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Bös Fulen 2802m - an den "Fenstern" vorbei zum Dach des Kantons Schwyz


Published by Mueri , 6 October 2014, 11h06.

Region: World » Switzerland » Glarus
Date of the hike: 2 October 2014
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Mountaineering grading: PD+
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Via ferrata grading: D
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GL   CH-SZ   Glärnischgruppe   Ortstockgruppe 
Time: 6:00
Height gain: 1100 m 3608 ft.
Height loss: 1100 m 3608 ft.
Route:Gumen - Gumengrat - Vorderer Eggstock - Mittlerer Eggstock - Hinterer Eggstock - P. 2359 - Fulenplänggeli - Bös Fulen - P. 2748 - P. 2462 - Bützi - Gumen
Access to start point:Mit PW bis zur Talstation der Standseilbahn nach Braunwald (bewirtschafteter Parkplatz), danach mit Standseilbahn und Kombibahn hoch zum Gumen (26 CHF für Tageskarte, Erwachsene, Halbtax)

Wer den höchsten Gipfel des Kantons Schwyz in Angriff nimmt, steigt allermeist über den Nordostgrat auf und runter. Die Vorzüge dieser Route liegen auf der Hand: wenig steinschlägig (im Vergleich zu all den anderen Routen hoch zum Bös Fulen), via Gumen schnell erreichbar, technisch eher einfach (T5) und trotzdem mit einem spektakulären Finish über den langen, luftigen Grat hoch zum Gipfelkreuz.

Wer den Bös Fulen als Überschreitung machen will, steigt meist über die Südostflanke auf, deren Einstieg mit dem Schwund des Firns zunehmend anspruchsvoller wird und in dessen Aufstiegskamin man unweigerlich dem Steinschlag ausgesetzt ist, den Aspiranten der Normalroute kurz vor dem Gipfel auslösen könnten. Nicht viel anspruchsvoller und zeitaufwändiger, ebenso steinschlägig, aber etwas weniger dem Steinschlag von oben ausgeliefert und garantiert spektakulär zeigt sich die Route durch die Südflanke an den "Fenstern" vorbei; ein herrlicher Aufstieg, der sich m. E. aus nächster Nähe weit weniger bös zeigt als aus der Ferne und auf dem Papier.


Kurz nach 08.00 Uhr erreiche ich mit der Kombibahn den Gumen und steuere von dort in nordöstlicher Richtung dem Wanderweg folgend den Gumengrat an. Als Warm-up für die Überschreitung des Bös Fulens habe ich mir für heute nämlich den Klettersteig vorgeknüpft. Wer nicht in Besitz eines Klettersteig-Sets ist, könnte dieses im Sportgeschäft 'Kessler' in Braunwald oder bei der Bergstation Gumen mieten, nach Möglichkeit mit vorgängiger Reservation.

Übrigens: Für mich ist dieser Klettersteig einer der schönsten, die ich bisher begangen habe, und keineswegs nur Mittel zum Zweck. Heute aber sollte er eine kleine Einstimmung auf die Überschreitung des höchsten Schwyzers sein...

Auf dem Gumengrat unmittelbar vor dem Einstieg zum ersten der drei Klettersteige ziehe ich das Klettersteigset an und begebe mich einsam auf den Weg hoch zum Leitereggstock. Nach einer etwas flacheren Passage auf dem Leitereggstock und der Möglichkeit, abzusteigen, nehme ich den zweiten, etwas anspruchsvolleren Klettersteig hoch zum Vorderen Eggstock in Angriff. Oben angelangt, folge ich dem Weg über die famose Charlotte-Bridge auf den Mittleren Eggstock. An der heimeligen Lufthütte vorbei steige ich in die Scharte zwischen dem Mittleren und Hinteren Eggstock hinab, lasse die weitere Abstiegsmöglichkeit zurück zum Gumen links liegen und steige über den dritten Klettersteig ausgesetzt und teils überhängend nahe am Grat hoch zum Hinteren Eggstock. Dieser Abschnitt des Klettersteigs ist luftig und benötigt Kraft in den Armen, verfügt aber (wie auch seine beiden Vorgänger) über jede Menge Metall (Stifte und Bügel)...

Vom hinteren Eggstock führt, wenn man sich rechts hält, eine blauweisse Markierung dem Grat entlang zu P. 2455 und P. 2359. Irgendwann nach P. 2359 quere ich, zuerst aufs Schäferhüttchen zugehend, nach Westen zum Fulenplänggeli und weiter zur Moräne westlich von P. 2517. Auf diesem Zwischenstück zwischen P. 2359 und dem Einstieg zur Südflanke des Bös Fulens sind unzählige Varianten möglich. Diese unterscheiden sich im Wesentlichen dadurch, dass auf dem einen Weg etwas mehr auf- und abgestiegen werden muss als auf dem anderen.

Links, also südwestlich des markanten Einschnitts zwischen dem Grisset und Bös Fulen erreiche ich nach der Überschreitung eines noch verbliebenen Schneefeldes den Einstieg zur Südflanke. Bei einer auffällig gezeichneten Stelle steige ich über ausgewaschenen, aber gut gestuften und meist geröllfreien Fels problemlos hoch bis zum Fusse der Steilwand. Dieser folge ich erst in nordöstlicher Richtung, steige dann kurz ab, später wieder in einer Rinne auf, traversiere so die Steilwand mit den "Fenstern" und gelange zur Scharte. Auf diesen zweiten Stück der Südflanke liegt einiges an Geröll. Die Gefahr, plötzlich nicht mehr weiter zu kommen, dürfte aber minim sein, da man weitgehend unter der Steilwand traversieren kann und das Gelände weniger steil ist als es aus der Ferne scheint, somit unterschiedliche Wege zulässt. Eine Möglichkeit, diesen unteren Teil der Südflanke bis zur Scharte zu bewältigen, hat Schlomsch auf einem Foto seiner Tour eingezeichnet.

Im Unterschied zu ihm wähle ich nach der Scharte den direkten Anstieg zum Gipfel. Anfänglich steige ich über abwärts geschichtete Platten steil hinauf, anstatt auf einfacherem Weg dem Band entlang zu folgen, das zur Route durch die Südostflanke führt. Im oberen Teil flacht der Südwestgrat dann ab, doch muss ich mich hier umso mehr bemühen, kein Geröll loszutreten. Das obere Stück der Südflanke mit direktem Aufstieg zum Gipfel bzw. der Südwestgrat fordert meines Erachtens ganz zu Beginn etwas Mut, das Band zu verlassen und sich den abwärts geschichteten Felsplatten anzuvertrauen. Danach wartet der direkte Aufstieg nicht mehr mit Überraschungen auf.

Nach einer ausgiebigen Gipfelrast steige ich über den teils luftigen Nordostgrat (T5) ab, der auf der Nordseite noch Raureif aufweist und kurz vor dem Gipfel sowie gegen Ende des langen Grates zwei kurze Stellen aufweist, bei denen die Hände zum Einsatz kommen. Über das Schuttband  und anschliessend den Firn östlich umgehend gelange ich zu P. 2462. Ab dort weisen Steinmännchen über die weiten Karstfelder den Weg zur Bützi und sodann Wegmarkierungen den Weg zurück zum Gumen. 

Tour im Alleingang

Fazit: Herrliche Überschreitung des höchsten Schwyzers, die sich bestens mit dem Klettersteig Braunwald als Warm-up und Einstimmung auf luftige Passagen kombinieren lässt. Die Südflanke des Bös Fulens erfordert Trittsicherheit in steinschlägigem Gelände und Erfahrung in der Suche nach geeigneten Aufstiegsvarianten. Sie nimmt etwas mehr Zeit als der Normalanstieg in Kauf (was bei der Minihochtour ab dem Gumen allerdings kein wirkliches Argument sein sollte), belohnt dafür mit abwechslungsreichen Passagen auf unterschiedlichstem Gelände, schönen Kraxelstellen und dem Vorzug, auf einer wenig begangenen Route aufsteigen zu können und dabei im Abstieg eine weitere Route (Normalroute) kennen lernen zu dürfen.

Hike partners: Mueri


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