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Piz da las Coluonnas 2960 m - Wilde Schneeschuhtour zwischen Oberhalbstein und Engadin


Published by Ivo66 Pro , 14 December 2013, 17h54.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike:14 December 2013
Snowshoe grading: WT4 - High-level snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 4:15
Height gain: 780 m 2558 ft.
Height loss: 780 m 2558 ft.
Route:La Veduta - P. 2449 m - Südwestflanke - Nordwestrücken - Piz da las Coluonnas - Leg Grevasalvas - P. 2449 m - La Veduta
Maps:S 1:50'000 Julierpass

Der Gipfel des Piz da las Coluonnas liegt nur wenig mehr als 1 km Luftlinie südlich des Julierpasses. Dennoch bekommt man auf der ganzen Tour vom Strassenverkehr praktisch nichts mit, derart günstig ist die Route durch natürliche Barrieren von der Zivilisation abgeschirmt. So kommt man hier in den Genuss einer vor allem im Sommer sehr einsamen, kurzen Bergtour, wobei der Gipfel in weglosem Gelände dann einfach erreichbar ist (T3). Im Winter ist die Situation anders zu beurteilen: Es sind sehr steile Hänge zu queren, und im Auf- und Abstieg zu begehen. Ein nicht unerheblicher Teil des Zustiegs erfolgt in Gelände mit einer Hangneigung von über 30 °. 

Bis heute haben wir uns nach mehreren Sommerbesteigungen im Winter noch nicht an diese recht anspruchsvolle Tour herangewagt. Heute waren die Vorzeichen verheissungsvoll, herrscht doch die eher selten ausgerufene Lawinengefahrenstufe 1 (geringe Lawinengefahr). "Wenn nicht heute, wann dann?" fragten wir uns und machten uns zum Julierpass auf, wo wir in eisiger Kälte die Schneeschuhe montierten. Wir waren uns sofort einig, dass es richtig war, die Tourenskis gar nicht erst mitzunehmen; das wäre ein nahezu aussichtsloses Unternehmen geworden, bei diesen windgeprägten Verhältnissen und durch Bruchharsch die anspruchsvolle Abfahrt anzutreten. Wir blieben auf der ganzen Strecke erwartungsgemäss alleine.

Nach gut einstündigem Aufstieg hatten wir die Mulde des tiefgefrorenen Leg Grevasalvas erreicht, stiegen aber nicht - wie im Sommer üblich - zu ihm ab, sondern folgten der Spur, welche die steilen Südwesthänge traversierte und verloren dadurch keine Höhe. Einige pickelharte Traversen erforderten unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir gewannen aber bald Vertrauen in die steigeisenähnlichen Leisten an den Schneeschuhen, die guten Halt boten und wir so noch nie in Anspruch nehmen mussten. Überhaupt war dies klar unsere anspruchsvollste Schneeschuhtour bisher. 

Die gekonnt angelegte Aufstiegsspur traversierte geschickt die steilsten Passagen; sie war eine Kombination aus Ski- und Schneeschuhspuren gleichermassen. Ab und zu brachen wir in der Nähe von Felsen etwas ein, die Schneedecke ist während der Woche weiter geschrumpft. Der Aufstieg über den breiten Nordwestrücken verlief dann bis auf eine kurze, etwas ausgesetzte Stelle, wieder in freundlichem Gelände. Kontrastreich präsentierte sich der Himmel auf dem Gipfel: Im Norden mit viel Grau, war der Himmel im Süden praktisch wolkenlos.

Im Abstieg peilten wir dann - nachdem wir die steilsten Passagen gemeistert hatten - direkt den Leg Grevasalvas an. Im Winterschlaf liegend, schläft der schöne Bergsee am Fusse der mächtigen Westwand des Piz Lagrev tief und fest. An der wärmenden Sonne im Windschatten eines grossen Felsbrockens genossen wir hier die schöne Winterlandschaft bei einem kleinen Imbiss. Nach einem kurzen Gegenaufstieg ging es dann wieder zurück zum Ausgangspunkt direkt beim Gasthaus La Veduta am Julierpass.

Routenbeschreibung:

Unmittelbar beim Gasthaus La Veduta folgt man mehr oder weniger der Sommerroute zum Leg Grevasalvas. Bei sicheren Lawinenverhältnissen (wie dies heute der Fall war) braucht man nicht bis zum See abzusteigen, sondern kann direkt - ohne ganz bis zu P. 2449 m aufzusteigen - die steilen Hänge nordöstlich des Sees traversieren. Nach einer längeren Traverse steigt man dann allmählich wieder steiler hoch. Es gilt das Hochplateau südlich von P. 2803 m anzupeilen. Die Spur führte nicht - wie ich erwartet hätte - durch die markante Rinne am Fusse der Felsen des Piz da las Coluonnas hoch, sondern links davon; eine gute Wahl.

Einmal auf dem zuvor erwähnten Hochplateau angekommen, kann man den meist breiten Nordwestrücken ersteigen, wo man will; die Routenführung ist hier sehr übersichtlich.

Verhältnisse heute (14.12.2013):

Für eine Schneeschuhtour zur Zeit sehr gut, auch dank der guten Spuren. In der steilen Südwestflanke über dem Leg Grevasalvas sind - wohl vor mehreren Tagen - zwei Lawinen geringeren Ausmasses abgegangen. Mit Skis würde ich die Tour zur Zeit nicht empfehlen: Wechselnde, schwierige Verhältnisse (oft zwischen windgepresst und hart bis Bruchharsch und viele versteckte Steine trüben zur Zeit das Vergnügen.

Die Tour würde ich im Hochwinter nur bei Lawinengefahrenstufe 1 unternehmen. Im Frühjahr wäre der Tagesgang zu beachten und die Situation sähe dann wohl anders aus. Dies ist aber meine ganz persönliche, defensive Beurteilung ohne jeglichen Anspruch an wissenschaftlichen Wert.

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (4)


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Ivo66 Pro says: RE:
Sent 15 December 2013, 22h25
Vielen Dank. Gut, grenzwertig für mich vielleicht, aber für wirklich gute Schneeschuhgänger ist natürlich noch viel Luift nach oben;-)

LG Ivo

Peter23 says: Coluonnas
Sent 15 December 2013, 22h05
Hallo Ivo und Lena

Danke für den sehr interessanten Bericht und die spannende Tourenbeschreibung. Die Fotos von Euch sind wie immer professionell. Wenn man bedenkt, dass die wirkliche Hangneigung auf Fotos selten richtig in Erscheinung tritt, muss es stellenweise mega steil gewesen sein.

Beste Grüsse
Peter

Ivo66 Pro says: RE:Coluonnas
Sent 15 December 2013, 22h28
Hallo Peter

Vielen Dank für das nette Kompliment. Für meine Begriffe darf es (im Winter) wirklich nicht steiler sein. Aber ein wirklicher Massstab bin ich natürlich nicht, da unsere Winter-Touren immer bewusst defensiv gewählt sind.

Viele Grüsse
Ivo


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