Diamox bei 4000ern?


Publiziert von eva79, 7. April 2011 um 08:54. Diese Seite wurde 1471 mal angezeigt.

Liebe Community

Mich beschäftigt gerade obiges Thema aus halbwegs aktuellem Anlass.

Erstmal vorab: ich gehe seit einigen Jahren Hochtouren und habe mir nie Gedanken gemacht etwas "einzuwerfen". Bei mir gehen tiefe 4000er relativ gut aus dem Stand, bei hohen 4000ern wie z.B. dem Mont Blanc ists natürlich mühsamer. Auf letzterem war ich sowohl schon akklimatisiert als auch unakklimatisiert, letzteres ist eben mehr Quälerei und dauert länger, "lustvoller" ists akklimatisiert;-). Irgendwie gehört das ja aber auch dazu.

Letztes Weekend war ich an der Dufourspitze unterwegs, der Tourenkollege hat schon davor und auch auf der Hütte entsprechend Diamox "eingeworfen", auf mein Kommentar "das ist ja Doping" kam, dass das ganz unbedenklich sei. Da ich mich nicht damit auskenne, habe ich nicht weiter diskutiert.
In der Tat hatte er am nächsten Tag trotz ziemlicher Erschöpfung am Tag zuvor als wir auf der Hütte ankamen kaum Höhenprobleme, während ich die Höhe schon deutlich gemerkt habe.

Wieder daheim habe ich mich mit einem befreundeten Bergführer unterhalten und der hat da sehr deutliche Worte gefunden, nämlich dass das eindeutig Doping sei und völlig daneben. Abgesehen davon gäbe es da ja wohl auch noch ein paar nicht ganz ungefährliche Nebenwirkungen (Schwindelgefühl, Taubheitsgefühl etc.), die gerade bei Bergen, wo man sich z.B. auf Graten bewegt, nicht ganz ohne sind.

Daher jetzt mal aus Interesse: Was haltet ihr davon und wie handhabt ihr das?

 P.S.: Für alle, denen Diamox nichts sagt: das erleichtert die Höhenanpassung erheblich...
 



Kommentare (17)


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MaeNi hat gesagt:
Gesendet am 7. April 2011 um 09:22
Hier ein Auszug aus der Patienteninformation gemäss www.kompendium.ch....mmhh..sehr lecker!

Welche Nebenwirkungen kann Diamox haben?
Häufig (1–10%) werden Parästhesien (Missempfindungen in den Gliedmassen, einschliesslich Taubheitsgefühl und Kribbeln an Armen, Beinen und Gesicht), Hitzegefühl, Leistungsabfall und leichte Magen-Darm-Beschwerden, wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Geschmacksstörungen, Durchfall, Erbrechen, krampfartige Beschwerden oder Teerstühle, meist zu Beginn einer Acetazolamidtherapie beobachtet. Diuresebedingt kann es zu Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, gelegentlich Mundtrockenheit, Blutdrucksenkungen sowie zu einem vermehrten Harndrang kommen. Diese Nebenwirkungen klingen jedoch in den meisten Fällen nach mehrtägiger Behandlung wieder ab.

Gelegentlich (0,1–1%) wurden Ohrgeräusche und Hörstörungen, vorübergehende Kurzsichtigkeit, nach längerer Behandlungsdauer Verwirrtheit, Erregung, Depressionen, Ataxie (Störungen der Koordination von Bewegungsabläufen), schlaffe Lähmungen und Krampfanfälle beobachtet. Vor allem bei Langzeittherapie kann es zu Störungen des Elektrolythaushalts (Kalium, Calcium, Natrium, Magnesium, Chlorid) mit Muskelverspannungen oder Wadenkrämpfen kommen. Das Auftreten einer metabolischen Azidose (Übersäuerung des Blutes) und daraus folgend Hypercalciurie (vermehrte Calciumausscheidung im Harn) mit Bildung von Nierensteinen wird beobachtet. Die metabolische Azidose kann durch Zufuhr von Bicarbonat behoben werden. Hyperurikämie (erhöhte Harnsäurekonzentration im Blut), Kristallausscheidung im Urin, Gichtanfälle, Nierenversagen und Hypo- oder Hyperglykämie wurden beobachtet. Nach Langzeittherapie kann Acetazolamid zu Osteomalazie (erhöhte Weichheit und Verbiegungstendenz der Knochen) führen.

Eine Anwendung von Acetazolamid bei Kindern kann Wachstumsverzögerungen hervorrufen.

Sehr selten (<0,01%) werden typische Sulfonamidnebenwirkungen, wie Hautveränderungen (einschliesslich Erythema exsudativum multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Necrolyse), thrombozytopenische Purpura (Hautblutung), Fieber, Lichtempfindlichkeit, Blut im Urin, anaphylaktische Reaktionen bis hin zum Schock, Blutbildveränderungen (aplastische Anämie, Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose), Glukosurie (erhöhte Ausscheidung von Glukose im Harn), Leberfunktionsstörungen (sehr selten: fulminante Lebernekrose [massiver Zerfall der Leberzellen]) oder Gelbsucht durch Gallestauung in der Leber beobachtet. Bei Auftreten solcher Reaktionen ist das Präparat unverzüglich abzusetzen und eine geeignete Therapie einzuleiten. Bei Patienten mit Herz- oder Lungenkrankheiten kann Diamox eine bestehende Azidose verstärken und damit zu vermehrten Atembeschwerden führen.


eva79 hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. April 2011 um 09:29
Nebenwirkungen haben ja sicherlich alle Medis irgendwie, zumindest theoretisch;-). Und das mit dem mehr pieseln wurde mir auch vom Kollegen gesagt.
Nur finde ich Taubheitsgefühl, Missempfindungen und Co. in einer Seilschaft fast unglücklicher, denn pieseln tut ja noch jede(r) allein, angeseilt am Grat + sichern ist da schon eher eine andere Geschichte;-).

MaeNi hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. April 2011 um 09:34
Das Interessante daran ist ja, dass Diamox Nebenwirkungen hat, die man beim Bergsteigen so gar nicht gebrauchen kann..

Wir ziehen da eine vernünftige und natürliche Akklimatisation vor..

In diesem Sinne wünschen wir gute Touren (wie hoch oben auch immer)

LG

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. April 2011 um 09:37
Ja, ja, das ganz alltägliche Doping ist leider eine gerne ignorierte Folge des "höher, weiter, schneller":

NZZ 22.07.2009, Doping greift im Breitensport um sich

Zaza hat gesagt:
Gesendet am 7. April 2011 um 09:49
Man könnte auch Viagra nehmen, sofern man mit den Nebenwirkungen klar kommt.

Im Ernst: Das Thema wurde auf allerhand Bergsteigerforen des öfteren durchgekaut, via Google solltest du einen guten Überblick der Meinungsvielfalt bekommen. Manche Leute haben gar keine Probleme mit Nebenwirkungen von Diamox, aber vermutlich haben manche Leute auch weniger Probleme mit der Höhe an sich.


eva79 hat gesagt: RE:
Gesendet am 7. April 2011 um 10:00
Mir ging es weniger um die Nebenwirkungen, denn lesen kann ich selbst;-) als mehr um die Frage nach der jeweiligen Praxis der Leute, die hier höher unterwegs sind.

Konkret: Wird Diamox o.ä. eingenommen oder nicht und warum. Nothing more...

kopfsalat Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. April 2011 um 12:58
wikiplödia meint dazu noch:

"Weil die Symptome der Höhenkrankheit durch Diamox maskiert wurden, kam es 1995 zu einem Todesfall durch Hirn- und Lungenödem.[7]"

Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 7. April 2011 um 13:25
Wenn man schon an 4000er Hilfsmittel braucht um die Symptome aufgrund mangelnder Höhenanpassung zu unterdrücken kann es bei noch höheren Gipfel ganz schnell gefährlich werden. Arzneimittel wie Diamox würde ich höchstens für eine Notlage empfehlen (extreme Kopfschmerzen, Schwindel) um so schneller absteigen zu können was man bei einer akuten Höhenkrankheit sowieso muss. Wer Probleme mit der Höhenanpassung an 4000er hat, soll sich lieber an 3000er akklimatisieren und dann die 4000er mit Genuss angehen.


nprace hat gesagt:
Gesendet am 7. April 2011 um 17:15
Bin mit Sputnk ganz einverstanden. Die Einstellung das man 'schnell' auf einem Berg rennt und jegliche Symptomen mit Medikamenten unterdruckt ist in meiner Meinung den falschen Vorgehen. 4000m ist keine wahnsinns Höhe und mit 2 Touren auf mässig höhen 3000er wird viel an Akklimatisierung und Kondition gewonnen. Das gleiche gilt für die ganz grosse Alpentouren.
Wie immer und überall in der Bergwelt soll Fortschritt progressiv und nicht schlagartig sein. Ich nehme keine Hilfsmittel sodern bevor der Saison der dünnen Luft beginnt, geht es auf kleineren Gipfeln. Dannach springt man problemlos weiter oben. Oder wie die Chamonx Führer sagen: " man beginnt nicht seine alpnistische Karriere auf dem Mt. Blanc". Mit super Zugverbindungen und Führer ist es troztdem verführerisch zu wagen aber finde ich ganz falsch...und die viele Horrorgeschichten solcher missgelungenen Abenteuern bestätigen eher diese Meinung.
Happy trails von oben bis unten
N

Mel hat gesagt:
Gesendet am 9. April 2011 um 09:59
ein mittel, dass gegen höhenkrankheit helfen soll und als nebenwirkungen u.a. schwindel, kopfschmerzen und übelkeit hat?! :D

Henrik hat gesagt: ..Diamox ist ein Notfallpräparat
Gesendet am 10. April 2011 um 21:43
dass wir auf der IPS führen - ich weiss, andere Nutzungen können zwar nicht verhindert werden, aber ....hiken mit mehr Vernunft ist m. E. hier mehr als nur angebracht!

Henrik Silberstein, 40 Jahre Pflegefachmann IPS Basel

bikerin99 hat gesagt:
Gesendet am 11. April 2011 um 19:45
Hmm, also ich muss sagen wenn ich Diamox brauche um auf einen 4000er zu Kommen dann schaue ich denn lieber von unten an = ich bleibe unten. --> Aber ich bin auch sonst von der alten Schule und halte nix von Medis zur Leistungssteigerung, sei es zur Prüfungsvorbereitung oder um schneller auf den Berg zu Kommen.

Meeraal hat gesagt: Berge aus eigener Kraft schaffen
Gesendet am 11. April 2011 um 20:05
Ich persönlich halte es so: Da ich, wie vermutlich auch der allergrößte Teil der hier angemeldeten User für mich selbst und nicht für irgendwelche andere Leute in die Berge gehe, möchte ich auch ein persönliches Erfolgserlebnis haben, was für mich voraussetzt, dass ich den Berg, welcher immer es auch ist aus eigener Kraft bestiegen habe, und nicht mit Hilfe von Medikamenten, Motoren, Maschinen und dergleichen mehr. Lieber kehre ich vorher um, wenn ich merke, dass ich es nicht schaffe. Ich würde mich selber bescheißen, wenn ich vorher (oder auch hinterher) irgendwelche Medikamente einnehmen würde. Ein Berg, den ich nur mit Hilfe von Medikamenten schaffen würde, kann mir also gestohlen bleiben. Da bleibe ich lieber unten. Gipfel um jeden Preis sind nicht mein Ding und ich möchte sowohl mir selbst gegenüber ehrlich und dem Berg gegenüber fair sein. Aus diesem Grund sind für mich Medikamente, Sauerstoff, Aufputschmittel, sogar Kopfschmerztabletten, sowie alle motorisierten Aufstiegshilfen, wie z.B. Seilbahnen als Hilfe um einen Gipfel zu erreichen absolut tabu. Als Notfallmedikament mitnehmen ist zwar okay, aber ohne wirklichen Notfall,- der auch automatisch den schnellstmöglichen Rückzug beinhaltet,- würde ich das Zeug niemals einnehmen. Niemals!
Gegen Höhenkopfschmerzen hilft bei mir Meersalz sehr gut und um bei längerem Aufenthalt in großen Höhen dem Eindickungseffekt des Blutes entgegenzuwirken, wird allgemein empfohlen, viel zu trinken. Auch das hervorragend schmeckende Gemüse Ingwer hilft, das Blut dünnflüssig zu halten.

Übrigends wurde Diamox, soweit ich weiß für Patienten mit überhöhtem Augeninnendruck entwickelt und auf diesen Anwendungsbereich sollte es sich auch beschränken.

Mel hat gesagt:
Gesendet am 3. Mai 2011 um 17:00
scheinbar gilt auch viagra in gewissen bergsteigerkreisen als willkommenes doping :D

[blog.tagesanzeiger.ch/outdoor/index.php/9766/viele-bergsteig...]

Baldy und Conny Pro hat gesagt: Leistung
Gesendet am 6. Mai 2011 um 11:19
Immer schneller und immer mehr.....

Vielleicht sollten man lieber mal auf den Körper höhren und nicht immer für alles Tabletten nehmen. Akkli ist das A und O und trotz Training ist man eben nicht jeden Tag in Hochform. Es kann nicht immer alles erzwüngen werden, vor allem in den Bergen nicht.

MaeNi hat gesagt: RE:Leistung
Gesendet am 6. Mai 2011 um 11:39
Wahre Worte!

Henrik hat gesagt: Es müsste die Klinik Mount
Gesendet am 9. Mai 2011 um 10:52
Everest vielleicht doch noch erfunden werden - da können alle Protagonisten hin, denen die Welt da unten zu langsam - zu wenig exponiert, zu wenig Sensationen bietet und der Körper noch zu wenig durcheinander gebracht ist... Weichmacher, Hartmacher, Kunstmacher, Flugmacher und Vernunftabbaumacher!


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