Hinter- und Vorder Geissbützistock (2720 m, 2662 m) von Tierfed


Published by morphine , 7 August 2011, 14h55.

Region: World » Switzerland » Glarus
Date of the hike: 1 August 2011
Hiking grading: T3 - Difficult Mountain hike
Mountaineering grading: F
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GL   Claridengruppe 
Time: 10:00
Height gain: 2000 m 6560 ft.
Height loss: 2000 m 6560 ft.
Route:Tierfed-Vordersand-Hintersand-Ochsenplanggen-Beggenen-Claridenfirn-Hinter Geissbützistock-Vorder Geissbützistock
Maps:1193 Tödi

Planungen:

Inspiriert von Deltas Bericht aus dem Jahr 2006 und eigenen Besuchen der Gegend hatte ich den Geissbützistock schon längere Zeit als Tagestour von Tierfed aus geplant. Die vorgeschobene Position über Ober Sand und direkt gegenüber dem Tödi sowie die Nähe der mächtigen Eisbrüche des Claridenfirns waren einfach zu verlockend.

Die Idee war, möglichst lange auf dem Gipfel zu verweilen, um die Landschaft dort oben bei Sonnenuntergang erleben zu können. Dann Abstieg nach Hinter Sand im letzten Restlicht des Tages und von dort im Dunkeln auf dem Alpsträßchen zurück nach Tierfed.


Realität:

Um´s vorweg zu nehmen, alles hat soweit geklappt wie geplant, nur mit der Sonnenuntergangsstimmung am Gipfel ist es nichts geworden. Wir befinden uns schließlich im Sommer 2011. Ich hatte mich verschätzt. Der nachfolgende Tag wäre wolkentechnisch deutlich besser gewesen.  Dafür wurde ich mit fast schon gespenstischer Nebelstimmung belohnt . Immer wieder riss es kurz auf.  War also gar nicht mal so schlecht.


Der Anstieg:

Wie tags zuvor siehe  *Alp Baumgarten 1.590 m, Rundtour von Tierfed am Fuß des Tödi" rel="nofollow">http://*Alp Baumgarten 1.590 m, Rundtour von Tierfed am Fuß des Tödi auf dem Alpsträßchen von Tierfed zur Pantenbrücke. Danach unter den teilweise wild zerfurchten bis zu 1500 m hohen Wandfluchten des Vorder-, Mittler- und Hinter Selbsanft hindurch bis nach Hinter Sand. Als Gegenpol zum Selbsanftmassiv steht auf der anderen Talseite der ebenfalls eindrucksvoll Zuetribistock, so dass das Tal von Sand hier wie ein fast schon erdrückender Canyon wirkt. Die Fortsetzung der Wandfluchten über Tentiwang bis zum Bifertenstock verstärkt diese Wirkung noch.

Vom Talboden zwischen Vorder- und Hinter Sand ergeben sich schöne Ausblicke zur Fridolinshütte (mit Zoom) sowie zu den für diese Gegend charakteristischen Eiskappen der höchsten Gipfel (Bifertenstock, Piz Urlaun und Tödi).

Nach Hinter Sand geht es über schmalen Bergweg durch die Steilstufe der Ochsenplanggen hinauf in das Hochtal von Ober Sand. Der erste Teil verläuft teilweise im Zick Zack durch schöne Bergwiesen. Der zweite Teil des Wegs verschwindet dann in einem wahren Dschungel aus baumartigem Erlengebüsch. Dazu die dicke heiße Luft und der Schweiß fließt in Strömen. Die Trasse bleibt dabei immer südlich des Oberstafelbachs. Erst kurz vor dem Ende dieses Steilstücks wechselt er auf die nördliche Seite. Man erreicht das Hochtal kurz vor den Hütten von Ober Sand.

Das Landschaftsbild hier oben hat sich im Vergleich zur Talstufe eine Etage tiefer deutlich verändert. Links der Tödi im ungewohnten Schmalprofil des Sandgipfels. Rechts dominiert der Spitzalpelistock mit den Eisbrüchen des Claridenfirns. Weiter hinten der plateauartige Spitzalpelifirn, der, für sich betrachtet, an norwegische oder isländische Landschaftsbilder erinnert. In dieser prächtigen Gegend mache ich eine erste längere Pause.

Danach geht es weiter rechts den Hang hinauf über Beggenen in Richtung Beggilücke. Im unteren Teil ist der Weg mit Seilen und Stahlbügeln gesichert. Weiter oben wirds deutlich einfacher. Die Trasse führt unter den bunten Felsen des Beggistocks hoch zur Lücke.

Kurz vor der Lücke hab´ ich abgekürzt und bin über wegloses aber einfaches Gelände südlich an P. 2587 m vorbei weiter gestiegen. Im weiteren Verlauf ging es kurz durch eine Mulde und zum Schluss über loses kiesiges Geröll in die namenlose Lücke, die den Übergang zum Gletschervorfeld des Claridenfirns bildet.

Auf der anderen Seite der Lücke hat sich bereits ein ansehnlicher See aus Schmelzwasser gebildet. Westlich davon sieht man das Gletscherende des Claridenfirns. Ich erreichte das Gletscherende über Geröll leicht absteigend und dann westlich am See entlang.

Der Claridenfirn läuft hier flach aus und ist einfach zu betreten. Nun sieht man in südwestlicher Richtung den platten von hier aus wenig spektakulären Gipfel des Hinter Geissbützistocks. Entgegen den Angaben in meiner alten Landeskarte reicht der Gletscher schon längst nicht mehr bis auf den Gipfel. Das Eis endet ein ganzes Stück weiter unterhalb des höchsten Punktes.

Ich steuerte auf dem Gletscher auf die am weitesten nach unten reichenden Felsen zu und bin dann nicht direkt Richtung Gipfel, sondern eher westlich haltend, über einfach zu begehende terassenartig ansteigende Felsen aufgestiegen. Nach den Felsen ging es zum Schluss über feinen Schutt auf den Gipfel.


Auf den Gipfeln:

Mittlerweile ist alles eingenebelt. Doch der Vorhang öffnet sich immer wieder und gibt den Blick zumindest auf das nahe Eis des Claridenfirns ein wenig frei. Auch die Wolkenbilder selbst wirken recht spektakulär. Vom Tödi ist hingegen leider nicht viel bis gar nichts zu sehen.

Beim Übergang auf den Vorder Geissbützistock geht es wie auf einem breiten Hochplateau über fein erodierte Steinplättchen fast schon gemütlich leicht bergab. Das vor den Wänden des Bifertenstocks winzig wirkende Gipfelchen ist schon von weitem auszumachen. Kurz vor dem Erreichen geht es jedoch überraschender Weise nochmals über steilen Schutt und Felsen hinab und auf der anderen Seite über leichtes Blockwerk und Felsen wieder hinauf. Besonderheit: Hier hab` ich rosafarbene Felsen vorgefunden.

Der Vorder Geissbützistock gewährte trotz des Nebels schöne Tiefblicke nach Ober Sand.


Der Abstieg:

Später -wieder auf dem Hinter Geissbützistock- schrieb ich den Sonnenuntergang endgülitg ab und machte mich gegen 19.00 Uhr wieder an den Abstieg. Es ergaben sich noch schöne Stimmungen auf dem Gletscher. Irgendwo zwischen dem Tüfelsstock und dem Speichstock gibt es ein Felsloch, durch das die tiefstehende Sonne -wenn es aufriss- ihr Strahlen schickte. So gebündelt wurden diese wie ein Lichtspot auf den Gletscher fortgeführt.

Nach nicht enden wollendem Abstieg erreichte ich bei Einbruch der Dunkelheit wieder Hinter Sand. Dann über das ebenfalls sich hinziehende Alpsträßchen mit Stirnlampe unter  Beleitung von Feiertagsfeuerwerk (von der Fridolinshütte) zurück nach Tierfed. Ankunft um 23.30 Uhr.

Insgesamt hat meine Tour -natürlich mit langem Gipfelhock- über 14 Stunden gedauert.


Fazit:

Neben den schon beschriebenen landschaftlichen Eindrücken fiel mir auf dieser Tour eine andere glarner Spezialität besonders auf. Die auffällige Geologie in Form von vielfarbigem Gestein. Die Farbpalette reichte vom typischen Grau über alle möglichen Brauntöne. Rötliches Gestein bis hin zu orange und rosa habe ich auch gesehen. Ich interessiere mich zwar nicht für Geologie und verstehe daher nichts davon, aber imponiert hat´s mir trotzdem.

Auf dem aperen Gletscher habe ich keine Spalten vorgefunden. Da der Gletscher recht flach ist, war eine Begehung ohne Steigeisen problemos möglich. Auch die Felspassagen an den beiden Geissbützistöcken sind einfach. Trotzdem habe ich wegen dem Eis und den Felsen eine Bewertung als Hochtour (L) abgegeben. Ansonsten reine Wanderung im T1 (Alpsträßchen) bis T3 Bereich.

Wegen den 2000 Höhenmetern von Tierfed ist die Tour natürlich sehr lang und  anstrengend. Der Aufstieg von Tierfed bzw. vom Fisetenpass zur Claridenhütte mit Übernachtung ist eine gute Alternative. Dann kann man am nächsten Tag auch noch den Beggistock, Zuetribistock und den etwas schwierigern (WS) Gemsistock angehen und so quasi alle Aussichtsbalkone über dem Tal von Sand besuchen.

Hike partners: morphine


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