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Russland Teil 3: Pik Semenov (4082m)


Published by Becks , 2 August 2012, 20h54.

Region: World » Russia » Kaukasus » Bezengi
Date of the hike:15 July 2012
Hiking grading: T4 - High-level Alpine hike
Mountaineering grading: F
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: RUS 
Time: 5:00
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:Camp Bezengi - tschechisches Biwak - Semonov - tsch. Biwak - Dschangi-Kosh Biwak

15. Juli 2012:
Erneut werden die dicken Rucksäcke gepackt, dieses mal sogar mit noch mehr Material. Am Ende wiegt mein Gregory 26kg, womit ich restlos ausgelastet bin. Kurz vor dem Start sehe ich von der Terasse aus das erste Militär in der Gegend, mache ein Bild und vergesse die Jungs wieder.
Wir starten, steigen vom Camp aus auf die Talsohle des Bezengi-Tals ab, gehen weitere 10 Minuten bis der grasige Boden den ersten Felsen weicht und treffen die Jungs wieder - Passkontrolle. Da man uns nicht mitgeteilt hat, dass wir alles dabei haben müssen liegt natürlich das Grenzpermit im Zimmer. Also Rucksack runter, im Schweinsgalopp zurück ins Camp und alles holen, was nur irgendwie gestempelt und offiziell aussieht. Als ich zurück kehre warten nur meine zwei Mitstreiter, den Russen ist es zu langweilig geworden, sie sind weiter. Bleibt also nur die Hoffnung, dass alles ok ist, denn irgendwie habe ich keine Lust, bei einem späteren Treffen 3 Stunden zurückzulaufen, weil doch noch etwas fehlt.
Wir folgen dem ausgetretenen Weg also weiter, bis dieser vom linken Gletscherrand auf die mittlere Moräne wechselt. Ab hier darf sich jeder seine Route suchen, denn es geht über der mit Schutt mehr oder weniger gepflasterten Gletscher. Nach 30 Minuten dann die nächste Kontrolle durch das Militär, und dieses mal bekommen wir grünes Licht und dürfen durch.
Irgendwann später taucht dann endlich so langsam die Abzweigung auf, wo wir vom Eis runter müssen. Bis dahin bietet zwar die Bezengi-Mauer einen umwerfenden Anblick, aber mit dem Gepäck im Rücken und der sengenden Sonne gibt es angenehmere Dinge als das Herumstolpern auf den Steinen.
Der Punkt, an dem man vom Eis runter muss ist einfach erkennbar. Nach 8km in südlicher Richtung knickt der Gletscher nach Osten ab, da südlich davon sich Bezengi-Mauer in den Weg stellt. Dort wo das Tal abknickt kommt ein Bach auf der linken Seite herunter. Der Übergang stellt sich als unproblematisch heraus, der Weg dahinter ist eindeutig erkennbar. Über einen steilen Schuttpfad geht es zum Bach, über diesen drüber und anschliessend weiter den Hang hoch, der sich weiter oben als die linke Seitenmoräne entpuppt. Der Aufstieg ist atemberaubend, er verläuft parallel zu einem spektakulären Eisbruch.
Auf knapp 3000m ist die Tour nach 6 Stunden für uns beendet. Während andere Gruppen durchmarschieren, bauen wir hier am sog. tschechischen Biwak unser Zelt auf. Passend zur niedrigen Frequentierung durch Bergsteiger wandert lediglich eine Mutterziege mit Nachwuchs um das Camp herum, was eigentlich verwunderlich ist. Der Platz ist gut gelegen, bietet über 20 Zelten Platz und verfügt über frisches Wasser in Form eines Bachs. Die Aussicht ist grandios, lediglich der Nebel, der gegen 17 Uhr die Sicht nimmt stört etwas. Nach dem Kochen geht es schon um 20 Uhr in den Schlafsack, da draussen immer noch alles neblig ist.
 

16. Juli 2012:
Um 4:30 Uhr ist Frühstückszeit, ich mache noch ein paar Nachtaufnahmen, dann geht es los in Richtung Pik Semenov (4082m). Zunächst einmal laut Bender 800m die Moräne entlang, dann einen Bach hoch bis zum Südgrat. Naja, die Daten sind wohl doch zu alt, der Bach ist nicht mehr da, also gehen wir die Route, die man uns im Bergführerbüro gezeigt hat und die auch im Guidebook steht. Weiter der Moräne entlang bis zu einem Einschnitt. Dort geht es dann über Geröll hoch bis zu einem Kessel. Unterwegs finden wir einen Pfad, der vom österreichischen Biwak rüberkommt und folgen den Wegspuren sowie einigen Steinmännchen aufwärts.
Im Kessel angelangt geht es nach links einen Hang hoch, wo wir bereits eine andere Gruppe beobachten können, die sich dort hochgräbt. Über allerfeinsten Schutt geht es steil rauf bis zum Südgrat am Semenov. Dann den Grat in Richtung Norden, einen grossen Turmaufbau rechts umgehend und wieder über Schuttrinnen zurück zum Grat. Letztendlich stehen wir dann vor dem Felsaufbau des Gipfels und wenden uns dort nach links, denn da kommt die andere Gruppe gerade her. Nach 200m, die wir am Übergang zw. dem Felsaufbau und dem Hang im Schnee zurücklegen sowie einem kurzen Stück ein aufwärts in einen Sattel hoch heisst es noch: "Steigeisen an für die letzten Meter". Der Firn ist noch hart, einen Abflug wollen wir nicht riskieren. Dann ist 4000er #2 erlegt, wir stehen auf dem Pik Semenov und können die Aussicht auf die gesamte Bezengi-Mauer geniessen.
Nach einem Gipfelschlaf in der Sonne geht es dann den gesamten Weg wieder runter, und die im Aufstieg nervige Schuttwand entpuppt sich als wahre Freude im Abstieg. Der Höhenmesser pendelt sich zwischen 50 und 55 Höhenmeter pro Minute ein und so stehen wir nach kurzer Zeit in einer Staubwolke wieder im Kessel. Der Rückweg zum Zelt verläuft unspannend, im Biwak legen wir uns erstmals für eine Stunde rein, denn die Sonne brennt dermassen stark dass wir uns freiwillig verkriechen.
Eine Suppe später verstauen wir alles und wandern wieder schwerbepackt weiter ins österreichische Biwak (bzw. neuer Name: Dschangi-Kosh) . Unterwegs auf der Seitenmoräne verliert zwar Martin die Sohle am anderen Schuh, dennoch erreichen wir das Camp ohne Probleme. Einfach die Moräne bis zum Schluss entlang in östliche Richtung, über Schutt 50Hm hoch, dann einen Felskopf queren und weitere 500m später steht man dort.
Das Camp ist gut besucht, rund um die dortige Schutzhütte verstreut stehen sicherlich 20 Zelte. Wasser gibt es an einem Bach, auch Ziegen hat es reichlich. Der Tag geht mit Ziegen, Vögel und einem Wiesel fotografieren herum, und da hier der Nebel nicht alles einhüllt können wir auch den Sonnenuntergang geniessen. Martin schnitzt in der Zwischenzeit am Schuh herum, klebt die Sohle und versetzt ein paar Spax vom ersten auf den zweiten Treter. Nach dem Abendessen dann geht es ins Bett, denn morgen wird es technisch etwas interessanter.

Routenbeschreibung Semenov (4082m, 1B):
Man folgt ab tschechisckem Biwak der Moräne in östliche Richtung und biegt nach 1.7km in eine Rinne ab (Bachbett). Über Schutt/Geröll erreicht man einen Talkessel auf 3400m in dem man sich nach links wendet und über einen steilen Schutthang den Südgrat des Semenovs besteigt.  Bei etwa 3650m erreicht man diesen und folgt ihm weiter zum Gipfel in nördliche Richtung. Etwaige Türme im flachen Grat werden rechts in Bändern/Schutt umgangen (Wegspuren, Steinmännchen, Fels max. I) und der Grat anschliessend wieder über schuttige Rinnen erklommen. Am Gipfelaufbau angekommen wendet man sich nach links und umgeht diesen GHöhe haltend am unteren Übergang des Felsaufbaus in Schnee (30°, ev. Steigeisen). Nach etwa 200m erklimmt man über eine weitere Rinne einen Sattel zw. Haupt- und Nebengipfel, von wo aus man unschwer über Firn (30°) den Gipfel selbst erreicht. Dauer ab tsch. Camp ca. 5 Stunden, Ausrüstung: Steigeisen, Eispickel, ev. Helm.

 


Hike partners: Becks


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 12124.gpx Semenov

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Comments (2)


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WoPo1961 says:
Sent 8 August 2012, 13h18
Ich finde deine Beriche über den Russlandbesuch spannend und tolle geschrieben. Schade, das die Resonanz so verhalten ausfällt, bzw so wenige andere Hikr diese lesen. Freu mich schon auf die näxten beiden Fortsetzungen!!
Die Fotos sind außergewöhnlich von einer mir völlig unbekannten Gegend.
Auch die Prise Humor, die immer wieder mal in den Texten aufblitzt gefällt mir!
Bitte weiter so!!!
Grüße aus dem Haxen-Reha-Center
WoPo

Becks says: RE:
Sent 8 August 2012, 13h33
Danke für die Blumen :)

Wunderte mich zu beginn auch etwas, dass das Feedback ausbleibt, aber macht nichts.

Imo nur wichtig ist, dass ein weisser Fleck auf der Bergsteigerkarte verschwindet. Bislang gab es ausser dem alten dt. bender und der traurigen engl. Übersetzung schlichtweg gar nichts (ausser man kann russisch).

Vielleicht nimmt die Serie hier ja einer zum Anlass, selber dorthin zu fahren. Gibt genug zu tun in der Ecke.


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