Sicherungstechniken


Publiziert von steindaube, 22. Juli 2012 um 19:59. Diese Seite wurde 1415 mal angezeigt.

Mich interessiert wie ihr sicherungstechnisch vorgeht, z.B.:
  • Wieviele Zwischensicherungen setzt ihr im Eis je nach Schwierigkeit?
  • Verwendet ihr bei einer Zweier-Seilschaft eher Einfach- oder Halbseile (hängt natürlich auch vom Felsanteil ab)?
  • Wie geht ihr beim Rückzug im steilen Eis (Abalakov?) oder Firn vor?
  • Welche Erfahrungen habt ihr mit gleichzeitigem Gehen am Seil gemacht (Zwischensicherungen mit Tibloc)?
  • Wie geht ihr bei tiefem Firn vor (Firnanker? T-Anker ohne Zwischensicherungen?)?
  • Wie überwindet ihr widerspenstige Bergschründe?
  • Wie stellt ihr eure Ausrüstung in Abhängigkeit von der Schwierigkeit zusammen?



Kommentare (6)


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Erersor hat gesagt: Sicherungstechniken
Gesendet am 23. Juli 2012 um 09:56
Also wir gehen in Firn/eiswänden wie folgt vor:

Wenn noch eine Firnschicht vorhanden ist gehen wir immer ohne Seil,t-anker ist viel zu zeitaufwendig.Ich persönlich nehme imner 2 Eisgeräte mit,fühle mich einfach sicherer + ca 8 Eisschrauben

Bei Blankeis bis ca 45° ohne Standplatz aber mit laufenden Sicherungen.Ab 45 ° Standplatz+ ca 3 Zwischensicherunge allerdings die erste nach ca 5 m und ca 2 m links oder rechts vom Standplatz.

Beim Bergschrund haben wir davor+danach mit einem t-anker gesichert.

sorry für evt rechtschreibfehler hab recht schnell mit dem Handy geschrieben ;-)

gruss Erersor

steindaube Pro hat gesagt: RE:Sicherungstechniken
Gesendet am 23. Juli 2012 um 12:57
Super, das klingt ziemlich genau so wie ich das auch angehen wuerde. Vielen Dank,
Matthias.

steindaube Pro hat gesagt: Mitreiss- versus Spaltensturzgefahr
Gesendet am 14. August 2012 um 10:25
So, jetzt noch eine knifflige Frage die mich schon laenger beschaeftigt. Nehmen wir mal an wir haben steiles Gletscher-Gelaende mit maessig guter Firnauflage, also Absturz- und Spaltensturzgefahr. Beides sicherungstechnisch ordentlich abzudecken ist hier ja wohl nicht einfach...

Einfach nur gletschermaessig angeseilt weiterzugehen fuehrt zu Mitreissgefahr. Ausserdem kann z.B. bei einer Zweierseilschaft der Obere einen Spaltensturz des Unteren wahrscheinlich nicht halten.

Unangeseilt weiterzugehen schliesst zwar die Mitreissgefahr aus, abrutschen kann man aber immer noch und Spaltensturzgefahr besteht auch.

Wenn der Abschnitt relativ kurz ist koennte man natuerlich T-Anker bauen, aber haelt der einen groesseren Vorstiegssturz? Mit weicher Sicherung und viel Optimismus vielleicht... Zwischensicherungen sind ja nicht moeglich, schon wegen der Belastbarkeit des T-Ankers nur in eine Richtung.

Habt ihr hier einen guten Vorschlag? Wie entscheidet ihr euch fuer eine der Varianten? Gibt es Literatur die auf diesen "Graubereich" naeher eingeht?

Matthias.

simba hat gesagt: RE:Mitreiss- versus Spaltensturzgefahr
Gesendet am 14. August 2012 um 11:25
Servus

Das dürfte in der jeweiligen Situation sicherlich eine Ermessensfrage sein ;)
Der Zeitfaktor spielt in jedem Fall ne essentielle Rolle. Vieles was man zu Sicherung in solchen Fällen liest, ist zeitlich bei bestimmten Touren (zB Täschhorn N-Flanke, vgl. Unfall leider 2004 (!)) kaum machbar.
Einen T-Anker bei mässig guter Firnauflage stell ich mir schwierig vor. Noch dazu wohl zeitintensiver als "buddeln".

Ganz unangeseilt würd ich in der Situation jedenfalls nie gehen. Insoweit halte ich mich wohl an die Lehrmeinung - nur aperer Gletscher oder steiles spaltenfreies Gelände (bspw. Querung am Gipfelgrat Galenstock). Spaltensturz ohne Seil zum Gestürzten ist ein absolutes Worst Case Szenario.

Im Aufstieg (gehe hinsichtlich steil mal von >40° aus) ist es mE am wenigsten problematisch...ich würd Seil auf ca. 30 Meter verlängern, der Vordere "buddelt" und schraubt mit Tiblocs. Gefahr eines Komplettabsturzes ist damit einigermaßen gebändigt. Spaltensturz vorne dürfte wg. Hangneigung und Gewicht hinten kaum tief runter gehen und Sturz des hinteren durch den Bloc schnell gehalten werden.
Kann man natürlich auch ganz anders sehen. Schneller als nen Anker gehts auf jeden Fall.

Bei Querungen ist die Gefahr insbesondere wg. parallel verlaufender Spalten mE größer. Tibloc führt dann nicht wirklich weiter. Laufend schrauben mit minimal verlängerten Seil ist zumindest ne gewisse Absicherung und nicht allzu zeitraubend.

Im Abstieg muss man mE noch stärker differenzieren. Die Gefahr ist hier wohl am Größten, vor allem bei einem Spaltensturz des Vorderen bzw. Ausrutscher des Hinteren am Vorderen vorbei :(
Hier gehe ich in Gelände >40° schnell zu Standplatzsicherung über, wenn die Verhältnisse nicht gut sind und bspw. einer deutlich schwächer ist. Dann steigt der Schwächere gesichert hab (kurze SL) und setzt eventuell auch nochmal ne Schraube zwischendurch, dass es für den "ungesichert absteigenden" Stärkeren (der mit Vorteil zwei Eisgeräte hat) nicht allzu heftig wird.

Hat man zufällig 2 Seile zur Verfügung (2. Seilschaft?) und sind die Schwierigkeiten nicht allzu lang (zB Couloir du Gardien, Grand Combin), könnte man dann auch mittels Abalakov abseilen.

Aber wiegesagt...das bleibt immer eine Ermessensfrage, bei der so viele Umstände berücksichtigt werden müssen, dass es eine absolut richtige Lösung kaum jemals geben wird.

Gruß
Si

steindaube Pro hat gesagt: RE:Mitreiss- versus Spaltensturzgefahr
Gesendet am 14. August 2012 um 12:24
Vielen Dank fuer Deine ausfuehrliche Meinung. Vieles habe ich mir so auch schon ueberlegt aber es ist immer gut verschiedene Sichtweisen zu kennen.

Interessant ist noch, womit du "buddelst". Wenn das bei z.B. 40cm Auflage nicht allzu zeitraubend sein soll braucht man ja fast eine kleine Lawinenschaufel...

simba hat gesagt: RE:Mitreiss- versus Spaltensturzgefahr
Gesendet am 14. August 2012 um 14:11
Ist ein bedenkenswerter Punkt. Allerdings halte ich bei 40cm Auflage die Absturzgefahr wiederum für nicht so virulent wie die Spaltensturzgefahr. Im Steilgelände bedeutet eine solche Auflage gute und eben nicht nur mässige Verhältnisse.
40cm mit der Schaufel des Eisgeräts wegzubuddeln dauert seine Zeit, ist aber vermutlich immer noch schneller als einen Anker zu graben.
Gruß
Si


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