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Von der Mindelheimer Hütte zur Rappenseehütte


Published by schimi , 15 August 2011, 14h27.

Region: World » Austria » Nördliche Ostalpen » Allgäuer Alpen
Date of the hike: 2 August 2011
Hiking grading: T3+ - Difficult Mountain hike
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Time: 5:45
Height gain: 600 m 1968 ft.
Height loss: 600 m 1968 ft.

Am Morgen nach dem Frühstück vor der Hütte brechen wir mit unzähligen anderen Wanderern auf zur Rappenseehütte. Unser Rother Wanderführer, sonst eigentlich ein mustergültiges Büchlein stimmt uns auf eine "blaue" das bedeutet bei Rother "leichte" Tour von dreieinhalb Stunden ein.

Der Wegweiser an der Hütte prahlt da schon mit fünf Stunden. Was soll man da sagen? Ist der Autor den Rother verpflichtet hat ein Flitzer oder gar ein Stubenhocker, der nie hier war? Auf alle Fälle gehen wir mit vollen Flaschen und Zuversicht auf die "leichte" Tour zumal die Sonne schon ordentlich lacht (sie weiß wohl mehr als wir).

Der Abstieg von der Hütte in das hinterste Talende ist nicht schwer, da der Weg trocken ist. Bei Nässe gäbe es im unteren Bereich sicher schon ordentlich was zum Rutschen. Der Haldenwanger Bach markiert die tiefste Stelle unseres Weges und nach einer Linkskurve steigt der Weg auch schon wieder an – sehr vielversprechend schnurstracks auf eine Felswand zu. Hierdurch muss der Weg zum Schrofenpass irgendwie hinaufgehen. Und er tut es auch!

Anfangs noch mit einer schwierigeren Stelle aber dann blitzsauber ausgebaut, mit nagelneuen sauberen Stahlseilen zum Festhalten und Brücken oder Tritten. Hier kann sich jeder unsichere Wanderer wohlfühlen. Oben am Pass angelangt, genießen wir den Blick zurück durch diese steile Wand, der doch sehr einfach zu begehen war.

Hinterm Schrofenpass geht es auf immer gleicher Höhe eine ganze weile weiter in Richtung Biberkopf. Das Gelände ist hübsch anzuschauen und der Weg ist vielfältig. Ein bisschen hoch und etwas hinab, so geht es immer fort. Die vielen Baumwurzeln machen das Ganze aber doch etwas anstrengender als man so glauben mag. Nach der 30-sten Wurzel denkt man dann schon mal es reicht jetzt eigentlich mit der Turnerei.

Mit dem Aufstieg zur Schlosswand hat es dann aber auch ein Ende mit der Wurzelsteigerei und die Nordflanke des Biberkopfes kann man wirklich leicht durchwandern. An der tiefsten Stelle des Weges dort liegt auch die obere Biberalp, bei der es Milch, Kaffe und andere Getränke gibt. Dies nutzen wir gerne für eine kleine Pause im Schatten eines Sonnenschirms.

Die Pause war zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige. Denn was dann folgt, war dann schon wirklich keine blaue oder leichte Tour mehr. Eindrucksvoll geht der Weg auf die Rappenköpfe zu, ein sehr steiler Graßberg, der auf der uns zugewandten Seite schon gewaltig erodiert ist. Ganze Bereiche des Berges sind hier einfach weggebrochen und das schwarze Schiefergestein steht in eindrucksvollem Kontrast zu den sattgrünen Wiesen, die den intakten Teil des Berges noch überziehen.

Direkt davor geht der Weg nun hinab in den Mutzentobel, der für dieses Erosionsdesaster verantwortlich ist. Der Weg hinunter ist Nass, aber zum Glück mit einem Seil versichert. Den Bach überqueren wir ohne Schwierigkeiten. Auf der anderen Seite ist der "Weg" aber nur ein äußerst schmales feinsandiges, schiefes und hinwegerodierendes Steiglein von der Breite meines halben Hinterteils (hier zu allem auch mal ohne Seilsicherung, denn in dem Sand/Erdgemenge kann man schlecht eine Verankerung setzen). Ich will nicht wissen, wie dieses Steiglein nach dem nächsten Gewitter noch begangen werden kann. Auch der trittsichere Wanderer muss sich hier konzentrieren und Schritt für Schritt setzen, damit er nicht baden geht.

Im Nachhinein betrachtet war da der Widderstein von Gestern eine Eingehtour. Nun gut; die paar Meter schaffen wir schon auch, und mit jedem Meter weiter, wird der Weg auch wieder besser. Und dann kommen auch schon die eigentlich notwendigen Sicherungsseile, die wir hier eigentlich schon nicht mehr brauchen. Das Kuhgatter 50 Meter weiter markiert dann auch das Ende der schwierigen Stelle.

Die weitere Strecke ist geprägt von der Almwirtschaft (höflich ausgedrückt). Die Rindviecher und der Regen der letzten Woche haben die folgende Wegstrecke auf ruinöse Weise beansprucht. Wir haben zu tun über den Sumpf hinwegzukommen, oder besser gesagt hindurch. Aber auch dieses hat ein Ende.

Am Ende hält der Weg zur Rappenseehütte noch einen satten Schlussanstieg für uns bereit. Nicht ohne dass die Sonne wieder lacht; und das ganze ohne Schatten weit und breit. Um die Hitze an diesem Steilhang zu überstehen, gehen wir in uns, und lassen die Beine wie in Trance von alleine marschieren. So bekommen wir die letzte halbe Stunde auch noch hin.

Die Hütte übrigens sieht man erst, wenn man fast schon den Apfelstrudel riechen kann. Von unten kommend liegt sie hinter einem Hügel und versteckt sich dort erfolgreich bis ganz zum Schluss. Mit seinen 342 Schlafplätzen ist die Rappenseehütte ein Hüttengigant (gibt es überhaupt noch eine Größere?). Aber alles ist bestens organisiert. Das Personal ist freundlich, das Essen ist gut, Die Aufteilung der Schlafplätze ist sehr gut gelöst. Es gibt Terassen vor und hinter dem Haus. Man merkt gar nicht, dass die Hütte sooo groß ist.

Wir kommen sicher und gerne wieder!

Hike partners: schimi


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