Versuch Pizzo della Croce (1824) über den SO-Grat


Publiziert von ironknee , 4. März 2008 um 20:14.

Region: Welt » Schweiz » Tessin » Locarnese
Tour Datum: 2 März 2008
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: II (UIAA-Skala)
Zeitbedarf: 6:30
Aufstieg: 1000 m
Abstieg: 1000 m

Sehr wilde, anspruchsvolle und einsame Tour gespickt mit einigen Überraschungen.

Wer gerne auf Wegspuren oder gar Wanderwegen einen Gipfel besteigt, der darf sich auf keinen Fall in den Kessel von Naidin, südlich des Pizzo della Croce, verirren. Diese Tour ist oberhalb 1200m absolut weg-, pfad- und spurlos und stellt einige Anforderungen an die Navigationstechnik. Wer ein natürliches Gespür für die logische Route hat, ist hier am richtigen Ort.

Start der Tour ist in Mosogno im schönen Valle Onserone. Gleich hinter der Kirche beginnt der Wanderweg dem man bis nach Piano (1114) folgt. Ab hier quert man durch Flanke via Serta bis zum Bach der sich von Naidin herunterschlängelt. Entgegen den Angaben im Führer sind wir von hier zu den Ruinen bei P.1192 aufgestiegen. Von hier quert man, ohne an Höhe zu verlieren, hinüber zur Schlucht von Naidin. Ab hier wird es nun schwierig den richtigen Weg zu finden. Unsere Route führte uns lange über steiles, mit grossen, heiklen Platten durchsetztes Gelände. Zwei, drei Versteiger liegen schon drin, bis man endlich, auf ca. 1400m, ins Bachbett absteigen kann wo das Gelände wieder angenehmer wird.

Über Schnee (bald geschmolzen) und Geröll geht es nun durch das Bett hinauf bis unter die Felswand die den Kessel gegen Norden abriegelt. Ab ca. 1550m kann man die Querung in Richtung Westgrat und P.1662 (Vorgipfel mit Gipfelkreuz) in Angriff nehmen.

Am Grat angekommen und die erste, einfache Kletterstelle gemeistert, mussten wir feststellen, dass in der Ostflanke noch Schnee liegt. Tiefer „Pfludischnee“ auf den abschüssigen Felsbändern. Das kann ja heiter werden!

Wir begannen die Querung in der Ostflanke, kurz unter dem Grat. Stellenweise versanken wir bis zur Hüfte im nassen, schweren Schnee. Jeder tritt musste geprüft werden. Zeitfressende Spielchen wie Vorstechen mit dem Stock waren nötig um die sicheren Tritte zu finden. Einige heikle Felspassagen wechselten sich mit  abschüssigem Schneegestampfe ab. Schliesslich gelangten wir an eine Stelle wo der Schnee keinen Halt mehr hatte. Jeder Trittversuch löste einen kleinen Schneerutsch oder einen tiefen Taucher ins Ungewisse aus. Die Stelle war zu lang um den Schnee auszuräumen. Über den Grat zu klettern war an dieser Stelle ohne Finken undenkbar. Umgehen in der senkrechten Westflanke nicht möglich. Da blieb nur noch die Variante noch weiter abzusteigen und es durch die Ostflanke zu versuchen. Schon nach wenigen Schritten, einige Meter weiter unten, blieb ich in noch tieferem und noch weicherem Schnee stecken.  Weiter vorne hätten wir dann wieder zum Grat aufsteigen müssen. Ein Blick auf die Uhr, das Wissen, dass die schwierigsten Stellen noch vor uns lagen und diese auch in der Ostflanke begangen werden,  liess nur eine Entscheidung zu: Umkehr!

Zurück im Kessel von Naidin entschieden wir uns für den Abstieg auf der Führer-Route. Zunächst steigt man im Bachbett ab. Eine steile, plattige Stelle wird links (ostseitig) umgangen. Auf ca. 1350m bricht das Bachbett, nach einer kurzen flachen Stelle, steil ab. Hier quert man nach rechts auf einen Rücken zwischen den beiden Bächen. Diesen Rücken quert man ebenfalls bis zum nächsten Bach den man auch überquert. Nun quert man weiter bis man auf eine Art Grat kommt. Auf diesem steigt man nun ab und quert nach Bedarf noch weiter nach rechts (Westen), immer die Häuser bei P.1100 im Fokus. Bei P.1100 angekommen kann man sich entspannen und schliesslich via Cadré nach Barione absteigen.

Tour mit Put.

Good hike,

ironknee


Tourengänger: ironknee

Galerie


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Kommentare (2)


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Zaza hat gesagt: Tolle Aktion!
Gesendet am 5. März 2008 um 07:51
Gratuliere! Das muss ich auch mal probieren! Vor ein paar Jahren war ich mal auf dem Hauptgipfel, von oben sah der Verbindungsgrat zum P. 1662 nicht gerade einladend aus...einigermassen bekömmlich war dafür der Grat Richtung P.Peloso. Am besten verbindet man wohl beides miteinander.

Grüsse, zaza

ironknee hat gesagt: RE:Tolle Aktion!
Gesendet am 5. März 2008 um 10:48
Hallo Zaza

Danke!

Ja, den Grat zum Peloso wollten wir auch machen und dann über den Madone wieder zurück. Bei den Jetzigen Bedingungen wäre die Tour in umgkehrter Richtung (Madone-Peloso-Croce) sicher besser zu machen. Vom Croce hat man dann noch die Alternative über den Westgrat (EB/L glaub ich). Tja, Berge können zum Glück nicht davonlaufen. Jedenfalls wird der Croce mich dieses Jahr nochmals sehen. :)

Gruess, ironknee



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