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Kanadische Rocky Mountains = Karwendel in Groß (Touren 1-5; Banff Area)


Published by Bergfex78 , 24 November 2013, 23h52.

Region: World » Canada » Alberta
Date of the hike:24 August 2013

Wer die Serie 'Der Mann in den Bergen' kennt und mochte, wer die Berge und die Natur liebt, oder wer einfach die Möglichkeit zu großer Abgeschiedenheit sucht, der sollte bei vorhandener Möglichkeit unbedingt mal in die Canadian Rockies.

Zugegeben, die Serie spielte im Westen der USA, und schöne Natur wie Berge findet man auch bei uns. Aber die gewaltigen Weiten, die riesigen Wälder und unendlich erscheinenden Bergketten, die enorme Abgeschiedenheit (wenn man sie denn sucht) und die vielfältigen Kontraste bilden durchaus einen Superlativ für Naturfreunde. Wer den folgenden Text übersteht und sich die Fotos dieser Touren-Triologie anschaut, kann die Begeisterung vielleicht nachvollziehen.

Für mich bedeutete dieser Urlaub auf jeden Fall: "Da musst Du bald wieder hin. Sehr bald!"

Nach einiger Überlegung, ob ich das hier als Bericht anzetteln soll, wird es nun einfach mal gemacht. Vielleicht ist für den einen oder anderen Kanada-Interessierten ja doch etwas dabei, das bei einer möglichen Tourenplanung hilft. Oder vielleicht dient es auch einfach nur als 'Appetizer' für potentielle Aspiranten.

Wegen der ganzen Bilder ist das alles wie zuvor erwähnt auf 3 Teile gesplittet, um keinen Foto-Overkill zu produzieren.

Generell sollte so ein Urlaub in den Rockies mindestens über 3 Wochen gehen, da man sonst keine Chance hat, die einzelnen Regionen auch nur ansatzweise etwas kennenzulernen. In unserem Fall waren es 4 Wochen, bei denen aber einige Tage für Sightseeing in Toronto und die Niagara-Falls abgezweigt wurden. Die großen Distanzen zwischen den verschiedenen Nationalparks bedeuten zudem einen kleinen 'Verlust' an potentiellen Bergtagen. Wobei Verlust relativ ist... durch diese Landschaft zu fahren, ist bereits beeindruckend und ein Genuß.  Nun ja, und zuletzt soll so ein Urlaub auch erholsam bleiben und nicht in Stress ausarten.

Unmittelbar in den Rockies waren wir vom 24.08. bis 12.09. und hatten das große Glück, nahezu perfekte Wetter- und Tourenbedingungen vorzufinden. Ein einziger, kompletter Regentag ist durchaus zu verkraften:-). Insgesamt blieben ohne Reisetage 19 Tage für Bergtouren und Regeneration. Da geht was... Die besuchten Regionen waren Banff, Lake Louis Area, Columbia Icefield, Jasper und Waterton Lakes. Insgesamt gesehen nur ein Bruchteil der möglichen weiteren Gebiete, aber immerhin Süden, Mitte und Norden der östlichen Canadian Rockies abdeckend.

Eine große Hilfe für viele der Touren waren 2 Bücher. 'Scrambles in the Canadian Rockies' und 'More Scrambles in the Canadian Rockies'. Klassisches Bergsteigen ist in Kanada längst nicht so verbreitet wie in den Alpen, und somit hält sich die Auswahl an hilfreicher Literatur stark in Grenzen. Da es zudem keine klassischen Bergkarten wie vom AV, etc. gibt, sind die rein topographischen Karten oftmals die einzige wirkliche Orientierungshilfe in einem unbekannten Gebiet. In diesem Sinne leisteten dann auch GPS-Empfänger und digitale Topo-Karten wertvolle Hilfe. Bevor jetzt jemand schreit "by fair means" -- viel Spaß als Gebietsneuling ;-)!

Nun zu den Touren; die folgende Tabelle zeigt grob die Daten. Grob deswegen, da das GPS in den dichten Wäldern teilweise recht ungenau war. Die Höhendaten in den Büchern haben leider auch nicht viel gebracht, da keine Gegenanstiege inkludiert sind. Derer gibt's aber gar furchtbar viele und lange...

Exponiertheit gibt grob an, wie einsam und abgeschieden die Tour subjektiv empfunden wurde. Ich hab' mal versucht, das nachfolgend zu kategorisieren. Exponiert heißt dabei nicht, dass nirgends eine kleine Markierung existiert. Auch in Kanada gibt's ein paar fleißige Bergsteiger, die Pfadmarkierungen anlegen.

1 = relativ gut frequentiert und kaum exponiert
2 = wenig frequentiert und nicht zu exponiert
3 = wenig frequentiert und recht exponiert
4 = mega-einsam und sehr exponiert

Bei mehreren Gipfelzielen bezieht sich jede Zahl auf den entsprechenden Gipfel und gewählten Zustieg.
Die Schwierigkeit bezieht sich immer auf den Maximalwert, der bei der gewählten Route / Variante auftrat. Bei geschickterer oder einfach anderer Routenwahl (z.B. Indian Ridge über den Normalweg statt über den NO-Grat) können die Schwierigkeiten deutlich niedriger ausfallen. Oder auch höher. Man kann sich, wie überall, ganz nach Belieben austoben.

Datum Tourenziel Gipfelhöhe Strecke in km Hm Exponiertheit max. angetroffene Schwierigkeit
24.08.2013 Mount Rundle 2949 17 1700 2 T4+/I
25.08.2013 Cascade Mountain - False Peak 2998 22 1650 2 T5-/I bzw. T5+/II (False)
26.08.2013 Sulphur Mountain - Sanson Peak 2455 - 2270 15 1300 4-1 T4+/II- bzw. T1 (Sans.)
27.08.2013 Mount Bourgeau 2930 25 1600 3 T3
28.08.2013 Mount Cory Nord- & Südgipfel 2802 11 1650 4 T6-/III (ohne Versteiger II)
29.08.2013 Fairview Mountain - 'Chipmunk Peak' - Saddle Mountain 2744 - 2668 -2434 14 1350 1-4-2 T2 bzw. T4/II (Chipm.)
30.08.2013 Grotto Mountain 2706 13 1500 3 T4+/I
01.09.2013 Sunwapta Peak 3317 14 1750 4 T4-
02.09.2013 The Whistlers - Indian Ridge 2440 - 2720 22 2100 1-3 T1 bzw. T5/II (Ind. Rid. NO-Grat)
04.09.2013 Roche Miette 2316 13 1500 4 T5+/II
05.09.2013 Cinquefoil Mountain 2260 13 1250 3 T4+/I
08.09.2013 Prairie Bluff 2245 18 1150 2 T2-
09.09.2013 Mt. Anderson - Lost Mt. - 'Red Twins' – Mt. Bauermann 2698 - 2509 - 2489 - 2409 28 1850 3-4-4-4 T4+/I bzw. T4 (ab Lost)
10.09.2013 Bertha Peak - Bellevue Hill 2440 - 2112 22 2050 3-3 T5+/II bzw. T3 (Bell.)
11.09.2013 Sofa Mountain 2515 16 1150 4 T5/II+




















































Da sich de facto keine Kulturlandschaft bzw. Jagdlandschaft wie in den Alpen finden lässt, sind die möglichen Anstiege oft steil - sehr steil. Jagdsteige, etc. gibt's nicht, und selbst die wenigen Pfade verlaufen mehr oder weniger in der Direttissima. Die Außnahmen kann man an einer Hand abzählen, z.B. Sanson Peak oder Prairie Bluff. Ab und an beginnen die eigentlichen Anstiege entlang von Trails, so dass bist dorthin der Weg zwar lang, aber doch recht flach verläuft. Einen MTB-Einsatz kann man fast überall komplett vergessen. Erstens sind mgl. Pfade und das Gelände meist total ungeeignet. Zweitens kann das ein u.U. sehr ungünstiges 'Zusammentreffen' mit Bären oder Elks zur Folge haben.

Eine genaue Beschreibung der Touren erspare ich dem Leser, der jetzt noch bei der Sache ist. Es wäre viel zu umfangreich, und der Interessierte will ja noch selbst erkunden.

Es folgen reichlich Fotos zu den Touren 1-5 mit jeweils ein paar kurzen Infos. Viel Spaß beim Durchblättern!

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Comments (11)


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Sent 25 November 2013, 00h23
Super, super schöne Eindrücke! Danke!

> Wer die Serie 'Der Mann in den Bergen' kennt und mochte
Ja! Der hatte einen echten Bären!
Habt Ihr denn nie eine Bärenspur oder zwei große, fellige Ohren gesehen? Ich bin mir ganz sicher, dass die Euch ab und zu aus dem Wald heraus beobachtet haben...was glaubst Du?
Mal einen echten Bären zu sehen und das nicht im Zoo, das wär`s!

VG Uschi

Winterbaer Pro says: RE:
Sent 25 November 2013, 01h35
Nachtrag: hab inzwischen auch den dritten Bericht ....und die Bären gesehen:-)
Einfach wunderschön! Herzlichen Glückwunsch zu diesem einmaligen Urlaub!

Bergfex78 says: RE:
Sent 25 November 2013, 17h43
Danke sehr, Uschi! Ich glaube man konnte leicht herauslesen, wie begeistert ich von der Natur dort war! Es ist aber nicht nur die Natur. Nein, auch die Kanadier sind ein extrem höflicher und freundlicher Schlag Menschen, unter denen man sich sofort heimisch fühlt!

LG,
Andi

Gherard says: Scrambling
Sent 25 November 2013, 10h51
Danke für diese sehr informativen Schilderungen!

In dem zitierten Buch gibt es übrigens ein Kapitel "Avoid death by scrambling" ;-)

Überhaupt finde ich "scrambling" eine interessante Wortsschöpfung. Welche Übersetzung ist korrekt? Kraxeln? Oder einfach: T4 - T6 bzw. I?

Gruß,
Gerhard

Bergfex78 says: RE:Scrambling
Sent 25 November 2013, 17h40
Hallo Gerhard,
'Scrambling' ist eigentlich nicht so schwer zu übertragen, wenn man das mal vor Ort gesehen hat. Scrambling beschreibt Gelände von UIAA I bis III+/IU- und anspruchsvollere Bergwanderungen ab T3. So würde ich das heute zumindest übersetzen. In dem Buch sind zwar auch einfachere Touren enthalten, aber auch da kann man schnell auf diese Schwierigkeitsgrade treffen, wenn man nur leicht von der optimalen Route abkommt.

Grüße,
Andreas

Alpin_Rise says: Rockies
Sent 25 November 2013, 15h47
> wird es nun einfach mal gemacht
Zum Glück - solche Berichte sind immer gut zum Träumen. Nebenbei legest du das Wegpunkt-Gerüst für zukünftige Unternehmungen.

Traumhafte Bilder hast du da mitgebracht!
G, Rise

Bergfex78 says: RE:Rockies
Sent 25 November 2013, 17h36
Danke sehr! Die Bilder auszusortieren war extrem schwer. Hätte am liebsten noch viel mehr gezeigt :-).

Gruß,
Andreas

Nic says: Awesome!
Sent 26 November 2013, 09h17
Toller Bericht und wunderschöne Fotos meiner zweiten Heimat. :)

VG Nic

Bergfex78 says: RE:Awesome!
Sent 26 November 2013, 11h14
Danke, Nic!
Ich könnt mir Kanada sogar als erste Heimat vorstellen :-).
Grüße, Andreas

Nic says: RE:Awesome!
Sent 27 November 2013, 08h11
Habe viele Jahre in Vancouver gelebt. Es war mit Abstand die schönste Zeit in meinem Leben. Dennoch habe ich die Alpen vermisst und bin wieder zurück nach Deutschland gezogen. Nach wie vor ist aber ein jährlicher Beuch Pflicht. Im Januar geht´s wieder los.

VG Nico

Bergfex78 says: RE:Awesome!
Sent 27 November 2013, 18h38
Beneidenswert! Im Winter dort mal mit den Tourenski loszuziehen fänd' ich ausgesprochen reizvoll :-)!
Ich wünsch' Dir eine schöne Zeit!

VG,
Andreas


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