Geplante 2tägige Sasseneire-Tour oder wie alles anders kam....


Published by TeamMoomin , 27 April 2012, 22h31.

Region: World » Switzerland » Valais » Mittelwallis
Date of the hike:26 April 2012
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Snowshoe grading: WT3 - Demanding snowshoe hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-VS 
Time: 7:00
Height gain: 1350 m 4428 ft.
Height loss: 1350 m 4428 ft.

Das Wetter sollte endlich wieder schön werden und ich hatte auch noch frei, da war schnell klar dass ich wieder mal in die Berge gehe.
Einzig die Momentane Föhnlage sowie die SLF einstufung 3 machten mir Kopfzerbrechen. Nachdem ich jenste Touren angeschuat und wieder verworfen hatte, fiel mir plötzlich der Sasseneire wieder ein. Von Zazas Bericht wusste ich dass dieser im Winter durchaus besteigbar ist, also fingen meine Gedanken an zu kreisen.

Ich hatte zwei Tage frei also wie könnte man den Sasseneire mit was grösserem verbinden, und da bildete sich folgende Idee, von Forclaz hinauf zum Col du Tsaté dort alles dem Grat entlang auf den Sasseneire und nach dessen Gipfel absteigend zum Diablon sowie Sex de Marinda. Fakultativ noch zum Becs de Bosson bevor es dann nach Grimentz runtergehen sollte.
Mir war bewusst das es für mich ein erfürchtiges Projekt darstellte und ich war auch unsicher ob die lokalen Verhältnisse diese Tour überhaupt zulassen würden, aber wie heisst es so schön "Versuch macht Klug"

Also gings in Basel sehr früh auf den Zug, wobei ich da schon merkte das mein Rucksack wohl eher unter die Schwergewichter fällt, aber man braucht halt doch das einte oder andere für ein Winterbiwack irgendwo auf 3000m.

In la Forclaz angekommen entfängt mich schönstes Wetter aber ich sehe den umliegenden Riesen, vorallem dem Dent Blache, auch sogleich an dass in der Höhe ganz schön heftige Winde gehen. Egal ich habe mir ganz fest vorgenohmen soweit zu gehen wie ich es verantworten kann und mein Bauchgefühl mitmacht.

So laufe ich los und gelange schnell nach Motau von wo aus ich, ausser einem kleinen Schneefeld beim Fluss, immer noch alles auf trockenen Wegen bis nach Le Tsaté emporsteige. Hier ist dann die Schneedecke endlich geschlossen auch wenn stellenweise nur sehr dünn. Ich schnalle also meine Schneeschuhe an und beginne den flachen Hang in direkter Linie zu begehen. Dies dürfte wohl auch der grösste Vorteil gegenüber Skis sein, den die fast verblichenen Spuren einiger Skifahrer winden sich mühsam im Zick Zack hoch.

Immer wieder weiche ich einzelnen Stellen aus die mir doch nicht ganz geheur sind, denn in diesem Abschnitt ist die Schneeschicht auf der Almwiese doch relativ dünn und sehr kompakt, also ideal für ein Schneebrettabgang. Etwas weiter oben klafft dann auch im Hang ein grösserer Fleck wo eine Brett sich gelöst hat. Da die Schneemassen aber wirklich sehr gering sind setzte ich meinen Weg dennoch fort.

Etwas oberhalb 2300m passiere ich dann einen verfallenen Stall bevor die Skispuren nach rechts abdriften, diese Stück Hang mit seiner Neigung erscheint mir zuerst nicht ganz geheuer aber nach genauerem betrachten sehe ich das es sich doch gut verantworten lässt und gehe zügig weiter, so erreiche ich kurz darauf die obere Alp Remointse du Tsaté.

Hier würde der weitere Weg zum Col du Tsaté rechts weiter verlaufen, da ich aber mehrere Hangabbrüche, Lawinen am Col ausmache beschliesse ich mich gegen diesen Aufstieg. Als alternative sehe ich auf der Karte das es links einen direkt Aufstieg zum Punkt 3022 gibt von welchen man dann praktisch schon beim Pointe du Tsaté ist. Auch erscheint mir die Hangneigung sowie die Schneeverhältnisse ziemlich gut und die Skispuren gehen auch in idese Richtung weiter.

Etwas oberhalb der Alp bei ca. 2500m setzte ich mich dann auf meinen Rucksack, welchen ich unterdessen doch ganz schön spüre und mache mich daran mein Mittagessen zu verputzen, und was für eine Aussicht ich dabei geniesse!
Vorne Grand Dent de Vesivi, links der Etoile und zu meiner rechten weit hinten Grand Cornier und Dent Blache, was für eine Kulisse!

Etwa eine halbe Stunde später mache ich mich wieder auf den Weg. Doch bald schon merke ich dass es nicht mehr so gut vorwärts geht wie vorhin die ersten 700Hm mit dem schweren Rucksack, die Tatsache das ich schon länger keine grosse Tour mehr gemacht habe, und die Sonne welche den Schnee langsam aufweicht beginnen ihren Tribut zu fordern. So mache ich immer nachdem ich eine Spitzkehre der Skispur direkt traversiert habe eine kurze Pause und zähle auf 10.

In diesem Tempo komme ich zwar nur langsam aber doch stetig voran. Etwa bei 2800m merke ich langsam wie der Wind an Kraft gewinnt und so lege ich doch meine Shelljacke und die Handschuhe an. Kurz vor erreichen des Grates nimmt der Wind dann sehr an Stärke zu, hier treffe ich auch auf die ersten Schneeverfrachtungen durch welche ich mich teilweise knietief durchwühlen muss.

So wird es nochmals richtig anstrengend aber als ich auf dem Grat angelange ist dies alles Nebensache, denn das Panorama welches mich hier erwartet verschlägt mir schlicht die Sprache!
Dent Blanche, Obergabelhorn, Zinalrothorn, Matterhorn, mein geliebtes Weisshorn, Oldenhorn, Blümlisalpkette etc. und alle ihn ihrem wunderschönen Winterkleid.

Bedächtig wandle ich auf dem schmalen aber zum Glück abgeblasenen Grat hinüber zum Gipfel, wo ich endlich meinen Rucksack abstellen kann und ganz in der herrlichen Aussicht schwelgen darf. So sitze ich lange da und verspüre ein Gefühl von absoluter Zufriedenheit, einfach nur Glück!

Als ich mich dann endlich vom Panorama losreisen kann und den Weiterweg mal genauer anschaue folgt Ernüchterung. Auf den gut 100Hm welche man vom Pointe du Tsaté in die nächste Scharte absteigen muss haben sich auf dem Grat überall grosse Schneeverwehungen gebildet die äusserst fragil wirken. Und die Hangquerung unterhalb des Sasseneire zum Diablon welche ich mir vorgestellt habe sieht viel zu Lawinen- gefährlich aus da sich in diesem Hang sehr viel Treibschnee gesammelt zu haben scheint.

Ich überlege mir ob wenigstens der Abstieg machbar ist, so das ich zum Point Prele komme und von dort zum Sasseneire wo ich dann auch nach Villa absteigen kann. Aber mit meinem schweren Rucksack und dem doch sehr zügigen Wind ist mir diese Aktion einfach etwas zu gewagt, ausserdem meldet sich mein Bauch und auf den höhre ich beim Wandern immer.

Also geniesse ich nochmals das Panorama und Steige dann wieder nach Forclaz ab. Beim Abstieg kommt es mir sehr entgegen, dass der Schnee schon ein bisschen angesulzt ist und so kann ich praktisch hinuter gleiten, fast wie Skifahren ;-)

Nach 5 Stunden Aufstieg (inkl. aller Pausen) kommt mir der Rückweg für denn ich knapp 2 Stunden brauche sehr schnell vor, fast fliege ich dem Tal entgegen.

In Forclaz habe ich Glück und 10 Minuten später steht schon ein Postauto da, dass mich nach Hause bringt.

Fazit: Eine sehr schöne Tour auch wenn Sie nicht so verlaufen ist wie geplant, aber die Berge gehen zum Glück nicht weg. Ich habe sehr viel für mich gelernt was Meteo Berichte, Lawinen Bulletin etc. lesen anbelangt und konnte es gut in die Tat umsetzten, auch hat mir das Beurteilen vor Ort auch Spass gemacht und wieder ein bisschen mehr Vertrauen in meine wachsenden Fähigkeiten gegeben. Im Sommer ist die von mir geplante Tour sicherlich gut durchführbar, im Winter müssen halt die Verhältnisse stimmen.
Ich weiss dass ich dieses Tal sicherlich nicht zum letzten mal besucht habe und kann es alen Hikrs nur empfehlen da es für jede Art des Bergsteigen ob im Sommer oder Winter etwas zu bieten hat!

Hike partners: TeamMoomin


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