Kolumbiens Zweithöchster: Ritacuba Blanco 5410m


Publiziert von dominik Pro , 7. Februar 2013 um 22:09.

Region: Welt » Kolumbien » Boyaca
Tour Datum:30 Dezember 2012
Hochtouren Schwierigkeit: WS
Wegpunkte:
Geo-Tags: CO 
Zeitbedarf: 7:00
Aufstieg: 1460 m
Abstieg: 1460 m
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Mit dem Bus von Bogota in 10-12h direkt nach Güican. Die Strecke ist kurvig und das Fahrverhalten der Fahrer südamerikanisch temperamentvoll. Nervenstärke oder Schlaftabletten sind empfohlen
Unterkunftmöglichkeiten:Das Hotel "Brisas Del Nevado" (+57 310 629 9001 oder +57 8 789 7028) in Güicán ist das beste Hotel am Platz.

Als Abschluss unseres Trekkings im El Cocuy Nationalpark und gleichzeitigem Höhepunkt stand die Besteigung des Ritacuba Blanco 5410m auf dem Programm. Wegen Melanies Erkrankung und meiner Zahnentzündung verschob sich unser Zeitplan etwas und so blieb als letzte Möglichkeit der 30. Dezember für eine Schnellbegehung des Gipfels und anschliessender Busfahrt durch die Nacht zurück nach Bogota.

Die Besteigung des Ritacuba Blanco startet üblicherweise von den Cabañas Kanwara 3950m aus und führt in zwei Tagen auf den Gipfel. Dazu wird auf etwa 4700-4800m ein Zeltbiwak gemacht. Da ich doch recht fit bin und wir sowieso nur einen Tag hatten mussten wir also die Tourenplanung etwas modifizieren und Gilberto (unser Bergführer) legte die Abmarschzeit auf 02:00. Mein geplanter Erholungsschlaf fiel leider ins Wasser da der Kamin der Hütte defekt war und ich kaum Luft bekam. Irgendwann realisierte ich, dass nicht ich sondern der Kamin das Problem war und öffnete die Türe um Luft in die Hütte zu kriegen. Danach konnte ich wenigstens noch 2-3 Stunden halbwegs gut schlafen.

Um zwei Uhr ging es dann zuerst fast flach dem Bach entlang zum Bergfuss und ab dort dann über gut ausgetretene Pfade teils recht steil die Flanke des Ritacuba Blanco hoch. Ab ca. 4600m wich die Vegetation einer reinen Geröllwüste, wir kamen auf einen langgestreckten Gratrücken und auf 5000m kamen wir an den Rand des Gletschers wo wir in starkem Wind und Minustemperaturen unsere Steigeisen anzogen (mit steif gefrorenen Fingern nicht ganz einfach...) und uns einseilten. Gilberto brachte ein 30m Seil mit was für uns zwei natürlich mehr als genügend lang war und so konnte ich mal "Seilverkürzen" unter verschärften Bedingungen üben aber gekonnt ist gekonnt und selbst den abschliessenden Jelk vergass ich nicht :-)

Danach folgte eine lange Gletscherwackelei im relativ flachen Gelände. Der Sonnenaufgang war nicht ganz so spektakulär wie wir das aus den heimischen Alpen kennen aber schön ist er trotzdem und dank tropischem Speed war es auch ruck-zuck hell, der Sturm brach zusammen und ich konnte den Rest des Aufstiegs in angenehmeren Temperaturen geniessen. 

Kurz vor dem Gipfel stellt sich noch ein steiles Stück, welches Frontzackentechnik verlangt, in den Weg und dann kommt die berühmte Randspalte unterhalb des Gipfels über welche eine schmale Brücke verläuft (30cm) und nach 12:00 nicht mehr betreten werden sollte. Glücklicherweise war es erst kurz vor sieben Uhr und ich stand endlich (oder schon) auf dem Gipfel. Was für eine Aussicht! Wir hatten während des ganzen Trekkings schlechtes Wetter und jetzt endlich konnte ich wolkenfrei die wunderschöne Bergwelt der kolumbianischen Anden geniessen. Traurig, dass Melanie nicht dabei sein konnte!

Der Abstieg dann war eher ein Abrennen. Bei Tageslicht waren die wenigen Spalten gut erkennbar und so seilten wir uns aus und gingen zügig wieder den Gletscher herunter. Diesmal allerdings auf anderer Route länger auf dem Eis direkt durch die Flanke was im Abstieg sehr angenehm war. Lustigerweise findet sich kurz vor dem Ende des Eises, und damit dort, wo auch die Touristen hinkommen, eine kleine Spalte. Nicht sehr tief aber es reicht um sich, wenn es dumm läuft, das Bein zu brechen.

Danach ging es über plattige Felsen wieder ins Tal runter wobei wir teilweise eher im Laufschritt denn Wanderschritt unterwegs waren (Der Bergläufer in mir lässt grüssen!) und die entgegenkommenden Touristen sahen uns mit grossen und erstaunten Augen an und wunderten sich wie Menschen so schnell über Steinblöcke und Geröll hüpfen können. Danach folgten wir der kolumbianischen Suone (Ja, sowas gibt es dort auch) zu den Cabañas Kanwara wo ich mir erst mal eine wohlverdiente Cola reinzog und dann in der Sonne döste. Das Leben ist so schön!

Unsere Reise setzten wir dann in der Karibik fort wo wir den *höchsten Gipfel von Old Providence/Providencia bestiegen.

Fazit:
Der Ritacuba Blanco ist eine recht einfache Hochtour und ausser Kondition und Anpassung an die Höhe sind keine besonderen Fähigkeiten benötigt. Der Schritt über die Spalte kurz vor dem Gipfel und die Frontzackentechnik fordern etwas Cojones aber die Führer sichern üblicherweise die Stellen gut ab, da die meisten Begeher eher nicht sonderlich alpin bewandt sind. Also kein Problem! Unsere Zeit von 7h brutto ist vermutlich eine der schnellsten die dieser Berg je gesehen hat und darf *keinesfalls* als Referenz für eigene Tourplanungen genommen werden!

Tourengänger: dominik

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T3 WS
27 Feb 14
Ritacuba Blanco 5410m · Bolivar
T4

Kommentare (17)


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Vauacht hat gesagt: Super!
Gesendet am 7. Februar 2013 um 22:38
Gratulation zu diesem schoenen Gipfel! Toll gemacht bei tollem Wetter!

Diese Tour haette mir sicher auch gefallen.

Hast Du den Bergfuehrer per Zufall mal nach dem Pico Cristobal Colon gefragt?

dominik Pro hat gesagt: RE:Super!
Gesendet am 8. Februar 2013 um 06:09
Danke!

Natürlich haben wir auch über den Pico Cristobal Colon gesprochen und die Aussage war "ist militärisches Sperrgebiet" wegen der Grenze zu Venezuela. Mehr war nicht in Erfahrung zu bringen bzw. ich hab keine genaueren Erkundungen eingezogen weil eine Besteigung für mich nicht von grossem Interesse ist. Vermutlich lässt sich "vor Ort" aber immer alles irgendwie regeln - viva Colombia! :-)

Gruss
Dominik

Sputnik Pro hat gesagt: Wunderbar!
Gesendet am 7. Februar 2013 um 22:43
Gratuliere dir zur erfolgreichen Besteigung des 5000er. Schade war Melanie krank, aber es war sicherlich nicht eure letzte Reise zu hohen Bergen :-)

Wie Vauacht schon geschrieben hat, hast du Infos zu den beiden höchsten Kolumbianer Pico Simón Bolívar und Pico Cristóbal Colón?

Viele Grüsse,

Andi

dominik Pro hat gesagt: RE:Wunderbar!
Gesendet am 8. Februar 2013 um 06:09
Ganz sicher nicht! Es gibt auch schon wieder Pläne für die nächsten Reisen hihi

Gruss
Dominik

Alpin_Rise hat gesagt: Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 10:26
Wunderbare Bergwelt Südamerikas!

Danke für den Bericht aus einem der schönsten Länder, auch für Bergsteiger hats dort einige Highlights.
Die Sicherheitslage hat sich seit meinem Besuch vor 10 Jahren auch deutlich verbessert, individuelles Reisen scheint nicht gefährlicher als in anderen Ländern zu sein.

Leider ist nach meinen Informationen die Sierra Nevada de Santa Marta nach wie vor nicht oder nur unter hohem Risiko zugänglich. Schade, es scheint einer der spannendsten Gebirgszügen der Welt zu sein, 45 km von der Karibikküste bis zum Gipfel...

G, Rise

dominik Pro hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 11:14
Da muss ich Dir zustimmen! Kolumbien ist ein wunderschönes Land und eine solche Vielfältigkeit (von Karibik über tropischen Regenwald bis Hochalpin) findet man kaum sonstwo auf dieser Erde. Wenn es nicht so verdammt viele andere tolle Orte auf der Welt gäbe dann würde ich garantiert nochmals hinfliegen. On va voir!

Die Sicherheit ist in den letzten Jahren wesentlich verbessert worden. Der El Cocuy NP war vor 10 Jahren noch FARC Territorium und galt als gefährlich. Heute ist das kein Thema mehr.

Für uns war Kolumbien als Reiseziel auch deshalb ein Thema weil das Land touristisch total unterschätzt wird und man (von einheimischen Touristen abgesehen) verhältnismässig "einsam" ist.

Gruss
Dominik

Bertrand Pro hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 13:24
Je vois que je ne suis pas le seul en rêver de ça...c'est la plus haute montagne côtière du monde je crois. Mais selon mes collègues de travail en Colombie totalement "no-go" aujourd'hui...

dominik Pro hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 14:13
Das deckt sich mit der Aussage des Bergführers: No-go :-(((

Alpin_Rise hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 14:24
Oui, absolument no-go, mais j'éspère que la situation est en train de s'ameilorer comme elle avait changé beacoup dans les 10 ans passé.
En 2002 on pouvait à peine voyager dehors les villes. On avait même des problèmes d'arriver au Finca (ca. 100km de Bogotà) des mes rélatives... Pour cette raison je n'avait pas fait grand chose en montagne en Colombie, mais je rêve d'y revenir!

S, Rise

dominik Pro hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 14:41
Hoffen wir, dass die Gespräche zwischen Government und FARC zu einem erfolgreichen Abschluss kommen!

Bertrand Pro hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 15:50
Bon alors on croise les doigts, dans 10 ans (ou avant !) tout ira mieux et on se monte une expé "hikr" à nous 3 à l'assaut de la SNSM...

dominik Pro hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 15:56
:-)

Vauacht hat gesagt: RE:Andinismo en Colombia
Gesendet am 8. Februar 2013 um 17:48
avec moi, dans dix ans :)

Maesi hat gesagt: Colombia
Gesendet am 16. März 2013 um 17:10
Hallo Dominik

Ich gratuliere dir nachträglich zu deiner erfolgreichen Tour!
Ich war 2010 insgesamt einen Monat in Kolumbien unterwegs. Für mich war es eines der faszinierendsten Länder (Leute, Landschaft, etc.), das ich bis heute kennenlernen durfte.

Gruss und viele weitere schöne Touren
Mäsi

dominik Pro hat gesagt: RE:Colombia
Gesendet am 18. März 2013 um 06:57
Danke. Ich kann Deine Eindrücke nur bestätigen. Kolumbien ist immer eine Reise wert!

Bolivar hat gesagt: Sensationell!
Gesendet am 27. April 2013 um 09:32
Hallo Dominik,

Irgendwie muss ich Deinen Bericht vom Ritacuba Blanco übersehen haben. Nachträglich noch herzliche Gratulation zu diesem Traumberg. Ich frage mich soeben wie es möglich ist, dass ich schon gut zehn Mal in Kolumbien war und noch nie auf die Idee gekommen bin, diese schöne Region zu besuchen. In Kolumbien habe ich wirklich schon viel gesehen. Da ich allenfalls im Dezember wieder hinfliege bin ich dann allenfalls um den einen oder anderen Tipp froh.

viele Grüsse
Marc

dominik Pro hat gesagt: RE:Sensationell!
Gesendet am 27. April 2013 um 09:45
Oha, der Name ist Programm :-) Darfst mich gerne fragen wenn's um die Reiseplanung in den El Cocuy NP geht. Und mein Neid ist Dir auch sicher weil ich dort auch gerne nochmals hinmöchte um ein paar der unbekannteren Berge zu besteigen...


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