"Marmitte dei Giganti" und andere eiszeitliche Spuren bei Chiavenna


Published by Schubi , 22 June 2022, 11h42.

Region: World » Italy » Lombardy
Date of the hike:29 May 2022
Hiking grading: T2 - Mountain hike
Waypoints:
Height gain: 170 m 558 ft.
Height loss: 170 m 558 ft.
Route:3 km
Access to start point:Parkplatz am Friedhof (Cimitero comunale) von Chiavenna
Access to end point:s.o.

Während unseres neulichen Kurzurlaubs in Chiavenna wollten wir nach *dieser Tour noch was Kleineres machen und so besuchten wir am Abreisetag die "Marmitte dei Giganti". Dieser Begriff, der das Phänomen der Gletschertöpfe beschreibt, wird auch als Bezeichnung für ein  Naturreservat östlich von Chiavenna verwendet. Überhaupt gibt es dort einige geomorphologische Spuren zu sehen, die sich aus der Gletschertätigkeit während der letzten Eiszeit ergeben haben.

Als Soundtrack für den Bericht und für Orte wie diesen empfehlen wir "Down In A Hole" von der famosen Audrey Auld Mezera.


Vor und während unseres Besuchs fiel Regen, so dass wir die Stecken mitnahmen (was sich alls sinnvoll für die felsig-rutschigen Pfaden herausstellte, bei Nässe vllt. T3). Start am Friedhof von Chiavenna am östlichen Rand der Altstadt. Der Park "Marmitte dei Giganti" ist auch auf Wegweisern überall in der Stadt ausgeschildert. Direkt hinter dem Friedhof geht nun es in eine schönen Laubwald hinein, der bald von rundgeschliffenen Felsen aller Form und Größe durchsetzt ist. Hier finden wir ein schön angelegtes Netz aus Pfaden, die durchwegs rustikal, auch über viele in den Fels geschlagenen Treppen durch diesen recht märchenhaft wirkenden Wald verlaufen. Die im Park vorhandenen Gletscherphänomene (abgerundetes und geschrammtes Gestein, Erosions- und Traufenkanäle, Gletschermühlen) sind Spuren der Eiszeiten. Das abgerundete und glatte Aussehen des Gesteins entstand aus der Schleifwirkung, welche von der damaligen riesigen gleitenden Gletschermasse auf die Unterschicht ausgeübt wurde. Auf viele der Felsen führen auch Pfade herauf, einige davon sind eher recht versteckte Trittspuren. Auf jeden Fall sollte man in Jahreszeiten mit höher gewucherter Vegetation immer nach unauffälligen Abzweigungen schauen, die dann oft auf Fels-Plateaus herauf führen. Denn so hat man einige schöne Blicke über die Bäume hinweg auf die Stadt und das Val Bregaglia. Auf der Oberseite dieser Felsen zu entdecken sind Schleifspuren in Form von Rillen, die aus der Tätigkeit des hier zur letzen Eiszeit wirkenden Gletschers herrühren: er hat hier Felsblöcke über andere Felsen entlanggeschoben und sie dabei über die Zeit "eingeritzt". Auch interessant ist die grünliche Färbung einiger Felsen:

"Lithologisch besteht dieses Felssubstrat aus olviniten, metagabren, amfiboliten, die gemein als 'Grüne Steine von Chiavenna' bezeichnet werden. Sie weisen wegen den verschiedenen mineraleologischen Bindungen vor Ort verschiedene Härtegrade auf. Das weichere Gestein eignet sich für die Töpferei zur Herstellung von Töpfen (Topfstein oder Speckstein). Während Jahrhunderten wurde das Gestein hier gewonnen und hatte grossen Einfluss auf die lokale Wirtschaft." Quellen: hier und da.

Lustig also und sozusagen ein Wink der Naturgeschichte, dass es an diesem Ort nicht nur die Entstehung von Gletschertöpfen geht, sondern auch um die Herstellung von Kochtöpfen ;o) Ca. nach 2/3 unserer Rundwanderung treffen wir nun endlich auf einen der "Marmitte dei Giganti" Gletschertöpfe! Eindrücklich, wie der Gletscher hier über eine lange Zeit eine Hohlform geschaffen hat. Und zwar nach folgendem Wirkmechanismus:

"Während der warmen Jahreszeit (die gab es auch, abgemildert, während der Eiszeit) schmilzt die Oberschicht des Gletschers teilweise und daraus können dann  richtige Bäche entstehen. Wenn sie in eine Felsspalte fließen, stürzen sie hinab und nehmen Sand, Kies und Urgesteinstücke mit. In den Wirbeln des Sturzes werden sie zu richtigen Schleifsteinen und höhlen das weichere Gestein des Bodens tief aus. Dies passiert, weil die Gewässer und das Geschiebe beim Aufschlagen eine ungeheure Kraft ausüben. Sie können bis zu hundert Meter tief fallen (was der Dicke eines Talgletschers entspricht), somit tiefe Löcher mit konischen Formen aushöhlen und das Gestein abrunden, manchmal sogar kugelförmig werden lassen (daher “Gletscher-Mühlen”). Die zylindrischen oder schüselförmigen Formen, zusammen mit der beträchtlichen Grösse diesser Gebilde, haben zu der Bezeichnung "Marmitte dei Giganti" (marmitte = grosse Töpfe) geführt. Manchmal kann man rund geschliffenes Geröll noch auf den Böden der Gletschermühlen vorfinden." Quellen: hier und da.

Bestimmt gibt es im hiesigen Gebiet noch weitere dieser Gletschertöpfe zu entdecken. Wir jedoch wenden unsere Geh-Richtung zwischen Sasso del Drago und Passo Capiola wieder nach Westen, schliesslich müssen wir heute noch zurück nach Offenburg. Der Rückweg führt durchgehend bergab, aber nicht sehr steil. Aufgrund der vielen noch nassen Felstritte im Pfad sind uns die Stöcke sehr hilfreich.

Mit auf Tour: Amelie

Fazit: kurzweilige Runde mit spannenden Eindrücken zur hiesigen Geologie und Kulturgeschichte. Auch botanisch gesehen ist diese Ecke wohl erwähnenswert vielfältig (Infos dazu in den oben verlinkten Quellen).

Hike partners: Schubi


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