Sportklettern in Loutra (Chalkidiki, Griechenland)


Publiziert von simba , 11. Oktober 2018 um 13:54.

Region: Welt » Griechenland
Tour Datum: 1 Oktober 2018
Klettern Schwierigkeit: VI (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Für das Klettergebiet "Loutra Strand" parkt es sich am besten auf dem großen Parkplatz des dortigen Thermalbades. Um zu den Felsen am "Ani Strand" zu gelangen, biegt man in der großen Serpentine der Straße Richtung Agia Paraskevi und folgt einem etwas wilden, aber bei entsprechender Umsicht gut befahrbaren Feldweg bis zum Strand.

Chalkidiki assoziiert man anders als andere griechische Urlaubsziele wie Kalymnos nicht zwingend mit Klettern, eher mit türkisblauem Wasser und flachen Sandstränden. Auf der Suche nach einem ruhigen und wenig bekannten Ziel für einen kombinierten Strand- und Kletterurlaub sind wir allerdings auf das relativ unbekannte Gebiet "Loutra" an der Westküste der Halbinsel Kassandra gestoßen. 

Allgemein:
Zum Klettergebiet gibt es einen in Deutschland für günstige 10 EUR erwerbbaren Kletterführer des Haupterschließers Kai Maluck. Die Massive / Türme liegen fast durchgehend direkt am Meer. Teils liegen die Einstiege bequem am Steinstrand, teils erreicht man die Gebiete durch Abseilen von oben oder einen Zustieg über im Meer liegende Blöcke / Felsen. Die Kletterei ist sowohl von der Länge der Routen (leider meist nur zwischen 10 und 15m) als auch den Schwierigkeiten sehr überschaubar - mehr als eine 6b ist nicht zu holen - überwiegend finden sich Routen im 4. bis 6. Schwierigkeitsgrad, also ein reines Gebiet für unambitionierte Genusskletterer wie uns ;) Die Kletterei ist sehr abwechslungsreich: Sloperige und fein strukturierte Platten, Risse, Kamine, Verschneidungen, steile und boulderige Wandkletterei mit kurzen Überhängen - von allem etwas dabei. Der Fels ist begeisternd: vielfach gibt es messerscharfe und dennoch feste Kalkstrukturen, teilweise gibt es auch versinterte oder fast korallenartige Strukturen anderen Gesteins auf dem Fels, denen man zunächst nicht  recht traut, die aber durchweg bombenfest sind. Neben einem 40- 50m langen Einfachseil (genügt für alle Abseilaktionen zu den Routenstarts und sämtliche Routen) sowie 10 Expressschlingen ist daher auch eine hinreichende Fingerhornhaut sowie lange Beinbekleidung nicht nachteilig. Für die Turnerei in den Blöcken direkt am Meer, die teils erforderlich ist, um von einem Massiv zum nächsten zu wechseln, ist einigermaßen solides Schuhwerk, empfehlenswert.

Die Absicherung ist durchweg perfekt mit geklebten, meerwasserbeständigen Spezial-Bohrhaken in äußerst kurzen Abständen. Bei einigen Routen ist nur ein Umlenker oben eingerichtet und diese sind selbst abzusichern, wofür einige Friends und Keile benötigt würden - wir hatten nichts davon im Gepäck. 

Neben Einseillängen-Routen gibt es auch Mehrseillängen-Routen, teils ansteigend über eher inhomogene Gratanstiege vom Meer aus, teils in Form von längeren Quergängen direkt an den Steiklippen über dem Meer, sowie die Möglichkeit von "Kletterwanderungen" entlang des Meeres, bei denen man mittels Abseilen und Wiederaufstiegen mehrere der Türme und Massive aneinanderreiht. 

Zu den von uns bekletterten Felsen:
Das lohnendste Gebiet sind sicherlich die verschiedenen teils so benannten, teils so erscheinenden "Strandtürme" (genannt "Pyrgoi Amudias", "Fanari", "Pefkovelona", "Tichos Samiamidiou" und "Delfinia"),  direkt am Strand Loutra, einer malerischen Kiesbucht. Die Kiefer, welche die Bucht auf den Bildern des Kletterführers noch malerischer machte, ist leider einem Sturm oder Brand zum Opfer gefallen, so dass von ihr nur noch die Überreste verbleiben. Der Abfluss der Schwefelquelle des Thermalbades ins Meer sorgt dafür keine 10m neben den Routen für ein Bächlich mit sehenswerten kleinen Schwefelsinter-Terrassen. Die Routen sind bis zu 20m lang, vorwiegend gibt es Riss- und Plattenkletterei im vierten und fünften Grad an teils erschreckend scharfem Fels an verschiedenen Türmen. Die schwierigeren Routen (6a-6b) zum Meer hin sind boulderlastig und die Schwierigkeiten auf die ersten überhängenden Meter begrenzt. Die etwas nach hinten verlagerte "Weiße Wand - Lefkos Tichos" bot außergewöhnliche durch Versinterung stark sloprige Plattenkletterei und blieb leider nach Regen (Medicane Zorbas lässt grüßen) länger nass. Vom Strand aus erreicht man nach Süden über einen Pfad und Blockgelände an der Brandungsgrenze binnen weniger Minuten die Türme "Eisberg" ("Pagovouno") und "Papageitaucher" ("Idos Thalassiou"), an denen es leichte Kamin- und Verschneidungskletterei mit anspruchsvollem Ausstieg bzw. eine Route mit einem trickreichen Überhang gibt. Kindergeeignet wären insbesondere die Strandtürme, die weiteren Massive entlang des Meeres erfordern teils etwas Turnerei im Blockgelände, um diese zu erreichen.

Am "Ani Strand" findet man im Gebiet "Fitnessstudio - Gimnastirio" (westseitig des Strandes) - zum Namen passend - kurze boulderartige und kräftige Routen mit überhängenden Einstiegen im 5. und 6. Grad. Hier gäbe es auch eine Mehrseillängenroute in Form eines Quergangs über dem Meer, deren Begehung uns allerdings durch einen heftigen Schauer verhagelt wurde. Ostseitig des Strandes findet am "Ageletas"-Felsen zum Strand hin ein fast rein Clean-Climbing-Gebiet mit Routen überwiegend im vierten Schwierigkeitsgrad. Vom Felsen herunter erreicht man durch Abseilen einige "Sea-Cliffs", die zwar eindrückliche Atmosphäre sowie schöne Kletterei und guten Fels bieten, mit nur knapp 8-10m Routenlänge aber den Abseilaufwand nur bedingt lohnen.

Direkt am Thermalbad in Loutra kann über einen kurzen Grat (I) und zwei durch eine kurze Gehpassage getrennte Abseiler von 15m und 20m die Basis der "Alicja"-Wand ("Tichos Alicjas" erreicht werden. Bevor man deren "Top" wieder über eine sehr schöne 2-Seillängen-Route mit verschwenderisch griffiger Kanten- und Risskletterei wieder erreicht, empfiehlt sich ein Abstecher über einige in der Brandung liegende Blöcke hinüber zu einem 12m hohen Turm ("Asterias" - "Seestern"), der auf seiner Südseite schöne Plattenkletterei und auf der Rückseite herrliche steile Turnerei an beeindruckenden Kalkstrukturen bietet.

Der Sektor "Abendrot-Wand" ist der einzige, welcher nicht direkt am Meer liegt, der Abstieg zu diesem vom Parkplatz an der Straße in Richtung Agia Paraskevi ist jedoch jedoch auch der Wasserablauf des Parkplatzes und war daher in den Tagen nach dem Medicane Zorbas nur schwer begehbar.

Infrastruktur:
Loutra selbst war Ende September / Anfang Oktober bereits etwas ausgestorben und der Großteil der Geschäfte und teils durchaus schönen Unterkünfte geschlossen. Entlang der Küste, z. B. in Nea Skioni, oder an der binnen 20 Minuten erreichbaren Ostküste findet man aber sicher sowohl das eine wie das andere.

Fazit:
Als reiner Kletterurlaub sicherlich nicht zu empfehlen, dafür ist die Anzahl der Routen und vor allem deren Länge zu überschaubar, als kombinierter Kletter- und Badeurlaub (tolle Steinstrände zum Schnorcheln und viele schöne Sandstrände) aber durchaus empfehlenswert.


Tourengänger: simba, Nala


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