Nisyros - Mit dem MTB rund um die Vulkaninsel und quer durch die Caldera


Publiziert von dulac Pro , 17. Oktober 2012 um 10:47.

Region: Welt » Griechenland
Tour Datum: 4 Oktober 2012
Mountainbike Schwierigkeit: WS - Gut fahrbar
Wegpunkte:
Geo-Tags: GR 
Aufstieg: 800 m
Abstieg: 800 m
Strecke:Überfahrt von Kardámena (Kos) - Mandraki - Kastro - Stavros - Nisyros Vulkan - Stefanos-Krater - Abzweig Mandraki-Nikia - Kapelle Agios Ioannis Theologos - Nikia - Emporios - Pali - Mandraki - Überfahrt nach Kardamena - insgesamt rd. 45 km + 10 km hin und zurück nach Kardámena
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Fähre von Kardámena (Kos) nach Mandraki
Zufahrt zum Ankunftspunkt:dto

Die Insel Nisyros fasziniert durch ihre Ursprünglichkeit, die beiden gegensätzlichen Dörfer in den Bergen, die Menschenleere in weiten Teilen der Insel und insbesondere den schlafenden (?) Vulkan mit seiner fast vier Kilometer weiten Caldera und dem einzigartigen, begehbaren Stefanos-Krater darin.
 
16 Kilometer von Kardamena, dem nächstgelegenen Hafen auf der x-fach größeren, touristisch in einigen Teilen stark erschlossenen Nachbarinsel Kos entfernt, nur gut 40 Quadratkilometer groß, annähernd rund, mit etwa 1.000 Einwohnern, von denen gut zwei Drittel im Hauptort Mandraki leben, die höchsten Erhebungen knapp 700 m hoch. Und dann natürlich der ausgedehnte, bereits angesprochene Vulkan. Soviel zu den Rahmendaten.
 
Erstmals hatte ich die Insel vor etwa fünfzehn Jahren kennengelernt auf einer geführten MTB-Exkursion. Im Jahr drauf ein erneuter Besuch, diesmal allerdings auf eigene Faust. Ich wollte mir damals auch das Bergdorf Nikia ansehen, das beim ersten Mal dem Zeitmangel zum Opfer gefallen war.
 
Dies bringt mich auf ein generelles Problem bei Tagestouren nach Nisyros, das enge Zeitkorsett: Üblicherweise verläßt die Fähre Kardamena um 09.30, mit Rückfahrt ab Mandraki um 15.30. Die Überfahrt selber dauert bei normalen Wetterbedingungen ziemlich genau eine Stunde. Effektiv stehen auf Nisyros somit gerade einmal 5 Stunden zur Verfügung. Das passt gut für die Mehrzahl der Tagestouristen, für die am Hafen bereits die Busse bereitstehen, mit denen sie den Vulkan und anschließend Nikia besuchen.
 
Geführte MTB-Touren unterwerfen sich zumeist auch dieser Vorgabe, auch wenn sie durch eine andere Routenwahl den Bussen entgehen können. Wenn nicht getrödelt wird, reichen die 5 Stunden auch, um die wesentlichen Punkte auf der Insel anzufahren.
 
Dennoch, etwas mehr Spielraum ist einfach schöner. So war ich erfreut zu erfahren, daß montags und donnerstags auch die Möglichkeit besteht, mit einer späteren Fähre erst um 18.30 zurückzufahren. Also 8 Stunden Aufenthalt statt nur 5.
 
Die Bike-Station in meiner Clubanlage hatte mir zum MTB eine sehr brauchbare Karte (gar nicht so einfach, so etwas anderweitig vor Ort zu erhalten) mitgegeben, zusammen mit einer kurzen Erläuterung, wie ich in Mandraki vom Hafen den Einstieg in die Alternativ-Route finden würde. „Alternativ“ in dem Sinn: Die Busse fahren in Mandraki nach links und auf derselben Route zurück. Ich aber fahre nach rechts und umrunde die Insel.
 
Zunächst am Morgen mußte ich erst einmal nach Kardamena, Entfernung gut 5 Kilometer, zumeist auf einem asphaltierten Sträßchen entlang der Küste. Hier statt dessen generell von „Strand“ zu sprechen, wäre in diesem Fall wohl etwas hochgegriffen. Doch zunächst mußte ich von der höhergelegenen Clubanlage erst auf einer Sand-/Schotterpiste, tw. nahe einer Abbruchkante, und über ein kurzes steiles Stück zu diesem Sträßchen hinab. Am Morgen bei Tageslicht kein Problem, am Abend bei der Rückfahrt nach Sonnenuntergang nicht ganz so trivial.
 
Kardamena war jedenfalls rasch erreicht. Die Überfahrt hin und zurück kostete 15 Euro. Kein Zuschlag für MTB. Dann füllte sich das Schiff rasch, ebenso wie eine zweite Fähre.
 
Auf der gut besetzten Fähre war es gar nicht so einfach, einen schönen Platz zu finden. Mein Favorit wurde die vordere Reling auf dem offenen Oberdeck. Darauf sitzend, die Beine um den unteren Holm gehakt, hatte man nicht nur beste Sicht, sondern konnte auch erfolgreich den trotz ruhiger See infolge starker Dünung heftigen Schwankungen des Schiffs trotzen.
 
Die Überfahrt führte nahe an der Nisyros vorgelagerten Insel Gyali vorbei, angeblich das weltgrößte Bimsstein-Abbaugebiet.
 
Dann war  Mandraki auch schon erreicht. Die bereitstehenden Busse füllten sich schnell. Nach ihrer Abfahrt wurde es wieder ruhig und beschaulich am Hafen.
 
Mein Weg führte mich vom Hafen aus zunächst nach links. Nach vielleicht 100 Metern dann ein großer Wegweiser: für die meisten Ziele weist er nach links, für mich jedoch nach rechts. In einem Bogen ging es wieder in Richtung Mandraki, doch zugleich bergwärts. Nach gut 2 aussichtsreichen Kilometern Richtung „Kastro“ (Festung) dann ein Abzweig nach links zum Paliokastro, der „alten Festung“. Eine sehr alte Festung, aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, noch dazu sehr gut erhalten. Beeindruckend die massiven Quader, speziell im Eingangsbereich mit dem gewaltigen Tor. Ein kurzer Rundgang läßt die große Ausdehnung erahnen.
 
Danach geht es weiter auf einer Sand-/Schotterpiste und auch bergauf, doch bei erträglicher Steigung. Ein oder zwei Rollerfahrer kommen mir entgegen, ansonsten bin ich allein unterwegs. Auf der Passhöhe (geschätzt auf etwa 300 m) zwischen links etwas weiter entfernt dem Diavatis und rechts direkt unterhalb des Karaviotis kommt die gegenüberliegende Seite der Insel und der dortige Küstenbereich in Sicht: Allenfalls landwirtschaftlich genutzt, doch weit und breit keinerlei Ansiedlung erkennbar.
 
Erholsam geht es ein wenig abwärts zum Kloster Stavros. Es wirkt wie ausgestorben. Ich werfe einen kurzen Blick in die Kapelle und steige der besseren Aussicht wegen über eine Treppe auf das Flachdach des Hauptgebäudes. Auf der Freifläche davor eine Reihe von Steintischen und Bänken. Doch von irgendwelchen Mönchen nichts zu sehen.
 
Ab hier öffnet sich der Blick auf die Caldera: Sehr eindrucksvoll, das weite Rund, fast 4 Kilometer im Durchmesser. Ich kann es rollen lassen bis hinab zur Hauptstraße. Die Busse mit den Tagestouristen sind mittlerweile, es ist inzwischen 13 Uhr, wieder abgefahren. Vor dem Parkplatz ein Schild, wonach der Eintritt 2 Euro kosten sollte. Doch niemand zu sehen, der sie mir abnehmen könnte. Am Kiosk eine Handvoll andere Individual-Besucher. Ich fahre daran vorbei, weiter zum Stefanos-Krater. Sein Durchmesser beträgt rund 300 m, der Boden rund 30 m tiefergelegenen. Zu ihm kann man hinabsteigen. Da ich irgendwo gelesen hatte, daß er nicht durchgehend tragfähig wäre, ließ ich - unten angelangt - Vorsicht walten und bewegte mich nur in Bereiche vor, auf denen frische Fußspuren erkennbar waren. Andere Anhaltspunkte gab es keine, denn „Versuchskaninchen“, die für mich die Tragfähigkeit getestet hätten, gab es weit und breit keine ;-)
 
Vermutlich waren diese Vorbehalte freilich nur etwas übertrieben, denn normalerweise halten sich ja ganze Busladungen gleichzeitig in diesem Krater auf.
 
Dann wieder aufgestiegen und mit dem MTB auf einer Piste weiter Richtung Südrand der Caldera um zu sehen, was sich dort noch befinden mochte: Eine Stallung mit Schweinen, Truthähnen und anderen Nutztieren. Wenig spektakulär, aber auch nicht selbstverständlich inmitten eines Vulkans. Hier ging´s nicht mehr weiter. Also umgekehrt, am mittlerweile menschenleeren Kiosk noch die Informationstafeln abfotografiert – in Ruhe lesen konnte man sie ja auch zu Hause noch – doch jetzt besser weiter. Die Brotzeit stand noch aus, und ich wollte sie lieber irgendwo in der Höhe mit Aussicht auf Caldera oder Meer einlegen und an einem Ort, wo die Sonne nicht so unbarmherzig herunterbrannte.
 
Zunächst also mehr oder weniger eben knapp 3 Kilometer zum jenseitigen Rand der Caldera. Kurz davor eine Überraschung, ein Wegweiser auf einen Steig nach Evangelistria, der auch auf meiner Karte als Fußweg eingezeichnet war. Sollte Nisyros etwa eine Karriere als Wanderinsel bevorstehen?
 
Dann begann die Straße in einem großen Bogen zu steigen bis zu einem Sattel am Kraterrand, wo sie schließlich in die von Mandraki nach Nikia führende Straße einmündete.
 
Hier dann nach rechts und meerseitig leicht unterhalb des Kraterrands weiter Richtung Nikia. Kaum Steigung. Etwa ein Kilometer vor Nikia ein Abzweig nach rechts. Ein schmales asphaltiertes Sträßchen führt als Sackgasse weiter hinauf zu einer aussichtsreich gelegenen Kapelle, Agios Ioannis Theologou. Ich war vor einem guten Jahrzehnt hier schon einmal vorbeigekommen. Damals war sie aber noch im Bau. Schön ist sie geworden. Wohl auch durch die Unterstützung ausgewanderter Nikianer. Wie ich auf der Tafel am Eingang entziffern kann u.a. aus New York und Sidney.
 
Ein schöner Ort für eine mittlerweile reichlich verspätete Mittagsrast.
 
Danach auf gleichem Weg zurück zur Hauptstraße und das letzte kurze Stück weiter nach Nikia. Der Ort wirkt immer noch so reizvoll wie ich in ihn Erinnerung hatte. Ich wandere durch die Gassen. Vom Vorplatz steige ich zur etwas erhöht liegenden Kirche hinauf und werfe einen Blick ins Innere. Etwas überladen erscheint sie mir.
 
Alles im Ort wirkt sehr gut unterhalten und sauber, keine verfallenden Häuser zu sehen. Ein Wegweiser führt zu einem besonders schönen Aussichtspunkt auf die Caldera. Zum Abschluß dann noch einen Eiskaffee auf der Terrasse des Cafes am Ortseingang. Ein davor geparkter wuchtiger MB 500 ML Geländewagen mit Hamburger Kennzeichen wirkt etwas deplaziert auf dieser Insel und in dieser Umgebung. Wohl ein im Ausland zu Geld (oder Kredit) gekommener Nikianer auf Heimaturlaub.
 
Auf der Rückfahrt kommen mir drei Busse entgegen. Die Insassen waren wohl mit der Mittagsfähre angekommen und jetzt auf der Standard-Besichtigungstour. Am Abend auf der Fähre würde ich sie wiedersehen. Doch das Timing bis jetzt war optimal, immer den „Massen“ ausgewichen ;-)
 
Nach Wiedererreichen des Abzweigs zur Caldera jetzt geradeaus weiter, ein kurzes Stück abwärts, dann den Abzweig hinauf nach Emporios genommen. Vor dem Ortseingang die mir bereits bekannte „Sauna“. Eine natürliche Höhle, in die heiße Vulkandämpfe hochsteigen. Beeindruckend, aber auch etwas unheimlich bei dem Gedanken, daß nicht weit davon entfernt auch die Wohnhäuser der Dorfbewohner stehen. Leider traute ich mich diesmal nicht hinein: Der Wespen wegen, die in der Wand zum Eingang offensichtlich ein Nest hatten und in großer Menge davor herumschwirrten.
 
Im Ort eine Enttäuschung, die Taverne mit der Aussichtsterrasse hinunter auf die Caldera existierte nicht mehr. Auch hier wandere ich weiter durch die engen Gassen bis hinauf zum höchsten Punkt. Nicht zu übersehen, daß sich der Ort zusehends entvölkert: Jede Menge verlassene, dem Verfall preisgegebene oder bereits verfallene Gebäude. Schade um diesen so schön gelegenen Ort.
 
Danach in rasanter Fahrt hinab zur Küste und noch ein Abstecher in den schönen Hafenort Pali. Einige Segeljachten an den Quais und dem Hafen entlang einladende Tavernen. Doch ich fahre noch einen Kilometer an der Küste weiter zu einem Gebäude, das mir bereits von oben aufgefallen war, und das ich mir jetzt aus der Nähe ansehen wollte: Ein für die örtlichen Verhältnisse geradezu riesiges langgestrecktes mehrstöckiges Gebäude im Rohbauzustand, das Gelände ringsum eingezäunt. Der gesamte Komplex offensichtlich schon seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf, eine Investitionsruine mit der offensichtlich niemand mehr etwas anfangen kann. Irgendwie mußte ich an Prora auf Rügen denken, auch wenn dieses hier vielleicht hundertmal kleiner war, in der Maßlosigkeit jedoch absolut vergleichbar erschien.
 
Dann entlang der Küstenstraße weiter und zurück nach Mandraki. Etwas Zeit bis zur Abfahrt der Fähre war mir noch geblieben. Eine kleine Fahrt in den Ort hinein, doch bald wieder umgekehrt, denn ein Bier zum Ende dieses heißen Tages mußte schon noch sein.
 
Kaum war die Fähre fahrplanmäßig abgefahren, da ging auch schon die Sonne unter. Ein überaus fotogener Sonnenuntergang.
 
Bei Ankunft in Kardamena herrschte bereits Dunkelheit. Die Rückfahrt auf dem asphaltierten Abschnitt des Küstensträßchens dennoch problemlos, kein Verkehr und die Straße beleuchtet, wenn auch eher rudimentär. Dann noch ein Stück ohne Belag und Licht hinter einigen Hotels vorbei. Abgesehen von dem einen oder anderen nicht erkennbaren Schlagloch auch noch gut zu meistern. Doch dann mußte ich über die Sand-/Schotterpiste wieder hinauf auf die Anhöhe. Hier wurde es ein wenig abenteuerlicher. Dennoch reichte es noch zum Abendessen inkl. der langersehnten Dusche davor, auch wenn das Buffet bei meinem Eintreffen bereits in vollem Gange war.
 
Was jetzt noch fehlt?
Eine Besteigung des höchsten Bergs auf Nisyros!
Zumindest auf der Karte ist ein Fußweg bis kurz unter den Gipfel eingezeichnet. Heute war dafür nicht mehr genügend  Zeit. Drum vielleicht ein ander Mal und dann bei besserer Fernsicht als das heute der Fall gewesen wäre.



P.S. Ortszeit = Kameraeinstellung + 1 h

Tourengänger: dulac

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