Hikr-Erstbesteigung: Der kleine Bruder vom Ararat


Published by TeamMoomin , 1 August 2014, 13h16.

Region: World » Turkey
Date of the hike: 9 July 2014
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: TR 
Time: 2 days
Height gain: 1700 m 5576 ft.
Height loss: 1700 m 5576 ft.

Es gibt diese gewissen Berge, welche wunderschön sind aber trotzdem werden sie nur sehr selten besucht. Meist fristen sie ihr unberechtigtes Nebendasein aufgrund eines grossen und berühmten Nachbarn oder sie sind einfach zuweit weg von der nächstbesten Zivilisation. In der Schweiz gibts sehr viele schöne Beispiele dafür wie unlängst hier diskutiert wurde. Aber auch in anderen Ländern gehts gewissen Bergen nicht besser; so auch dem kleinen Bruder des sehr berühmten Ararats.
Obwohl er eine viel gleichmässigere Form hat, wahrlich Bildschön ist und eine tolle und unschwierige Besteigung bietet, ausserdem eine ideale Akklimatisationstour für seinen grossen Bruder anbietet fristet er doch ein Schattendasein.
Und genau deswegen hat er mich auch so sehr gereizt seit ich in das erste mal auf einem Foto gesehen habe.
So beschlossen Klaus, Daniel und ich dieses Juwel von einem Vulkan am Rande zur iranischen Grenze (5km) einen Besuch abzustatten und nebenbei auch gerade noch seinen grossen Bruder zu besteigen.


Von Van aus gings erstmals mit dem Auto nach Doğubayazıt, der grössten Stadt (72000 Einwohner) in der Nähe des Ararats. Von hier aus konnten wir das ungleiche Brüderpaar das erste mal bestaunen. Während der grosse Ararat ein schneebedeckter wuchtiger Klotz ist ist sein kleiner schneefreier Bruder definitiv die viel formschönere, filigranere Erscheinung.

Am Tag darauf gings erst mal mit dem Auto um den ganzen grossen Ararat rum, denn während dieser von Süden her bestiegen wird gelangt man von Norden her über eine Schotterstrasse ins Basis-Lager, eine kleine Alp auf 2200m die von kurdischen Schafhirten genutzt wird, des kleinen Ararats.

Dort angekommen stellten wir auf einer herrlichen Wiese unsere Zelte auf und genossen erstmals den tollen Anblick des kleinen Ararats aus der Nähe. Während früher anscheinend der Gipfel meist über den Südgrat bestiegen wurde, wird heute aufgrund von Erosionen der Nordwestgrat vom Sattel welcher zwischen dem grossen und kleinen Ararat ist bevorzugt.

Kaum hatten wir das Zelt aufgebaut kam auch schon die erste Regenfront, so hies es erstmals reinsitzen und etwas Tee trinken. Im Verlauf des Nachmittags sollten noch viele dieser kleinen Mikrogewitter kommen, denn rund um die zwei Ararats herum scheint es wie ein eigenes Klima zu geben, so regnet es oft am Nachmittag in den höheren Lagen während in den Dörfern rings um die zwei Berge Sonnenschein und 35Grad herrschen.

Wir beschlossen dann noch etwas die Gegend zu erkunden, was unserem Guide allerdings etwas besorgte, denn in diesem Gebiet halten die kurdischen Nomaden Schafherden welche von sogenannten Kangalhunden bewacht werden. Diese spezielle Hirtenhundrasse sollte man nicht unterschätzen und mit viel Vorsicht gegenübertretn da sie ziemlich agressiv die Herden verteidigen.

Unsere kleine Erkundung der Umgebung verlief dann aber reibungslos, und als wir noch ein paar kurdische Hirten antraffen und wir versuchten und gegenseitig zu verständigen (wir englisch und 3-4wörter türkisch und Sie kurdisch/türkisch) wurde es dann noch sehr lustig ;-)

Danach legten wir uns etwas vor die Zelte und genossen die Sonne, bevor wir gegen Abend hin noch auf der anderen Seite des Plateaus einen kleinen Vorhügel des grossen Ararats bestiegen um noch etwas höher gewesen zu sein als der Schlafplatz.

Danach hies es essen und dann bald ins Bett, immerhin sollten wir ja um 2Uhr wieder aufstehen um die gut 1700Hm zum Gipfel des kleinen Ararats zu bewältigen.

Um 2 Uhr Nachts standen wir dann auf, nach etwas Keksen und Tee hiess es dann auch schon Rucksack auf und loslaufen.

Zuerst gehts über die Almwiesen hinauf zum Sattel, wobei man sich hier einfach seinen  Weg zwischen den Disteln im Zick Zack empor sucht, an der Stelle sei gesagt das diese Disteln zum Übersteigen eher ungeeignet sind da sie doch sehr lange Spitzen haben und man so sehr schmerzhaft hängen bleiben kann, also auch kleinere Exemplare besser umgehen.

Ca. nach den ersten 500Hm in denen wir uns schön warm laufen konnten erreichten wir den Sattel, von welchem wir nach einem Schluck Wasser aus dem Rucksack nun ziemlich in der Direttisima die Grasflanke des kleinen Ararats emporstiegen. Dieser Teil war etwas mühsamer als der untere Aufstieg, es ist zwar eine Grasflanke da sie aber in nicht ganz Treppengrosse, eher etwas grössere, Stufen eingeteilt ist muss man immer etwas zu grosse Schritte machen.
Dies erlaubt einem keine schönes gleichmässiges Schritttempo und ist etwas kräftezerrender als wenn die Stufen Treppengross sind. Da wir aber an diesem Berg ja für die Akklimatisation unterwegs waren spielte die nicht so eine Rolle denn wir nahmens gemütlich; jedenfalls Daniel und ich, während Klaus und Çetin eher die schnellere Gangart bevorzugten und so immer ein Stück vor uns herliefen.

Als es dann langsam hell wurde sah man dann man sich eigentlich mehr oder weniger direkt neben der zweiten grossen Schotterrinne die vom Gipfelplateau hinunterführt  befindet, was die Wegfindung absolut sicher macht.

Und weiter oben kam dann auch schon die markante Felsnadel in Sicht welche sich etwa zwischen 3400 und 3500m.ü.M. befindet. Auf diese läuft man nun in gerader Linie immer zu, wobei es immer steiniger wird je höher man kommt.

Irgendwann wechselt es dann ganz und die Rasenstruktur verschwindet ganz, nun kommt man in ganz typisches Vulkangeröll, wie z.B. am Kili vor dem Gilmans-Step, einfach mit der Tatsache das es nur ein sehr schlecht ausgetretenen Weg gibt da die Besucherzahlen sich für den kleinen Ararat doch in Grenzen halten.  Daher suchten wir uns hier selber irgendwie den bestmöglichen Weg aber trotzdem ist es halt hier so 2 Schitte vor 1 Schritt zurück Gelände.

Die Mühen wurden aber mit einem super tollen Blick auf den grossen Ararat versüsst und einem angenehm kühlen WInd welcher einem endlich mal nicht so arg schwitzen lies.

Bei der Felsnadel angekommen machten wir dann usnere erste richtige Pause in der ich aus meinem Rucksack ein Pack herrliche Nüsse und Datteln zauberte das wir zusammen auch gleich das ganze verputzten ;-)

So frisch gestärkt gings nun um die Nadel rum und da war er! Es gibt auf jedem dieser schönen Vulkane der magische Moment wenn sich sein Schatten übers Land ausbreitet, etwas was mich jedesmal absolut begeistert und für mich immer ein besonderer Moment an solch einem Berg ist.

So blieb ich immer wieder sethen und schuat mir den formschönen Schatten an, während ich langsam aufstieg.

Kurz nach der markaten Felsnadel wurde das Gelände viel angenehmer die Felsstruktur hier ist kompakter und man rutscht nicht mehr so arg. Nun führt der Weg über einen kleinen Grat hinauf zum Gipfelplateau.

Auf diesem angekommen fanden wir sogar noch ein kleines Restschneefeld über das wir natürlich alle rüber laufen mussten ;-)
Und man sieht hier erstmal den wirklich höchsten Punkt der sich am hintern (bzw. östlichen) Ende befindet.

Und dann war es soweit wenige Minuten später um ca. 6 Uhr Ortszeit standen wir auf dem kleinen Ararat! Wir genossen in der wärmenden Morgensonne ein grandiosen Ausblick auf den grossen Bruder und blickten nach Osten hinunter in den Iran wo wir am Horizont schon die ersten tollen iranischen Bergketten sehen konnten, nur zu gerne wäre ich dort hinunter gestiegen.

Wir verbrachten eine ganze Stunde auf dem Gipfel assen unsere Lunchpakete und genossen einfach das hier und jetzt, ein schöner Augenblick.

Dann gabs noch eine Gruppenfoto, Daniel noch eine herzliche Gratulation für seinen neuen Höhenrekord und dann machten wir uns gemütlich an den Abstieg.

Im Schotterteil war dann nochmals volle Konzentration gefragt da es sehr rutschig war, aber auch das wurde von allen souverän bewältigt.

Als wir dann nach einiger Zeit wieder bei unseren Zelten einliefen erwartete uns dort bereits unser zweites super reichhaltiges frühstück mit frischem Fladenbrot das unser Guide direkt von unseren kurdischen Nomadennachbarn abgekauft hatte, genial!

So genossen wir unser Frühstück in vollen Zügen, auch zumal wir wussten, dass in der Stadt ja momentan Ramadan herrschte.

Später gings zurück nach Doğubayazıt, wo wir einen Ruhetag machten, an dem wir einige lokale Sehenswürdigkeiten anschauen gingen; bevor es zum zweiten Teil unserer Reise gehen sollte. Die dann ungewollt einen anderen Verlauf nahm als gedacht.

Fazit: Wirklich ein wunderbarer einfacher Berg der eine super Aussicht auf seinen grossen Bruder, und herrliche Fernblicke in den Iran bietet. Ideal als Akklimatisationsberg und absolut zu unrecht links liegen gelassen. Wir können in nur jedem empfehlen der sich überlegt den grossen Ararat zu besuchen!

Hike partners: Berglurch, TeamMoomin


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Comments (8)


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Linard03 Pro says:
Sent 1 August 2014, 17h27
Hey Oli,

Gratulation zum "kleinen Ararat"! Da warst Du also mal schnell in der Türkei ...
Bin schon auf den nächsten Bericht gespannt ;-))

LG, Richard

TeamMoomin says: RE:
Sent 1 August 2014, 21h22
Danke Richard. Naja schnell ist vielleicht übertrieben, aber war halt sozusagen das nächst gelegene höhere Ziel das mich vorallem wegen dem kleinen Bruder gereizt hat.
Fortsezung kommt bald.

Lg Oli und Moomin

xaendi says:
Sent 1 August 2014, 20h14
Bin gespannt auf die Fortsetzung! :-)

TeamMoomin says: RE:
Sent 1 August 2014, 21h23
Merci Alex

Gebe mir Mühe dass Ihr nicht zu lange warten müsst (nicht wie bei meinen immer noch fälligen Sèdkorea Berichten)

Lg Oli und Moomin

pika8x14 Pro says:
Sent 1 August 2014, 23h47
Hi Oli,

Gratulation zum Kleinen Ararat und den vielen tollen Fotos.

Ein Grund für das "Links-Liegen-Lassen" dürfte wohl die Tatsache sein, dass diese Tour in der Vergangenheit offenbar (zeitweise) verboten/nicht möglich war. Wir jedenfalls haben "damals" auf unsere Anfragen zur Besteigung des Kleinen Ararat nur Absagen bekommen und uns darüber nicht wirklich gewundert (unmittelbare Lage an der Grenze, frühere Verbote auch am Großen Ararat, …) - während mittlerweile ja sogar Tourenveranstalter diesen Gipfel als "Neuheit" anbieten.

Viele Grüße, Andrea und André.

PS: Wir sind schon auf den Ararat-Bericht gespannt ;-).

TeamMoomin says: RE:
Sent 3 August 2014, 11h00
Hallo Zusammen

Danke, ja es ist sehr interessant zum fotographieren da der grosse Ararat vom kleinen aus eine geniale Fotoperspektive bietet.
Viele Tourenführer wollen In einfach nicht machen da der Aufwand relativ gross ist es keinen guten Weg gibt und man vom Basislager zum Gipfel an einem Stück 1700m hoch muss.
Aber das mit der Grenze und Verboten ist sicherlich auch nicht ganz ohne wir haben jedenfalls gemerkt, dass gewisse Leute die wir getroffen haben nicht Hirten waren sondern zu einer bestimmten Partei gehören, aber da dies nicht zum Gespräch kam und Sie freundlich waren hatte ich nie Angst oder so.

Lg Oli und Moomin

Sent 14 September 2014, 20h19
hi, das ist ein schöner Bericht.
Habe mir den Ararat für nächstes Jahr vorgenommen. Logischerweise vorab organisiert.
Meinst du man kann den 'Kleinen Ararat' vorher auf eigene Faust d.h. ohne Bergführer etc. machen?
Gruß Michael

TeamMoomin says: RE:
Sent 15 September 2014, 11h57
Hoi Miachael, schön hat dir mein Bericht gefallen.
Nein das ist leider nicht möglich, und zwar weil es erstens verboten ist und zweitens würde ich es nicht machen da es ohne Führer Probleme mit den Hirtenfamilien und einer gewissen politischen Bewegung geben könnte die dieses Gebiet kontrollieren udn normalerweise etwas von den Guides abkriegen. Daher nicht zu empfehlen.
Aber den kleinen Ararat kriegst du meistens für wenig GEld als Zusatprogramm angeboten über Frag doch mal da nahc wo du die Besteigung des Grossen gebucht hast.

Lg Oli


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