Piz La Stretta / Monte Breva 3104 m und 4 weitere Dreitausender


Published by LorenzZH , 3 November 2011, 21h49.

Region: World » Switzerland » Grisons » Oberengadin
Date of the hike: 1 October 2011
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR   I 
Time: 2 days
Height gain: 3000 m 9840 ft.
Height loss: 2400 m 7872 ft.
Route:La Punt - Serlas - Munt Cotschen 3104 m - Monte Garone 3030 m - Piz La Stretta / Monte Breva 3104 m - La Stretta 2476 m - Piz Minor 3049 m - Piz dals Lejs 3044 m - Bernina Hospiz
Access to start point:Bahn: Chur - La Punt (mehr als eine Linie)
Access to end point:Bahn oder Postauto: Bernina Hospiz Richtung Pontresina usw.
Maps:Albulapass Nr.1237 1:25'000 / La Stretta Nr.1258 1:25'000 / La Rösa Nr.1278 1:25'000

Vorbemerkungen:
Fünf 3000er in zwei Tagen mag auf den ersten Blick etwas verrückt aussehen, aber das war es überhaupt nicht, und es ging mir auch nicht darum, etwas verrücktes in diesem Sinne zu tun. Nur der erste Berg hatte eine "normale" Höhendifferenz (1400 m), und die nächsten 1400 m "Arbeit" reichten beinahe für alle vier restlichen Gipfel zusammengenommen. Ferner wollte ich bewusst ein spezielles Erlebnis mit Gipfelübernachtung im Schlafsack draussen, mit der Gelegenheit, Sonnenunter- und -aufgang von so einem speziellen Ort erleben zu können. Ich hatte noch einen alten Daunenschlafsack, den ich vor 25 Jahren für eine Kilimandscharo-Tour erworben hatte, und nahm überdies die Schutzhülle des Militärschlafsacks mit. Ein Zelt hatte ich nicht. So hatte ich in der Nacht gerade so knapp genügend warm (von Zeit zu Zeit auch mal nicht ganz...). Kalt wars schon auf diesen 3104 m; eine PET-Flasche mit Wasser, die ich draussen liess, hatte am Morgen kleine Eisstückchen im Wasser drin.

Routenverlauf:
Startpunkt war die Bahnstation La Punt-Chamues-ch. Von da ging es durch das Dorf Chamues-ch, wo ich noch kleine Einkäufe zu erledigen hatte, und um etwa 10 Uhr (1. Okt.) begann ab hier die "eigentliche" Tour. Sie führte zunächst durch das Val Chamuera, immer Richtung Fuorcla Federia. Etwa einen guten km vor dieser Fuorcla ging ich mehr nach links, um auf den Westgrat des Munt Cotschen zu kommen, auf dem man unschwer auf den Gipfel gelangt. Weitere Möglichkeiten wären Linien westlich oder östlich des Südgrates (der oberste Teil auf dem Südgrat).

Auf dem Gipfel machte ich erst mal Mittagsrast (es war bereits 13:45) und genoss die wunderbare Aussicht.

Danach gings weiter, zuerst auf dem Südgrat, dann diesen nach Osten verlassend, zum kleinen Laghetto di Federia 2863 m, der sich gerade unterhalb der Fuorcla Federia befindet.

Der Weiterweg zum Monte Garone fand dann praktisch durchwegs auf dem Grat nach Süden statt. Auf dem Monte Garone blieb ich nur kurz; man empfindet ihn nicht als einen "Hauptgipfel", und ausserdem lockte das letzte Gipfelziel dieses Tages, der Piz La Stretta. Ich ging ein weiteres Stück, vielleicht 500 m, auf dem Grat nach Süden (oder SSW), und da stellte sich die Frage: Piz la Stretta direttissima, oder westlich umgehen und den Südwestgrat nehmen, oder östlich umgehen bis zum Lago del Monte und dann auf Wegen nach Südwest, gefolgt von Ostflanke und Südostgrat des Berges. Weil auf Nord- und Nordwesthängen schon fast zusammenhängend Schnee lag, entschied ich mich für die längste der genannten drei Varianten, also beim Lago del Monte vorbei. Ich stieg etwa 500 m südlich vom Monte Garone vom Grat weg in den östlichen Abhang, wo es praktisch schneefrei war, und überstieg noch die Rippe südlich vom Pkt. 2746, dann etwas oberhalb des Sees vorbei bis zum kleinen Passübergang (Pkt. 2714), dann wie erwähnt auf Wegen bis auf den Gipfel. Kurz vor diesem, auf ca. 3000 m, gibt es einen ganz "herzigen" Weiher.

Um ca. 18:35 auf dem Gipfel angekommen, bot sich wieder ein super Panorama, wobei wegen der fortgeschrittenen Tageszeit die Berge (und ich selbst) lange Schatten warfen. Es geht nicht mehr allzu lange bis zum Sonnenuntergang, den ich natürlich gebührend geniessen und fotografieren wollte, also rasch ein kleines Abendessen genommen und den Schlafsack mit Hülle ausgelegt. Und dann der Sonnenuntergang, das war schon ein spezielles Erlebnis, wenn man ihn auf diese Weise erlebt.

Als ich mal mitten in der Nacht den Sternenhimmel betrachtete, kam fast Nostalgie auf: Wann hatte ich zum letzten Mal die Milchstrasse so deutlich und auch sonst so viele Sterne auf einmal gesehen?

Das nächste Erlebnis war der Sonnenaufgang am folgenden Morgen. Es stand wiederum wie am Abend zuvor keine einzige Wolke am Himmel.

Die Tour ging dann wie folgt weiter: Auf Wegen hinunter zum Passübergang La Stretta 2476 m, dann am Gegenhang hinauf, zunächst zu einem Gebiet mit mehreren kleinen Seen; der westlichste davon (namenlos) am Rand des Hügels Muot dals Lejs. Von da südwärts, abermals zu einem Seelein (das letzte dieser "Serie") auf ca. 2748 m, und von hier westwärts, danach südwärts, hinauf in die Lücke zwischen Piz Minor und Piz dals Lejs. Jetzt zuerst auf den Piz Minor, wo ich eine Weile blieb, dann zurück in die Lücke und auf den Piz dals Lejs. Da diese Lücke schon sehr hoch liegt (2923 m), waren beide Berge sehr kurze Aufstiege (sobald man mal in dieser Lücke ist).

Für den Abstieg vom Piz dals Lejs sah ich drei Möglichkeiten (ich wählte Nr. 3):
1. Wieder alles zurück nach La Stretta und westwärts durch das Val da Fain bis Bernina Diavolezza Talstation. Mit dieser Variante wäre die gesamte Tour weniger als T4 gewesen, nach meiner Idee T3+.
2. Über den SSO- und dann den Südgrat (vom Piz dals Lejs) Richtung Berninapass. Liess ich bleiben, weil ich leider die Schwierigkeiten vorher nicht abgeklärt hatte und mir die Karte (Höhenlinienbild) nicht 100%ig jeden Zweifel beseitigte.
3. Von der Lücke (zw. Piz Minor und Piz dals Lejs) nach Süden, dann nach SW, in den Einschnitt bzw. ein wenig östlich davon hinabsteigen. Hier kommt für etwa 100 Hm (so zwischen 2550 und 2450 m) eine steile Grasflanke, und das war auch der schwierigste Teil der gesamten Tour; einzig deswegen gab ich ein T4+.

Unten im Tal (Val Minor) angekommen, wählte ich den kürzesten Weg (beim Lej Minor vorbei) zum Bernina Hospiz, auf normalen Wanderwegen. Dort war der Endpunkt der erlebnisreichen Tour. Da gibts gleich zwei ÖV-Möglichkeiten Richtung Engadin/Chur: Bahn oder Postauto.


Hike partners: LorenzZH


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