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Westliche Marienbergspitze über Westgrat


Published by frehel , 27 August 2015, 17h19.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Wetterstein-Gebirge und Mieminger Kette
Date of the hike:26 August 2015
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: A 
Height gain: 750 m 2460 ft.
Height loss: 1500 m 4920 ft.
Access to start point:Mit dem Auto nach Biberwier, Parkplatz Marienbergbahn
Accommodation:Coburger Hütte

Der südwestliche Teil der Mieminger Kette bietet neben kleinräumig stark schwankender Felsqualität, von komplett zermürbt bis gut, auf vielen Gipfeln eine tolle Aussicht von der Zugspitze über die Lechtaler Alpen bis zu den Ötztaler und Stubaier Zentralalpen. In beiderlei Hinsicht beispielhaft ist der Westgrat der Westlichen Marienbergspitze, der kurz über dem Marienbergjoch ansetzt. Dem AV-Führer, der die Tour mit den Worten "empfehlenswert und landschaftlich großartig" beschreibt, wird man kaum widersprechen können. Die Wanderung kann bei Benutzung des Marienberglifts als gemütliche Halbtagstour gestaltet werden und stellt im Sommer sicherlich den schönsten Weg auf die Westliche Marienbergspitze dar.


Vorbemerkung:

Die Tour wird im Goedeke Kletterführer "Bayerische Alpen, Nordtirol" als WSW-Grat bezeichnet und im AV-Führer als WNW-Grat. Ich mittele das im Folgendem einfach zu Westgrat. Ich habe am Grat häufig eine etwas andere Route gewählt, als in den beiden Quellen Goedeke und AV-Führer angegeben, bzw. bin mir nicht sicher, ob ich an der Schlüsselstelle richtig war. Teilweise dürfte es bei strikter Befolgung der Topoangaben leichter sein. An der Schlüsselstelle tut man sich bei etwas ausgestetzen Querungen mit Kletterschuhen sicherlich leichter (ich war über meine jedenfalls froh).
Schöne Bilder des Westgrates von der gegenüberliegenden Handschuhspitze aufgenommen gibt es in den Berichten *Handschuhspitzen und Hochwannig - großzügige Überschreitung über dem Fernpass, *Traumhafte Überschreitung der Handschuhspitzen und Hochwannig und *Handschuhspitze (2319m), Wannig (2493m) Nordgrat über Roten Schrofen.


Route:
Die Betreibergesellschaft der Marienbergbahn hat in Sachen  Erlebnistrourismus einiges nachgeholt. Es gibt jetzt neben der Sommerrodelbahn auch eine Rollerstrecke unter dem Sessellift. Da ich gesundheitlich etwas angeschlagen war und nicht von lärmenden Rollerfahrer_innen angefahren werden wollte, bin ich von Biberwier mit dem Sesselliften zum Marienbergjoch hochgefahren. Von dort geht es zunächst etwas südöstlich über Wiesen aufwärts bis oberhalb Latschen das Weiterkommen blockieren. Hier muss man eine deutlich ausgetretene Latschengasse finden und bis zu ihrem Ende folgen, oberhalb der Latschen quert man wieder nach links aufwärts über Geröll bis zum Beginn des Westgrates.

Einsteigen kann man entweder durch eine Verschneidung oder durch den Kamin, der weiter rechts den Vorbau von der prallen Felswand trennt (II-III). Ich habe ersteres gemacht und weiter oben geht es dann über Schrofen und eine weitere Verschneidung bis unter einen markanten Überhang. Hier bin ich direkt unter mehreren Überhangen weit nach rechts aufwärts gequert, teilweise nur auf kleiner Leiste und recht ausgestzt (III), bis ich auf einen breiten grasigen Absatz gekommen bin. Vermute mal, dass das nicht der richtige Weg war, denn alte Normalhaken gab es hier keine mehr; man hätte wohl früher nach links über ein Band zurück zur Gratkante gemusst. Vom Grasabsatz bin ich auf schmalen Bändern kurz im Zickzack links-rechts in eine kaminartige Rinne und über diese zur Gratkante zurück (III) (man kommt auf Gratscharte mit Steinmännchen raus). Diese beiden Seillängen sind die Schlüsselstelle der Tour, im Gegensatz zum Rest verlaufen sie aber in sehr festem rauhen Fels. Oberhalb wird die Felsqualität ziemlich dürftig und man muss höllisch aufpassen, bevor man irgendwas belastet.

Ab jetzt geht es immer am Grat oder in Rinnen und Schrofen links oder rechts, je nach Geschmack. Ich habe mich häufiger direkt am Grat oder leicht rechts gehalten, wo das Topo ein Ausweichen nach links empfiehlt. Auf der direkten Variante am Grat gibt es Dreierstellen zu überwinden ansonsten ist es deutlich einfacher. Auf dem letzten grasigen Gratabsatz vor dem Gipfelgeröllfeld kann man noch mal bequem rasten, weiter oben ist es nicht sehr einladend. Wer höchstens die Schlüsselstelle in Seilschaft geht, nicht viel Zeit mit Routensuche vertut, sollte mit 2 1/2 Stunden Gehzeit ab Marienbergjoch hinkommen.


Habe mich dann vom Gipfel auch gleich an den Abstieg durch die nordseitige Rinne gemacht, die von der Scharte zwischen den beiden Marienbergspitzen ins Schwärzenkar hinuterzieht. Nachdem ich letzten Sommer über eine ähnliche Rinne (beide mit I bewertet) auf die Südspitze des Wamperten Schrofens bin (für mich damals ein totaler Stress im Megabruch, Empfehlung: Südspitze pfui, Nordspitze vielleicht lieber im Frühjahr Yeti69 Bericht), hatte ich mir ziemliche Sorgen gemacht. Tatsächlich ist die heutige Rinne aber im Vergleich vollkommen harmlos, Steinschlaggefahr mal ausgeblendet.

Fortgesetzt wurde die Tour mit einem leckeren Kaiserschmarrn auf der Coburger Hütte und dem Abstieg über die Biberwierer Scharte.

Hike partners: frehel


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Comments (1)


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helmoudo says:
Sent 8 July 2019, 01h04
Danke für den tollen Bericht,
Hab den Grat gestern gemacht.
Allein.
Zwei Ergänzungen hab ich noch:

1. Die Einstiegsvariante über den Kamin rechts ist nicht lohnend. Ist hauptsächlich Krabbelei im erdigen Kamingrund. Danach wird der Kamin eh nach links zum Grat verlassen.

2. Bei der Schlüsselpassage hatte ich von der Beschreibung her den Eindruck, dass einen die Steilheit des Aufschwungs nach rechts zwingt. Ich bin drum, immer den leichtesten Möglichkeiten folgend, gerade bis leicht rechts haltend nach oben geklettert. Der erzungene Abzweig nach rechts würde dann schon kommen. Ging gut und alle 10-15m kam ein bestätigender Haken. Bei einem weiteren rostigen Haken wurde es knifflig. Man muss mit den Füßen auf eine schmale Leiste kommen, um rechts gangbares Gelände zu erreichen. Über der Leiste gibt es keinerlei Griffe und die Lösung ist eine irreversible Aufstehbewegung. Hab’s geschafft, aber drüber kommt nur noch eine Notabseilstelle und kein im 3er-Bereich kletterbares Gelände. Da ich nicht mehr runter konnte, wurde es eine Flucht nach oben. Im Sicherheitstechnisch roten Bereich. Zum Glück nicht lang. Ich kam direkt am Gratköpfel raus.

An alle Wiederholer:
Wenn ihr an die Stelle mit der schmalen Leiste kommt: Ihr seid hier falsch, auch wenn genau da ein Haken steckt!
Ich weiß nicht, wie und wo genau man in der Schlüsselpassage nach rechts ausweicht, einfach grad rauf geht es wegen dem Ausstieg nicht. Das Ausweichen nach rechts wird einem nicht vom Gelände aufgezwungen und muss aktiv gemacht werden.

++Helmut


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