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Rubín (Rubinberg)


Published by lainari , 21 July 2019, 18h37.

Region: World » Tschechien » Doupovské hory
Date of the hike:16 July 2019
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Time: 6:15
Height gain: 290 m 951 ft.
Height loss: 290 m 951 ft.
Route:22 km
Access to start point:Auto oder Zug von RCAS (Linie T6, April-Oktober, nur am Wochenende/Feiertagen) bis Kaštice, an Wochentagen keine Zughalte!
Maps:1:50.000, KČT Nr. 7 Žatecko

Eine beschwerliche Grastour
 
Ein moderat temperierter Sommertag lockt mich zu einer Unternehmung in die Landschaft am Südostrand der Doupovské hory (Duppauer Gebirge). Eine entspannte, störungsfreie Anreise bringt mich dazu nach Kaštice (Kaschitz). Der Ort liegt inmitten weiter Feldfluren. Er erhielt 1873 Bahnanschluss durch die Hauptstrecke der k.k. privilegierten Eisenbahn Pilsen - Priesen - Komotau (EPPK). 1881 wurde ebenfalls von der EPPK die Lokalbahn Kaschitz - Schönhof eröffnet. 1884 wurde die Fortführung Schönhof - Radonitz durch die Österreichische Lokaleisenbahngesellschaft (ÖLEG) in Betrieb genommen. Im gleichen Jahr wurde auch die bestehende Strecke Kaschitz - Schönhof von der ÖLEG übernommen. 1894 erfolgte die Verstaatlichung durch die kkStB. Das Lokalbahnnetz wurde schließlich von den Kaadner Lokalbahnen 1902 mit der Strecke Radonitz - Duppau und 1903 mit der Strecke Willomitz - Kaaden-Brunnersdorf komplettiert. Die Betriebsführung oblag hier ebenfalls den kkStB. Alle Strecken gelangten später an die ČSD. Der Ast nach Duppau wurde nach dem Krieg auf dem Gebiet des neu eingerichteten Truppenübungsplatzes Hradiště zurückgebaut. Auf dem Restnetz zwischen Kadaň und Kaštice (und weiter nach Podbořany) findet heute ausschließlich touristischer Wochenendverkehr der Linie T6, bedient von RCAS statt. Auf der Hauptstrecke verkehren heute nur noch die GWTR-Schnellzüge Most - Plzeň ohne Halt durch Kaštice.
 
Ich parke am etwas außerhalb gelegenen Bahnhof Kaštice (žst) und starte zu Fuß westwärts. Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass der in der Karte und im Luftbild voraufgeklärte Flurweg um diese Jahreszeit nicht wirklich begehbar vorhanden ist. Seine Reste sind entweder stark verwachsen oder im Feld untergepflügt. So nutze ich zunächst den Feldrand, später die Lokalbahnstrecke zum Weiterkommen. Hier herrscht zwar planmäßig nur Wochenendverkehr, aber blankgefahrene Schienenköpfe lassen auf Zusatzaktivitäten schließen. Durch die Geräuschkulisse der Fahrzeuge auf den gelaschten Schienen und die geringe Streckengeschwindigkeit bleibt jedoch immer genug Vorwarnzeit zum bedarfsweisen Absprung ins Grüne. Nach einer Weile kreuzt ein Weg schräg die Bahnstrecke. In Laufrichtung rechts ist nun ein Flurweg sicht- und nutzbar. So gelange ich zum Ortsrand von Zlovědice (Lobeditz). Die heutige Tour findet komplett im einstigen Sprach- und Siedlungsgebiet der Deutschböhmer statt. Ihre Spuren sind mein erstes Ziel. Im verfilzten Waldstück zwischen Bahnstrecke und Weg verbirgt sich die Kirchenruine zříc. kostela sv. Michala archanděla (Erzengel Michael-Kirche). Sie besteht aus einem provisorisch überdachten Glockenturm und einem dachlosen Kirchenschiff. Das Innere ist nicht zugänglich. Etwas abseits liegt der alte Friedhof des Ortes, auf dem ich noch eine Besichtigungsrunde drehe. Nun geht es an den Rückmarsch. Ab dem Bahnüberweg versuche ich mich an der linken Feldkante oberhalb eines Einschnittes entlang zu arbeiten. Diese ist nur wenige hundert Meter begehbar, dann muss ich auch hier zurück auf das Gleis. Etwas angefressen von den Tippelschritten auf den Schwellen und mit erheblichen Grassameneinlagerungen in den Schuhen komme ich wieder zum Bahnhof Kaštice (žst) zurück. Grassamen mit Grannen sind deutlich unangenehmer als Nadeln im Schuh. So häufig wie heute habe ich unterwegs noch nie die Schuhe zur Reinigungszwecken aus- und angezogen. Ich warte noch auf die Vorbeifahrt des GWTR-Schnellzuges. Vorher erschient jedoch überraschend eine SŽDC-Arbeitszuggarnitur und fährt nach zweimaligem Kopfmachen auf die alte Lokalbahnstrecke ein. Der direkte Weg aus Richtung Žatec wäre dazu weichenmäßig wohl noch vorhanden, ist aber ohne lokale Vorbereitung offenbar sicherheitstechnisch nicht (mehr) hinterlegt, da der Regelfahrweg der Wochenendzüge von/nach Podbořany ohnehin über die Spitzkehre führt. Eine Einbindung einer abzweigenden Strecke aus dem Bahnhof heraus in Richtung offene Strecke ist schon eine merkwürdige Einrichtung.
 
Nachdem nun alles im richtigen Gleis ist, beginne ich mit dem Hauptteil der Wanderung und laufe dazu am Rand einer wenig frequentierten Straße nach Dolánky (Dollanka). Der Ort, ein einstiger Rundling, hat bis auf eine Kapelle und ein Hofportal seine gesamten historischen Gebäude verloren. Der Vorkriegsbestand wird mit 27 Häusern und 155 Einwohnern angegeben. Heute gibt es 11 Gebäude, es sind keine ständigen Einwohner gemeldet. Hinter dem Ort erhebt sich unübersehbar ein Berg. Obwohl es mit einem Parkplatz, einem Rastplatz und einer Infotafel Anzeichen touristischer Bedeutung gibt, ist der Zugang nicht ausgeschildert. Ich gehe einen Radweg hinein und entdecke am Waldrand einen Pfad nach links. Dieser führt zu einem privaten Rastplatz und etwas weiter bergan, bevor er sich dann verliert. Auf Wildwechseln und über einen locker mit Büschen bestandenen Hang komme ich zum Gipfel des Rubín (Rubinberg). Archäologische Untersuchungen haben eine Besiedlung des flachen Basaltberges in unterschiedlichen Kulturepochen nachgewiesen. Eine erste Befestigung bestand dann am Ende der Hallstattzeit (5. Jh. v. Chr.). Ihr folgten spätere Bauten der älteren (7.-8. Jh.) und mittleren Burgwallzeit (9.-10. Jh.). Eher vage Vermutungen sehen hier auch einen möglichen Standort der legendären Wogastisburg des Königs Samo aus der Fredegar-Chronik (um 631/632). Zur Erinnerung an die Geschichte des Berges wurden eine hölzerne Palisade sowie ein dazu passender Aussichtsturm aufgestellt. Man hat einen schönen Ausblick in nördliche Richtungen. Nach einer kurzen Pause laufe ich auf einem Flurweg über das vor einiger Zeit aufwändig entbuschte Gipfelplateau, komme hinunter zur Straße und auf ihr zurück nach Dolánky.
 
Hinter dem Ortsende biege ich nach rechts auf einen Flurweg ein. Nach wenigen hundert Metern endet dieser abrupt mitten in einem Getreidefeld. Die Karten (KČT und mapy.cz) geben auch hier die Wirklichkeit nicht zuverlässig wieder. Die verfügbaren Satellitenbilder variieren je nach Jahreszeit. Möglichweise lässt man sich bei Kartenupdates auch von Luftbildern mit landwirtschaftlichen Fahrspuren (Aussaat, Ernte) zu Fehlinterpretationen verleiten. Als Plan-B nutze ich die alte Fahrspur eines Planzenschutzsprühers, die genau in die gewünschte Richtung verläuft. Auf der anderen Seite des Feldes finde ich den Wegansatz und seine Weiterführung am Rande eines Hopfenfeldes. Entlang einer Straße, die von weiteren Hopfenfeldern gesäumt wird, komme ich nach Neprobylice (Neprowitz). Der Vorkriegsbestand des Ortes wird mit 24 Häusern und 134 Einwohnern angegeben. Heute gibt es 5 Wohngebäude, es sind keine ständigen Einwohner gemeldet. Neben einer Hopfenscheune wird zur Bewässerung der Hopfengärten ein Teich angezapft. Trotz Bewässerung sind die Hopfendolden mit etwa 3 mm Größe kümmerlich klein. Ich bin zwar kein Experte, würde sie mir aber um diese Jahreszeit schon deutlich größer vorstellen. Nach passieren eines alten Landwirtschaftsbetriebes sind auf dem Flurweg und auf dem Feldboden Trocknungsrisse im Boden, die zwischen 30-50 cm hinab reichen. Hier herrscht seit langer Zeit extreme Trockenheit. Mein genutzter Weg ist ab der Waldkante verwachsen und kaum mehr begehbar. Ich kämpfe mich hinauf zum nächsten Feldrand. Auch hier liegen Karte und Realität auseinander aber ich komme immerhin gut voran. Es ist zwar nur wenig über 20 °C warm, doch Trockenheit, stetiger Wind und Sonneneinstrahlung setzen mir zu. Nicht auszumalen, wenn hier noch flirrende Hitze herrschen würde. Im Verlauf treffe ich auf einen gangbaren Flurweg, der mich durch weite Getreidefelder nach Kličín (Klitschin) führt. Der Vorkriegsbestand des Ortes wird mit 25 Häusern und 113 Einwohnern angegeben. Heute gibt es 12 Gebäude, es sind keine ständigen Einwohner gemeldet. Auf einem Rastplatz lege ich eine Trink- und Schuhinspektionspause ein. Am Rande des Örtchens sind die spärlichen Reste des Burgplatzes hradiště Kličín auszumachen. Über Erbauungs-/Nutzungszeit konnte ich noch nichts in Erfahrung bringen. Durch einen eigenartigen Eichen-Kiefern-Mischwald ohne jegliche Bodenvegetation komme ich zu einer Straße und biege nach links auf.
 
An der Waldkante halte ich mich nach rechts auf einen Flurweg und komme zur Abwechslung zum Feuchtgebiet des Teiches Dolní Kněžický rybník. Eine Weile beobachte ich das gefiederte Inventar, das aus einem Silberreiher, einem Graureiher, mehreren Haubentauchern, Blesshühnern, Möwen und einer Gabelweihe besteht. Dann gehe ich zur Straße zurück. Hier folge ich der ursprünglichen Laufrichtung und suche links den Abzweig des Flurweges nach Oploty. Zwei Versuche schlagen fehl, wobei der letzte der zutreffende gewesen wäre. Aber auch hier ist der Weg in den Feldern integriert. Der trockene, fast mannshohe, extrem kratzige Raps hält mich von weiteren Experimenten ab. Also laufe ich an der Straße nach Kněžice (Knöschitz) hinein. Der Ort wartet noch mit einigen historischen Bauten auf, der bedeutendste davon ist die kostel sv. Kateřiny Alexandrijské (Kirche der hl. Katharina von Alexandrien), die seit dem Jahr 1384 urkundlich belegt ist. Nach einer Besichtigung des Areals wandere ich an der Straße weiter nach Oploty (Oblat). Auch hier versuche ich noch einmal mein Glück mit dem geplanten Tourenverlauf auf Flurwegen. Versuch Nummer eins endet auf einem Misthaufen. Versuch Nummer zwei neben einer großen alten Hopfenscheune. Ein mit dem Traktor erscheinender Bauer beargwöhnt meine Aktivitäten. So gewinnt auch hier der Straßenrand. Etwas außerhalb des Ortes kann ich dann doch noch zwischen die Hopfenkulturen abbiegen und komme erst später wieder zur Straße. An ihrem Rand gelange ich schließlich in den eigentlichen Ort Kaštice (Kaschitz). Das alte Schloss liegt unzugänglich auf dem Hof eines ehemaligen Landwirtschaftbetriebes. Bei Durchqueren des Ortes, wie auch der gesamten Region fällt ins Auge, das die Bewohner unter einfachsten Bedingungen leben, Luxus sucht man hier vergeblich. Zum Abschluss kehre ich nun zum Ausganspunkt Kaštice (žst) zurück.
Fazit: Eine andere Jahreszeit würde ggf. die Wegfindung und Begehbarkeit begünstigen, aber die Eindrücke der Sommerbegehung machen diese Nachteile mehr als wett.
 
Die pausenbereinigte Gehzeit betrug 6 h 15 min.
Die Strecke ist mit überwiegend mit T1 zu bewerten und ist nicht als Wanderweg markiert.
Der absolvierte Aufstieg am Rubín hat einen kurzen T2-Abschnitt.

Hike partners: lainari


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Geodata
 45295.kml Manuell gezeichnete Wegstrecke

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Comments (2)


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mong Pro says:
Sent 22 July 2019, 08h05
Diese ausführlichen Details zur Bahn!
Hattest du eine Bahn-Enzyklopädie zur Hand? ;-)

Wie es auch sei, gut recherchiert! Super!

lainari says: RE:
Sent 22 July 2019, 08h21
Nein keine Enzyklopädie, sondern Internet ;-)
Wobei ich nicht das erstbeste Ergebnis abschreibe, sondern verschiedene Quellen auswerte.

Das artet oft in Arbeit aus, da freut man sich über jeden dankbaren Abnehmer!

Die Privateisenbahnepoche war allgemein schon recht unübersichtlich, das besserte sich erst mit den Staatsbahnen.
Nun sind wir, weil sich keiner mehr dran erinnern mag, wohl wieder auf dem Weg zurück zum Anfang...


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