Mount Rundle, 2949m


Publiziert von Linard03 Pro , 21. August 2018 um 07:23.

Region: Welt » Canada » Alberta
Tour Datum:20 Juli 2018
Wandern Schwierigkeit: T4 - Alpinwandern
Wegpunkte:
Geo-Tags: CDN 
Zeitbedarf: 8:30
Aufstieg: 1750 m
Abstieg: 1750 m
Strecke:Bow Falls - Mount Rundle - Bow Falls
Zufahrt zum Ausgangspunkt:Parkplatz Bow Falls, vor der Brücke

In der Region Banff gibt es unzählige Möglichkeiten für Bergbesteigungen. Auf Empfehlung eines Bergführers fiel unsere Wahl auf den Mount Rundle. Nebst dem Mount Cascade DER dominante Berg von Banff aus gesehen.

Man kann direkt von downtown Banff starten oder vom Parkplatz der Bow Falls. In Anbetracht der eher längeren Tour wählten wir die 2. Möglichkeit ... Der Start erfolgt über die Brücke und in einer Schlaufe um den Golfplatz (genau, NICHT über den Golfplatz mit Wanderschuhen, auch wenn es eine Abkürzung wäre. Die Verbotstafel ist gross genug und der gesunde Menschenverstand sollte auch bei einer Wanderung vorhanden sein ...).

Nach ca. 800m zweigt der Weg zum Mount Rundle links ab; ein kleines Hinweisschild ist vorhanden. Der Wanderweg wird nun etwas schmaler und steigt langsam an. Die Querung im Wald ist relativ lang und wir nähme uns den Rat des Wildhüters zu Herzen: nehmt einen Bärenspray mit! (siehe auch unter Bemerkungen). Wir querten 2-3 Couloirs, ehe wir das Hauptcouloir erreichten. Hier endet denn auch der offizielle Wanderweg. Markierungen sind jedoch weiterhin vorhanden, wenn auch nur mehr in Form von gelben Bändern an den Bäumen, was jedoch ausreichend ist.

Wenn man das grosse Couloir durchquert hat, folgt ein steiler, schmaler Pfad durch den Wald hinauf bis zur Baumgrenze. Nach der Baumgrenze folgt der lange Aufstieg durch viel Schotter und Geröll. Die Bezeichnung "Dragon's Back" ist sicher zutreffend; wie ein Drachenschwanz windet sich das Gelände hinauf. Rechts und links davon befindet sich je ein Couloir.

Auf des Drachen's Rücken gelangt man direkt zum Gipfelbereich. In diesem Bereich überholten wir einige Personen, welche vermutlich im unteren Abschnitt zu schnell gegangen sind und bei denen sich nun offensichtlich erste Erschöpfungsanzeichen bemerkbar machen.
Der oberste Abschnitt wird dann etwas mühsam: jeder sucht sich selbst den besten Weg durch das endlose Geröll; Pfadspuren bringen hier nicht mehr viel.

Dann ist jedoch der Gipfelbereich erreicht und es geht mehr oder weniger der Gratkante entlang in Richtung Gipfel. Allerdings ist Vorsicht angebracht: die Gratkante bricht senkrecht nach Osten ab - man bewegt sich also mit Vorteil ein paar Meter unterhalb davon. Ein letzter Felsblock gilt es zu umrunden (alternativ könnte dieser vermutlich überklettert werden - allerdings ziemlich ausgesetzt). 

Kurze Zeit später hatten wir den Gipfel des Mount Rundle (2949m) erreicht. Da der Berg so ziemlich alleinstehend ist, kann man hier oben ein tolles Panorama bewundern. Ausser uns war lediglich eine weitere Person auf dem Gipfel; kurze Zeit später gesellte sich ein Trailrunner dazu. Seine Zeit von angeblich 2.5 Std. wage ich etwas zu bezweifeln, nachdem wir ihn beim Abstieg beobachtet hatten …

Jedenfalls genossen wir eine ausgiebige Pause bei angenehmen Temperaturen und Windstille. Nach und nach kamen nochmals 3-4 Personen beim Gipfel an. Nach dem gemütlichen Mittagessen und nachdem wir uns am Panorama satt gesehen hatten, machten wir uns an den Abstieg.
Auf gleicher Route ging's zurück, wobei wiederum der Geröllbereich etwas mühsam war. Wir waren bereits wieder auf "Dragon's Back", als uns nach wie vor weitere Gipfelstürmer entgegenkamen. Insgesamt zählten wir am heutigen Tag ca. 20-25 Personen, wobei sich diese auf die ganze Route verteilten, sodass wir trotzdem weitgehend alleine unterwegs waren.

Die plattigen Abschnitte erforderten nochmals etwas Konzentration, denn das feine Geröll darauf lässt einem schnell ins Rutschen kommen. Bald war die Baumgrenze wieder erreicht und den steilsten Waldabschnitt brachten wir schnell hinter uns. Beim grossen Couloir hielten wir nochmals Rast - es war mittlerweile ziemlich durstig geworden …

Zurück auf den Wanderweg, der sich dann nochmals ordentlich in die Länge zieht. Schliesslich gelangten wir wieder zum Golfplatz und kurz danach den Parkplatz. Mit Blick auf die Bow Falls liessen wir unsere Füsse im eiskalten Bow River abkühlen.

Fazit:
eine tolle Tour auf einen aussichtsreichen Berg! Auch wenn es als "popular hike" beschrieben wird, sind im Normalfall eher wenig Leute anzutreffen.
Was mich heute am meisten (positiv) überrascht hat: während der ganzen Tour keine Schmerzen in der Achillessehne; was für ein Glück …!

Schwierigkeit:
der Mount Rundle sei ein "scrambling"-Berg; die Tour sei nur für sehr Geübte. Kraxeln oder gar klettern muss man jedoch nirgends. Bis zum Gipfelbereich ist alles Geh-Gelände, wenn auch gewisse Leute auf allen Vieren unterwegs sind … Je nach gewählter Route sind kurz vor dem Gipfel allenfalls mal die Hände gefragt - bei geschickter Routenwahl ist nicht mal dies erforderlich.
V.a. im plattigen Gelände muss man sicher im Abstieg vorsichtig sein, denn auf dem feinen Geröll kann man schnell mal ins Rutschen geraten. Und das endlose Geröll- & Schotterfeld ist sowohl im Auf- als auch im Abstieg mühsam zu begehen - aber kraxeln?

Bemerkungen:
- Fotozeiten minus 8 Std.
- Bärenspray: muss jeder selbst entscheiden, ob man einen mitnehmen will. Sicher empfehlenswert in einem Bärengebiet … Einen Bärenspray kann man auch für 1 Tag mieten, um nicht die teure Flasche kaufen zu müssen, was wir gemacht haben. Der Spray gilt als Waffe, ist 15x stärker als ein Polizei-Pfefferspray und sprüht (bei idealen Bedingungen) bis 15m weit; man kann also von einem Flammenwerfer sprechen … Man sollte aber auch wissen, dass dies die letzte Möglichkeit ist, sich vor einem Bären zu schützen. Wenn der Spray leer ist (nach ca. 8 Sek.), dann sollte man trotzdem rennen …

Zeiten:
- Parkplatz Bow Falls - Mount Rundle: ca. 5 Std.
- Mount Rundle - Parkplatz Bow Falls: ca. 3 1/2 Std.

Tour mit Andri

Tourengänger: Linard03


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Kommentare (2)


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TeamMoomin hat gesagt: Hey
Gesendet am 21. August 2018 um 09:12
Richard, gratuliere zu diesem schönen Hausberg von Banff. eine tolle Gegend nicht?

Und wegen scramble, soviel ich von Kanadiern mitbekommen habe kann das von Schotterbergen wie Mt.Rundle bis hin zu haarsträubenden T6 Geröllbergen so ziemlich alles beinhalten, die Schwierigkeit eines Scramble Peaks kann also sehr sehr verschieden sein.

Lg

Linard03 Pro hat gesagt: RE:Hey
Gesendet am 21. August 2018 um 21:32
Merci … - in der Tat, eine tolle Gegend!
Da war ich bestimmt nicht das letzte Mal …

Und danke für die Erläuterung des Begriffes "scramble". Inzwischen hat mir jemand anders ebenfalls bestätigt, dass alles sehr relativ sei. Z.B. war die Angabe für eine Wanderung in Bezug auf Steilheit "moderate" - in Realität war es fast überhängend … - bestätigt also Deine Wahrnehmung.

Lg


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