Trampelpfade am Üetliberg: Die Grosse Runde


Publiziert von Uto869 Pro , 7. Mai 2016 um 11:25.

Region: Welt » Schweiz » Zürich
Tour Datum:21 April 2016
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Zeitbedarf: 3:30
Aufstieg: 150 m
Abstieg: 150 m
Strecke:Zürich: Ringlikon - Hohenstein - Fallätsche - Jurablick - Ringlikon
Zufahrt zum Ausgangspunkt:ÖV: S10 bis Ringlikon; Auto: PP in Ringlikon oder Waldegg
Kartennummer:LK 1:25'000, Blatt 1091 (Zürich)

  

Die Grosse Runde setzt sich aus den folgenden Trampelpfadabschnitten zusammen: Trampelpfad Ost, Traverse Fallä t s ch e, Coiffeur p fad - für Üetzgi-Pfädchenliebhaber ein wahres Highlight! Auf keiner anderen Route kann man am Üetliberg so lange am Stück auf kleinen, einsamen Pfaden unterwegs sein. Auf keiner anderen Route gewinnt man einen so guten Einblick in die landschaftliche und biologische Vielfalt des Zürcher Hausbergs. Und auf keiner anderen Route kann man einen so guten Überblick über die Vielfalt an Trampelpfadrouten gewinnen, die zu kleinen Abenteuern vor der Haustüre einladen. Der Trampelpfad Ost und die Fallätsche-Traverse sind auf Hikr im Detail beschrieben unter Trampelpfade am Üetliberg, Nummern 2 (Trampelpfad Ost, nördlicher Teil), 4 (Trampelpfad Ost, südlicher Teil) und 5 (Traverse Fallätsche), alles am einfachsten zu finden unter www.trampelpfade-am-uetliberg.ch. Der Coiffeurpfad ist auf Hikr verschiedentlich beschrieben worden; er findet sich auch im Buch „Zürcher Hausberge“ von Remo Kundert und Marco Volken (Coiffeurwegli, S. 19; Coiffeurwegli plus, S. 20).

 

Die Grosse Runde

 

Ich bin bei der SZU-Station Ringlikon gestartet und habe die Route im Uhrzeigersinn in Angriff genommen. Los geht’s Richtung Hohenstein (Mammutbaumallee, Schwendenholzweg), von dort auf der Hohensteinstrasse bis zur Abzweigung des Grat- oder Treppenweges (auf dem Wegweiser: Gratwegli). Diesem folgt man, überschreitet die kleine Brücke über den Döltschibach (zurzeit finden hier Sanierungsarbeiten im Bachbett statt), steigt etwas an und kommt zur Kreuzung des Gratweges mit dem Biketrail. Zwei, drei Schritte danach zweigt der Trampelpfad Ost nach links (alle Richtungsangaben in Gehrichtung) ab: ein etwas unscheinbarer Anfang. Hat man ihn gefunden, wird schnell klar: Da ist ein ausgetretener Pfad, der dem Hang in einer schönen Linie folgt. Jetzt kann punkto Orientierung eigentlich für längere Zeit kaum mehr etwas schief gehen, sofern man die Augen offen hat und sofern man sich stets vergegenwärtigt, dass der Trampelpfad Ost die Üetliberg-Flanke in der Horizontalen durchquert. Wo Zweifel betreffend den weiteren Verlauf bestehen, gilt: nie wirklich aufsteigen, nie wirklich absteigen. Der Pfad ist ein Pfad, kein unterhaltener Weg: Da sind morsche Brücklein, querliegende Baumstämme, sumpfige Stellen, enge Passagen … Alles, was zum Trampelpfadfeeling gehört. Gelegentlich muss man etwas aufpassen, um an heiklen Stellen nicht seitlich abzurutschen. Aber bei einigermassen guten Verhältnissen ist das Begehen des Pfades zwar kein Sonntagsspaziergang, aber auch kein grösseres Problem (T3). Ein Stock leistet da und dort gute Dienste. Mancherorts lässt sich schön beobachten, wie Trampelpfade entstehen: Ist eine Stelle schlecht passierbar, entsteht eine neue Spur. Und zwei, drei Jahre später ist’s dann ein echter Trampelpfad. Der grösste Teil des Trampelpfades Ost verläuft im Wald, umso grösser die Überraschung, wenn man auf das Rossweidli stösst: eine grosse, feuchte Wiese, von der aus man einen phantastischen Überblick über die Stadtquartiere Wiedikon und Enge hat. Zurzeit ist die Wiese auf den ausgelegten Brettern gut passierbar; gelegentlich kann es hier aber ganz schön sumpfig sein. Später quert man den Linderweg (Friesenberg - Uto Staffel) und den Denzlerweg (Cholbenhof - Uto Kulm). Dem Üetlibergweg/Laternenweg (Albisgüetli - Uto Staffel), den man später erreicht, folgt man etwa 30 Schritte abwärts und findet dort auf der rechten Seite den „Einschlupf“ zur Fortsetzung des Trampelpfades Ost. Auch dem Föhreneggweg/Berneggweg (Albisgüetli - Uto Staffel), auf den man danach trifft, folgt man abwärts: ein gutes Stück weit (rund 160 Schritte), bis man zur Rechten auf die problemlos sichtbare Fortsetzung des Trampelpfades stösst. Jetzt folgt der einfachste Teil, der sich auch mit kleineren Kindern gut begehen lässt (T2). Dreckige Schuhe und Hosen sind allerdings garantiert. Auch auf diesem Pfadabschnitt gilt: Nirgends wirklich ansteigen, sonst ist man falsch. Den kleinen Waldweiher kurz vor der Höckleregg umgeht man links (der Pfad rechts herum führt hoch zur Gratstrasse, und die wollen wir ja erst eine ganze Weile später erreichen). Die Höcklerstrasse wird bei einem Picknickplatz und einem Brunnen erreicht. Man folgt ihr aufwärts, schneidet eine Kurve, die weit nach rechts ausholt, auf einem schmalen Pfad ab, folgt nochmals der Strasse und biegt dann links in eine unbefestigte Waldpiste (Markierung: Reitverbot) ein. Dieser folgt man bis zum Maneggweg am Nordrand der Fallätsche. Man steigt auf diesem auf und gelangt so zur Teehütte (etwas versteckt, links vom Weg). Jetzt folgt der herausforderndste Pfadabschnitt, die Traverse der Fallätsche (T4). Von der Terrasse der Teehütte aus hat man einen guten Überblick über den Erosionstrichter, den es zu durchqueren gilt. Ganz so wild, wie’s auf den ersten Blick aussieht, ist die Sache allerdings nicht. Auch die Traverse erfolgt auf einem Trampelpfad. Allerdings braucht die Wegfindung etwas Erfahrung. Und es gibt ausgesetzte Stellen, an denen man bös abrutschen oder gar abstürzen könnte. Nichts für Unerfahrene also, nichts für Kinder, T4 ist eine ernsthafte Alpinwanderschwierigkeit. Wer auf die Traverse verzichtet, kann von der Teehütte aus direkt zur Gratstrasse aufsteigen und auf der anderen Seite via Fohlenweid die Grosse Runde fortsetzen. Wer die Fallätsche begeht, steigt auf dem schmalen Pfad, der unmittelbar auf der Ostseite der Teehütte beginnt (Talseite, zwischen Hütte und WC), ab. Bald erreicht man einen ersten Punkt, von dem aus man gut in die Fallätsche hineinsieht. Man steigt hier jedoch noch nicht ein, sondern folgt dem Pfad auf einer Links- und einer Rechtskurve und erreicht dann einen liegenden, kahlen Baumstamm mit abstehenden Ästen. Von hier geht es auf einer gut sichtbaren Spur rechts vom Abstiegspfad, der zur Bristenstäfelihütte führt, weg und in den eigentlichen Erosionstrichter hinein. Bald schon erreicht man den Schuttkegel direkt unter der Teehütte. Diesen quert man schräg aufsteigend auf Trittspuren, die einmal deutlicher und einmal weniger deutlich sichtbar sind. Am gegenüberliegenden Rand des Dreckkegels gilt es, ein paar Schritte in der Vertikalen aufzusteigen. Dann steht man auf dem eigentlichen Trampelpfad und kann in dessen weiteren Verlauf quer durch die Fallätsche eigentlich nicht mehr fehlgehen. Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass da immer ein Pfad ist: manchmal etwas versteckt, manchmal von einem kleinen Murgang überdeckt. Aber es ist da immer eine Spur: Sieht man sie nicht, ist man falsch. Also nie weitergehen ohne Pfad, das kann in der Fallätsche schnell heikel werden. Gegen den südlichen Rand des Erosionstrichters zu kommt man zuerst zur grossen Metallleiter (rechts), via die man direkt und steil zur Gratstrasse aufsteigen kann (T4). Bleibt man auf dem horizontalen Pfad, erreicht man kurz danach die mächtigen Felsen, auf denen die Glecksteinhütte thront. Und wenig später gelangt man zur Rippe, die das Südende des Erosionstrichters markiert. Auch von hier kann man direkt zur Gratstrasse aufsteigen. Vom Traversepfad aus sichtbar ist das untere Ende einer Reepschnur; danach folgt ein blaues Seil über eine ausgesetzte Felspartie (T4+). Ich empfehle aber, dem horizontalen Pfad weiter zu folgen, und zwar bis zur versteckten, selten besuchten Alpinahütte. Zwischen Hütte und Schopf wendet man sich nach rechts und findet dann rasch einen alten Pfad, der früher befestigt war (Metallrohre im Boden). Ihm folgt man zuerst in westlicher Richtung; dann kehrt man in nördlicher Richtung an den Fallätsche-Südrand zurück (einige wenige gelbe Markierungen). Am Fallätsche-Rand geht es aufwärts (im oberen Teil pinke Markierungen der Waldarbeiter). Wo es flacher wird, wenden man sich nach halblinks und stösst alsbald auf einen Picknickplatz an der Gratstrasse. Diese überquert man und steigt am Waldrand pfadlos 20 Höhenmeter ab, bis man auf das obere Feldsträsschen stösst, das zur Fohlenweid führt. Von hier geht es weiter dem Waldrand entlang (obere Begrenzung der Fohlenweid-Lichtung). Der Feldweg ist sumpfig, zwei- oder dreimal muss man einen Weidezaun übersteigen. Am nördlichsten Punkt der Fohlenweid-Lichtung trifft man bei zwei Ruhebänklein und einem Jägerhochsitz auf das südliche Ende des Coiffeurpfades (Volken: Coiffeurwegli plus). Ab hier ist die Wegfindung für eine ganze Weile wieder einfach. Wie auf einem Balkon durchquert man die Westflanke des Üetlibergs. Kurz vor dem Hof Altüetliberg (er ist heute ein Pfadfinderheim der Abteilung Glockenhof) gilt es, eine wenig sichtbare Abzweigung nicht zu verpassen: Es geht schräg links hinunter. Bleibt man auf dem horizontalen Pfad, kommt man aus dem Wald heraus und zum Pfadiheim. Ist man auf dem richtigen Pfad, muss man sich noch durch dichtes Unterholz schlagen und erreicht dann bald den Stallikerweg (Sellenbüren - Uto Staffel). Auf diesem geht es drei, vier Schritte abwärts - und schon beginnt rechter Hand der nördliche Teil des Coiffeurpf ad es (Vol ke n: Coiffe ur w eg li). Dieser ist eine Mischung aus angelegtem Weg und Trampelpfad (T2): etwas breiter, etwas deutlicher, etwas weniger „schwierig“ als der Trampelpfad Ost. Auch hier gilt: immer schön horizontal bleiben, nicht aufsteigen, nicht absteigen. Einige wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel.  Einmal gilt es, das Geschiebe eines alten Murgangs zu überqueren: Ob man „obenrum“ oder „untenrum“ geht, es ist eine dreckige Angelegenheit. Sonst aber ist gemütliches Wandern angesagt und bald schon ist das Teehaus Jurablick (offen an Wochenenden) erreicht. Und bald auch schon, bei der SZU-Station Rin gliko n, das Ende der Grossen Runde. - Selbstverständlich sind auch andere Anfangs- und Endpunkte denkbar. Wer als passionierter und erfahrener Kraxl er die Grosse Runde "standesgemäss" absolvieren will, erreicht den Trampelpfad Ost beispielsweise auf dem Friesenburgpfad Nord (T4+, die schwierigste Route ausserhalb der Fallätsche; ich empfehle dringend, sie nicht abwärts zu begehen) und steigt nach der Runde via Friesenburgpfad Süd (T3) wieder ab. - Und selbstverständlich kann die Grosse Runde auch in der Gegenrichtung begangen werden. Der Schwierigkeitsgrad ändert sich deswegen nicht. Nicht ganz einfach ist es, bei der Überquerung des Stallikerweg es den "Einschl up f" in den südlichen Abschnitt des Coiffeurpfades zu finden (nur wenige Schritte "ob si", dann rechts). Heikel ist der Abstieg am Fallätsche-Südrand über die Felsen (blaues Seil); ich empfehle deshalb die Schlaufe über die Alp in a-Hütte (gelber Pfeil bei der Abzweigung). Auf dem Laternenweg findet man den Einstieg in den Trampelpfad Ost, wenn man auf die Nummern der Laternen achtet: Bei Nummer 15 geht es rechts ab. - Die Mitglieder der kleinen Üet z gi-Trampelpfad-Community können die Grosse Runde auch dazu benützen, ihre Routenkenntnis zu überprüfen. Wer erkennt jeden Pfad, den er überquert? - Last but not least zeigen sich auf der Grossen Runde Rippen und Routen, die auf Hikr noch nicht beschrieben worden sind. Wer wagt sich beispielsweise an die Beschreibung der kleinen Rippen zwischen Föhreneggweg und Höcklerpf ad, wer beschreibt systematisch die Trampelpfade in der Westflanke?

 

 


Tourengänger: Uto869


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Kommentare (2)


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cs_hikr hat gesagt: Grosse Runde mit dem SAC Uto
Gesendet am 7. Mai 2016 um 16:47
Das wirklich ein phänomenaler Zufall: zu gleichen Zeit, zu der dieser Bericht veröffentlich wird, leite ich eine Gruppe von 10 Teilnehmern des SAC Uto durch die «Grosse Runde» - wie empfohlen mit dem standesgemässen Aufstieg über den Friesenburgpfad Nord, sonst aber in umgekehrter Richtung, also zuerst Trampelpfad Ost und dann der Coiffeurweg, vgl. auch http://www.sac-uto.ch/de/jugend/tourensuche.html?page=detail&touren_nummer=4409 Uto869, irgendwann werden wir uns wohl auf diesen Pfaden begegnen!

Uto869 Pro hat gesagt: RE:Grosse Runde mit dem SAC Uto
Gesendet am 7. Mai 2016 um 18:57
Danke, Dein Feedback freut mich! Ja, was für ein Zufall ... Ich begegne selten jemandem auf den schwierigeren Trampelpfaden, schon gar nicht ganzen Gruppe. Speziell freut es mich, dass die Rückmeldung von einem Mitglied der SAC-Sektion Uto gekommen ist. Vor gut 50 Jahren wurde ich Mitglied der JO Uto. Da ich später ins Glarnerland wechselte, in ich heute bei der Sektion Tödi. Viel Spass weiterhin auf den versteckten Pfaden an unserem Hausberg! Und ja, vielleicht kreuzen sich einmal unsere Wege ... Uto869


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