Neubau bei der Domhütte abgesagt


Publiziert von xaendi, 2. Mai 2011 um 14:36. Diese Seite wurde 580 mal angezeigt.

Wichtige News aus der "NZZ am Sonntag" vom 1. Mai 2011. Insbesondere für alle, die ihre Dom-Tour schon auf nächsten Sommer verschieben wollten:
 

Neubau bei der Domhütte abgesagt

Das alte Gebäude auf 2940 Metern war bereits geräumt. Doch jetzt hat die Zürcher SAC-Sektion Uto den Umbau der Domhütte kurzfristig gestoppt - wegen Geldmangels.

Der Dom ist ein begehrtes Alpinistenziel; er ist mit 4545 Metern über Meer der höchste Berg, der ganz innerhalb der Schweiz liegt. Ausgangspunkt zur Besteigung des Doms und weiterer Walliser Viertausender ist die Domhütte im Mattertal auf 2940 Metern.
Das polygonale Gebäude, ein Markenzeichen des bekannten Hütten-Architekten Jakob Eschenmoser, bietet 75 Schlafplätze und wurde 1957 am Fusse des Festi-Gletschers gebaut. Die Infrastruktur genügt dem Ansturm der Alpinisten und den heutigen Ansprüchen schon längst nicht mehr. Wer die Domhütte kennt, weiss ein Lied von 60 Zentimeter breiten Liegeplätzen zu singen. Krass ist auch das Missverhältnis zwischen den 75 Schlafplätzen und den nur 20 Sitzplätzen im Essraum; gegessen wird schichtweise.
Die Besitzerin der Hütte, die Zürcher Sektion Uto, mit 7000 Mitgliedern die grösste Sektion des Schweizerischen Alpenclubs (SAC), fasste daher schon länger einen Umbau samt einem Anbau ins Auge. Das ursprüngliche Gebäude soll aus denkmalpflegerischen Überlegungen erhalten bleiben. Auch das Platzangebot würde nicht ausgedehnt. «Die Domhütte wird einfach zeitgemässer ausgestattet, damit sie für die nächsten 30 Jahre tauglich ist», sagt Uto-Hüttenchef Albert Willen. Das heisst vor allem: bessere sanitäre Einrichtungen, gleich viele Sitz- wie Schlafplätze und ein verbesserter Privatbereich für die Hüttenwarte. «Sonst frönen wir keinem Luxus», betont Willen. «Es wird auch weiterhin keine Dusche geben.» Und die Liegeplätze sind mit 70 Zentimetern auch nicht viel breiter als heute.
Der Umbau schien auf guten Wegen: Der Zürcher Manfred Hunziker - begeisterter Alpinist, SAC-Autor und pensionierter ETH-Elektroingenieur - hatte eine Million Franken für den Umbau gespendet; die Sommersaison 2011 in der Domhütte war wegen der Bauarbeiten abgesagt.
Und nun also der Projektstopp: Bei der ursprünglichen Budgetierung für die Domhütte-Sanierung ging die Sektion von ähnlichen Kosten wie bei der Täschhütte aus, die im vergangenen Jahr für 2,5 Millionen Franken erweitert wurde und ebenfalls der Sektion Uto gehört. Das böse Erwachen kam diesen Februar, als die Offerten der Baumeister und Handwerker auf dem Tisch lagen: Sie wichen um 700 000 Franken vom Budget ab. «Das war ein Schock für uns alle», sagt Uto-Hüttenchef Willen. Einer der Gründe scheint die Hochkonjunktur im Walliser Bauwesen zu sein, was die Preise massiv erhöht hat. Auch habe man die Helikopterflüge zur abgelegenen Domhütte unterschätzt; diese schlagen allein mit einer halben Millionen Franken zu Buche.
Nun hat die Sektion Uto notfallmässig beschlossen, dass die dreimonatige Sommersaison regulär stattfinden soll. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn normalerweise tätigen Berggruppen aus dem In- und Ausland ihre Reservationen für den Sommer bereits Anfang Jahr. Diese werden nun mindestens zu einem Teil fehlen, da der Dom nicht ins Programm aufgenommen wurde. Die Domhütte ist üblicherweise mit 3000 Übernachtungen sehr gut belegt.
Wegen der Baupläne war die Domhütte bereits geräumt und das Mobiliar ausgeflogen worden. Die Planänderung bringt darum für die Hüttenwarte Renato und Kathleen Schaller einiges an Umtrieben mit sich. «Nun werden wir halt alles wieder hoch bringen, was wir brauchen, damit wir Ende Juni die Saison eröffnen können», sagt Kathleen Schaller.
Am 26. Mai wird die Sektion Uto an ihrer Generalversammlung über das weitere Vorgehen entscheiden. Das fehlende Geld hofft man über Spenden bis im Herbst beschaffen zu können. Ziel ist, dass der Umbau im Sommer 2012 doch noch stattfinden kann.
 




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