Silbertour / Alpenbrevet 2011 Erlebnisbericht


Publiziert von darkthrone , 4. September 2011 um 12:25.

Region: Welt » Schweiz » Uri
Tour Datum:13 August 2011
Mountainbike Schwierigkeit: L - Leicht fahrbar
Aufstieg: 3875 m
Abstieg: 3875 m
Strecke:Meiringen-Innertkirchen-Grimselpass-Gletsch-Furkapass-Andermatt-Göschenen-Wasen-Sustenpass-Innertkirchen-Meiringen

Nach lange hin und her überlegen habe ich mich zwei Wochen vor der Alpenbrevet-Veranstaltung
entschieden mich für die Silber Tour anzumelden. Das zweite Mal nach 2008.

Der Ausschlag zur Anmeldung gaben mir zwei Touren bei denen ich mein aktuelles Konditionslevel auf die Probe stellen wollte um zu schauen wie Fit ich dieses Jahr bin.  Ich hatte dieses Jahr nur wenige und Flache Kilometer auf dem Rennvelo absolviert.

So durfte ich mit meinem Tourenpartner Pasci die schon lang auf meiner Wunschliste stehende alpine Kraxeltour auf den Urner Bristenstock unter die Füsse nehmen (2300 hm Aufstieg/Abstieg) Die normale Marschzeit beträgt um die 10h ohne Pause. Wir schaften die Tour in 8h 15 Minuten. Den ersten Konditionstest viel also recht positiv aus.

 Für den zweiten Konditest entschied ich mich mit dem Rennvelo von Sachseln zur Älggialp hinaufzufahren. Dies ist einer der anspruchsvollsten Rennvelo Aufstiege im gesamten Alpenraum. Hier gibt es lange Rampen mit durchgehend 15 Grad Steigung  und zwischendurch Spitzenrampen mit bis zu 23 Grad. Die Fahrt hinauf zu Älggialp ging einigermassen gut auch wenn ich etwas zu kämpfen hatte. Dem Brevet stand  ich also nach dem zweiten Test optimistisch gegenüber.
 

13.08.11 06:20 Uhr / Der grosse Tag des Brevets

 
Voll ausgerüstet reihte ich mich in den 18 km/h Startblock ein. Vorne und hinter mir warteten auch schon die anderen gemeldeten 2000 Teilnehmer. Bald war es kurz von 06:45 und der Speaker kündete den Start an, 5,4,3,2,1 und ein Halleluja dudelte aus den Boxen. Bis sich die Meute vor mir in Bewegung setzte dauerte es aber gut noch eine Minute.

50 Meter nach dem Start-/Zielstrich musste eine etwas heikle enge 90 Grad Kurve gemeistert werden, gar nicht so einfach bei einem so grossen Starterfeld. Weiter ging es im lockeren Tempo durch Meiringen und den Ortsteil Schattenhalb in die erste Steigung dieses Tages. Auf dem Lammiboden angekommen folgte die rasante Abfahrt nach Innertkirchen.

Bis Innertkirchen war die Strasse für jeglichen Verkehr gesperrt  so konnte man auf der Abfahrt schön die Idealline um die engen Kurven fahren.

Nach Innertkirchen bog nun das schon in die Länge gezogene Teilnehmerfeld rechts ein in Richtung Grimsel den ersten harten Anstieg des heutigen Tages. Von Innertkirchen zum Grimselpass sind über 26 Kilometer  1540 Höhenmeter zu überwinden. Zuerst in angenehmer Steigung durch Wald und Wiesenlandschaften steigt man höher bis nach Guttanen. Nach Guttanen folgt eine kurze knackig und steile Passage hinauf zur Handegg. Zur Erholung folgt nach der Handegg ein kurzes Flachstück auf dem wieder etwas Tempo gemacht werden konnte bis zur zweiten happigen Steigung in einigen Serpentinen hinauf zum Räterichsbodensee. Hier konnte ich mich ans Hinterrad eines Holländers krallen der ein stetiges und angenehmes Tempo fuhr. Nach einigen Schweisstropfen später erreichte ich die Staumauer des Räterichsbodensees. Hier folgt ein weiteres Flachstück am See entlang bevor eine weitere Steilstufe hinauf zum Grimmselsee  bewältigt werden musste. Von hier hat man auch schon eine schöne Sicht auf die Passhöhe. Bevor diese aber erreicht werden kann, folgt der schwerste Anstieg. Erbarmungslos schlängelt sich die Strasse über dutzend Kehren hinauf zum langersehnten Passschild wo auch schon der erste Verpflegungsposten auf mich wartete.  Den ersten der drei Pässe habe ich also abgehakt. Ohne grosse Probleme konnte ich diesen meistern und die Beine waren absolut noch frisch. Ich entschied mich also nur kurz mein Getränkevorrat aufzufüllen, etwas Banane und Schokolade zu essen und gleich die Abfahrt nach Gletsch zur ersten Zeitmessung unter die Räder zu nehmen. So fuhr ich also um den Totensee bevor dann die super Abfahrt nach Gletsch folgte. Mit über 70 Km/h stürzte ich mich hier die Serpentinen hinunter, einfach genial. Ruck zu erreichte ich daher Gletsch und mit einem Piepsen registrierte sich mein Zeitmesssender im System. 02:31, 19 (Meirinen-Gletsch).

In Gletsch  teilten sich nun die verschiedenen Touren. Silber bog links ab Richtung Furka, Gold und Platin bog nach rechts ab hinunter in Richtung Nufenenpass.

So nahm ich guten Mutes die Furka und meine Räder. Gleich nach Gletsch folgt eine knackige Steigung  bevor die lange aber stetige querende Steigung zur Oberalpstafel beginnt. Hier schlug ich ein gemütliches Tempo an, wusste ich doch, dass ab der Oberalpstafel eine erbarmungslose Steigung hinauf auf den Furkapass folgte. Einige Fahrer gaben in der eher flachen Steigung Gummi. Nun folge also die Steigung hinauf zum Belvedere und weiter auf den Furkapass. Kurz vor dem Belvedere folge das steilste Stück, hier hiess es Kondition statt Carbon und das erste Mal brannten etwas die Waden. Im Wechsel vom Sitzen und Wiegetritt war ich froh als sich die Strasse wieder etwas nach hinten legte. Hier überholte ich dann auch einige Teilnehmer die mich im unteren flachen Teil überholt hatten.  Hat man das Belvedere mal erreicht folgen nur noch zwei Kehren bevor man über eine angenehmere Steigung die Passhöhe des Furkapasses erreicht. In dieser flachen Steigung drückte ich nochmals etwas in die Pedale und flog hoch zur Passhöhe.
 
Nun folgte die Abfahrt nach Realp und Andermatt über die enge Furkapassstrasse. Zum Glück hielt sich der Verkehr so früh am Morgen noch in Grenzen so konnte nochmals richtig den Pass hinuntergeschossen werden, ein tolles Gefühl.

Mein Plan mich in Realp an eine Gruppe Fahrer anschliessen zu können um in der Gruppe die lange Ebene nach Hospental im Windschatten mit weniger Führungsarbeit fahren zu können ging leider nicht auf, da weit und breit niemand in Sicht war. So  musste ich mich alleine durch den Gegenwind kämpfen, was etwas mehr Kraftaufwand bedeutete als das Optimum in einer Gruppe.

Nach Hospental konnte ich in einer leichten Abfahrt nach Andermatt wieder gut Tempo machen und schon war der zweite Verpflegungsposten erreicht. Nach einem  kurzen Halt um die Bidons aufzufüllen und sich mit einigen Schokostücken und Orangenschnitze zu stärken zog es mich wieder auf den Sattel.
Ab Andermatt folgte der gefährlichste Wegabschnitt, die Abfahrt durch die Göschenenschlucht nach Göschenen. Hier hatte es extrem viel Verkehr und so nahm ich die Abfahrt zwangsläufig gemütlicher in Angriff. Nach Göschenen dann via die alte Strasse hinab bis nach Wassen wo eine weitere Zeitmessung installiert war (Gletsch-Wasen 01:48,07).

Jetzt folgte also auch schon der letze Pass. Mit gemischten Gefühlen nahm ich diesen in Angriff, wusste ich doch schon aus dem Jahre 2008 das dieser ein schwerer Hund sein wird. Die ewig lange gerade Passstrasse und die nie näherkommende Passhöhe stellt nochmals die Psycho auf die Probe.  Hier heisst es beissen, beissen, beissen…..

Von Wassen über eine steile Rampe hinauf durch einige Tunnels und Kehren nach Oberwilen . Hier beginnt nun der lange nie enden wollende mit einer stetig Steigung versehene gerade Aufstieg über Färnigen bis zum Sustenbrüggli. Ab hier brennte auch erbarmungslos die Sonne auf den heissen Asphalt, es war fast unmenschlich warm, die Beine waren langsam Müde, der Hinter tat weh. Hier wünschte man sich spätestens zuhause auf dem Balkon zu sitzen mit einem kühlen Glas Bier in der Hand! Beissen, beissen, beissen hiess hier die Devise!

Ab dem Sustenbrüggli steilt sich die Strasse nochmals das letzte Mal an bis zur Passhöhe. Mit schwerem Tritt meisterte ich das letzte harte Stück und war froh als das Schild „1000 M – Verpflegung“ am Strassenrand auftauchte. Das schlimmste ist also überstanden, jetzt nur noch die schöne lange Abfahrt nach Innertkirchen und die kleine Gegensteigung nach Meiringen geniessen.

Nach einer kurzen Pause beim Verpflegungsposten nahm ich die schöne Abfahrt unter die Räder. Diese kannte ich natürlich wieder von meinen unzähligen Motorradfahrten aus dem FF und so konnte ich es nochmals im Geschwindigkeitsrausch richtig krachen lassen. Schnell waren so also die Mühsam erarbeiteten Höhenmeter wieder vernichtet und ich durchfuhr Innertkirchen.

Nun noch die letzten 90 Hm Aufstieg nach Meiringen ohne grosse Probleme gemeistert und schon erreichte ich den Dorfeingang. Die letzten paar Meter zum Ziel genoss ich in vollen Zügen und drückte nochmals aufs Tempo. Die Zuschauer am Strassenrand feuerten einen nochmals an.
So durchfuhr ich glücklich das Ziel. Das zweite Silber Alpenbrevet war gemeistert.
 

Resultat:

 
Mit einer gemessenen Zeit (inkl. Pausen) brauchte ich in diesem Jahr für die 3875 Höhenmeter und 131 Kilometer : 07:30,02 exakt 2 Stunden weniger als im Jahr 2008 (09:30,23) was mich doch erstaunte, da ich dieses Jahr nicht speziell für das Alpenbrevet trainiert hatte.
Die Reine Fahrzeit ohne Pausen betrug: 06:59,48
 

 
 

Tourengänger: darkthrone

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Kommentare (2)


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garaventa hat gesagt:
Gesendet am 9. September 2011 um 11:13
Herzlichen Glückwunsch zur sehr schönen Tour.

Habe diese Runde auch vor nicht langer Zeit auf privater Basis gefahren und Dein Bericht ist sehr präzise und gut beschrieben.

Vielleicht beim nächsten Mal die Goldrunde???


Gruss garaventa

darkthrone hat gesagt: RE:
Gesendet am 9. September 2011 um 21:53
Danke, das Brevet ist jedes Mal ein tolles Erlebniss.

Ja das nächste mal wird es wohl die Goldtour geben, silber bin ich ja jetzt schon zweimal gefahren. Dafür muss ich aber definitiv vorhär mehr auf dem Renner trainieren.

Musst auch mal Teilnehmen ist immer ein toller Anlass.



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