Schleierkante / Spigolo del Velo


Publiziert von Martina , 29. August 2011 um 22:29.

Region: Welt » Italien » Trentino-Südtirol
Tour Datum:10 August 2011
Klettern Schwierigkeit: V+ (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Von San Martino di Castrozza Ortszentrum der beschilderten Straße zum Cafe Col folgen und dort parken.
Unterkunftmöglichkeiten:Velohütte (von Villa Col über Wanderweg in ca. 2,5-3h zu erreichen)

Zum Glück gab es auch ein paar Tage mit stabilen Wetter in unserem Dolomitenurlaub, somit hieß es auf in die Pala. Die Strecke von Sankt Kassian nach San Martino di Castrozza ist zwar nicht so weit, aber es müssen viele Pässe überfahren werden, daher sollte man schon rund 2 h Zeit einplanen.

Von San Martino Ortszentrum zweigt eine Straße zum Cafe Col ab, von dort sind wir gestartet. Der markierte Wanderweg führt in rund 2,5h zur Velohütte. Es gäbe noch die Möglichkeit vom Parkplatz bei der Malga Zivertaghe los zu wandern, diese ist jedoch nur über eine sehr schlechte und steile Schotterstraße zu erreichen, viele Autos schaffen dies nicht, den Nervenstress wollten wir uns ersparen, wäre ohnehin nur eine Zeitersparnis beim Zustieg zur Hütte von rund 45min.

Als wir gegen Nachmittag oben ankamen, zogen schon die typischen Palanebel in den Gipfelregionen herum. Der Ausblick auf Sass Moar, Cima della Madonna und Pala di San Martino war überwältigend, genau so hatten wir uns die Pala vorgestellt. Nach und nach sind auch schon die Spigolo Aspiranten für den nächsten Tag auf der Hütte eingetroffen. Zum Abendessen wurden wir gefragt, ob wir Spaghetti mit Fleisch oder Pilzsauce wollen. Nachdem die Spaghetti vertilgt waren, die Überraschung... es gab noch eine Hauptspeise - die primi piatti und secondi piatti eben. Ich liebe die italienischen Hütten, dort weiß man welchen Hunger die Bergsteiger haben :) Eine Nachspeise gab es auch noch! Trinkwasser kann man auf der Hütte in Plastikflaschen kaufen.

Am nächsten Morgen haben wir gegen 6.45 gefrühstückt, das Wetter war besser, sogar wolkenlos aber sehr kalt mit -1 Grad. Wir sind als erste gestartet und zuerst dem markierten Klettersteig "Ferrata del Velo" gefolgt. Dort wo die ersten Stahlseilversicherungen enden, sind wir über einfache Felsen durch eine Schlucht Richtung Kante aufgestiegen, dann gelangt man zur Wasserleitung der Hütte, von dort noch ein Stück weiter hoch klettern, bis man auf einem Absatz unterhalb der Kante steht. Dort beginnt die Kletterei. Nachdem die Route kaum abgesichert ist, sucht man sich den besten Weg, zuerst ging es etwas links der Kante, unzählige Sanduhren und gute Sicherungsmöglichkeiten. Nach ca. 3 SL gibt es 2 Varianten, geradehoch ist die Stegervariante und etwas rechtshaltend die Originallinie. Wir haben uns dort für die Stegervariante entschieden, da die Originallinie lt Kletterführer einen unangenehmen Körperriss bieten sollte. Die Stegervariante (2SL) war aber sehr hart zu klettern, kleingriffig, schlechter abzusicherung und bei dieser Kälte gleich nochmal schwieriger. Hinter uns war ein sehr netter französischer Bergführer mit zwei lustigen 68jährigen Pensionisten unterwegs, und am Stand haben wir uns immer total nett unterhalten. V VVvvvv  om Bergführer haben wir dann erfahren, dass die Originallinie ganz super zu klettern wäre...
Vom folgenden Stand auf dem Pfeiler gibt 2 Möglichkeiten: einfach ist es, wenn man vom Stand wieder abklettert und unterhalb des Turms in die Scharte quert und andernseits wieder hinauf zu Stand bei SU klettert.  Umständlicher wäre es vom Turm einige Meter in die Scharte abzuseilen, eine Schlinge in SU wäre dafür vorhanden, diese Variante kostet aber Zeit und Seilmanöver.
Nach dem Kantenpfeiler folgen sehr steile und supergriffige SL. Die Stände sind grundsätzlich mit SU Schlingen oder 2 NH ausgestattet, man kann aber oftmals an Riesen SU Stand bauen.
Beim zweiten Kantenpfeiler wartet dann die Schlüsselstelle, diese kann man mittels Spreizschritt lösen, oder von der Scharte unterhalb starten, es gibt dort 2-3 NH an der kritischen Stelle, sie war aber tatsächlich nicht leicht zu klettern. Nach der Schlüssel SL folgt man einer Verschneidung und steigt dann über rechts auf eine Rampe auf die zum Stand führt. Von dort letzte SL etwas linkshaltend in rd. 15m zum Ausstieg. Am Gipfel haben wir einige Zeit lang gewartet, um auch den beiden Pensionisten zu gratulieren. Es dürfte dann doch etwas länger gedauert haben und so sind wir nach ca. 1/2 Stunde Gipfelgenuss abgestiegen.

Dann begann nochmals ein Abenteuer. Zuerst folgt man den Steinmännern, bis man zu einem Kaminspalt gelangt, auf der gegenüberliegenden Kaminseite führt ein roter Pfeil in die Tiefe. Tatsächlich muß man über diesen gruseligen Kamin hinüberspreizen (es gibt dort einen BH, so kann man sich sichern). Auf der anderen Kaminwand angelangt klettert man einige Meter ab zum riesigen zementierten Abseilhaken, bei uns war es etwas vereist.
Von dort mit 60m Seil einmal abseilen, dann roten Markierungen über Schutt folgen zu nächster Abseilstelle, wieder ca. 60m und man steht in der Scharte zum Sass Moar. Der weitere Weg ist gut markiert, schrofige Kletterei und einige kurze Absteilen (reicht dann immer ein 60m Seil aus), alternativ kann man im unteren Teil auch einige Stellen abklettern, wir haben wo es möglich war abgeseilt und waren eigentlich ganz flott wieder unten (aber 1,5h muß man für den Abstieg zur Hütte schon rechnen). Auf der Hütte haben wir noch weitere rund 30min auf den Bergführer und seine Kunden gewartet.

Insgesamt eine wirklich super Tour, mit bombenfester, steiler Kletterei. Die Kletterei kann man wirklich genießen, bei uns war es nur furchtbar kalt. Der frühe Start lohnt sich, will man nicht in Staus gelangen. Während der Kletterei haben sich die Seilschaften aber ganz gut verteilt, bis auf den Bergführer war uns niemand auf den Fersen.
Mitzunehmen sind viele Bandschlingen und Reepschnüre, es gibt wirklich viele Sicherungsmöglichkeiten. Friends haben wir umsonst mitgehabt. Es gab zwar mal Bohrhaken, die wurden aber mittlerweile wieder entfernt.

Wandhöhe ca. 400m, Kletterlänge ca. 430m, ca. 12-13 SL
Wir hatten viele Topos mit, das beste war allerdings das von Stadler Markus, siehe Link:
http://www.stadler-markus.de/files/alpinklettern/dolomitenrouten/pala_schleierkante.htm 


Tourengänger: Martina

Galerie


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