COVID-19: Current situation

Sulzfluh, Drei Türme und Valse Triste von Jean Sibelius


Published by Dimmugljufur , 22 August 2013, 21h23.

Region: World » Austria » Zentrale Ostalpen » Rätikon
Date of the hike:22 August 2013
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Time: 9:00
Access to start point:Partnunstafel, Parkplatz Nr.6
Accommodation:Lindauer Hütte (AT, DAV) Carschina Hütte (CH, SAC)
Maps:1157 Sulzfluh

Das Rätikon ist eines meiner liebsten Wandergebiete. Die weissen Kalkfelsen der Fluhen sieht man von weit her und meist ist der Blick frei zu markanten Gipfeln wie Rote Wand, Zimba und Schesaplana.
Aber die Voraussetzungen für eine lange Tour waren suboptimal: Anhaltende Appetitlosigkeit und schlechte Nächte hatten nicht gerade zur Regeneration beigetragen. Mit halbleeren Batterien zu einer konditionell so anspruchsvollen Tour zu starten, ist nicht ideal. Andererseits würde ich mir im Nachhinein kaum verzeihen, einen wettermässig so schönen Tag im Spätsommer ungenutzt verstrichen lassen zu haben.


Also, morgens früh aufgestanden, den Wecker brauche ich im Moment ja eh nicht und um 8:15 Uhr in Partnunstafel noch im Schatten und bei frischen Temperaturen gestartet. Über die 1000hm bis zur Sulzfluhspitze gibts nicht viel zu sagen, alles markiert, kleinere Stellen, wo man die Hände zu Hilfe nehmen kann, aber alles kein Problem. Bei diesem Wetter muss aber ordentlich Wasser mitgeschleppt werden. Auf dem Gipfel waren dann schon ziemlich viele Leute unterwegs, deshalb hielt ich mich auch nicht lange da auf, zumal Appetit immer noch ausblieb. Im Nordabstieg Richtung Lindauer Hütte durch den "Rachen" konnte ich abermals Blicke auf die kleine Sulzfluh und den Klettersteig darunter werfen. Das Ganze sieht ziemlich machbar aus und man wäre vermutlich ganz alleine auf dem Gipfel. Vielleicht ein ander Mal. Heute musste ich froh sein, wenn ich das Mammutprogramm überhaupt durchziehen konnte.

Punkt 12 war ich auf der Lindauer Hütte und weil ich auch da noch nicht die geringste Lust verspürte, etwas zu Essen, versorgte ich mich mit zwei Flaschen Eistee, die ich im Aufstieg zu den drei Türmen dazu verwendete, immer wenn ein Einbruch drohte, mir wieder eine ordentliche Portion Zucker zuzuführen, die Reserven waren schon ziemlich am Ende. Mit dieser Methode arbeitete ich mich die abermals 1100hm hoch, wobei mitten im Aufstieg eine Helirettung dazwischen kam: Ein Paar hatte sich völlig unerklärlicherweise Verstiegen und die Dame konnte im Fels plötzlich weder vor noch zurück. Wie das auf den zwar unmarkierten, aber gut verfolgbaren Wegspuren passieren konnte, bleibt mir ein Rätsel, aber die beiden sind mit dem Schrecken davongekommen.

Den grossen Turm erreicht, war ich enttäuscht über die beiden erbärmlich kleinen und von Hand zusammengebastelten Holzstücke, die sich Gipfelkreuz nannten. Der Gipfel ist ein zu grosses Plateau, als dass es wirklich schön wäre da oben. Aber hier zwang ich mich um 14 Uhr dennoch, etwas Festes zu mir zu nehmen, der Eistee war inzwischen alle. Für heute liess ich für meine musikalische Inspiration nicht die Imposanz des Gipfels mit entscheiden, sondern wählte, passend zu meiner aktuellen Stimmung die schöne und melancholische "Valse Triste" von Jean Sibelius.

Der mittlere Turm ist vom Gipfel her weitaus attraktiver, viele Tiefblicke und ziemlich ausgesetzte Stellen. Von da aus sah auch der kleine Turm, eigentlich gesicherten Kletterern vorbehalten, einigermassen machbar aus. Die Herausforderung nahm ich an und versuchte mich an zwei Zustiegen, die aber leider beide kurz vor dem Gipfel so schwer wurden, dass ich sie nicht mit gutem Gewissen hätte weiterverfolgen können. Aber mit ein wenig mehr Zeit und vor allem Kraft würde ich das Ganze gerne nochmals unter die Lupe nehmen.

Der Abstieg wurde mit einer langen Schneerutschpartie versüsst. Ab und an konnte ich meine Beine dann sogar noch dazu überredenn, ein wenig Rock-Dancing im groben Geröll mitzumachen.
Beim Gang zu den drei Türmen und zurück leiten einen deutliche Wegspuren automatisch in die richtige Richtung, man kann hier wirklich nicht viel falsch machen, auch wenn der Wegweiser vor dem Steig warnt.

Nochmals 200hm aufgestiegen, durchs Drusator wieder zurück in die Schweiz gehuscht und an der Carschinahütte vorbei auf dem Weg zurück nach Partnunstafel.

Eine an und für sich reizvolle, aber konditionell anspruchsvolle und lange Rundtour, für mich heute ohne Kraftreserven ziemlich hart, für Körper und Kopf. Aber immerhin: Heiss und sonnig wars.

Hike partners: Dimmugljufur


Gallery


Open in a new window · Open in this window


Post a comment»