Im Schatten durch den Schratten, oder: East bound and down.


Published by Schubi , 5 October 2021, 14h02. Text and phots by the participants

Region: World » Switzerland » Bern » Simmental
Date of the hike: 9 September 2021
Hiking grading: T4+ - High-level Alpine hike
Climbing grading: II (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-BE 
Height gain: 770 m 2526 ft.
Height loss: 770 m 2526 ft.
Route:10,7 km
Access to start point:Wanderparkplatz nördlich vom Seebergsee
Access to end point:s.o.

Lustig ging's zu, mit dem Brückners Nik neulich in und um Zweisimmen. So auch auf unserer Tour zum Seehore, Fromattgrat und Seebergsee. Diese mussten wir recht frühmorgens beginnen, denn für den Nachmittag waren Niederschläge angesagt. Aber der Zeitplan ist gut aufgegangen, wir starteten in herrlicher Morgendämmerung und haben erst kurz vor Ende ein paar Tropfen abbekommen (eigentlich nur, weil ich in der Einkehr nicht auf's Dessert verzichtet habe ...). Auf der Rückfahrt lief im Auto East Bound And Down von Jerry Reed ... und wir sangen natürlich lauthals mit :-) Ein Song, der hervorragend zu Routenverlauf und Stimmung der Tour passt und also unsere Soundtrack-Empfehlung zum Hikr-Bericht ist.

Der Wecker klingelt um 4:30 und bald darauf schraubt uns Niks Wagen im Dunklen über diverse Strässlein hoch zum Wanderparkplatz Seeberg. Von da starten wir east bound auf markiertem Pfad über Weideflächen. Wir treffen auf eine Gruppe Haflinger, sie schauen uns verschlafen nach ... wobei: mit ihrer langen Mähne strahlen sie ja eh immer die Ruhe selbst aus. Irgendwann folgen wir dann nur noch Trittspuren und regelmässigen Fels-Markierungen (in verblichenem Orange), die uns bergan leiten. Einen möglichen Abstecher zum schönen Girehore links lassen wir aus, wir wollen auf jeden Fall noch vor dem Regen zurück sein. Die Nordwestflanke des Seehores nun komplett durch Karrenfelder herauf. Die Markierungen werden weniger, man kann aber auch gut den Trittspuren folgen oder steigt nach Sicht. Hier auch die ersten von heute mehreren Begegnungen mit Jung-Steinböcken. Was für eine Freude, ihnen beim Springen und Kraxeln zuzuschaun! Oder auch einfach nur, wie sie uns dabei beobachten, wie wir sie beobachten ... Kurz darauf sichten wir sogar Schneehühner. Ihr Gefieder ändert sich in Vorbereitung auf den Winter gerade von graubraun zu weiß. Farbwechsel auch in der Ferne: hinterm Berg im Osten geht in der Zwischenzeit die Sonne auf, wir erkennen es daran, dass die Nordwest-Landschaft hinter uns erst rosa, dann orange, dann gelb leuchtet. Wunderbar. Als wir auf den Nordostgrat gelangen, sehen wir nun endlich auch die ganze Pracht der Morgensonne, und wie sie zusammen mit Wolkenfeldern den Osten verzaubert. Am Gipfel des Seehore (2282 m) angelangt geniessen wir beim Vespern den Rundumblick. Dann weiter südöstlich oben auf dem Grat/Rücken mit wunderschönen Tiefblicken. Wir gelangen zu einer Scharte, die nach T6 ausschaut (und das auch ist). Der Plan ist, sie durch den rechts unterhalb liegenden Schutt-Kessel/Kar zu umgehen. Also Abstieg zu ihm durch die grasigen Schrofen. Wer Glück hat, entdeckt oben noch eine der Pfeil-Markierungen in verblichenem Orange. In der Nähe der Abbruchkante nun herab bis ca. 2160 m, dort ist ein Steinmann zu finden (siehe Foto), unter dem man die Stufe in das Kessel-Halbrund gut absteigen kann. Das Schutt- und Karrenfeld darin queren wir auf einer Höhe von ca. 2140 m in großer Geduld, Wegspuren sind zwar vorhanden, aber der Untergrund ist nicht gerade fußfreundlich. Man peile nun als Zwischenziel und für den Wiederaufstieg aus dem Kessel seine Südwestliche Wand an. Siehe auch das Foto mit der Licht-Schattengrenze, diesen wichtigen Ori-Hinweis haben wir aus Ursulas *Bericht, vielen Dank dafür! Den schattigen Weg durch den Kessel haben wir dann noch liebevoll mit ein paar frischen Steinmännern garniert.

Am Fuß der Wand angelangt kann man sich einen Durchstieg nach Wahl zurechtlegen, Markierungen haben wir keine mehr gesehen. So einige Rinnen und Bänder führen nach oben, wir entscheiden uns für eine spaßig-effiziente T4+/II Kombi. Auch hier Schrattenkalk, dessen Verwitterung uns eine super Auswahl an Griffen und Tritten bietet. Mit viel Schwung also im Schatten durch den Schratten herauf – und wir hätten noch lang so weiter kraxeln können, dermassen gefallen hat's uns. Oben kommen wir wieder in die Sonne und auch auf den Grasrücken von P. 2209. Als wir dabei die Horizontlinie erreichen, staunen wir über die aus dem Nachbartal rasch aufsteigenden Wolken. Die inzwischen kräftige Thermik schiebt sie zu uns herauf. Eine wunderbare Stimmung, vor allem da die Wolken scheinbar aus dem "Nichts" des tiefen Raums kommen, den die Abbruchkante unterhalb von uns aufmacht. Auch zahlreiche Schwalben nutzen die Thermik, und beeindrucken uns mit ihren schnellen Flugkünsten durch die ziehenden Wolkenfetzen. Erst die schöne Kraxelei, dann diese prächtigen Naturschauspiele: bester Laune ziehen wir nun durch leichtes Gras-Gehgelände an der Kante des Fromattgrats weiter. Über P. 2057 und dann bald wieder auf Kuh- und markierten Pfaden herab zur Alp Gubi und da rechts runter zum Bergasthof Stiereberg, wo wir uns die Bäuche ordentlich vollschlagen :o) In der warmen Septembersonne munden Speis und Trank hervorragend, die Bedienung ist herzlich-fröhlich, so wünscht man sich das.

Auf unseren dicken Bäuchen rollen wir anschliessend gemütlich auf dem Fahrweg weiter zum Seebergsee, parallel unterhalb unserer Route vom Morgen/Vormittag. Der See ist ein rechtes Kleinod und ein schöner Abschluss der Tour. Eine weglose Erkundung an seinem grasigen Südufer müssen wir jedoch bald abbrechen, denn jetzt fallen aus den zwischenzeitlich hereingezogenen dunklen Wolken die ersten Tropfen. Macht nix: die Regenjacken drüber und schnell runter zum nicht mehr weiten Wanderparkplatz. Im Auto dann leicht angefeuchtet aber bester Laune East Bound And Down (hier verlinkt noch eine andere Version) geschmettert und zurück nach Zweisimmen gegondelt.

Fazit: es war eine kurzweilige Tour mit allem, was unser Herz so erfreut: rustikale Kraxeleien, ferne Blicke, nette Tier-Begegnungen, gemütliche Einkehr und Wolkenspiel im Wetter. Während der Schubi diesmal nur sein Handy zum Knippsen dabei hatte, konnte der Nik zum Glück noch ein paar Zooms zum Bericht beisteuern. Die Kletter-Passage am Ende des Kessels lässt sich mit etwas Orientierung nach Belieben zusammenstellen: wir suchten uns einen schönen Durchstieg mit T4+/II, es ginge mit anderen Rinnen und Bändern aber auch ab T4/I.

Hike partners: Nik Brückner, Schubi


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Comments (6)


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Nyn says:
Sent 5 October 2021, 14h12
Hey, gz ihr 2 Schratten.
Schöner Bericht mit Leichtigkeit geschrieben zu ebenso schöner wie abwechslungsreicher Tour.

Griaßeich, Nyn

Schubi says: RE:
Sent 5 October 2021, 16h41
Danke dir für dein Lob!

georgb says:
Sent 5 October 2021, 17h44
Ich schließe mich dem Lob an und sage nur: Buford T. Justice, hätte ich fast vergessen ;-)

Schubi says: RE:
Sent 5 October 2021, 18h09
Merci Georg. Zum Glück ist uns Sheriff Buford T. Justice dort oben nicht begegnet ... sonst hätten wir noch eine Verfolgungsjagd mit ihm durch den Schratten hinzwiebeln müssen ;-)

Nyn says: RE:
Sent 5 October 2021, 18h24
Des Junior Sherrifs Mienenspiel ist auch eine Augenweide (Mike Henry: Henry „Junior“ Justice)

btw: Quentin Tarantino bediente sich hier recht schamlos für seine Kill Bill-Filme

Schubi says: RE:
Sent 5 October 2021, 20h51
Tarantino hat schon gewusst, wo Qualität produziert wurde. Und der Film zu unserem Soundtrack ("Smokey and the Bandit/Ein ausgekochtes Schlitzohr") ist in der Tat ein cineastisches, naja, Meisterstück ;-)


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