Pizol (2844m): Ein etwas planloser Versuch


Published by Chrichen Pro , 16 March 2015, 18h07.

Region: World » Switzerland » St.Gallen
Date of the hike:20 February 2014
Snowshoe grading: WT3 - Demanding snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SG 
Time: 5:00
Height gain: 650 m 2132 ft.
Height loss: 650 m 2132 ft.
Route:ca. 9 km
Access to start point:Mit dem ÖV: Zug bis Sargans / Bus bis Wangs, Pizolbahn / Gondelbahn bis Furt / Sessellift bis Gaffia / Sessellift bis Pizolhütte (Achtung: letzte Talfahrt um 16:00 Uhr)
Access to end point:(Gleicher Weg umgekehrt)

Der Pizol als Schneeschuhwanderung mit Gipfelziel hat mich schon länger interessiert. Als Wetter und Lawinenbulletin stimmten, stand der Tour schliesslich nichts mehr im Wege. Leider habe ich habe ich mich etwas verschätzt, so dass es aufgrund einer unzureichenden Planung schlussendlich nicht für den Gipfel reichte. Die Tour ist zwar schon etwas länger her, dennoch ein Bericht dazu.

Lange ist die Tour zum Pizol eigentlich nicht. Ca. 9 km sagt mein GPS Track. Höhenmeter gibt es auch nicht wahnsinnig viele zu bewältigen. Ausserdem handelt es sich um eine sehr beliebte Tour, so dass ich davon ausging, auf autobahnmässige Spuren zu treffen. Dies verleitete mich zu einem etwas späteren Start, den ich später bereuen sollte.

Happy-go-Lucky scheint das Motto des Tages zu sein. Nach einigen etwas längeren Schneeschuhwanderungen in entfernteren Regionen endlich mal wieder eine Tour, bei der (vermeintlicherweise) sogar ein wenig Ausschlafen drinliegt. So komme ich ca. um 10:30 Uhr bei der Pizolhütte an. Vorhandenen Spuren folge ich in Richtung Twärchamm. Da Querungen nicht so mein Ding sind, entscheide ich mich nach einem Weilchen auf den Kamm zu steigen. Das war keine schlechte Idee, die Landschaft ist recht hübsch. Nach Abstieg vom Kamm geht es weiter in Richtung Wildseeluggen.

Hier schon die erste kleine Ernücherung: Seit dem letzten Schneefall vor nicht allzulanger Zeit scheinen noch nicht so viele Leute dem Pizol einen Besuch abgestattet zu haben. Es gibt zwar eine Aufstiegsspur von Skitourengehern, aber autobahnmässig ist sie definitiv nicht. Eine Begehung mit Schneeschuhen wäre nicht sinnvoll und würde der Spur nur Schaden anrichten. Selber spuren ist sowieso sportlicher! Also kämpfe ich mich im weichen Pulver zur Wildseeluggen hinauf. Das ist anstrengend, macht aber durchaus Spass.

Bei der Wildseeluggen kommt dann die zweite Ernüchterung. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass man Wanderschuhe tragen sollte... Soweit so gut, Schneeschuhgehen mit Turnschuhen ist sowieso nicht empfehlenswert :-) Ein weiteres Schild aber weist darauf hin, dass die letzte Talfahrt ab der Pizolhütte um 16 Uhr ist. Wie konnte ich nur meine Tour planen (oder auch nicht planen), ohne die letzte Verbindung zu kontrollieren! Irgendwie bin ich scheinbar unbewusst davon ausgegangen, dass da bis 17 Uhr oder später schon etwas fährt. Der bis anhin kaum vorhandene Zeitplan wird plötzlich eng, vor allem in Anbetracht, dass ich selber spuren muss. Ein weiterer Abstieg von der Pizolhütte mit Schneeschuhen ohne Bahnbenützung ist aus verschiedenen Gründen keine echte Option.

Ohne lange zu verweilen geht's also mit leicht erhöhter Geschwindigkeit hinunter zum Wildsee und diesem entlang in Richtung Gletscher. Es ist trotz Pulverschnee recht warm. Das Spuren zehrt langsam ein wenig an den Kräften und ich mache mir Sorgen um die Flüssigkeitsvorräte. Bis zum Pizolgletscher komme ich dennoch flott voran. Das Gelände ist nicht allzu steil, das neu aus dem Boden gestampfte Zeitmanagement im grünen Bereich.

Beim Gletscher schliesslich wird das Terrain steiler. Da es sich um einen Nordhang handelt, ist der reichlich vorhandene Schnee besonders weich. Nicht allzu fern vom Pizolsattel wird es wirklich anstrengend. Die Hangneigung geht gegen oder knapp über 30 Grad. Bei diesen Verhältnissen bedeutet das ein Schritt voran, ein halber zurück. Ich komme kräftemässig an meine Grenzen. Die Zeit ist noch knapp in Ordnung, für das letzte Teilstück brauche ich aber recht lange. Die Gruppe von Skitourengehern oben auf dem Pizolsattel erscheint kaum erreichbar, obwohl sie nur noch wenige Meter weit entfernt ist.

Schliesslich schaffe ich es zum Pizolsattel und bin überwältigt von den neuen Ausblicken, die sich nun eröffnen. Nach einigen Fotos überlege ich mir, wie es zeitlich aussieht. Eigentlich habe ich die geplante Umkehrzeit schon fast erreicht. 15-30 Minuten würde ich unter Einsatz der Planungsreserven aber wohl noch aufholen können. Kurzum entscheide ich, den Weg zum Gipfel in Augenschein zu nehmen, ohne auf einen Gipfelerfolg pochen zu wollen. Also nehme ich meine Schneeschuhe ab und gehe noch ein Stück weiter. Die Steigeisen bleiben im Rucksack.

Dem Sommerweg entlang folge ich vorhandenen Fusspuren, bis zu den ersten Fixseilen. Hier zeigen sich noch einmal einige sehr schöne Landschaften, die ich mit der Kamera festhalte. Nur schon dafür hat es sich gelohnt, den Weg zum Gipfel in Angriff zu nehmen. Die erste kleine Kletterstelle lässt sich unter Zuhilfenahme des Seils trotz Schnee gut bewältigen. Kurz später aber verschwindet das Fixseil im Schnee, und mit ihm auch die Spuren meiner Vorgänger. Ein Weitergehen wäre vermutlich nicht unmöglich, vor allem mit Steigeisen. Unter Anbetracht der fehlenden Zeitreserven habe ich aber keine Lust auf Pionierarbeit. Deshalb kehre ich an dieser Stelle um und nutze die letzten Minuten lieber um Fotos zu machen.

Zurück beim Pizolsattel mache ich die Schneeschuhe wieder an und beginne sogleich mit dem Abstieg. Das Trinken vergesse ich. Bergab geht es nun rasant in der Flanke des Pizolgletschers. Ich mache gefühlte zwei-Meter-Schritte im staubenden Pulver. Über eine Stunde Aufstieg ist in ca. 10 Minuten vernichtet. Flacher geht es weiter zum Wildsee, immer die Zeit im Blick. Der Gegenanstieg zur Wildseeluggen ist schnell erledigt, und ich komme mit einer geschätzten Reserve von 20 Minuten an. Das ist genug für eine kurze Trink- und Esspause. Aufgrund der eher knappen Flüssigkeitsreserven und der Eile habe ich die Flüssigkeitsaufnahme vernachlässigt, was ich langsam spüre. In zügigem Tempo geht es nun hinunter bis zum Twärchamm. Diesmal quere ich den vorhandenen Spuren entlang. Mit 15 Minuten Reserve erreiche ich schliesslich die Sesselliftstation bei der Pizolhütte.

Eine wunderschöne Wanderung, die sich sicherlich weiterempfehlen lässt. Bezüglich Planung war das wohl ein gutes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte: Ausgegangen von unzutreffenden Verhältnissen, Zeitplan nicht im Vornherein durchgerechnet, Verbindungen nicht recherchiert und zu wenig Flüssigkeit mitgenommen. Unter den vorgefundenen Verhälnissen und mit Zeitdruck war die Tour erstaunlich anstrengend. Bekanntlich lernt man ja aus Fehlern...

Hike partners: Chrichen


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