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Piz Neir 2906 m - Südwand und Ostgrat


Published by Ivo66 , 16 July 2013, 18h02.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike:16 July 2013
Hiking grading: T5+ - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 5:00
Height gain: 900 m 2952 ft.
Height loss: 900 m 2952 ft.
Route:Punt Brüscheda (Julierpassstrasse) - Vairana - P. 2589 m - Südwand - Piz Neir - Ostgrat - Vairana - Punt Brüscheda
Maps:1:25'000 Bivio

Den Piz Neir, hoch über der Julierpassstrasse haben wir schon zweimal über den Ostgrat bestiegen, welcher schöne und einfache Kletterei bietet in ganz ordentlichem Fels. Lange haben wir uns schon mit der Route durch die Südwand beschäftigt; gemäss SAC-Clubführer Bündner Alpen 6 mit "L" bewertet. Diese Bewertung ist unpräzise, um nicht zu sagen etwas untertrieben; nach alter Skala würde ich hier eher ein "BG" oder "WS" anbringen. Da haben wir es mit der neueren T-Skala einfacher: T5+.

Der Gipfelaufbau in der Südwand ist sehr steil und die Routenfindung und die Aufstiegsroute selbst anspruchsvoll. Wir haben uns an allen möglichen Varianten versucht und trauten uns anfangs kaum, in die Wand einzusteigen, da wir uns nie sicher waren, ob wir richtig lagen und ob ein Rückzug möglich wäre. Begehungsspuren geschweige denn Markierungen oder Steinmännchen waren keine aufzufinden. Also fasste ich mir ein Herz und stieg zunächst alleine einen steilen Riss hoch, um durch ein Felslabyrinth und einer luftigen Querung die Schlüsselstelle zu erreichen: Die Kletterei durch das Wändchen dort erforderte etwas Klettertechnik, doch war sie dank der hier guten Felsqualität am Ende kein Problem - und schon stand ich auf dem Gipfelgrat und wusste, dass wir den Gipfel somit erreichen werden.

Vorsichtig stieg ich die zuvor inspizierte Aufstiegsroute ab und stieg zusammen mit Lena nochmals zum Grat hinauf. Wir waren uns anschliessend einig, dass dies einer unserer abenteuerlichsten und anspruchsvollsten Aufstiege auf einen Berg waren. Da war der anschliessende Abstieg über den Ostgrat dann Genuss pur, wobei auch hier die notwendige Vorsicht im steilen und zum Teil ausgesetzten Gelände erforderlich war.

Insgesamt erlebten wir wieder einmal einen sehr spannenden Tag in der herrlichen Bergwelt des Oberhalbstein. Die herausfordernde Tour war geschmückt mit vielen schönen Bergblumen, darunter die ersten Edelweisse des Jahres und vielen Murmeltieren, die sich erstaunt über einen menschlichen Besuch zeigten, denn wie immer im Sommer präsentierte sich das Gebiet am Julierpass völlig menschenleer. 

Routenbeschreibung:

Den Aufstieg über den Ostgrat habe ich hier beschrieben (T5).

Aufstieg durch die Südwand (T5+, Stellen II)

Die Route durch die Südwand ist ziemlich unübersichtlich und durchwegs abschüssig. Es sind einige Kletterstellen im 2. Grad zu meistern - von einem Abstieg ohne detaillierte Routenkenntnisse würde ich abraten.

Man steigt auf beliebiger Route weglos an den Fuss des Piz Neir. Eine detaillierte Routenbeschreibung ist schwierig niederzuschreiben, da es wahrscheinlich mehrere Varianten gibt und das Gelände wie schon erwähnt unübersichtlich ist. 

Wir querten kurz unterhalb von 2700 m. ü. M. unterhalb einer Felsstufe nach rechts, wo Grasbänder einen Zustieg nach oben zuliessen. In der Folge hielten wir uns fast ganz links am Gipfelaufbau. Hier stiegen wir in das System von Felsbändern und felsigen, grasdurchsetzten Rissen ein, zunächst ganz kurz leicht nach rechts querend. Sogleich stiegen wir einem längeren Riss in der Falllinie entlang steil nach oben; die Felsrippen rechterhand boten hier gute Griffe. Auf einer markanten abwärts gerichteten Platte querten wir kurz nach rechts und stiegen sogleich durch einen schmalen Kamin (II) auf die nächste Rampe hinauf. Hier querten wir etwa 30 Meter den Felswänden entlang nach rechts, wo die Schlüsselstelle wartete: Eine ca. 6 Meter hohe Wand, die sich mit Hilfe eines Risses gut durchklettern liess (II). Der Ausstieg dort nach rechts führt auf sehr guten Fels, wo man den Ostgrat mühelos erreicht. Der Schlussaufstieg über den obersten Teil des Ostgrats bereitet dann keine Schwierigkeiten mehr.

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (4)


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Peter23 says: Grenzerfahrung???
Sent 18 July 2013, 21h06
Hallo Ivo und Lena
Ob der Routenbeschreibung und der Fotos rutscht mir das Herz in die Hosen. Da habt Ihr aber etwas sehr schwieriges geschafft. Da komme ich mir richtig klein vor, wenn auch mein gestriger Direttissima-Abstieg vom Fuss des Fälenschafbergturms Richtung Häderen nicht ganz ohne war (grad hinunter).
Passt auf Euch auf! Gruss Peter

Ivo66 says: RE:Grenzerfahrung???
Sent 18 July 2013, 23h32
Hallo Peter

Es war tatsächlich so etwas wie eine Grenzerfahrung. Aber die Direktroute auf den Fälenschafbergturm dürfte es wohl auch in sich haben; da hätte ich grossen Respekt, da mir Steilgras und solches gar nicht behagt. Im Fels fühle ich mich grundsätzlich wohler....

Beste Grüsse
Ivo

berg.land says: Interessante Entdeckung
Sent 22 September 2019, 20h38
Hallo Ivo

Wir haben uns gestern die Südwand ebenfalls lange vor Ort angeschaut, haben es am Schluss aber dann doch in stetem Gedanken an deine Beschreibung beim Ostgrat belassen. War ja erst unser erster Besuch auf diesem Berg, da muss man noch etwas Steigerungspotenzial übriglassen… :)

Aufgestiegen an den Fuss der Südwand sind wir auf, wie ich finde, einer sehr schönen Alternative: von Bivio aus auf rot-weiss markiertem Wanderweg zuerst zur Bless Muntanella (bzw. Bleis Muntaneala in der LK). Abstieg von dort zu einem kleinen See östlich etwas weiter unten in einer Senke, dann relativ bequemer Aufstieg auf dem Gegenhang bis unterhalb des Piz Barscheinz, den man in der Nähe der Felsstufe südlich von P.2616 erreicht. Diese Felsen kann man entweder an ihrem Fuss etwa 100 Meter östlich absteigend durch eine Graslücke umgehen und von dort wieder zum P.2616 aufsteigen, oder aber direkt an der westlichen Ecke über eine Geröllrampe und einen kurzen Risskamin mit riesigen Griffen und Tritten überwinden. Vom nunmehr erreichten Piz Barscheinz weiter an den Fuss der Südwand, oder – wie wir – nach Anblick der Südwand weiter nach Nordosten über einfaches Gras und Blockgeröll zum Fuss des Ostgrats.

Auf der hügeligen Fläche zwischen Piz Barscheinz und Piz Neir hat es einen kleinen See (in der LK nördlich von P.2572). Etwa 50m nordöstlich davon entdeckten wir bei einem Felsblock das Trümmerteil eines Flugzeugs, auf dem das Kennzeichen D-ELUH immer noch gut lesbar war. Es gehört zu einer Maschine, die im August 1965 hier auf dem Flug über den Julierpass nach Samedan wegen schlechter Sicht bei einem gescheiterten Umkehrversuch vor der Passhöhe abgestürzt ist (https://aviation-safety.net/wikibase/170305, die als Quelle angegebene Passauer Zeitung besitzt noch ein historisches Online-Zeitungsarchiv). Wir fanden es irgendwie faszinierend, dass dieses Wrackstück seit über einem halben Jahrhundert immer noch so gut erhalten einfach dort im Nirgendwo liegt!

Der Ostgrat war wirklich schön. Eine Gamelle mit Gipfelbuch konnten wir im Steinmann allerdings nicht finden?

Viele Grüsse
Guido

Ivo66 says: RE:Interessante Entdeckung
Sent 23 September 2019, 17h40
Hallo Guido

Vielen Dank für Deine ausführliche Rückmeldung.

a) Sehr spannend, die Sache mit dem Flugzeugabsturz. Davon wusste ich nichts...

b) die Südwand würde ich auch kein zweites Mal angehen... Bin mir allerdings auch nicht sicher, ob unsere Route damals die beste Wahl war.

c) Vielleicht war die Gamelle zu gut versteckt. Sie ist ganz unten im Steinmann Richtung Septimerpass deponiert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sie jemand mitgenommen hat, wie dies ja auf gut frequentierten Bergen leider öfter der Fall ist. Vielleicht schaffen wir dieses Jahr nochmals eine Besteigung.

Viele Grüsse
Ivo


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