitteilung davon gesprochen wird, dass diese Preisanpassungen nicht der Gewinnmaximierung dienen würden. Schliesslich funktionierten die Anlagen in den letzten Jahren bestens, und man kann ja kaum davon ausgehen, dass jeweils Jahr für Jahr nur Verluste erwirtschaftet wurden.

Was bleibt da anders übrig, als zu hoffen, dass vielleicht im Grossraum Zürich mal ein echter Konkurrenzbetreiber aufkommen würde? Bis dahin lohnt es sich aber auf jeden Fall für alle Abonnementskäufer, einer der drei SAC-Sektionen beizutreten; bei einer Zweitmitgliedschaft entfällt dabei der Beitrag an den Zentralverband (momentan 65-- für Erwachsene).

(Bericht als PDF)


Quellen:
http://gaswerk.kletterzentrum.com/PageNavHandler.php?mid=11
http://gaswerk.kletterzentrum.com/Downloads/110515_Kundeninformation.pdf
http://gaswerk.kletterzentrum.com/Downloads/Preisliste2011.pdf



Kommentare (14)


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mardom hat gesagt: MwSt
Gesendet am 15. Mai 2011 um 16:55
Ich gebe dir Recht, dass das Kletterzentrum sehr happige Preise hat, jedoch hast du bei deinen Auswertungen nicht berücksichtig, dass der Mehrwertsteuersatz von 7.6% auf 8% gestiegen ist. Die Zahlen müssten korrekterweise Netto verglichen werden.

whannes hat gesagt: RE:MwSt
Gesendet am 16. Mai 2011 um 11:03
Gut, dann kannst du beim 1099.-- noch 4.40 von der Differenz abziehen, das macht dann auch nicht wirklich etwas was ;-) Aber du hast natürlich recht !

Kris hat gesagt: Ökonomischer Standpunkt
Gesendet am 15. Mai 2011 um 17:57
"Unweigerlich kommt da der Verdacht auf, dass hier eine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt wird."

Genau deswegen möchte man Marktführer sein, um diesbezüglich den Preis bestimmen zu können - ökonomisch gesehen also eine nachvollziehbare Sache. Für den einzelnen Kunden natürlich eine gehörige Ohrfeige - aber jedes Unternehmen strebt nach Gewinnmaximierung und die Betreiberfirma wird schon durchgerechnet haben inwiefern jetzt Kunden massenhaft abspringen werden und ob sich dies durch die höheren Gebühren für die verbleibenden Nutzer amortisiert.

Mel hat gesagt:
Gesendet am 15. Mai 2011 um 18:31
immerhin gewährt diese kletterhalle noch SAC-rabatt... im magnet niederwangen beispielsweise gibt es das nicht. finde es schade, dass so eine grosse sektion wie bern da kein "abkommen" mit denen machen kann :-(

whannes hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. Mai 2011 um 11:06
Aber jetzt nur noch für SAC Manegg, Hörnli und Uto. D.h. die werden jetzt ev. einen gewissen Mitglieder-Zuwachs haben, unter dem Strich lohnt sich ein Beitritt in allen Fällen ;-)

(Hörnli ist am günstigsten, ohne ZV-Beitrag ca. 50.--)

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 15. Mai 2011 um 20:09
schick doch mal ein mail an den den eidg. preisüberwacher

"Bitte verwenden Sie dieses Formular, wenn Sie vermuten, dass die Beibehaltung oder Erhöhung des Preises eines Produkts oder einer Dienstleistung missbräuchlich sei.

Hinweis: Der Preisüberwacher ist generell dort für eine Preisbeurteilung zuständig, wo sich die Preise nicht im freien Wettbewerb gebildet haben, sondern durch eine marktbeherrschende Unternehmung, ein Kartell oder den Staat festgesetzt worden sind. Nähere Angaben zum Anwendungsbereich des Preisüberwachungsgesetzes finden Sie hier."

oder
- k-tipp
- beobachte

Alpin_Rise hat gesagt: RE:
Gesendet am 16. Mai 2011 um 11:52
Ich glaube nicht, dass diese Preiserhöhung "missbräuchlich" zu nennen ist. Es hat jeder die Wahl, ob er nun Indoor klettern will oder nicht, ob er dies in Lenzburg, Schaffhausen oder Schlieren tun will.
Ein Skigebiet hat lokal auch ein Monopol, deswegen ist es noch lange nicht "marktbeherrschend".

Geschicktes Marketing ist jedoch anders, nämlich eine Preiserhöhung nur mit Angebotserweiterung - sei sie auch nur klein - zu verbinden.
G, Rise

Aendu hat gesagt: Krass!
Gesendet am 16. Mai 2011 um 08:03
Im Magnet (Niederwangen) gab es bei der letzten Preiserhöhung auch einen Aufschrei. Doch dieser war nur von kurzer Dauer. Die Leute kommen trotzdem, die Schmerzgrenze ist anscheinend noch lange nicht erreicht. Eine spannende Frage wäre: Wo liegt diese "Schmerzgrenze"?

kopfsalat Pro hat gesagt: RE:Krass!
Gesendet am 16. Mai 2011 um 08:58
> Wo liegt diese "Schmerzgrenze"?

indoor-outdoor ist eben ein mode-sport geworden. man ist fast wie ueli steck, nur eben gut geschützt vor steinschlag, dreck, schnee und eis und in 5 minuten wieder zurück im büro.

whannes hat gesagt: RE:Krass!
Gesendet am 16. Mai 2011 um 11:02
Genau diese "Schmerzgrenze", das ist ja das Problem. Die können verlangen was sie wollen, es gibt ja in der Region ZH nun wirklich kaum eine Alternative. Wenn ich jetzt noch Studi wäre (+205.--), würde ich mich ganz besonders nerven, für Erwachsene ist die Preiserhöhung ja "nur 50.--".

D.h. man klettert dann halt trotzdem über der Schmerzgrenze, weil die Alternative wäre, aufs Klettern zu verzichten oder den Wohn/Arbeitsort zu wechseln oder einen sehr lange Anfahrt (mit dem Auto natürlich) in Kauf zu nehmen.

Aendu hat gesagt: RE:Krass!
Gesendet am 16. Mai 2011 um 13:11
Also ehrlich gesagt: Wenn die Leute soviel BEZAHLEN WOLLEN, kann ich die Preispolitik verstehen. Warum sollten die Preise gedrückt werden? Die Leute kommen ja so oder so!!!

Ich persönlich finde es natürlich auch daneben, aber trotzdem gönne ich mir ab und zu diesen "Luxus". Äs fägt haut glich...

Alpin_Rise hat gesagt: Verhältnismässig?
Gesendet am 16. Mai 2011 um 11:21
Welcome to Zurich: es gibt immer jemanden, der dir für eine fragwürdige Leistung fast einen beliebigen Preis bezahlt, siehe Wohnungsmarkt und Bahnhofstrasse.

Der Kletterhallen-"Markt" hat sich grundlegend verändert. Als ich 1996 zum ersten Mal in einer Kletterhalle war, waren die "Betriebe" noch meist von Idealisten geleitet, man kannte sich, konnte auch mal was schrauben oder verändern... für etwa 10.- pro Tag. Klar war die "Qualität" nicht die selbe und auch die Grössenverhältnisse.
Das Gaswerk war die erste "professionelle" Halle, weswegen ich mich dort auch nie so richtig wohl gefühlt habe; auch wegen den hohen Preisen war ich bestimmt 5 Jahre nicht mehr dort.


34.- für einen Einzeleintritt, hallo!? Für zweimal Training am Plastik mache ich lieber zwei Klettertage auf einer SAC Hütte, inkl. freundlichem Service und zwei Mahlzeiten, da ist mein Geld am besseren Ort!
Und bei 1049 Fr. pro Jahr müsste ich etwa 80 Mal in die Halle gehen, um auf einen akzeptablen Preis zu kommen...

G, Rise

Aendu hat gesagt: RE:Verhältnismässig?
Gesendet am 16. Mai 2011 um 13:14
Solche Preise gibt es bei uns (Magnet, Thun, Interlaken, Meiringen...) zum Glück noch nicht.

Aber die Leute bezahlen es anscheinend...

maex hat gesagt: gaswerk im social media?!
Gesendet am 17. Mai 2011 um 09:30
Das ist ein Thema im facebook und/oder twitter - da kann man gas geben und zeigen, dass der sog. "verbraucher" (?) oder konsument auch power hat. eine anti-kampagne mit langstrecken-kondition würde bei dem gaswerk-management schon was bewirken. und noch eins: die gaswerk-oberen sollen sich nicht so sicher fühlen als platzhirsche und marktdominatoren - es braut sich nämlich etwas zusammen - eine konkurrenz (und zwar nicht so luftschlösser wie früher schon mal...)


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