Kilimanjaro (Stella Point, 5748m)


Publiziert von bergchaot , 21. April 2007 um 12:26.

Region: Welt » Tansania
Tour Datum: 4 Juni 2006
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Zeitbedarf: 6 Tage
Strecke:ca. 60km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:von Frankfurt/M. via Amsterdam direkt mit KLM zum Kilimanjaro Airport. Dort Transfer zum Hotel nach Moschi, von wo am nächsten Tag der Zubringerdienst zum Nationalpark startet.
Unterkunftmöglichkeiten:in Zelten incl. Verpflegung, es sind nur komplett geführte Touren möglich.
Kartennummer:der Bergführer kennt den Weg :-)

Vorwort:

An allen 4000ern bin ich bisher gescheitert. Zwar keine idealen Voraussetzungen für den ersten 5000er, aber ein Versuch war es trotzdem wert.

Die Anreise:

Tropenmäßig gekleidet (ich zumindest) treffen wir uns am Frankfurter Flughafen und fliegen nach Amsterdam. Mit der KLM geht’s direkt zum Kilimajaro Airport, wo wir einige Heineken später auch landen. Mit einem Kleinbus geht’s dann weiter nach Moshi ins Hotel, wo wir den Abend ausklingen lassen (diesmal mit Kilimanjaro, der lokalen Biersorte).

Station 1:

Der Kleinbus bringt uns zum Machame Gate (1840m) am Eingang des Nationalparks, wo wir nach Abwicklung der Formalitäten starten können. Durch den tropischen Regenwald geht es stetig und auf matschigen Pfaden langsam bergauf, wo wir am Abend die Machame Hütte auf 2990m erreichen. Die Nacht wird dann etwas ungemütlich, es beginnt zu regnen.

Station 2:

Der erste Blick aus dem Zelt: Regen und Nebel. Das Wetter ist nicht das beste und auch die Stimmung nicht; murrend und knurrend trottet die Karawane im Nieselregen voran. Deprimiert schlagen wir abends uns Lager auf und dann passiert es: kurz vor Sonnenuntergang verziehen sich die Nebelwolken und die Sonne kommt durch auf dem Shira Plateau (3880m).

Station 3:

Heute überschreiten wir die magische Grenze, und bisher geht es mir - noch - ganz gut. Das erste mal sehen wir unser Ziel, den Kibo, in seiner ganzen Größe. Zur Akklimatisierung steigen wir über die 4500er Marke auf und der Lava Tower mit seinen 4655m reizt einige von uns (incl. mich), unsere Freikletter-Künste einmal in dieser Höhe zu erproben. Und danach kam, was kommen musste: die Höhe mach sich bemerkbar. Unter Zuhilfenahme von Paracetamol habe ich dann aber doch noch die Barranco Hütte auf 3965m erreicht.

Station 4:

Paracetamol ist nun mein ständiger Begleiter, zu jeder Mahlzeit (morgens, mittags und abends). Außerdem trinke ich aus jedem Wasserloch (Micropur macht's möglich), um meinen Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren. Es geht immer wieder rauf und runter, es ist eine ganz schöne Strapaze. Als wir abends die Barafu Hütte auf 4540m erreichen, bin ich fix und fertig. Nur noch wenige Stunden Schlaf und der Gipfelsturm beginnt...

Station 5:

Die Höhe zeigt Wirkung, es ist schon interessant, soetwas einmal selbst zu erleben. Allein der Gang zum Klo (ca. 20m) und zurück machen einen total fertig, als wenn man 20km gelaufen wäre. Um 0:00 Uhr läuft - oder besser gesagt wankt - die Karawane im Schein der Stirnlampen los. Die Wanderstöcke sind absolut notwendig, damit man unterwegs nicht umfällt, es fühlt sich an wie bei einem Vollrausch: Schwindel, Übelkeit, das volle Programm. Nicht mehr in der Lage, feste Nahrung zu mir zu nehmen, drücke ich mir ein Power-Gel rein, wovon mir gleich wieder speiübel wird. Irgendwann geht's durch ein Schneefeld und dann stehen wir am Kraterrand: Stella Point, 5748m. Es hatte etwa –20°C, war etwa 6:00 Uhr und die Sonne ging gerade auf; jedoch romantisch wurde mir nicht zumute und irgendwie war ich voll in Trance. Nachdem es mir immer noch speiübel war und selbst die Paracetamol keine Wirkung mehr zeigten, half nur eins: wieder runter. Den Gipfel hatte ich ja erreicht, wenn auch nicht den höchsten Punkt. Aber ich wollte wieder einigermaßen lebendig unten ankommen.

Fazit:

Es war eine einzigartige Erfahrung in einem interessanten Land auf einem geheimnisvollen Kontinent. Allein die Landschaft an sich ist schon faszinierend genug, denn es geht ja innerhalb einer Woche vom Regenwald hinauf ins ewige Eis und wieder zurück.


Tourengänger: Roman, bergchaot

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