Kletterwoche im ELBSANDSTEIN


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 9. April 2007 um 11:26.

Region: Welt » Deutschland » Östliche Mittelgebirge » Elbsandsteingebirge
Tour Datum: 1 April 2007
Klettern Schwierigkeit: VI (UIAA-Skala)
Zeitbedarf: 5 Tage

KLETTERWOCHE IM ELBSANDSTEINGEBIRGE

Text von Charly Ganster, Naturfreunde Mürzzuschlag ( http://muerzzuschlag.naturfreunde.at/ )

Am 1.4.2007 um 09.00 Uhr war wieder einmal der Start zu einem großen Projekt der Naturfreundejugend Team Alpin bzw. des Sportkletterreferates der Steiermark. Climb & Fun 2007, bereits eine Institution, war angesagt. Wie jedes Jahr ging es wieder in ein Klettergebiet, diesmal wurde von uns Deutschland und hier die sächsische Schweiz auserkoren. In der sächsischen Schweiz, eines der ältesten Klettergebiete überhaupt, herrschen strenge Kletterregeln. Das ist auch ein Grund, warum man hier mitten im Nationalpark noch ohne Probleme klettern kann. Es gibt hier insgesamt 1100 freistehende Sandsteintürme mit ca. 15000 Kletterwegen, wobei nur die freistehenden Türme beklettert werden dürfen und  diese Türme in Prozent gerechnet  ca. 3 % der gesamten Felsen der säch. Schweiz bzw. des Elbsandsteingebirges ausmachen. Weiters gibt es in dieser Gegend noch ca. 1200 km Wanderwege, die sehr gepflegt und auch gut markiert sind. Die ersten Kletterer betraten um 1870 die Szene, meist wurden  die AW (Alten Wege) auf die Türme benutzt. Es wurden auch Stiegen in den Sandstein gemeißelt, wobei diese in der heutigen Zeit auch nicht mehr so leicht zu begehen sind, da sie heute abgenutzt sind. Zum Klettern bzw. den Kletterregeln wäre noch zu erwähnen, dass hier ein absolutes Chalkverbot herrscht und dass für selbstlegende Sicherungen keine Friends und Klemmkeile erlaubt sind. Es dürfen nur die vorhandenen Sanduhren, Felskegeln (Bandschlingen und Reepschnüre) und Reepschnüre und Seile mit Knoten als Klemmkeile verwendet werden. Wobei mir ein einheimischer Kletterer verraten hatte, dass die meisten Besucher und nicht so sichere einheimische  Kletterer ihren Angstfriend immer eingesteckt hätten.  Zu den Absicherungen der Routen wäre noch zu sagen, dass viele der „leichten“ Routen meist kaum zum Absichern sind, wobei es auch keine geschlagenen Ringe gibt. Am Ende der meisten Routen bzw. auf dem Gipfel befindet sich ein Abseilring und ein Gipfelbuch. Bei den schwierigeren Routen sind dann doch ein, zwei oder auch drei rostige geschlagene Ringe vorhanden, wobei der erste Ring meist in einer Höhe von ca. 3-4 m (kommt vermutlich daher, dass die Sachsen immer gerne Menschentürme bauen, um an den Ring zu kommen)  angebracht ist und die Zwischenabstände zwischen zwei Ringen ca. 3 m betragen. Es gibt nur einige wenige Wege, die wirklich gut und ohne subjektive Gefahr abzusichern sind. Beim Klettern in der säch. Schweiz braucht man wirklich ein großes Herz, ein gutes Auge für das Legen von Sicherungen  und sehr viel Mut. Ebenso verpönt ist das Toperope-Klettern, da durch das Scheuern des Seiles der Felsen beschädigt wird. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass, wenn man ein Seil in ein leicht überhängendes Gelände auf einem Gipfel im Abseilring einhängt, ohne dass das Seil zuviel am Felsen scheuert, auch die Sachsen damit keine Probleme haben und sich nicht negativ dazu äußern. Selbst würden sie es natürlich nicht machen.

Aber jetzt zu unserer Reise. Am 1.4. ging es  mit den Ducksbus über Wien, Prag nach Sachsen. Mit dabei waren Melitta, Gust, Sam, Matthias, Jaky, Michelle und meine Wenigkeit. Unser Lager schlugen wir in Ottendorf im Klettercamp „Ottendorfer Hütte“ an der Hauptstrasse 27 auf. Eine wirklich tolle Unterkunft mit drei Lagern, wobei wir für uns ein Lager alleine hatten, eine tolle Verpflegung, Frühstücksbuffet, Jause zum Mitnehmen und ein warmes Abendessen, und eine tolle Bedienung. Vor allem der Inh. Michel Steffen  versorgte uns gleich bei der Ankunft mit den nötigen Informationen über lohnenswerte Kletterwege und –gebiete. Auch bekamen wir genug Tipps zu den Kletterregeln und  der säch. Kletterethik. Weiters konnten wir uns noch für die Klettergebiete, welche wir besuchen wollten, die dazugehörigen Führer ausborgen, wobei uns Steffen auch die Benützung des Führers genauestens erklärt hatte.

Am nächsten Morgen ging es dann schon ins erste Klettergebiet. Zum Aufwärmen wurde uns der große Lorenzstein im Wildensteiner Gebiet empfohlen. Der große Lorenzstein ist ein imposanter Felsturm mitten im Wald, wobei wir uns am Anfang ziemlich schwer taten, die im Führer beschriebenen Routen zu finden, da diese, nicht (so wie bei uns) angeschrieben sind und der Felsen auch sonst keine Zeichen aufwies. Nachdem wir den Turm fast umrundet hatten, konnten wir doch noch eine beschriebene Tour finden und wir kletterten durch einen Kamin , recht nass, eng und kalt, auf den Turm. Den Kamin, welcher den Namen Oktoberkamin trug, hatte die Wertung II, wobei zuerst Matthias, dann Sam und dann meine Wenigkeit bis zum Turmplateau kletterten. Am Plateau begaben wir uns noch auf den AW, eine glatte I (tja), auf den Gipfel des Turmes (Vorstieg Matthias, dann ich und Sam), ein kurzer Kamin, ein Spreizschritt und dann zum Gipfel (ein kleiner Vorgeschmack auf dass, was uns in den nächsten 3 Tagen erwartet). Am Gipfel dann Eintragung ins Gipfelbuch und dann abgeseilt. Danach ging es den AW hinunter, wieder ein enger, nasser Kamin mit seitlichen, leicht abschüssigen Tritten, weiter über eine geschlagene Stiege (ebenfalls leicht abschüssig und ausgesetzt) bis zum Felsenabsatz. Dort wurde dann von Matthias (Vorstieg) und Sam die Tour Pfingstausflug , eine sächs. VI, geklettert. Abgesichert mit drei Sanduhren und zum Schluss gab es dann noch einen 1 ½ m Sprung über einen 20 m tiefen Spalt. Abgang wieder über den AW.

Um 14.00 Uhr trafen wir wieder unsere Wandergruppe, welche ebenfalls die Umgebung unsicher gemacht hatte.

Am Nachmittag versuchten wir dann einen 5,5 km langen Wanderrundgang, wobei hier ein Klettersteig inkludiert war. Start war der Beuthenfall im Kirnitzschtal, dann ging es Richtung Affensteine zum Einstieg der unteren Häntzschelstiege. Nachdem wir unsere Klettersteigutensilien angebracht hatten, ging es los, Zuerst ein recht kraftraubender Einstieg mit Klammern, kein Problem für geübte Ferratie, rund um den Felsen, dann weitere Klammern bis zum ersten Plateau, der sogenannten oberen Affensteinpromenade. Hier ist eine wunderschöne Fernsicht auf den Nationalpark mit seinen Türmen und Wäldern. Dann geht es weiter, den oberen Teil der Stiege. Etwas versteckt geht es in eine sehr enge Schlucht. Von dort startet eine leicht überhängende Leiter, der Steig geht  dann nach links zur nächsten Leiter und weiter mit einigen Klammern ganz nach oben. Wieder eine wunderschöne Aussicht und noch einige abenteuerliche Überquerungen von Spalten. Der Klettersteig, der einen Vergleich mit Klettersteigen in den Alpen nicht scheuen muss,  hätte in unserem Gebiet eine Wertung von mindestens C. Am Plateau geht es dann über das lange Horn wieder zum Wanderweg und von dort zum Carolafelsen,  mit seiner wunderbaren Aussicht. Diese Aussicht ist an Sommer- und Feiertagen häufig überlaufen, aber wirklich sehenswert. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, ging es über die Wilde Hölle mit einigen Stiegen und Klammern wieder hinunter ins Kirnitzschtal.

Ein langer Tag ging dann mit einem guten Essen (Kräuter Matjes bzw. Fleischlaberl) und einem gemütlichen Lagerfeuer zu Ende. 

Am nächsten Morgen hatten wir uns wieder ein neues Gebiet ausgesucht. Es ging ins Rathener Gebiet. Am Vormittag besuchten wir die Bastei. Über etwas felsige Wege gelangen wir über die Basteibrücke zur Felsenburg. Diese Steinbrücke ist 76,5 m lang und überquert die Mardertelle, somit schafft sie eine Verbindung der Felsenburg Neurathen und der Bastei in einer Höhe von 164 m über den Elbspiegel. Weiters gibt es einen schönen Ausblick in die Umgebung , wie die kleine und große Gans (Klettertürme) oder der Lokomotive und der Elbe.

Am Nachmittag, nachdem sich die Wandergruppe wieder auf den Weg machte, die nähere Umgebung zu erkunden, begaben sich die Kletterer zur Lokomotive. Eine nette Felsformation, mit einem legendären Kletterweg, dem sogenannten Überfall. Hier muss man zuerst auf den Kesselgrat klettern, dann den schmalen Kesselgrat von einem zum anderen Ende klettern, um  dort einen kleinen Turm zu besteigen und zum Schluss noch einen Spreizschritt über 1 ½ m zum nächsten Turm, wo wieder in einen Kletterweg eingestiegen wird und dann geht es erst auf den Gipfel. Das Ganze wird mit V bewertet, ist aber mehr eine Kopfsache, da der Weg sehr schwer abzusichern ist und man von einer Seite doch 150 m ins Tal blickt. Bei solchen Routen läuft das Gehirn manchmal Amok und der Verdauungstrakt rührt sich auch noch. Wir versuchten erstmal den AW, mit einer III bewertet. Hier ging es die Rippe auf eine Platte, danach einen Höllenriss rauf zum Kesselgrat. Ebenfalls schwer zu sichern, wobei bis zum Kesselgrat eine Höhe von ca. 30 m geklettert wird und nur eine Zwischensicherung angebracht werden kann. Und ein 3er schaut bei uns auch anders aus. Nach viel Kampf und Krampf erreichten wir alle den Gipfel (Dom), wobei wieder Matthias den Vorstieg übernahm, ich als Zweiter und Sam als Dritter kletterte. Wieder eine herrliche Rundum-Aussicht. Nachdem wir den Überfall von oben begutachteten, entschieden wir uns, diesen nicht zu probieren. Nach einem Eintrag ins Gipfelbuch seilten wir uns wieder ab (45 m). Zum Abschluss ging es noch zum Imker, ein nicht allzuhoher Turm mit schönen Wegen. Hier versuchten wir wieder den Alter Weg II, welcher auch wirklich schön zu klettern und abzusichern (mit einigen Sanduhren) war.

Nach ein paar Boulderversuchen ging es dann wieder zum Auto. Nachdem wir die Wanderer wieder eingesammelt hatten fuhren wir über  Hohnstein (Burg-, Klettergeschäft- und Altstadtbesichtigung) nach Ottendorf.

Zum Abendessen gab es dann noch selbstgegrillte Steaks und Würstel mit Salate.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen war das letzte Gebiet angesagt. Es ging ins Bielatal. Zuerst wurden die „Gruppe an den Herkulessäulen“ besucht. Wunderschöne Sandsteintürme mit Durchmesser von 1 m aufwärts. Hier fühlt man sich wirklich nach Amerika in den Grand Canyon versetzt. Im Gegensatz zu den anderen Klettergebieten sind die Felsen im Bielatal aus Labiatussandstein, der sich durch eine höhere Festigkeit und einer auffallenden horizontalen Bänderung auszeichnet. Unsere erste Begehung führt uns auf den Wegelagerer, wo wir wieder einmal den AW I probierten. Vorstieg diesmal Sam, dann kletterte Matthais, Jaky und ich. Nachdem wir uns beim Ring abgeseilt hatten, probierte Jaky, Sam und Matthias noch zwei Wege in Toperope (Wasserpfeife VI und Nordweg V) , wie schon am Anfang des Berichtes erwähnt, im leicht überhängenden Gelände, um den Felsen auch ja nicht zu beschädigen.

Inzwischen wurden wir Zeugen von der Besteigung der kleinen und großen Herkulessäule durch zwei ziemlich „alte“ Einheimische, wobei zu bemerken ist, dass hier auch noch in sehr hohem Alter auf einem unglaublichen hohen Niveau geklettert wird. Angespornt von den einheimischen Daten versuchten auch Sam und Matthias den AW (V) auf die große Herkulessäule, sie mussten aber den Versuch am ersten Abseilring wegen nichtvorhandener weiterer Sicherungen abblasen.

Weiter ging es zur Gruppe am Daxenstein. Hier kletterten wir den Winkelriss (II) auf den Daxenstein, wobei wieder Matthias den Vorstieg übernahm, danach kamen dann Jaky, Sam und ich. Schöner Weg, ca. 40 m senkrecht. Ein weiterer Gipfel unserer Sammlung war dann noch der Zarathustra, wo wir den Weg  Südwand (II) kletterten. Zuerst Sam im Vorstieg, dann Matthias und zum Schluss dann noch meine Wenigkeit.  Nach einem Gipfelfoto wurde wieder abgeseilt.

Gemeinsam ging es dann gegen 16.00 Uhr zum Fahrzeug und  nach Königsstein wo wir dem Schloß Königsstein einen kurzen Besuch abstatteten. Nach einem  Eis in Bad Schandau und Abendessen (Geschnetzeltes mit Nockerl) in unserem Camp begaben wir uns zur wohlverdienten Nachtruhe.

Am nächsten Tag wurde alles zusammengepackt und es ging wieder Richtung Tschechei. Gleich nach der Grenze besichtigten wir noch das Prebischtor (größtes Felsentor Europas) und dann ging es Richtung Heimat.

Fazit: Die sächsische Schweiz ist in jedem Fall eine Reise wert, wunderschöne Gegend, freundliche und nette Menschen. Und wenn man zur richtigen Zeit anreist , unter der Woche, ohne Feiertag (ab Karfreitag ist hier die Hölle los) gibt es hier auch kaum Touristen und Kletterer. Etwas Erfahrung mit alpiner Kletterei wäre hier schon angebracht, aber auch ein wirklich gute Sportkletterer wird hier seine Touren finden. Man darf auch die Bewertungen nicht immer so erst nehmen, eine Route, die  um 1900 mit II oder III bewertet wurde, ist heute durch die viele Begehung auch anders einzustufen. Eine wirklich positive Sache hat der Sandstein schon, auch wenn der Fels durch die vielen Begehungen abgeschliffen ist, man hat durch die Reibung des Sandes immer einen guten Stand.   Weiters möchte ich noch mal unseren „Hüttenwirt“ Steffen von der Ottendorfer Hütte erwähnen, welcher für uns wirklich kompetente Touren- und Klettervorschläge parat gehabt hatte. Auch die Unterkunft (sauber) und das Essen (reichlich und gut) war für diesen Preis angemessen. Wer nicht in einem Lager schlafen will, für den gibt es dann in Zukunft (wird gerade gebaut) ein Gästehaus mit Zimmer. Falls jemand Interesse hat, hier gibt es die Adresse: Ottendorfer Hütte, Inh. Steffen Michel, Hautpstrasse 27, 01855 kirnitzschtal/OT Ottendorf, Mail info@klettern-sachsen.de bzw. www.klettern-sachsen.de

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering


Tourengänger: Matthias Pilz

Galerie


Slideshow In einem neuen Fenster öffnen · Im gleichen Fenster öffnen


Kommentar hinzufügen»