Alptaler-Rundtour inklusive Mythen-Triologie


Published by Tobi , 11 May 2011, 22h40.

Region: World » Switzerland » Schwyz
Date of the hike:10 May 2011
Hiking grading: T6 - Difficult High-level Alpine hike
Climbing grading: III (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-SZ   Alptaler Berge   Mythengruppe 
Time: 15:00
Height gain: 3220 m 10562 ft.
Height loss: 3220 m 10562 ft.
Route:40.1km

Beim Kartenstudium ist mir schon vor einiger Zeit die formschöne Runde um das Alptal aufgefallen. Von Einsiedeln her zieht westlich ein hügliger Grat Richtung Haggenegg, geht in das felsige Dreiergespann der Mythen über und führt wiederum sanft coupiert  östlich des Alptals zurück nach Einsiedeln. Bei diesem Anblick ist die Idee der Alptaler-Rundtour geboren.

Kurz vor fünf Uhr stelle ich das Auto auf dem Parkplatz Birchlistrasse beim Friedhof östlich von Einsiedeln ab. Nach dem Füttern der Parkuhr marschiere ich los Richtung Bahnhof. Der erste Zug wird hier erst etwa in einer Stunde eintreffen, von Luzern her sogar nochmals eine Stunde später, deshalb die nicht bevorzugte Anreise mit dem PW.

In der fortschreitenden Dämmerung zieht es mich auf dem Wanderweg hoch zum Chatzenstrick (1053m). Diesem Pass verdanken wir Luzerner den Übernamen „Chatzenstrecker“, da früher die Luzerner Pilger über ebendiesen Übergang zum Kloster pilgerten. Nun beginnt die eigentliche Gratwanderung nach Süden, die mich via Oberegg (1085m) zur Chrüzweid (1194.6m) führt. Hier darf ich wieder einmal mehr das traumhafte Schauspiel eines tiefroten Sonnenaufgangs erleben. Dies entschädigt allemal für das frühe Aufstehen und die stündige Anfahrt mit dem Auto.

Der Wanderweg verläuft weiter ziemlich direkt auf dem Grat, zum Teil durch schöne Waldalleen. Nach kurzen Begegnungen mit zwei Rehen bringt mich der Schlussanstieg zum Nüsselstock (1479m) ordentlich ins Schwitzen. Hier erblicke erstmals die Mythen in ihrer ganzen Grösse. Die Überschreitung dieser Zacken wird wohl das Highlight des heutigen Tages werden. Dieser Anblick zieht mich förmlich in den Bann und lässt die Beine schneller laufen. Dies ist auch nötig, denn gemäss den Marschzeiten auf den Wegweisern würde ich meinen heutigen Tourenpartner auf der Haggenegg fast eine Stunde auf mich warten lassen.

Eiligen Schrittes ziehe ich weiter über die nächsten Erhebungen Höch Tändli (1523m), Näbikenfirst (1566m) und Grossbrechenstock (1559m) zur Haggenegg (1414m). Hier treffe ich ein paar Minuten früher als vereinbart auf ossi, der mich heute dankenderweise über die mir unbekannten Mythen-Gipfel führen wird.

Nach einer kleinen Stärkung brechen wir um 9 Uhr auf. Die ausführliche Beschreibung der gewählten Routen und ihren Schwierigkeiten überlasse ich meinem Tourenpartner, er muss schliesslich auch was zu schreiben haben. Für den Aufstieg auf den Haggenspitz (1761m) wählen wir den berühmt berüchtigten Müller-Kamin, wegen der Ausgesetztheit eine sowohl physisch wie auch psychisch herausfordernde Kletterstelle. Zu allem Übel schränken der enge Spalt und der grosse Rucksack die Bewegungsfreiheit arg ein.

Nach dem ersten richtigen Gipfelerfolg folgt der Abstieg ins Griggeli und der Gegenaufstieg zum Kleiner Mythen (1811m), bei dem wir wiederum die Variante durch das Kamin wählen. Der Abstieg nach Süden führt uns über den südlichen Vorgipfel hinunter zum Kreuz bei Pt 1438.

Hier verlassen wir wieder die Wege und queren auf schwachen Pfadspuren östlich unter den Felszacken zum Einstieg in die Chrüzplangg. Diese legföhrenbewehrte Steilgras-Flanke präsentiert sich zurzeit wegen der anhaltenden Trockenheit in besten Verhältnissen. Die Wegfindung ist alles andere als trivial, nur mit viel Fantasie und etwas „Gschpüri“ lassen sich knapp Trittspuren erahnen, wobei es sich dabei eher um Wildwechsel statt menschlichen Spuren handeln dürfte. Neben der Steilheit und Ausgesetztheit kämpfen wir auch mit den Legföhren. Der Rucksack bleibt immer wieder hängen und muss mit einigem Kraftaufwand befreit werden. Doch der positive Aspekt durch diese Rückhalteeinrichtung ist die etwas gemilderte Gefahr eines Absturzes. Allerdings wird es mit der Zeit doch etwas mühsam, da sich inzwischen ein gefühlter Ster Bruchholz zwischen Rücken und Rucksack angesammelt hat. Dazu kommen noch ein paar Duzend Nadeln in den Kleidern und ein Kilo Legföhren- Blütenstaub, auf den übrigens gewisse Legföhren-Fetischisten allergisch reagieren sollen. Doch die eigentliche Schlüsselstelle bildet eine Felsplatte welche wir durch einen eleganten Sprung (ca. 2m) und anschliessende Risskletterei überwinden. Danach wird das Gelände einfach und wir stossen auf den Schafweg, auf welchem wir kurze Zeit später den Gipfel des Grossen Mythen (1898.0m) erreichen.

Nach einer ausgiebigen Stärkung – die Älpler-Rösti ist wirklich empfehlenswert – steigen wir auf dem Normalweg ab zur Holzegg (1405m). Hier trennen sich kurz nach 15 Uhr unsere Wege. Während ossi zu seinem neuen Auto (das ossimobil hat leider das Zeitliche gesegnet) zurückwandert, beginnt für mich ich der dritte und letzte Abschnitt meiner Rundtour. Während zumindest bei den Aufstiegshöhenmetern tatsächlich zwei Drittel hinter mir liegen, habe ich aber bezüglich Strecke und Abstieg erst die Hälfte der Rundtour gemeistert.

Über die Stäglerenegg (1463m) wandere ich hoch zur Rotenflue (1571m), dem südlichsten Punkt meiner heutigen Tour. Ohne Halt wieder hinunter zur Müsliegg (1427m) zum nächsten Aufstieg: weglos der Gemeindegrenze entlang zum Brünnelistock (1594m). Der Wanderweg schlängelt sich in einem steten Auf und Ab weiter dem Grat entlang zum Furggelenstock (1656m). Sumpfdotterblumen und Schlüsselblumen sorgen auf dem Weg zur Butziflue für farbliche Abwechslung. Ich nehme mir Zeit für einen kurzen Abstecher zum höchsten Punkt des Gschwändstock (1616m) und dem Triangulationsstein auf der Butziflue (1601.4). Auch die nächsten beiden Erhebungen Chopf (1559m) und Gämschspitz (1518m) werden weglos stur dem Grat entlang erobert.

Auf dem Amselspitz (1491m) geniesse ich nochmals eine kurze Pause und den Rückblick auf die zuvor erklommenen Mythen-Gipfel. Der folgende Abstieg bringe ich zügig hinter mich, ebenso die Überschreitung des Chli Amslen (1398.9m). Erst beim anschliessenden Marsch auf der Asphaltstrasse, beginne ich meine Füsse zu spüren. Ich bin froh, als ich kurz vor der Brüschegg auf den einer Finnenbahn gleichenden Wanderweg abbiegen kann. Auch der folgende Pfad von der Chälen über den Friherrenberg ist sehr schön angelegt. Zum Abschluss besteige ich noch den höchsten Punkt des Friherrenberg (1113m) bei den beiden Skiliftstationen. Nach dem in weiten Kurven ausholenden letzten Abstieg über die Bergmatten stehe ich nach fünfzehn Stunden kurz vor acht Uhr wieder beim Auto.


Fazit: Eine lange und nicht ganz homogene Rundtour. Die Mythenüberschreitung stellt zwar das absolute Highlight dar, passt aber so gar nicht zum ansonsten sanften und hügligen Rest der Runde. Ohne diese Überschreitung könnte man diese Tour gut im Spätherbst oder frühen Frühling als Konditionstour machen, falls weiter oben noch zu viel Schnee fürs Alpinwandern liegt.

Hike partners: Tobi


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Comments (8)


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Henrik says: Hey, ihr zwei habt wieder
Sent 11 May 2011, 22h55
History vollbracht und damit

> gefühlter Ster Bruchholz zwischen Rücken und Rucksack angesammelt

auch das Instrument der Bewegung gefordert!

Prächtige Tour - Bravo.

Bombo says:
Sent 11 May 2011, 22h59
Einmal mehr Gratulation zu einer weiteren Meisterleistung Deinerseits. Ich staune immer wieder, was für konditionelle Leistungen Du vollbringst - grosser Respekt!

Gruess
Bombo

MaeNi says: Gratulation!!
Sent 12 May 2011, 08h36
Grandiose Leistung - Hut ab!

Gruäss und gute Touren!
M&N

Zaza says:
Sent 12 May 2011, 11h57
Toll gemacht und schön dokumentiert!

T6 und Gewaltsmarsch lassen sich also wirklich kombinieren...da bleibt uns nur zu hoffen, dass der fürs kommende WE angkündigte Neuschnee bald wieder weg sein wird ;-)

LG, zaza


Tobi says: RE:
Sent 12 May 2011, 21h43
Naja, es war ja nicht wirklich ein T6-Gewaltsmarsch. Eher das Aneinanderhängen einer Einlauftour, eines T6-Abenteuers und einer längere Auslauftour. Aber es war sicher ein gutes Training für geplante Taten, sodenn das Wetter und die Verhältnisse mitspielen...

Bis dann mal, Gruss Tobi

Lone Ranger says: Splendid!
Sent 12 May 2011, 12h28
Another beautiful (but insane) epic :-)

BTW I plan to do the Mythen trilogie next weekend, email me in case someone wants to join

Zaza says: RE:Splendid!
Sent 12 May 2011, 13h47
basically I'd be interested, but I fear next weekend will be impossible due to inclement weather.

Tobi says: Vielen Dank...
Sent 12 May 2011, 21h39
für all eure Gratulationen und lobenden Worte! Der Muskelkater hielt sich diesmal in Grenzen, die nächsten Projekte warten schon... ;-)

Gruss Tobi


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