Piz Surgonda 3193 m / 3196 m (Überschreitung) und Corn Margun 3034 m - Farbige Steinwüste im Herbst


Published by Ivo66 Pro , 6 October 2012, 19h55.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberhalbstein
Date of the hike: 6 October 2012
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Time: 5:45
Height gain: 1200 m 3936 ft.
Height loss: 1200 m 3936 ft.
Route:Julierstrasse Parkplatz (2200 m) - Val d'Agnel - Fuorcla d'Agnel - Westgrat - Piz Surgonda (Westgipfel P. 3193 m) - Piz Surgonda (Ostgipfel P. 3196 m) - Fuorcla Margun - Corn Margun - Fuorcla Margun - Fuorcla Alva - Julierpassstrasse

Der Piz Surgonda ist einer der beliebtesten Skigipfel um den Julierpass. In den Sommermonaten erhält dieser prächtige Aussichtsberg jedoch kaum Besuch. Doch gerade jetzt im Herbst, wenn noch viele Neuschneereste in den Schattenlagen im Kontrast zum vielen farbigen Geröll stehen, übt diese stille Gegend einen kaum zu übertreffenden Charme aus. An einem derartigen Prachtstag auf dem Gipfel zu stehen und die Fernsicht zu geniessen, ist ein Privileg. Das Gipfelpanorama reichte heute vom Matterhorn in den Walliser Alpen bis zur Weisskugel im Südtirol - diese beiden Berge liegen immerhin etwa 280 km Luftlinie voneinander entfernt.

Noch nie haben wir den Piz Surgonda von der Fuorcla d'Agnel aus besucht und die Tour somit zu einer aussichtsreichen, luftigen Grattour ausgebaut. Da kam der heutige Tag gerade recht. Der Neuschnee auf der schattigen Nordseite am Berg erlaubte kaum ein Ausweichen in die Flanke, während die südseitig gelegenen Felsen von der Sonne rasch gewärmt wurden. Wir blieben aber die meiste Zeit auf der Gipfelschneide selbst, wozu doch einige Turneinlagen im ausgesetzten Gelände erforderlich waren.

Die Zeit lief uns dann etwas davon, wollten wir doch eigentlich noch den orangefarbenen Nachbarn, den Piz Traunter Ovas besteigen, doch schien mir ein direkter Abstieg vom Piz Surgonda durch die brüchige, schneebeladene Flanke mit der anschliessenden Gletschertraversierung bei diesen Verhältnissen zu heikel. Auf der Fuorcla Margun angelangt, verzichteten wir dann darauf, die Gerölltour noch bis zum Traunter Ovas zu erweitern - anstelle eines Wettlaufs mit der Zeit zogen wir es vor, an dieser aussichtsreichen Stelle die Ruhe und die Bergwelt zu geniessen, die wir heute wieder ganz alleine für uns hatten. Ein Abstecher zur Fuorcla Margun ist alleine schon wegen der bizarren, riesigen Felszacken lohnend. Den eigentlichen Grat haben wir hier allerdings grossräumig in der geröllbeladenen Südflanke umgangen.

So nahe beim Corn Margun rastend, konnten wir anschliessend nicht anders, als diesen brüchigen Felskoloss ein weiteres Mal - bereits zum dritten Mal in diesem Jahr - zu besteigen. Wir wählten dieses Mal die wirklich direkte Route über den Westgrat. Nebst einer sehr ausgesetzten Stelle hatten wir hier vor allem mit vielen losen, auch grösseren Geröllblöcken zu kämpfen.

Der Abstieg von der Fuorcla Margun über die Fuorcla Alva war dann ein einziger Genuss: Wie immer in dieser Gegend wähnten wir uns auch heute auf einem anderen Planeten. Von dieser einzigartigen Berggegend kann man gar nie genug bekommen und jedes Mal denkt man am Ende: So schön wie heute war es noch nie. Schade steht der Winter schon vor der Türe.

Routenbeschreibung:

Julierpassstrasse - Fuorcla d'Agnel (T2)

Auf dem markierten Bergweg gelangt man ohne Schwierigkeiten zum Passübergang auf 2983 m. ü. M.

Fuorcla d'Agnel - Piz Surgonda (P. 3193 m / 3196 m) T5 (bei vermehrtem Ausweichen in die Flanken T4)

Zunächst auf Wegspuren im Geröll steigt man direkt von der Fuorcla d'Agnel den Westgrat hinauf. In der Folge wird der Grat grobblockig und erlaubt ein schönes Aufsteigen in einfacher Kletterei (I). Man steigt beliebig zum ersten der beiden etwa gleich hohen Westgipfeln auf.

Der Übergang vom ersten zum zweiten Westgipfel ist in einer Stelle sehr ausgesetzt, im guten Fels mit etwas Umsicht aber dennoch gut zu meistern. Wir blieben meistens auf der Gratschneide und überstiegen einige Passagen, in dem wir uns an der bombenfesten, scharfen Gratkante festhielten. Für die Füsse findet man auf Rissen immer wieder Halt und kann auch auf Reibung passieren.

Den ausgesetztesten Gratstellen kann man zum Teil in die Nordflanke (wenn schneefrei) oder auch in die Südflanke ausweichen. Der Schlussaufstieg von der tiefsten Stelle zwischen West- und Ostgipfel ist einfach und erfolgt in Gehgelände.

Piz Surgonda Westgipfel - Fuorcla Margun T3 (Grat grossräumig umgangen)

Wir stiegen vom Westgipfel auf dem gut begehbaren Ostgrat ab und querten in der tiefsten Stelle auf dem grat vor P. 3160 m leicht absteigend die Südlfanke, um über meist grobes und sehr scharfes Geröll unter möglichst wenig Höhenverlust zur Fuorlca Margun zu queren. Dabei durchstiegen wir ohne Schwierigkeiten einen Felsriegel.

Fuorcla Margun - Corn Margun (T5)

Wir wählten den direktesten Aufstieg über den Westgrat und vermieden ein frühes Ausweichen in die Südflanke. Zunächst über grobblockiges Geröll gelangt man bald in Klettergelände. Einige Stellen II sind dank guten Griffen und Tritten gut zu meistern; es liegt aber viel loses Geröll herum - auch grössere Blöcke, die keinen sicheren Halt geben.

Nach einer sehr ausgesetzten Stelle auf dem flacher werdenden Grat (könnte nordseitig umgangen werden) umgingen wir einen markanten Gendarmen in der Südflanke und kehrten gleich wieder auf den Grat zurück, wo es auf den Gipfel nur noch ein Katzensprung ist.

Abstieg entlang der Gratfelsen in der Südflanke (T5-).

Fuorlca Margun - Fuorcla Alva (T3)

Von der Fuorcla Margun erreicht man in gut begehbarem Schuttgelände - teilweise auf gut ausgeprägten Wegspuren - nach einem kurzen Aufstieg die Fuorcla Alva, die von weitem sichtbar ist und durch zwei Steinmänner gekennzeichnet ist.

Fuorcla Alva - Julierpassstrasse (T2 - T3)

Durch schiefriges Geröll, zum Teil auf Wegspuren, steigt man durch das markante Tal südlich der Fuorcla Alva ab (keine Markierungen oder Wegausschilderungen). Nach längeren Passagen ohne starke Neigung wird das Gelände etwas steiler. Immer noch auf Wegspuren bogen wir nach rechts ab, überquerten den Bach und gelangten ins Val d'Agnel und von dort weglos absteigend zum Wanderweg und anschliessend zurück zum Ausgangspunkt.

Hike partners: Ivo66, Lena


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Comments (2)


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Linard03 Pro says:
Sent 7 October 2012, 13h34
toll gemacht! Ich hab' mich damals nicht so recht getraut, die Überschreitung zu machen; der Grat sah mir etwas zu brüchig aus ...
Jedenfalls werde ich die Region sicher auch wieder mal besuchen, es ist einfach schön da!
LG, Richard

Ivo66 Pro says: RE:
Sent 7 October 2012, 16h39
Vielen Dank Richard. Der Grat ist auf der Schneide selbst nicht brüchig, sondern bombenfest, die Flanken hingegen schon. Die ausgesetztesten Stellen können gut umgangen werden.

Die Gegend bietet noch so Vieles und ist an Schönheit kaum zu überbieten.

LG Ivo


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