Tomlishorn SW-Grat - Widderfeld
Mit dem Alpinbus reise ich von Alpnach Dorf zur Alp Lütholdsmatt. Ein perfektes Angebot um die langgezogene und nicht sehr interessante Strecke zum Ausgangspunkt meiner heutigen Wanderung zu verkürzen und auch gleich noch über 700 Höhenmeter einzusparen. Mit dem Auto könnte man noch etwas weiter hoch fahren und so verlaufen die ersten 15 Minuten noch entlang der wenig befahrenen Alpstrasse. Dann biege ich auf den Bergwanderweg und bin fortan bis zum Gipfel des Tomlishorns alleine unterwegs. Anfänglich ist es ziemlich sumpfig und ich muss aufpassen, meine Bergschuhe nicht gleich komplett zu versenken. Bald führt der Weg in den Sagenwald und der Wegzustand bessert sich. Auf einem schönen Pfad wandere ich nun mehr oder weniger nahe dem Schybach entlang. Ein kurzes Zwischenstück durch einen baumlosen Hang bietet etwas Aussicht ehe der Weg wieder in den kühlen Wald eintaucht. Im Bereich der Alp Birchboden haben die grossen Regenmengen der letzten Tage und die Kühe den Weg in eine schlammige, tief zertrampelte Ebene verwandelt. Dann folgt eine kurze, steile Querung ehe ich auf die Alpstrasse zur Alp Tumli treffe und auf dieser bequem zur Alp gelange. Der felsige Südwestgrat präsentiert sich wunderbar und so freue ich mich auf das baldige Kraxeln. Auch das einsame Bänkli nach der ersten Kletterpassage sieht man schon von Weitem.
Ich passiere das zweite Alpgebäude rechterhand und steige zum Beginn des Grates hoch. Hier tausche ich meinen Sonnenhut gegen den Kletterhelm und prüfe noch einmal, dass alles fest am Rucksack verankert ist. Nun heisst es die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen und los geht's. Die erste Steilpassage führt zum vorher erwähnten Bänkli. Auf den obersten paar Metern hilft sogar ein Stahlseil hoch. Dies ist jedoch das einzige Hilfsmittel auf dem ganzen Grat. Nun folgen mehrere Kletterpassagen, die sich wieder mit kurzem Gehgelände abwechseln. Dadurch wirkt das Gelände auch nirgends sehr exponiert, aber den zweiten Grad sollte man schon sehr sicher beherrschen, sonst wird man sich nicht wohl fühlen. Mit der entsprechenden Erfahrung ist es jedoch Genusskraxeln pur. Es folgt eine sehr griffarme plattige Stelle. Beim Einstieg erwische ich nicht die optimale Route und gelange wenig elegant über die ersten Meter hoch. Dann halte ich mich ganz nahe an der Gratkante, wo sich gute Griffe finden lassen. Hier braucht es volles Vertrauen in die Reibung der Bergschuhe. Diese Stelle kratzt meines Erachtens am unteren dritten Grad. Bald darauf erreiche ich das Wändchen mit dem Wandbuch. Den nächsten Abschnitt würde ich als Schlüsselstelle des Grats bezeichnen, denn bis hierhin war der Fels bombenfest. Dies ändert sich hier und jeder Griff und Tritt muss sorgfältig geprüft werden. Nicht alles was stabil aussieht, hält auch wirklich. Ausgerechnet hier versteige ich mich und halte mich links bis ich über die senkrecht abfallende Wand runterschauen kann. Nein, da geht's für mich nicht weiter, also behutsam etwas abklettern und rechts über eine kurze Stufe hoch, wo im Anschluss das Gelände wieder etwas einfacher wird.
Etwa in der Hälfte des Grates befindet sich ein tiefer Einschnitt. Ab hier sind die klettertechnischen Schwierigkeiten überwunden. Der zweite Teil des Grates bietet steiles Gras und Schrofengelände bis ich kurz unterhalb des Gipfels auf den ausgeschilderten Bergwanderweg treffe. Hier lege ich meinen Helm ab und mische mich unter die zahlreichen Wanderer und Touristen aus aller Welt, die sich hier teilweise mit Sneakers über die wenigen Kehren hoch zum Gipfelplateau abmühen. Auf dem Gipfel verweile ich nur kurz, denn hier ist mir viel zu viel Betrieb. Stattdessen suche ich mir ein ruhigeres Plätzchen etwas abseits. Anschliessend folge ich dem aussichtsreichen Gratweg zur eindrücklichen Ostwand des Widderfelds. Auf diesem Abschnitt sind deutlich weniger Wanderer unterwegs als rund um das Tomlishorn. Der Weg führt nämlich durch die steile Flanke und ist entsprechend auch etwas anspruchsvoller (T3) als der Felsenweg vom Pilatus.
Die Ostwand vom Widderfeld ist ziemlich eindrücklich. Ein paar Kletterer nehmen den direkten Aufstieg über eine Rinne hoch. Sieht gut machbar aus, aber seilfrei ist dies eine Nummer zu hoch für mich. Beim Punkt 1995 verlasse ich den Wanderweg, der nun nordseitig weiterführt. Deutliche Wegspuren führen mich direkt unterhalb der Ostwand entlang, wobei "unterhalb" wörtlich zu nehmen ist, denn ab und zu muss ich den Kopf einziehen, um nicht anzustossen. Der Pfad führt nun zu einer natürlichen, sehr spektakulär wirkenden Felsbrücke. Wie lange dieses Konstrukt wohl noch hält? Die Überquerung ist nicht schwierig. Bald darauf sehe ich den Eingang zum Stollenloch. Bis dorthin gilt es noch zwei weitere Felsbrücken zu überqueren, wobei der Weg nach unten auf sehr fein gemahlenem Gestein, fast schon sandigem Untergrund verläuft und aufgrund der Steilheit unangenehm rutschig ist (T4+). In diesem kurzen Abschnitt leisten mir meine Wanderstöcke hilfreiche Dienste. Durch das Stollenloch gelange ich auf die andere Seite der Felswand. Dieser Durchstieg ist so kurz, dass genügend natürliches Licht vorhanden ist und die mitgebrachte Stirnlampe im Rucksack bleibt. Anschliessend führen orange Markierungen in der Südwand über die sogenannte Himmelsleiter zum Normalweg auf den Widderfeld. Dieser Abschnitt ist ordentlich steil, aber wenig exponiert und die Hände kommen auch nur an einer Stelle zum Einsatz. Auf dem Gipfel des Widderfelds ist deutlich weniger los und so geniesse ich die herrliche Aussicht und das Panorama über die Zentralschweiz.
Für den Abstieg bleibe ich zunächst auf dem Grat und verlassen diesen dann, dem weiss-rot-weiss markierten Weg folgend Richtung Eigenthal. Der Weg ist teilweise recht steil und an einigen Stellen sehr botanisch - dass heisst: überwuchert. Nach ungefähr 80 Minuten sind die Höhenmeter vernichtet und ich erreiche den Talweg und folge der Strasse bis ins Eigenthal, von wo es regelmässige Postautokurse nach Luzern gibt.
Für den Abstieg bleibe ich zunächst auf dem Grat und verlassen diesen dann, dem weiss-rot-weiss markierten Weg folgend Richtung Eigenthal. Der Weg ist teilweise recht steil und an einigen Stellen sehr botanisch - dass heisst: überwuchert. Nach ungefähr 80 Minuten sind die Höhenmeter vernichtet und ich erreiche den Talweg und folge der Strasse bis ins Eigenthal, von wo es regelmässige Postautokurse nach Luzern gibt.
Hike partners:
Corrli
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