auf den höchsten Biergarten Deutschlands, Zugspitze (2962m) by fair means


Published by gehlebt , 17 September 2012, 21h34.

Region: World » Germany » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Date of the hike: 8 September 2012
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Via ferrata grading: PD-
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 8:00
Height gain: 2000 m 6560 ft.
Route:Bahnhof Ehrwald - Gamsalm - Wr. Neustädter Hütte - Stopselzieherweg - Münchner Haus - mit der Tiroler Zugspitzbahn abwärts zur Talstation - Bahnhof Ehrwald
Access to start point:Bewusst ohne Auto, mit dem Nachtzug nach Innsbruck, weiter nach Garmisch-Partenkirchen und dann noch eine kurze Fahrt nach Ehrwald Zugspitzbahn
Accommodation:Wr. Neustädter Hütte, Münchner Haus sowie einige Pensionen in Ehrwald
Maps:AV 4/2 Wetterstein- u. Mieminger Gebirge, Mitte 1:25.000

Im Rahmen meines Hirngespinstes, die höchsten Punkte Europas nur mit Bahn, Schiff und per Fuß zu erreichen, sollte nach dem Rysy in Polen und der nicht erfolgreichen Tour in Liechtenstein, der zweite Berg meiner nicht geplanten Liste, die Zugspitze in Deutschland erklommen werden. Traumwetter, unglaubliche Fernsicht und Wochenende, eine Mischung, welche die Tour nicht unbedingt zu einer Einsamen macht.

Die Reise starteten ich und meine Begleiterin Heidi am Freitag Abend in Wiener Neustadt, Endstation Ehrwald in Tirol mit Umstiegen in Bruck/Mur, Innsbruck und Garmisch-Partenkirchen. Der Wetterbericht versprach traumhaftes Bergwetter und das Hoch sagte weitreichende Fernsicht voraus. Und die Vorhersage sollte Recht behalten.

Nach einigen Ticketschwierigkeiten im Zug von Österreich nach Deutschland und wieder zurück, erreichen wir den Bahnhof Ehrwald um halb 9 Uhr vormittags. Ausgeschlafen kann man unseren Geisteszustand nicht bezeichnen, es gibt jedoch kein Zurück mehr, etwas heroisch formuliert. Wenige Minuten gehen wir neben der Straße, biegen dann aber halbrechts auf den Georg-Jäger-Steig in ein Waldstück ein. Der Weg verläuft hier etwas unspektakulär die Skipisten hinauf, an der Gamsalm gäbe es die erste Einkehrmöglichkeit. Waren es vorher noch blaue Pisten, ist es nun eine Rote, welche wir immer in Nähe eines Schleppliftes nach oben steigen. Am oberen Ende angekommen, wechselt der Weg auf einen gut markierten Steig durch die Latschenfelder. Etwas weiter oberhalb queren wir Geröllfelder bis zu einer kleinen Erhebung (kurz vorher befindet sich gut markiert ein kleiner Klettergarten mit ausgesprochen interessanten Routennamen, Zipfelklatscha o.ä.). Oben auf der Erhebung erhalten wir erste Einblicke auf den in Bayern liegenden Eibsee. Alle 15-20 Minuten hört man ein leises Surren der Zugspitzbahn, welche über unsere Köpfe hinweg rauf und runter fährt. Die Sonne hat mitterweile den Bergrücken überwunden und zeigt sofort ihre ganze Kraft. Mit etwas weniger Kleidung am Körper setzen wir den Weg bei traumhafter Aussicht in die Ammergauer Alpen fort. Teilweise gesichert und etwas Schwindelfreiheit vorausgesetzt verläuft der Pfad bis zur Wr. Neustädter Hütte (2213m ü.A.), quasi von der Stadt zur Hütte. Dort gibt’s an der angrenzenden Picknickwiese inklusive Slackline eine ausgiebige Brotzeit. Beim Genuss unserer kleinen aber feinen Mahlzeit beobachten wir die Punkte an der Wand gegenüber, welche sich langsam nach oben bewegen. Viel Verkehr im Stopselzieherweg, es ist kurz nach 12 Uhr, das Münchner Haus und die Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn sind schon gut erkennbar und scheinbar zum Greifen nah.

Bevor uns die Müdigkeit auf der Picknickwiese überkam (alle Voraussetzungen für einen Mittagsschlaf waren gegeben), rafften wir uns auf, zogen unsere Klettersteig-Ausrüstung an und machten uns über ein Geröllfeld (Österreichisches Schneekar) auf den Weg zum Einstieg des Stopselziehers. Jetzt, am frühen Nachmittag, waren zwar einige Menschen unterwegs, aber weit weniger als eine Stunde zuvor. Die Sonne bescheint den kompletten Hang, die Schneefelder sind mittlerweile wieder fast alle weggeschmolzen (eine Woche zuvor lag ein halber Meter Schnee auf der Zugspitze).

Rein in den Klettersteig. Am gesamten Steig habe ich nur ein einziges Mal das Verlangen mich zu sichern. Ein kurzes Höhlenstück durchquert man, etwas steil und ziemlich rutschig. Ansonsten ist der Aufstieg sehr gut gesichert, Ausweich- und Überholmanöver gestalten sich auch unschwierig. Man findet fast immer einen guten Standplatz, auch um die Kamera rauszuholen oder den Wasserverlust wieder etwas zu reduzieren. Absteigende Menschen weisen uns auf eine Eisplatte hin und auf eine kleine biologische Tretmine, da hatte wohl im wahrsten Sinn jemand die Hosen zu voll.

Endlich oben angekommen, blicken wir in eine unvorstellbare Ferne. Olperer, Wildspitze, Ortler und Piz Bernina erblickt man mit guten Augen. Etwas näher unter uns auf der bayerischen Seite: Baustelle. Hier ist man eifrig beschäftigt, um in einigen Monaten für den Wintertourismus gerüstet zu sein. Der angrenzende nördliche Schneekarferner errinert auch nur mehr ferner an einen Ferner. Jedenfalls zum Schlitten fahren ist er gut genug.

Nachdem wir das Münchner Haus nun in voller Pracht vor uns erblicken, mischt sich das Publikum. Oben am höchsten Biergarten Deutschlands stellen sich an die 30-40 Personen vor dem Gipfelkreuz an. Wir stehen etwa 4-5m unterhalb und schießen dort unser Gipfelfoto. Ein Foto neben dem Kreuz himself werden wir nächstes Jahr schaffen, Jubiläumsgrat hat es uns oder vor allem mir angetan.

Wenn wir schon nicht neben dem Kreuz stehen, so stehen wir wenigstens unter Zeitdruck. Um 19Uhr40 sollte die letzte Fluchtmöglichkeit aus Ehrwald den Bahnhof verlassen, wir benötigten für den Aufstieg aber mehr Zeit als gedacht, es ist schon nach 16 Uhr. Bleibt uns also nichts anderes übrig, 25 Euro für ein Seilbahntickelt hinzublättern. Die letzte Seilbahn fährt übrigens um 16Uhr40 talwärts. Um die 100 Personen passen ohne Gedränge in eine Gondel, drei Minuten und ein Hüttengaudi-Lied später erreichen wir die Talstation der Tiroler Zugspitzbahn. Von hier geht es auf gemütlichen Wanderwegen zurück nach Ehrwald und treffen zudem noch ein nicht wirklich scheues Eichhörnchen.

Die Zugspitze wäre also geschafft, zu 99 Prozent. Anreise mit der Bahn, Abreise mit der Bahn, Abstieg mit der Gondel. So umweltfreundlich als an diesem Tag möglich war. Ich habe jedoch noch nie einen so extrem verbauten Gipfel gesehen. Das Münchnerhaus ist ein riesiger Komplex, verlaufen kann man sich hier wohl leichter als im Aufstieg. Massentourismus á la carte wird hier geboten, drei Seilbahnen verfrachten die Menschenmassen auf die höchsten verlegten Terrassenplatten Deutschlands. Der Aufstieg ist auf alle Fälle lohnenswert, der Stopselzieher macht richtig Spaß. WandererInnen und BergsteigerInnen, welche die Einsamkeit suchen, sind auf der Zugspitze aber falsch. Trotzdem werde ich wieder kommen, Jubiläumsgrat by fair means.


Hike partners: gehlebt


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