Piz Surparé 3078 m - Auf neuer Route über den Ostgrat


Published by Ivo66 , 21 August 2015, 19h31.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike:21 August 2015
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 6:30
Height gain: 1350 m 4428 ft.
Height loss: 1350 m 4428 ft.
Route:Bivio - Radons - P. 2840 m - P. 2893 m (Ostgrat) - Piz Surparé
Maps:1:25'000 Bivio

Der Piz Surparé ist in den Sommermonaten nicht gerade ein grosser Anziehungspunkt für Bergsteiger - im Gegensatz zum Winter. Heute war dies ausnahmsweise anders: Der Berg wurde geradezu gestürmt von Gipfelaspiranten jeden Alters, darunter etwas vor uns dulac und milan. Vom Vorgipfel aus haben wir die beiden prominenten hikrs noch gesehen, in Unkenntnis davon, um wen es sich dabei handelte. Die beiden hatten sich vor uns ins neue Gipfelbuch eingetragen, welches StefanP kürzlich im Gipfelsteinmann deponiert hatte. Das Buch befindet sich in einer neuen Gamelle, gut geschützt im Steinmann und müsste dort auch die Winter gut überstehen.

Schon oft hatten wir den Piz Surparé - zu allen Jahreszeiten - bestiegen; zuletzt über die unübliche Route über den Nordgrat  vom Piz Scalotta her. Heute wollten wir eine neue Variante wagen: Eine Route, die nicht einmal im SAC-Clubführer zu finden ist, den Zustieg über den lang gezogenen Ostgrat mit Überschreitung des fast gleich hohen Vorgipfels. Es gibt sie also immer noch: Unbekannte Routen, über welche keinerlei Informationen verfügbar sind.

Der Herbst scheint in den Bergen nicht mehr weit zu sein: Stiegen wir die ersten Meter noch im T-Shirt unter der wärmenden Sonne hoch, wurde es in der Folge praktisch mit jedem Schritt merklich kühler, bis wir nebst Windjacke auch Wollmütze und Handschuhe aus dem Rucksack graben mussten. Der eiskalte Wind kannte keine Gnade.

Gespannt waren wir auf den Gratverlauf ab P. 2840 m, wo der eigentliche Ostgrat beginnt. Dieser ist oft breit und viele Schwierigkeiten könnten in den Flanken umgangen werden, doch lohnt es sich, möglichst immer auf der Gratschneide zu bleiben. Herrlich ist der Aufstieg zum felsigen Vorgipfel, doch die Schlüsselstellen warten erst dahinter: Hier passierten wir wohl die bisher ausgesetzteste Stelle auf all unseren Touren ohne Seilsicherung. Glücklicherweise war hier der Fels fest und trocken; man musste hier mit ganz kleinen Trittchen vorlieb nehmen und sich gleichzeitig an der Gratkante festhalten. Auch der eine oder andere ziemlich heikle Gegenabstieg in exponiertem Gelände war dabei. Hier waren immer wieder akrobatische Einlagen erforderlich.

Der letzte Teil des Abstiegs vom Vorgipfel bereitete dann keine Probleme, ebenso der Schlussaufstieg zum Hauptgipfel, wo man sich wieder in sicherem Gehgelände bewegt. Unmittelbar vor uns hatte eine mehrköpfige Familie - verteilt auf wohl 3 Generationen - den Gipfel erreicht. Bevor milan und dulac den höchsten Punkt erreichten hatten, erhielt der Gipfel bereits gleichentags Besuch von anderen Berggängern. Somit haben heute mindestens 12 Menschen den Piz Surparé bestiegen; eine absolute Sensation im Sommer.

Routenbeschreibung:

Ostgrat ab P. 2840 m - Piz Surparé (T5+)

P. 2840 m erreicht man ohne jede Schwierigkeiten ab der Normalroute (siehe unten). Der Zustieg ist offensichtlich (T3).

Von P. 2840 m steigt man kurz etwas ab und folgt stets dem Grat - mühsamere Zacken kann man jeweils unproblematisch umgehen.

Vor dem Vorgipfel bäumt sich das Gelände immer steiler auf. Wir hielten uns hier stets etwas in der Südflanke und stiegen durch eine kaminartige Rinne wieder zur Grathöhe auf (T5, II). Ab dem Ausstieg dort ist der Schlussaufstieg zum Vorgipfel wieder Gehgelände (T4).

Vom Vorgipfel aus folgten wir konsequent dem zum Teil sehr exponierten Grat (T5+). Ein ausgesetzter plattiger Teil kann auf der Südseite auf kleinen Trittflächen relativ sicher, aber sehr exponiert bewältigt werden. Der Schlussabstieg in die Scharte vor dem Hauptgipfel ist dann wieder einfach (T4). Schliesslich folgt man dem nun breiten Grat ohne Schwierigkeiten zum Hauptgipfel (T3+).  

Abstieg nach Bivio (T3+)

Der Abstieg erfolgte dieser Route .

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (4)


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milan says:
Sent 22 August 2015, 12h45
Hallo Ivo und Lena,

habe mit Freude Euren Bericht gelesen! Schade, daß wir uns so knapp verpasst haben. Wir sahen euch, wie ihr den Vorgipfel abgeklettert seid.

Viele Grüße Markus

Ivo66 says: RE:
Sent 23 August 2015, 00h04
Hallo Markus

Ja, das war wirklich knapp - eigentlich unglaublich, auf einem so wenig begangenen Gipfel. Ihr habt eine tolle Tour gemacht, eine tolle Variante, vom Avers ins Oberhalbstein zu gelangen.

Viele Grüsse
Ivo und Lena

Peter23 says:
Sent 22 August 2015, 23h44
Hallo Ivo und Lena
Tolle aufregende Fotos und ein spannender Bericht! Wie ist doch die Natur manchmal einzigartig. Sie hinterlässt dem mutigen Bergsteiger an der exponiertesten Traverse ein paar winizige Trittchen.
Beste Grüsse Peter

Ivo66 says: RE:
Sent 23 August 2015, 00h05
Hallo Peter
Vielen Dank. Ja, Du hast Recht; früher wären wir wohl umgekehrt - aber mit der Zeit und etwas Erfahrung findet man immer doch noch ein Trittchen an der entscheidenden Stelle;-)

Viele Grüsse
Ivo und Lena


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