Jegerstöcke mit beinahe katastrophalem Ausgang


Published by TeamMoomin , 25 August 2013, 21h34.

Region: World » Switzerland » Schwyz
Date of the hike:22 August 2013
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SZ   CH-UR   Ortstockgruppe 
Time: 6:30
Height gain: 780 m 2558 ft.
Height loss: 780 m 2558 ft.

Eigentlich wollte ich ja zuerst mal von den Reisen berichten die für meine viele Abwesenheit diesen Sommer auf Hikr verantwortlich sind aber nach der Tour am letzten Donnerstag muss ich mir dies zuerst von der Seele schreiben bevor das andere an die Reihe kommt...

Schon länger ist es ein Wunsch von mir die 10 höchsten Gipfel des Kanton Schwyz zu besteigen da es alles wirklich tolle Gipfel, die meisten um den Glattalpsee herum, sind die viel Kraxelspass im oberen T-Bereich bieten. Letztes Jahr hats ja mit den Jegerstöcken nicht geklappt und dies wollte ich diesen Donnerstag bei Traumwetter nachholen. Wobei ich nie gedacht hätte, dass es fast meine letzte Tour überhaupt hätte werden können...

Nach einer längeren ÖV-Tour gings etwas nach halb Zehn beim Glattalpsee bei traumhaftem Wetter los. Zuerst folgte ich dem Wanderweg bevor ich kurz vor Seeboden dann den Weg verlies. Hier hatte ich letztes Jahr eine Rinne entdeckt welche es ermöglicht direkt aufs Plateau des Schijen, Jegerstöcke etc. gelangen ohne den Umweg über P1948 bei den hinteren Steinen machen zu müssen.

So lief ich nun gemütlich in der Schotterrinne alles empor bis nach ca. 330Hm durch eine Lücke (in direkter Linie zu P2465) schlüpfen konnte die den Spuren nach eindeutig auch vom Wild genutzt wird. Da sie auf der Karte nicht vermerkt ist und auch keinen Namen hat taufte Moomin und ich sie kurzerhand Jeger Chälen.

Endlich wieder an der Sonne machten wir zuerst mal eine kleinen Pause und genossen den Blick über das schöne Karstplataeu, und den Blick zu den umliegenden Bergen.

Danach gings gemütlich im Zick Zack übers Karst zu den Jegerstöcken hinüber. Aber anstatt beim ersten Aufbau nach rechts auszuweisen und dort etwas weiter unten dann über Bänder und Schotterrinnen diagonal zum Hauptgipfel empor zu steigen (Normalweg), beschloss ich den Weg an der Kante entlang zu nehmen.

Ich hatte letztes Jahr viele Fotos im Zoom gemacht und meinte einen Weg gefunden zu haben und sonst würde ich mich schlimmstenfalls wieder mit dem mitgebrachten Seil abseilen und den Normalweg nehmen.
Gesagt getan und so lief ich nach links direkt auf den Felsaufschwung zu.

Zuerst gehts nun einige Meter eine kleine Rinne empor die ich mich rechtshaltend kletterte, erst oben kurz bevor man einen kleinen Zwischenboden erreicht bin ich diagonal nach rechts traversiert (II Kletterei teils brüchiger Fels). Auf dem Zwischenboden gings rechts ganz schön runter und so nahm ich mir Zeit die nächsten Meter genau zu studieren bevor ich weiterkletterte, um zu entscheiden ob es für mich machbar ist oder ob ich abseilen müsste.

Diese Stelle ist die Schlüsselstelle, man muss zuerst in eher griffarmen Fels mit viel Luft unter dem Allerwertesten einen Spreizschritt machen und sich dann nach oben rechts ziehen bevor es dann im Zick Zack emporgeht, nach wenigen Meter lehnt sich dann die Neigung zurück und man erreicht einen weiteren Zwischenboden (Schlüsselstelle kurze IIIer Stelle danach noch einge Meter II-II+, Achtung nicht alle Griffe sind fest, sehr ausgesetzt!).

Danach gings in wesentlich einfacherer Kletterei über Grasdurchsetzte Felsbänder zum Vorgipfel und von da eher links haltend hinuaf zum Gipfel (IIer Stellen, bester Weg teilweise schwer zu finden, muss etwas ausprobieren, anhaltend luftig).

Dann stand ich auch schon auf den Jegerstöcken, wahrliche in toller Gipfel der herrlich ausgesetzte Gratkletterei vom feinsten bietet! Nun hiess es erst mal Pause machen geniesen, loslassen und einfach nur sein.

Etwas später machte ich mich dann wieder auf den Weg, immer der Nase nach im Zick Zack durch die Türme und Türmchen hindurch hinüber zum Signalstock. Hier achtet man am besten auf die Steinmännchen die einem den Weg leiten. Wirklich schwer ist dieser Teil nicht mehr aber auch hier ist es oft sehr ausgesetzt und daher Stürzen ein absolutes  Tabu!

UNter den Signalstöcken angekommen traversierte ich kurz ein Stück bevor ich einen schmalen Kamin fand in dem ich direkt hinauf zum Plataeu des Signalstocks klettern konnte (IIer Stelle super Fels im Kamin beim Ausstieg aufpassen eher bröcklig). Oben angekommen nahm ich dann wieder die Stöcke hervor und lief gemütlich übers Plateau zum Rot Chälen hinüber.

Den ersten Teil kann man hier schön im feinen Schutter absurfen bevor die kleine Schlucht beim Ausgang kommt. An diese hatte ich von letztem Mal eher ungute Erinnerungen war doch das Stahlseil total kaputt gewesen, welches zur Sicherung drin befestigt ist und der Fels aufgrund stetigem Tropfwasser mossig, nass und glitschig.

Umso mehr freute ich mich als ich sah, dass es ein neues Stahlseil hatte mit frischen Bohrhaken, perfekt dachte ich dann wirds einfach als letztes mal. Ich nahm also das Stahlseil in die einte Hand stieg langsam rückwärts ab und suchte mit der anderen Hand Halt am Fels.

Gerade als ich mit der einten Hand wieder einen Griff suchte und mich somit nur noch am Seil hielt und auf zwei glitschigen Stüfchen stand machte es plötzlich "wutsch" und ich war in der Luft.

Es ging alles rasend schnell, überhaupt nichts so mit Zeitlupe und so wie es manchmal beschrieben wird, und irgendwie machte es Peng ich prallte auf und konnte im nächsten Moment als es mich schon zu drehen begann noch einen Griff im Fels erwischen.

Sofort griff ich mit der anderen Hand nach und zog mich ganz auf den schmalen Zwischenboden auf dem ich kurzfristig zum halten gekommen war, dann kam eine Welle von Schmerz und Übelkeit über mich geschwappt und ich musste mich beinahe übergeben.

Wie lange ich genau da so gekauert bin weiss ich nicht, geschätzt 10 Minuten, aber irgendwann beruhigte ich mich wieder etwas und begann die Situation zu analysieren. Das Stahlseil hatte nachgegebn bzw. die Verankerung war mit samt Borhaken einfach aus dem Fels gebrochen, darauf hin war ich einige Meter runtergstürtzt und glücklicherweise so fest auf dem schmalen Zwischenboden ausgebremst worden dass ich genug Zeit gehabt hatte mich dort festzuhalten sonst wäre ich ca. weitere 5-7 Meter abgestützt und unten auf mehrere grosse Felsbrocken gekanllt. Gebrochen war wie durch ein Wuntder nichts nur taten mir beide Knie aufgrund des Aufpralls mega weh und überall am Körper hatte ich Prellungen und kleinere Schürfungen.

Dann hatte ich plötzlich einen sehr starken Impuls von hier wegzukommen, also riss ich das Seil aus meinem Rucksack legte es um einen Felskante, der zweiten Stahlseilverankerung traute ich nicht mehr, seilte mich den Rest ab und setzte mich unten in der Geröllhalde erst mal in etwas Entfernung zur Rinne auf einen Stein.

Nach einiger Zeit beruhigte ich mich und lief freundenstrahlend zur Glattalpbahnstation hinunter, ich hatte unglaubliches Glück im Pech gehabt und war den Umständen entsprechend gesund davon gekommen, vielleicht war ich sogar dem Tod von der Schippe gesprungen.

Auf dem Weg zur Glattalp hinunter entdeckte ich dann noch zwei Frösche von denen ich tolle Nahaufnahmen machen durfte, schön.

Fazit: Die Jegerstöcke bieten eine tolle T6 Tour mit verschiednen Aufstiegsmöglichkeiten, gradiose Kraxelei und tolle Tiefblicke! Absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit ist ein Muss da hier Ausrutschen schreckliche Konsequenzen hätte. Der Fels ist meist gutgriffig und solide sollte aber doch immer überprüft werden da es doch den einten oder anderen Bröckelgriff hat.

Fazit Unfall: Eigetnlich will man ja sowas nicht erleben, man weiss zwar es gibt immer dieses sogenannte Restrisiko (das auch in Form eines falsch gebohrten Haken bestehen kann), aber mit sowas muss man wohl leben können wenn man in die Berge geht. Wenn es einem dann aber trifft sieht dies freilich etwas anders aus, aber ich muss sagen mit den kleinen Verletzungen die ich erlitten habe hatte ich riesiges Glück im Unglück.
Ich werde auch weiterhin in die Berge gehen und bin dankbar dass nichts schlimmeres passiert ist, und es ist auch eine bereichernde Erfahrung denn man wird sich sehr stark bewusst dass nichts selbstverständlich ist und wir für jeden Tag und für jedesmal wenn wir gesund aus den Bergen zurück kehren dankbar sein sollten, denn ein Restrisiko besteht immer nicht nur in den Bergen....



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Comments (19)


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Saxifraga says:
Sent 25 August 2013, 21h46
Schlimme Sache. Gottseidank ist dir nichts passiert!

Sputnik Pro says: Riesenpech ;-(
Sent 25 August 2013, 21h47
Schön nochmals zu lesen dass nicht mehr passiert ist, freue mich nun schon auf unsere nächste gemeinsame Tour!

LG, Andi

maawaa Pro says:
Sent 25 August 2013, 21h57
Puh... Schon beim Lesen der Überschrift ist mir der Schreck in die Glieder gefahren ! Da hast Du wirklich verdammtes Glück gehabt, auf solche Erlebnisse kann man gern verzichten...

Schön das es gut ausgegangen ist !

Viele Grüsse..
Marco

Sent 25 August 2013, 23h23
da hast du ja mächtig schwein gehabt.

alles gute für die zukunft.

MaeNi says:
Sent 26 August 2013, 07h08
Ja, die Jegerstöcke! Immer wieder eine Reise wert. In der Rot Chälen hattest Du ja mächtig Glück! Wir haben die Stelle vor einiger Zeit links (von oben gesehen) umgangen, weil wir dem Haken nicht getraut haben..
LG
Nicole & Marcel

TeamMoomin says: RE:
Sent 26 August 2013, 22h10
Warum genau habt Ihr den Haken nicht getraut, war es für euch offensichtlich das da was nicht stimmen könnte?

Lg Oli und Moomin

MaeNi says: RE:
Sent 27 August 2013, 10h22
Nun, die Rot Chälen ist Gelände, welches ständig in Bearbeitung durch Steine und Schnee ist. Dies nagt natürlich an solchen Haken. Daher haben wir das Drahtseil schon im Aufstieg mit äusserster Vorsicht angefasst und oben festgestellt, dass er lose ist. Im Abstieg dann die Umgehung. Vielleicht muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass durch die Rot Chälen KEIN offizieller resp. markierter Weg führt. Das Drahtseil wurde durch Private installiert. Aber eigentlich spielt es ja keine Rolle wer was wo angebracht hat: Fixen Einrichtungen sollte nie blind vertraut werden...da kann immer mal was lose sein.

TeamMoomin says: RE:
Sent 27 August 2013, 12h12
Naja ich denke es geht hier ja nicht um blindes Vertrauen aber wenn man mit beiden Füssen aufsteht und mit einer Hand das Seil hält während die andere rübergreift ist das ja schon eher wenig Gewicht dass da auf den Haken wirkt, daher das Ausreissen für mich doch eher verwunderlich.
Und um eine Schuldfrage geht es für mich sowieso nicht auch wenn es ein offizieller Weg wäre und das Seil vom SAC gelegt worden wäre.

Lg Oli und Moomin

Zaza says:
Sent 26 August 2013, 07h45
Hässliche Geschichte - das war wohl der Schreck des Lebens! Das zeigt, dass man Sicherungen, deren Herkunft und Qualität unbekannt ist, mit Vorsicht geniessen und, wenn möglich, vor der Benutzung genauer anschauen sollte.

Hast du die Sache denn dem Hüttenwart der Glattalp gemeldet? Vielleicht weiss er ja, wer das Stahlseil installiert hat.

Dieser Ausbruch der Sicherung wäre übrigens auch gut geeignet für eine Meldung auf der neuen Seite von SAC und BfU zu Fragen der alpinen Sicherheit.

LG, zaza

TeamMoomin says: RE:
Sent 26 August 2013, 22h11
Ja werde in Zukunft extrem kritisch gegenüber Sicherung sein die nicht von mir selbst stammen.

Habs beid er Seilbahn gemeldet, werde es aber auch noch auf der Seite die du verlinkt hast melden, merci.

Lg Oli und Moomin

Sent 26 August 2013, 11h05
Wunderbar, dass Du relativ heil davon gekommen bist!

Gruess, maria

Tobi says: Zum Glück...
Sent 26 August 2013, 18h22
...glimpflich ausgegangen. Ich finde es gut, dass du dein Erlebnis hier schilderst. Es mahnt alle wieder einmal eindrücklich, dass man auch Sicherungen nie ganz trauen soll.
Ich ziehe deshalb falls möglich den soliden Feld einem Sicherungsseil von unbekannter Qualität vor.

Wünsche dir gute Genesung von den Blessuren und von nun an hoffentlich unfallfreie Touren.

Gruss Tobi

Linard03 Pro says:
Sent 26 August 2013, 19h44
hey Oli; ich habe soeben Deinen Bericht gelesen - da wird einem grad anders ... Zum Glück ist nochmal alles gut gegangen; pass auf Dich auf ...!

LG, Richard

TeamMoomin says: Ich möchte
Sent 26 August 2013, 22h18
euch allen ganz herzlich für eure Anteilnahme und Genesungswünsche danken.

Es ist für mich sehr schön wieder ein mal zu merken dass auf Hikr ein toller Zusammenhalt und eine schöne Freundschaft herrscht auch wenn man sich teilweise nur virtuell kennt.

Es hat sehr gut getan dies hier schreiben zu dürfen/können und so auch etwas zu verarbeiten.

Ich wünsche euch allen einen schönen und unfallfreien Sommer/Herbst und verbleibe mit Grüssen

Oli und Moomin

mami61 says: Glück gehabt
Sent 28 August 2013, 15h45
Lieber Oli da hast du ja riesig Glück gehabt. Schön dass nichts schlimmeres passiert ist.Wir wünschen dir gute Erholung von diesem Schrecken und bis bald Mami und co

Mel says:
Sent 5 September 2013, 11h04
hab den bericht erst jetzt gelesen... heftig... bin froh, ist nicht mehr passiert und du da heil rausgekommen bist! solche erlebnisse führen einem vor augen, wie wenig es eigentlich braucht und wie rasch es gehen kann resp. könnte... ich hoffe / wünsche dir, dass du "den schrecken" gut verarbeiten kannst und nicht die freude an den bergen verlierst (...wobei ich bei letzterem nicht angst habe ;-) )
liebe grüsse
mel

TeamMoomin says: RE:
Sent 14 September 2013, 20h34
Danke Mel
Ja es ist unglaublich wie schnell es gehen kann bzw. wie wenig es braucht.
Mir gehts unterdessen schon wieder relativ gut, kommt mit der Zeit sicher wieder..

Lg Oli und Moomin

Baldy und Conny Pro says: ebenfalls erst
Sent 11 September 2013, 10h49
jetzt gelesen.
Können uns nur allen anderen anschliessen.
Gruss Angelo und Conny

TeamMoomin says: RE:ebenfalls erst
Sent 14 September 2013, 20h35
Danke auch euch, schöne Berichte habt Ihr aus Island mitgebracht, Merci!

Lg Oli und Moomin


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