Lawinengefahr - Ratschlag / Meinungen


Publiziert von rbaumann, 1. Mai 2016 um 15:07. Diese Seite wurde 669 mal angezeigt.

Hallo zusammen

Ich wäre sehr an Eurer Meinung zu einer spezifischen Situation und die damit verbundene Lawinengefahr interessiert. Habe das Dok unter dem folgenden Link hinterlegt - da findet ihr Details.

https://www.dropbox.com/s/1opx3u1347ps3hb/Lawinensituation.pdf?dl=0


Danke und Gruess
reto



Kommentare (6)


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Erdinger hat gesagt:
Gesendet am 1. Mai 2016 um 19:36
Servus,

habs mir mal angeschaut. Als "total unkritisch" würde ich das nicht bezeichnen. Gefahr der Verschüttung ist zwar eher gering und direkt am Grat sieht es jetzt (solange man den Wechten nicht zu nahe kommt) auf dem Foto recht vernünftig aus. Aber mit einer Gleitschneelawine auf dem Hang nach unten zu rutschen (wo gehts da hin? kommt da irgendwann ne Abbruchkante oder ähnliches) wäre theoretisch schon denkbar. Sind weiter oben (kann ich nicht erkennen) Schneemäuler zu erkennen? Ich denke, dass die größte Gefahr ist, dass man (vor allem, wenn man später unterwegs ist und die Sonne schön drauf scheint) mit nem Schneebrett nach unten fährt. Von oben verschüttet zu werden ist wohl eher unwahrscheinlich. Ich glaub, ich wäre umgekehrt. Muss ja nicht sein, kann man auch im Sommer machen. LG

rbaumann hat gesagt: RE:
Gesendet am 1. Mai 2016 um 19:42
Hallo Erdinger... Besten Dank für Deine Einschätzung. Wir hatten uns vor Ort etwa die gleichen Überlegungen gemacht. Uns war es dann auch zu "heikel" und wir gingen zurück. Unten besteht nicht unbedingt die Gefahr über eine Klippe zu schiessen, aber es kommen irgendwann Bäume bzw. ein Wald. Wäre sicherlich auch sehr unangenehm.

Gruess
reto

beise hat gesagt:
Gesendet am 1. Mai 2016 um 22:21
Zu einer umfrangreichen Bewertung fehlt der Schneedeckenbericht (oder Datum).

Steigt die Lawinenwarnstufe im Lauf des Tages auf "mäßig"?

Rein vom genannten Altschneeproblem bewegen wir uns hier in der Gefahrenstufe "gering".

Die Schneemenge ist gering, die Temperatur ist allerdings katastrophal hoch.

Im Tagesverlauf auf jeden Fall Erhöhung der Nasschneegefahr. Ab mittag kommt die bereits steil stehende Sonne auch gut in unseren Nordwesthang.

Dass der Untergrund noch gefroren ist, ist positiv. Wie ist die Untergrundstruktur? Wie nass ist es?

Sagen wir es halten sich die erschwerenden Faktoren (Wärme, Sonne kann den Hang bald erreichen) und die günstigen (kalter Untergrund, relativ früh, Exposition Nordwest) die Waage.

Also Gefahrenpotenzial 4 für mäßig.
/
Reduktionsfaktor 3 für kleine Gruppe und Entlastungsabstände
x
Reduktionsfaktor 2 für Verzicht steiler als 39°
=
4/3x2 = 0,67
Das ist kleiner als eins also alles OK!

Allerdings zeigt die Hangneigungskarte und auch der Augenschein, dass 40° doch knapp neben der Spur überschritten werden könnten.

Da haben wir nur noch 4/3 = Restrisiko 1,33.
Das ist nicht oder bedingt akzeptabel. Es sind aber nur kleine Stellen. Eventuell am Grat umgehbar.

Ich glaube nicht das was losgeht, und es ist noch recht früh am Tag, der Untergrund noch angefroren. Ich denke man könnte es machen, wenn man keine unangenehm steilen Bereiche unmittelbar ober- oder unterhalb wahrnimmt.

Vom Augenschein bei der hohen Temperatur und aufziehenden Sonne sieht es mir aber schon nach leicht ungutem Bauchgefühl aus.

Für mich ein Grenzfall. Lässt sich aber von hier für mich nicht abschließend bewerten.

PS: Ausserdem wenn man dort strauchelt kann man sicher im Glitschigen famos abrutschen.

Ich würde vielleicht auch vor Ort umgekehren und ich finde die Entscheidung lässt sich gut stützen. Wenn das Bauchgefühl nein sagt, dagegen gibt es eh nichts mehr zu sagen.

Alpin_Rise hat gesagt: RE:
Gesendet am 2. Mai 2016 um 11:19
Ciao Beise,

Die von dir angewandte Reduktionsmethode ist bei Nassschnee nur bedingt gültig. Trockene Schneebretter würde ich auf Grund der Informationen praktisch ausschliessen (Stufe gering).

Besteht die Gefahr nasser Lawinen, kommt es sehr stark auf die Strahlungsbilanz und die Luftbewegung (Wind) an, diese ist mitunter wichtiger als die absolute Temperatur.
Faustregel: sobald du im Schnee einbrichst, kann es heikel werden. Ist die Schneedecke regelrecht durchnässt, können auch Hänge unter 30° gefährlich werden.
Nebst den "normalen" Nasschneelawinen sind in tiefen Lagen v.a. im Frühling auch immer die Gleitschneerutsche zu berücksichtigen. Diese können zu jeder Tageszeit abgehen.

Der Firzstock ist von der Geländeform sehr interessant: bleibt man konsequent auf dem Grat, minimiert man die Lawinengefahr, die Wächten erheischen aber Aufmerksamkeit. Normalerweise holt die Spur auch jeweils mehr oder weniger in den NW-Hang aus. Dein Bild ist übrigens genau unter der "Schlüsselstelle" bzw. dem Entscheidungspunkt, wo der Kamm über einige Meter steiler wird.
Für die Abfahrt ist der östliche Hangbereich viel weniger gefährdet als der westliche, der unten zusätzlich steil in eine Mulde abbricht.

Ferndiagnosen sind immer heikel; für mich überwiegen auf Grund der Informationen die "guten" Zeichen. Eine Begehung über den Grat würde ich als vertretbar einstufen. Allerdings lockt mit Ski die Flanke. Dabei ist die gewählte Linie sprich die Beurteilung vor Ort und an diesem Tag wohl die Tageszeit (Schneedurchfeuchtung) das Entscheidende.

Unfallfreie und gute Touren allen,
G, Rise

Schneemann hat gesagt:
Gesendet am 2. Mai 2016 um 07:28
Der Firzstock gilt iA als ziemlich sichere Tour, zumindest solange man auf dem Grat bleibt. Die Einfahrt in die steilen Hänge, was wohl der Normalfall ist, bedarf dagegen wohl der genaueren Einschätzung und ist nicht immer sicher. Aber bei Stufe 2 in früher Stunde entlang dem Grat hätte ich keine grösseren Bedenken. Die grösste Gefahr sind da wohl die Wechten...

rbaumann hat gesagt:
Gesendet am 2. Mai 2016 um 20:11
Hallo zusammen - besten Dank für die vielen Hinweise, Meinungen und Tipps... das macht echt Spass und ist überaus hilfreich.

Thx
reto


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