Eagle's Folly - Tradklettern in Montagu


Published by alpinos , 3 January 2015, 18h22.

Region: World » South Africa
Date of the hike:16 November 2014
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Climbing grading: V+ (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: ZA 
Time: 7:00
Access to start point:Von Kapstadt über Paarl, Worcester, Robertson nach Montagu
Accommodation:De Bos Guestfarm in Montagu - DIE Unterkunft für Kletterer. Zeltpätze, Massenlager oder auch Cottages.

Auf den Spuren südafrikanischer Kletterpioniere

[Tour AlpinosF mit Sam]

Die Felsen um Montagu - ein verschlafenes Dorf ca. 2 Std. nordöstlich von Kapstadt - gelten gemeinhin als Sportkletter-Mekka in der westlichen Kapregion. Als die ersten Kletterer in die Sandstein-Wände einstiegen, waren Bohrhaken und -maschine jedoch noch in weiter Ferne. Die erste Route wurde 1971 von Mitgliedern des Mountain & Ski Club der University of Cape Town im traditionellen, cleanen Stil begangen.

Während in den umliegenden Wänden inzwischen um die 3000 hervorragend abgesicherten Ein- und Mehrseiltouren erschlossen und eingebohrt wurden (ein paar von denen haben wir vor einigen Jahren ausgetestet), hat man die 'Eagle's Folly' in ihrem ursprünglichen Zustand belassen. Die 'Eagle's Folly' - von den Erstbegehern nach einem jungen Adler benamst, der aufgeregt durch die Beine des Vorsteigers zu seinem ersten Flug startete - ist heute ein Klassiker und wird kaum mehr begangen. Dementsprechend involvieren Zu- und Abstieg 'bundu bashing' bis die Beine bluten. Generell lässt es sich in der Kapregion aufgrund der hier weit verbreiteten Vegetationsform des Fynbos kaum vermeiden, eine Wander- oder Klettertour mit intakter Haut an den Unterschenkeln zu beenden. Lange Hosen schaffen etwas Abhilfe, die kleinen Dornen und spitzen Äste lassen sich oftmals von etwas Stoff jedoch nicht bremsen. Mit Sam hatte ich einen ortskundigen Kletterpartner, der die Route bereit von einer früheren Begehung kannte und und uns mit einem schnellen und souveränen Vorstieg erlaubte, rechtzeitig zu Tee und Keksen wieder auf dem Campingplatz zu sein. 

Die Sonne, die sonst zu dieser Jahreszeit meistens gnadenlos in der halbwüstenartige Region von Montagu vom Himmel brennt, war heute gnädig mit uns. Das ganze Wochenende war eher durchzogen und kühl, was uns beim klettern sehr entgegen kam. 'Eagle's Folly' folgt der prominenten Kante auf den Nebengipfel des Cogman's Buttress. Die Kante ist von der Strasse (R60) bereits zu erkennen und dient um Zustieg durch Gestrüpp und Geröll als Orientierungshilfe. Nach ca. 30 Minuten erreichen wir den Einsteig am Fuss der Kante und starten sogleich in die erste Seillänge.  

1. SL: Gemütlicher Beginn nach links an einem Überhang vorbei und rechts haltend über eine mit lauter kleinen chickenheads durchsetzte Platte zum ersten Stand. 

2. SL: Diagonal nach links über eine recht grasdurchsetzte Platte.

3. SL: Jetzt geht's los: Mit Hilfe von zwei recht athletischen Zügen durch eine Art Mini-Kamin und dann nach links zu einem ca. 10 m langen Piaz-Verschneidung. 

4. SL: Kurze Verschnaufpause entlang der Kante.

5. SL: Ein paar Einstiegsmeter führen an den Fuss einer weitere Verschneidung, die durch ein Dach abgeschlossen wird. Hier  bald nach links an die luftige Kante und dieser folgen um das Dach zu umgehen. 

6. SL: Der Fels ändern nun von gelb-rötlich nach fast weiss. Vom bequemen Stand nach rechts und mit Hilfe eines Fingerrisses auf einen Absatz. Durch ein Vegetationsband zum nächsten Risssystem, das eher links angegangen wird. Dann ist noch ein etwas abdrängender Block zu überwinden, bevor sich das Gelände zurücklegt und den Blick auf den Gipfel freigibt. Dieser wird in einfacher Kraxelei erreicht. 

Die Route folgt die meiste Zeit der Kante, weicht an einigen Stellen nach links aus. Der Fels entlang der Kletterei ist kompakt und griffig, links und rechts der Route aber teilweise etwas brüchig. Die Schwierigkeit ist mit 16 in der südafrikanischen Skala angegeben (SL 3 & 5, Rest etwas leichter), dies entspricht in etwa 5+ UIAA. Die Seillängen sind alle ca. 50m, wir waren mit 60m-Halbseilen unterwegs. Ein vollständiges Trad-Rack ist nötig, mit Schlingen lässt sich nicht viel ausrichten. 

Abstieg: Der Gipfel ist tatsächlich erst die halbe Miete. Auf dem Topo ist der Abstieg zurück zum Einsteig eingezeichnet. Zunächst folgt man dem Nordgrat über blockiges Gelände und weicht dann in die üppige Vegetation der Westflanke aus. Wegspuren finden sich keine. Nach ca. 30 Min erreicht man eine Einsattelung, von der aus man nach links zum Einsteig absteigen kann. Wir wollten jedoch über die Abseilpiste am Cogman's Butress abseilen und folgten weiter dem Grat. Das Finden der Abseilanker gestaltete sich trotz Ortskenntnis meines Begleiters als schwierig, viele scheinbare Wegspuren sorgten für Verwirrung. Ist man mit dem Gelände hier nicht 'von unten', also von den Kletterrouten am Cogman's Butress vertraut, ist der Abstieg zum Einstieg der Kletterei vorzuziehen. Nach etwas Suchen hatten wir den ersten Anker dann gefunden und in rasanter Abseilfahrt ging es nach unten. Ein recht guter Fussweg führt nun in ca. 15 Minuten zur Strasse. 

Danke Sam für die Tourenidee und den souveränen Vorstieg, war ein toller Tag!

Hike partners: alpinos


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