Haussegen zurechtrücken


Publiziert von rojosuiza , 6. Dezember 2018 um 17:40.

Region: Welt » United States » Nevada
Tour Datum:14 Mai 2018
Wandern Schwierigkeit: T1 - Wandern
Wegpunkte:
Aufstieg: 1200 m
Abstieg: 600 m
Strecke:26 km
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Carson City, Lake View
Zufahrt zum Ankunftspunkt:Spooner Lake
Unterkunftmöglichkeiten:keine

Der Haussegen hängt schief. Es kriselt zwischen Gastgeber und Gast. Darum macht rojosuiza sich auf und geht davon. Er beginnt gleich hinter dem Haus und steigt immer den Berg hinan. Irgendwo wird er schon hinkommen. Gewiss, er hat sich ein bisschen informiert, einen undeutlichen Plan hat er auch – auch wenn der Haussegen schief hängt, muss schliesslich eine gewisse Kommunikation sein, man muss sagen, wo man hingeht, nicht wahr?

 

rojosuiza will direkt von Lakeview ob Carson City, Nevada, zum Lake Tahoe wandern, querfeldein, wenn nötig. Vielleicht gibt es auch Wege, hat der aufmerksame Wanderer in spe doch beim Ausführen des Hundes einen sogenannten ‚trailhead‘ entdeckt. Wo ein solcher ist, wird es wohl an einem ‚trail‘ auch nicht fehlen, meint der Bergheld.

 

Gibt es Karten? – Gibt es, gratis und für nichts, bei den Guugel-Leuten. Leider verstehen die von querfeldein nichts, die Karten würden dazu gewiss nicht taugen. Aber sie versichern dem hoffnungsvollen Weltentdecker, dass er auf allerlei Wegen leicht zu seinem Ziel kommen wird.

 

Die Wege stellen sich als Forststrassen heraus. Wenn sie geräumt wären von herabgefallenem Holz, vom Schnee, und wenn die Schranken geöffnet wären – man könnte glatt mit einem Autölein hinauf und hinüber fahren. Jetzt sind die Schranken zu, Holz liegt auf der anderen Seite des Gebiets zu hauf kreuz und quer über die Waldstrasse, und auf ihrem höchsten Punkt verschwindet sie völlig im Schnee. Zum Glück ist die Sicht gut, und ebenfalls zum Glück befindet sich unter ihr offenbar auf diesem Stück eine Gasleitung – närrisch kleine Stöcklein geben ihren Verlauf an, aber gross genug sind sie, um dem Wanderer als Hinweis im Schnee zu dienen.

 

So klimmt der Wanderer hinan. Immer weitere Aussichten öffnen sich ihm. Lakeview weist auf  ‚lake‘ hin, und jetzt kommt der voll in Sicht. Aus der Ferne grüsst die Thermische Anlage von Reno herüber. Man überschreitet den ersten, unbedeutenden Pass, gerät zum Hobart Lake, wo Trout-Fishing gepriesen wird. Nicht zu viele mitnehmen, bitte. Dann steigt man an zum nächsten Pass - etwa auf Säntis-Höhe, der Ostschweizer verleugnet sich nicht! - der nun so verschneit ist, dass man oben drauf auf einem weissen Deckel steht – und der Pfad ist verschwunden. Der Geruchssinn führt einen dann allsbald weiter – und auch etwas in die Irre. Hier ist es nun besonders schön, aber den Pfad muss man sich nachher mit seinen elektronischen Hilfsmitteln wieder suchen.

 

Wer den Marlette See erreicht, wähnt sich schon bald unten. Aber nichts davon. Habe ich eigentlich schon gesagt, was ursprünglich das Ziel der Wanderung gewesen ist? Lake Tahoe war es nicht; ich wollte den höchsten Punkt von Carson City erreichen, den Snow Valley Peak. Auf dem Platt sollte der Weg hinauf abgehen, und gerade dort ist mit der Wegfindung Schluss. Da kommt als Alternative der Marlette See gerade recht. Aber nun? Zuerst setzt man sich nieder, auf ein paar Felsen auf einem kleinen Inselchen im See. Es steht ein Kamin da, einsam, allein. Nein, das darf nicht wahr sein! – Es ist ein Denkmal. Als man den See höher aufgestaut hat, vor zig Jahren, da wurden Arbeiter hinauf geschickt, die Behausung des Schleusenwärters abzubrechen, da die baufällig war und durch das Ansteigen des Sees unter den Seespiegel geraten würde. Die Arbeiter sind wohlgemut ans Werk gegangen – und haben froh und frei das Ferienhaus des einstigen Direktors abgerissen. Das wird wohl ein Geschrei und Wehklagen gewesen sein! Ganz und gar unfreiwilliger Humor, und heute zeugt noch dieser Kamin von der Geschichte, den die treuen Nachfahren als Erinnerung hier aufgestellt haben.

 

Was beschliesst der Wanderheld an diesem Punkt. Steigt er doch noch hinauf zum höchsten Punkt? Rennt er um den See herum und geht es wild hinab zum Lake Tahoe? Oder was für gute Ideen hat der arme Tropf sonst?  Geplant war einmal, auf dem selben Weg zurückzukehren. Jetzt kommt der Gedanke auf, sich doch vom Taxifahrer abholen zu lassen, bei Lake Spooner. Der ist ganz in der Nähe, es geht wohl immer hinab… Das ist beschlossen und das Kartenleserwunderkind macht sich auf die Socken. Es zieht sich hin. Es geht zuerst einmal kräftig hinauf. Aber dann kommt der kleine Pass, ab hier geht es dann wirklich nur noch hinab. Es gibt jetzt auch etwas Rad-Verkehr; bis hierhin war keine Sau zu sehen. rojosuiza setzt über das Flüsschen auf die andere Seite. Da verläuft ein schmaler, harmonischer Pfad und er ist allein. Es ist wunderschön, rojosuiza geht friedlich immer hinab. Aber es geht hinab, und es geht hinab, und es geht noch etwas weiter hinab. Die Paar Meilelchen werden richtige, lange, echte Meilen. Wann taucht denn dieser Lake Spooner endlich auf?

 

Erreicht der Held seinen Lake, oder muss die Bergrettung her? Holt ihn der Taxifahrer ab und gelingt es, einen Treffpunkt auszumachen? Ist die Heimfahrt ohne jede Gefahr?  

 

Selbstverständlich bleibt die Bergrettung unbenutzt, finden Passagier und Taxifahrer zueinander. Aber ebenso selbstverständlich ist die Heimfahrt nicht ohne Gefahr: der Taxifahrer will eine gute Tat zur Förderung des Haussegens tun, und zu Hause nachfragen, ob noch etwas benötigt wird. Das tut er mitten in der Einfahrt zur runaway ramp, wo nun wirklich keiner je halten sollte. Einwänden gegenüber ist er taub, und das kommt dem Frieden trotz guten Willens leider auch nicht zu gut. So hängt am Schluss nicht nur der Haussegen schief im Hause der Gastgeber, sondern auch im Fahrzeug des Taxifahrers.

 

Wer aber den ganzen Tag allein und glücklich unterwegs gewesen ist, was kümmert den so ein Geplänkel? Geht er halt im Hui noch ein paar weitere Meilen zu Fuss, und weg sind am Schluss alle Schatten! Überall strahlt jetzt Sonnenschein!

 


Tourengänger: rojosuiza


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