Expedition zum Khan Tengri


Publiziert von Matthias Pilz Pro , 22. September 2013 um 20:33.

Region: Welt » Kirgisistan » Inylchek
Tour Datum:26 Juli 2013
Wegpunkte:
Geo-Tags: KZ   KS   RC 
Zeitbedarf: 28 Tage

Nachdem die Trekkinggruppe die Heimreise angetreten hat kommen Hans und Joe von Österreich nach. Zu viert wollen wir den 7010m hohen Khan Tengri an der Grenze von Kirgistan, Kasachstan und China besteigen. Am Khan Tengri gibt es zwei „Normalwege“, einen von Süden und einen von Norden. Beide folgen ab dem Sattel gemeinsam dem Westgrat zum Gipfel. Während die Südroute erst am dem Sattel schwierig wird, jedoch davor an einigen Stellen sehr eisschlag- und lawinengefährdet ist, stellt die Nordroute die technisch höheren Ansprüche, ist jedoch objektiv deutlich sicherer.
Wir wählten den Anstieg von Norden, dessen Basislager ist (wie das südliche) per Hubschrauber erreichbar. Zu Fuß ist das nördliche Basecamp nur sehr schwer entlang des Merzbachersees erreichbar, in manchen Jahren gar nicht.
Der Anstieg führt vom Basecamp über drei Hochlager zum Gipfel. Hier eine kurze Beschreibung der Etappen:
 
Basecamp (4000m) – Camp 1 (4650m): Vom Basislager in direkter Linie in Richtung dem Firnhang. Anfangs ist der Gletscher flach und spaltenfrei, dann quert man eine bucklige Zone (egal wo) und gelangt über Schotter zum Fuß des Firnhangs. Der Firnhang ist nach Neuschneefällen lawinengefährdet, da man aber fast den gesamten Anstieg vom Basecamp sieht kann man sehr gut die Lawinenabgänge abwarten und dann starten. Über den Firnhang (Anfangs max. 35°) hinauf bis zu einer kurzen Stufe. Hier nun kurz steil (45°, evtl. Fixseil) hinauf zum Beginn der Querung. Diese ist deutlich flacher (rund 40°) als es von unten aussieht. An deren Ende über einen Steilhang mit Fixseil hinauf auf einen Firngrat und auf diesem (Fixseil) zum Camp 1. Dieses bietet max. 25 Zelten Platz. Wenn man noch etwa 100HM aufsteigt gibt es einen weiteren Platz für 5 Zelte. Wir nutzten diesen. Gehzeit ca. 3-4h
 
Camp 1 – Camp 2 (5500m): Vom Lager 1 wenige Meter hinauf zum Firngrat und nun (praktisch durchgehend mit Fixseil versichert) aufwärts. Einige Stellen sind 60° oder steiler. Ein Großteil des Anstiegs führt durch Firn, einige Meter durch Fels oder Eis. Eine Felsstufe wird in schöner Kletterei (ca. 3-) erklettert. Erst kurz vor Lager 2 erreicht man wieder flaches Gelände, auf einem Buckel enden die Fixseile und wenige Meter dahinter befindet sich Camp 2. Es bietet zahlreiche (windexponierte) Zeltplätze. Gehzeit ca. 6h
 
Camp 2 – Camp 3 (5900m): Kurz über Firn aufwärts und dann links des Grates durch die Flanke (Fixseil) aufwärts. Kurz unter der Wechte nach rechts und um eine Firnschneid herum. Nun hinauf zum Vorgipfel. Jenseits unschwer hinab ins Camp 3. Platz für zahlreiche Zelte. Gehzeit rund 5h.
 
Camp 3 – Gipfel: Vom Lager anfangs flach Richtung Gipfelgrat. Dann in der Flanke aufwärts (Fixseile) zu einer schweren Steilstufe. Nach dieser rechtshaltend durch sehr steilen Firn hinter einen Felsturm. Nun flacher zum Gipfel. Gehzeit in beide Richtungen ca. 12h
 
Normalerweise dominiert hier folgende Wetterlage: Bis etwa 14h sonniges Wetter, dann aufziehende Bewölkung und abends etwas Niederschlag. Bei uns gab es dieses Wetter leider nie und wir hatten äußerst wechselhaften und niederschlagsreiches Wetter (mehrmals viel Neuschnee im „Tal“).
Um Falle unserer Wetterlage war es ein massives Problem zum (immer nur sehr kurz anhaltenden) Gipfelwetter im Lager 3 zu sein. Die Tage davor waren meist sehr schlecht und ließen einen Aufstieg nicht zu.
 
Hier unser Besteigungsbericht:
 
25.7.: Um ca. 9h kommen Hans und Joe von Bishkek zum Hotel am Issykkul-See. Wir genießen den Badetag.
 
26.7.: Wir starten um 10h und erreichen nach 4h Autofahrt über die (bereits bekannte) immer schlechter Schotterpiste nach Karkara wo wir die Zelte beziehen. Danach machen wir eine Wanderung taleinwärts. Unmittelbar nach dem Camp gibt es eine Brücke mit Grenzübergang nach Kasachsten, dieser wird nur bei Bedarf geöffnet. Der weitere Weg (auf kirgisischer Seite) führt über eine Forststraße durch eine teils enge Schlucht. Nach etwa 2h kehren wir um.
 
27.7.: Gegenüber des Camps liegt ein markanter 3000er, rechts davon ein kleiner Almberg den wir heute besteigen. Bei schönem Wetter folgen wir Reitpfaden entlang von einfachsten Behausungen (Achtung Hunde).
 
28.7.: Unser Fahrer kennt sich nicht aus und wollte uns in südliche Basecamp fliegen lassen. Nach ziemlichem Chaos nehmen wir den 3. Flug und erreichen nach 40 Minuten Flug das nördliche (kasachische) Basecamp auf 4000m. Wir richten uns in den alten, aber geräumigen Zelten ein und sortieren unser gesamtes Material. Abends gibt es Regen.
 
29.7.: Um 9h starten wir Richtung Lager 1. Wir haben bereits viel Gepäck mit (ca. 23kg) und überqueren den flachen Gletscher (45min). Nach dem mühsamen Firnhang erreichen wir das erste Fixseil, es ist schon deutlich gebraucht aber vertrauenswürdig. Nach der Querung dann noch eine Steile Stufe bevor wir den Grat erreichen. Auf diesem ins Lager 1, die letzten Meter kurz sehr steil (3h 15min). Es sind bereits viele Zelte aufgebaut, 3 Plätze wären noch frei. Wir steigen über den steilen Firngrat weiter hinauf. Ein Fixseil über eine Spalte führt uns ins obere Lager 1. Dieses liegt auf 4670m und bietet nur 5 Zelten Platz. Bis hier 4h 15min. Wir müssen einen Zeltplatz noch ausgraben und stellen zwei große Zelte auf. Wir deponieren Gas, Essen, Schlafsäcke, Matten, etc.. Dann steigen (seilen) wir wieder ab. Der Firnhang ist durch mehrere Lawinen zu einem mühsamen Eishang geworden. Bis zum Basecamp c. 2h.
 
30.7.: Ruhetag
 
31.7.: Aufstieg Camp 1 mit ca. 15kg Gepäck. Trotz fehlender Firnauflage benutzen wir Stöcke an Stelle des Eispickels. Der Lawinenhang ist unten blank und etwa bis Mittag gefroren. (Zeit 2h 5min).  Nach eine Rast und einem Supperl steigen wir noch bis etwa 4900m auf um uns besser zu akklimatisieren. Übernachtung in Camp 1 auf unebenen Boden.
 
1.8.: Geplant war Materialtransport ins Camp 2. Wegen Nebel und Schneefall Abstieg in Basecamp.
 
2.8.: Ruhetag, am Nachmittag wie prognostiziert Schlechtwetter mit Regen (stark) und Nebel bzw. Wind.
 
3.8.: Nach nächtlichem Schneefall warten wir den Vormittag ab und beobachten zahlreiche Lawinen am Berg. Der gesamte Firnhang wurde von uns gespurt, in der Querung wechselten wir und mit den beiden Salzburgern ab. Im Camp 1 angekommen trafen wir auf die internationale Expedition, die gerade Geburtstag feierten. Nach einer kurzen Rast stiegen wir wieder in unser ruhiges vorgeschobenes Lager 1 auf. Zuerst mussten wir die beiden Zelte vom Schnee befreien, zum Glück blieben beide unversehrt und einigermaßen Trocken.
 
4.8.: Gemeinsam mit vielen anderen stiegen wir ins Camp auf. Anfangs genossen wir die Kletterei bei herrlichem Wetter, nach etwa einer Stunde kam plötzlich Sturm und Schneefall auf. Wegen der derart exponierten Routenführung ist es hier praktisch unmöglich seinen Rucksack abzustellen. Daher mussten wir leicht bekleidet noch einige Meter aufsteigen bevor wir uns notdürftig anziehen konnten. Frierend gibt es nun im unablässigen Sturm hinauf bis ins Lager 2. Überholmanöver sind hier sinnlos. Verliert man den Vordermann auf den Augen (15m) so muss man selbst wieder von neuem spuren. So erreichten wir entkräftet das Camp 2 und bauten möglichst schnell unsere Zelte auf. Hier suchten wir Schutz vor dem Sturm, das nasse Gewand binnen weniger Minuten gefroren. Auf das Verlassen des Zeltes verzichteten wir an diesem Abend gerne, daher auch auf warmes Abendessen.
 
5.8.: Bei tollen Wetter (Sturm am Gipfel) genossen wir einen Ruhetag in Camp 2 und trockneten all unsere Ausrüstung. Leider verriss sich Hans beim Schneeschaufeln den Rücken.
 
6.8.: Währens Hans und ich (leicht verkühlt) ins Basislager abstiegen um uns besser erholen zu können nutzen Joe und Tanja den Tag für eine Tour. Nach gemütlichem Frühstück bestiegen die beiden ohne Gepäck, dafür bei tollem Wetter den 6120m hohen Csepajer. Dieser stellt den Vorgipfel des Khan Tengri dar und bietet anregende Kletterei in Firn und Fels. Anschließend Abstieg ins Camp 2. Währenddessen durften (mussten) Hans und ich an einer Geburtsfeier eines Küchenteammitglieds der Basecamp-Mannschaft unter dem Motto „Trink oder Tanz und trink dann“ teilnehmen.
 
7.8.: Bei gutem Wetter stiegen heute auch Joe und Tanja zu uns ins Basecamp ab.
 
8.8.: Ruhetag und massiver Schneefall.
 
9.8.: Den Vormittag bei Schneefall nutzten wir um unser weiteres Vorgehen am Berg zu planen. Nach mehrmaliger Rücksprache mit unserem Meteorologen in Graz war für uns keine Gipfelmöglichkeit bei für uns vertretbarem Risiko mehr möglich. Daher entschlossen wir uns auf den Gipfel zu verzichten. Der Wetterbericht prognostizierte massive Schneefall (rund 1m in Gipfelhöhe) sowie Sturm mit bis zu 150km/h (Jetstream). Ebenso wir wir entschieden sich ein britisch-amerikanische, ein Teil der internationalen Gruppe sowie die beiden Salzburger. Daher war unser nächster Schritt das Material wieder vom Lager 2 zu holen. Dazu stiegen Tanja, Joe und ich am Nachmittag Richtung Camp 1 auf, leider musste ich wegen massivem Husten den Aufstieg abbrechen und ins Basecamp zurückkehren.
 
10.8.: Das letzte noch einigermaßen vernünftige Wetter nutzen Tanja und Joe um die beiden Zelte sowie Kocher vom Camp 2 zu holen. Beide stiegen ins Basecamp ab und wurden mit einer köstlichen (nicht kirgisischen) Nudensuppe wilkommen geheißen.
 
11.8.: Da die Rucksäcke gestern schon schwer genug waren stiegen Tanja und Joe noch einmal ins Lager 1 auf und holten das letzte Zelt.
 
12.8.: Wir verschoben unseren Hubschrauberflug auf heute, wegen dem massiven Schneefall war dieser unmöglich. So warteten wir den ganzen Tag auf besseres Wetter und vertrieben uns die Zeit mit Lebensmittelvergiftungen und Schneeschaufeln.
 
13.8.: Gleiches Programm wie gestern, die die Lebensmittelvergiftung wurde ausgedehnt.
 
14.8.: Nach ziemlichem Chaos bringen wir unser Gepäck in größter Eile zum Heliport um dann dort bis Mittag zu warten und dann doch erst morgen zu fliegen.
 
15.8.: Hubschrauberflug nach Karkara und dort warme Dusche!!! Abends Transfer zum Issykkul-See in ein Substandard-Hotel.
 
16.8.: Transfer in eine schöne Hotelanlage und Aufenthalt bis 20.8..
 
21.8.: Tansfer nach Bishkek und kurze Stadtbesichtigung mit erneuter Lebensmittelvergiftung von Joe.
 
22.8.: Heimflug
 
Abschließend kann man den Khan Tengri wegen seiner Schönheit und der einmaliger Routenführung sehr empfehlen. Die Kletterei ist wegen der vielen Fixseile, welche jedes Jahr kontrolliert werden, relativ sicher. Auch ist das Land landschaftlich wunderschön und sehenswert. Hierbei sollte man auf keinen Fall auf ein paar Tage am herrlichen Issykkul-See verzichten. Allerdings ist die Organisation in diesem Land trotz marktführender Agentur mit vielen Problemen verbunden. Beispielsweise wurde das Basecamp einfach 2 Tage vor Ende der von uns gebuchten (und bezahlten) Zeit geschlossen. Ein weiteres Problem ist, dass man immer wieder (sowohl in den Camps als auch in Restaurants in den Städten) mit verdorbenem Essen konfrontiert ist. Dies mussten wir selbst erleben und hörten auch von einigen anderen Bergsteigern von solchen Erlebnissen.
 
Nach einigen Tagen am Gösseldorfersee (Hans), dem Mürztal (Joe) bzw. der Insel Krk (Tanja und ich) sind wir wieder einigermaßen fit und freuen uns auf neue Abenteuer!

Tour beschrieben von Matthias Pilz (mammut-extreme@gmx.at), ©Matthias Mountaineering

Tourengänger: Matthias Pilz

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Kommentare (2)


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Sputnik Pro hat gesagt:
Gesendet am 22. September 2013 um 20:50
Hi Matthias,

Schade hat's mit dem Wetter nicht gepasst. Diesen Sommer schien es aber in den Bergen Kasachstans und Kirgisiens echt übel mit dem Wetter gewesen zu sein. Ein Kollege hatte wegen Sturm und viel Schneefall ebenfalls am Pik Lenin umkehren müssen.

In den nächsten Jahren möchte ich ebenfalls Kasachstans höchsten Berg besteigen, der Khan Tengri ist ja schon ein sehr eindrücklicher Gipfel.

Gruss aus der Schweiz,

Andi

Winkle hat gesagt:
Gesendet am 27. September 2013 um 09:57
Na, Glückwunsch zu eurem Tourerlebnis
Hans


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