Stabilität eines Seraks/Hängegletscher vor und nach einem Abbruch.


Publiziert von nprace, 9. März 2015 um 13:01. Diese Seite wurde 622 mal angezeigt.

Irgendwann habe ich gehört, dass nach einem Felssturz die benachbarten Felsen aufgrund der Erschutterung  für bis zu 8 Jahren als 'instabil' berucksichtigt werden sollen. Daher wird empfohlen diese Zonen zu meiden. Dies war/ist sicherlich nur einen Daumenregel....
Dennoch, wollte ich fragen ob jemand weiss ob einen ähnlichen Regel für Hängegletscher/Seraken gilt?

Konkret: wenn ich 'frisches' Abbruchmaterial unter einem Serak/Hängegletscher sehe kann ich davon ausgehen, dass der Serak wenigstens für den Moment 'entspannt' ist und das Risiko etwas reduziert ist? Oder gilt eher mehr Vorsicht (als sonst in diese Zonen), da der Abbruch evtl. der Eis weiter destabilisiert hätte? Oder kann man ganz genau nichts sagen...

Danke!
N



Kommentare (4)


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laponia41 Pro hat gesagt:
Gesendet am 9. März 2015 um 19:30
Sicher ist da nur, dass nichts sicher ist. Also möglichst schnell durch und nicht zuviel denken. Die Statik in Gletschern hat ihre eigenen Gesetze. Ein Beispiel siehe hier: www.hikr.org/gallery/photo750233.html?post_id=48542#1.

eva79 hat gesagt:
Gesendet am 9. März 2015 um 19:51
Kommt darauf an, wie viel Abbruchmaterial da rumliegt. Grds. deuten mehrere kleine Abbrüche darauf hin, dass da demnächst etwas Grösseres zu erwarten ist, siehe bspw. Seracs an der Grandes Jorasses letzten Herbst oder Abbrüche in der Brenvaflanke. Ist aber auch nur eine Tendenz. Knacken ist ebenfalls ein Zeichen, dass demnächst etwas kommt. Seracs haben leider keinen Fahrplan, es gibt keinen Tagesgang (siehe Abbrüche auf der Mulets Route am MB, die sind Tag und Nacht) und auch keine Zusammenhänge mit der Temperatur/ Wind etc. Wenn der Riss im Inneren gross genug ist, folgen sie halt dem Gesetz der Schwerkraft.

Hatte diesbzgl. letztes Jahr Austausch mit einem Glaziologen, bei uns beschloss ein Serac am Hängegletscher vom Eiger beim Aufstieg dem Gesetz der Schwerkraft zu folgen, war ziemlich eindrücklich und ziemlich knapp.

Delta Pro hat gesagt:
Gesendet am 10. März 2015 um 13:14
Wie in den Kommentaren oben schon angetönt: Eine einfache Regel gibt es nicht.

Unterscheiden muss man auch zwischen "Seracs" und "Hängegletscher". Das ist nicht dasselbe: Seracs sind "normale" Gebilde, die bei sehr starker Verspaltung des Gletschers vorkommen. Deshalb brechen diese auch in einigermassen regelmässigen Abständen (angetrieben durch den Gletscherfluss) zusammen. Hängegletscher sind schwieriger einzuschätzen. Sie können sich über mehrere Jahre / Jahrzehnte aufbauen und dann mehr oder weniger ohne Vorwarnung als Ganzes abbrechen.

Falls frisches Abbruchmaterial unter einem Hängegletscher liegt kann dies darauf hindeuten, dass ein grösserer Abbruch bevorsteht (muss aber nicht). Bei Seracs könnte man tatsächlich davon ausgehen, dass die Gefahr kurz nach einem Abbruch etwas geringer ist, da erst wieder neues Material in eine instabile Lage gebracht werden muss. Mit Sicherheit kann man das aber nicht sagen.

Auf jeden Fall sind Ablagerungen von Eis-Abbrüchen immer ein Warnzeichen, ob sie nun frisch oder schon älter sind.

Gruss Delta

nprace hat gesagt:
Gesendet am 10. März 2015 um 22:07
Hey, vielen Dank für die Kommentaren und Antworten. Die Frage wurde von unserer Erfahrung unter dem Nordend letztes Jahr motiviert: keine Ablagerung gesehen und dann 20 Minuten später um eine Haaresbreite der Eislawine entkommen. Gerne NIE wieder.
Thanks und weiterhin gute Touren.
N


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