Klettertour "Le dos de l'eléphant" 6c (Korsika)


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 13. September 2016 um 20:57.

Region: Welt » Frankreich » Korsika » Bavella
Tour Datum: 4 September 2016
Klettern Schwierigkeit: 6c (Französische Skala)
Wegpunkte:
Zeitbedarf: 6:00

“Le dos de l’eléphant” – der Elefantenrücken – die berühmteste Tour auf Korsika. Ein knapp 300 Meter hoher Monolith aus schönstem Granit. In den unterschiedlichsten Berichten über diese Tour wird sie unter anderem als “schönste Tour Frankreichs” und sogar als “eine der schönsten Granitklettereien der Erde” bezeichnet. Das mussten wir sehen, hier also unser Bericht mit dazugehörigen Zitaten aus dem Kletterführer. Die Tour wurde bereits zwei Mal mit Bohrhaken saniert “ohne das Abenteuer zu zerstören”, dennoch gilt die Absicherung als höchst anspruchsvoll. Und wegen der Kompaktheit des Gesteins können keine eigenen Sicherungen angebracht werden. Unser Nachbar am Campingplatz meinte zu unserem Plan jedenfalls nur “Ja krass ej”, woraufhin Tanja sich Sorgen machte.
Um der Hitze zu entgehen, standen wir um 8 Uhr am Einstieg, der war leicht zu finden – entgegen der Internetberichte. Die erste Länge führt über glatte Platten 45m hinauf. Der 7. Grad wird nie überschritten, kaum ein Schritt ist aber auch leichter. Und so wird uns trotz Schatten bei Hakenabständen jenseits der 5 Meter heiß. “Kletterei auf überaus schönem Fels über wunderschöne Strukturen hinauf in das Meer der gefürchteten Platten”. Die zweite Länge führt über einen überhängenden Tafoni-Quergang hinauf. Eine sehr glatte Stelle führt zum Beginn des gefürchteten Plattenpanzers. Doch an dessen Beginn finden wir gute Risse vor und können in schönster Piaztechnik hinaufklettern. Dann aber stehen wir am Beginn der Platten. “Wissend, dass abklettern unmöglich ist, kann man nur hoffen, dass der gewählte Weg zum nächsten Bohrhaken ein guter ist”. Das stimmt.
Doch wir können von unserer Platten-Erfahrung aus der Schweiz profitieren und jede kleine Delle optimal als Tritt nutzen. Dennoch gilt auch für uns, “dass das Klicken beim Einhängen der Zwischensicherung ein Gefühl der größten Erleichterung hervorruft”. Bald aber neigt sich der Elefantenrücken zurück und ein letzter Tafoni führt zum Gipfel.
Nach einer langen Abseilfahrt gönnen wir uns eine Abkühlung im kühlen Nass der vielen Badegumpen. Tatsächlich ist die Tour wohl wirklich eine der exklusivsten, wovon auch immer. Kein einziger Meter schlechte Kletterei, höchste Felsqualität und kühne Absicherung! Ein Muss für Kletterer dieses Schwierigkeitsgrades und wohl tatsächlich unter den schönsten Touren zu nennen!

ZUSTIEG: Parkplatz 1km westlich der Hameau d'Arghjavara (GPS sehr hilfreich) (41.82000°N 9.25944°E). Vom westlichen Ende des Parkplatzes folgt man dem auf der anderen Straßenseite beginnenden Pfad in den Wald. Bald erreicht man ein ausgesetztes Felsband im Wald, welches mittels Fixseil überwunden wird. Einige Meter danach führt ein Seil hinab zum Bach (Canyoningeinstieg), hier oberhalb des Seils weiter waagrecht in den Wald. Bald führt dieser Weg hinab zum Bach und erreicht diesen kurz vor einer Gumpe mit Wasserfall. Unmittelbar vor der Gumpe hinter Büschen über ein Band nach rechts aufwärts (II) und am Ende des Bandes nach links zurück (II), Abseilstand hinter einem kleinen Baum an 2 BH - jedoch unnötig). Über eine Rinne hinauf und den Steinmännern zum Einstieg folgen. Zwei Routen führen hier unmittelbar nebeneinander aufwärts - links "Le dos" mit Edelstahllaschen und rechts "Jeef" mit eine Alu-Lasche am Beginn, dann Edelstahllaschen. (1h)

ROUTE: 
SL1: Über die glatte Platte, vom ersten bis zum letzten Meter schwer, zum ersten Stand unter Tafoni-Überhang. 6a+
SL2: Nach rechts den Piaz hinauf, am Überhang ganz nach links queren und über eine sehr glatte Stelle zum Stand. 6a

SL3: Über einen tollen Piazriss hinauf und nach links ansteigend querend zum Stand. Die letzten beiden BH sind sehr hoch gebohrt. Wer eine freie Begehung machen möchte, der hängt beide Zwischensicherungen von einem Henkel ein, klettert dann gut 1-1,5m zurück und quert über die extrem glatte Platte mit Hilfe kleiner Trittdellen zum Stand. 6c
SL4: Über die Traumverschneidung hinauf, über den Rissüberhang und zum Stand. 5c
SL5: Rechts aufwärts und über Risse links sehr schön aufwärts. 5c
SL6: Ab hier beginnt die Reibungskletterei. Nach links an die Kante und an dieser (leider 2 alte Rostgurken) aufwärts. Über einen Überhang hinweg zum Stand. 6a
SL7: Nach steilem Start entlang der Kante immer steiler werdend aufwärts. 6a
SL8: Schwer hinauf zu den Dellen, nach rechts und über die tollen Dellen hinauf. 5c
SL9: Über den Tafoni hinauf und über die Platte zum Gipfel.
Es gibt noch die Möglichkeit, nach einem Gehgelände 3 SL der Jeef anzuhängen, jedoch muss man dann über die (uns unbekannte) Route Delikatessen abseilen, da der Routenverlauf im oberen Teil abseilen unmöglich macht.

ABSTIEG: Über die Tour abseilen. Unterhalb der schönen Verschneidung in Falllinie noch 2x abseilen (Stand von oben am Baum sichtbar).

ABSICHERUNG: +++/++++: Alle Stände an 2 BH - in den Seillängen Bohrhaken. An schweren Stellen enge Abstände und günstige Platzierung. In den Plattenlängen jedoch auch im 5c/6a-Bereich knappe 10m Abstand.

SCHWIERIGKEIT: 6b+/6c (6a obl.). Harte Reibungs-Schlüsselstelle an Platte. 6a-Reibungsstellen müssen obligat und ohne große Nervosität geklettert werden.

EXPOSITION und HÖHENLAGE: Süd, ~1000m - Bedingte Sommerkletterei, früher Einstieg sehr empfehlenswert. Zudem nur bei windigem Wetter einsteigen - Transpiration ist in dieser Tour besonders ungünstig ;-)

TOPO: "Grandes voies de Corse" (2015) - Info - sehr gut gemachter Kletterführer mit englischer Übersetzung.

WETTER: Sonnig
 
MIT WAR: Tanja
 
Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz


Galerie


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