Durchs Schaftobel auf den GUGGERNELL (mit Video)


Published by berg.land , 14 September 2021, 22h05. Text and phots by the participants

Region: World » Switzerland » Grisons » Albulatal
Date of the hike: 5 September 2021
Hiking grading: T5 - Challenging High-level Alpine hike
Climbing grading: I (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: CH-GR 
Height gain: 1900 m 6232 ft.
Height loss: 1900 m 6232 ft.
Route:17 km
Access to start point:Mit Postauto nach Schmitten. Parkplätze beim Schulhaus und bei der Abfallsammelstelle.

Tourenvideo auf https://youtu.be/yL7rw7ho-1w

Obwohl er schon von weitem sichtbar hoch über dem Albulatal thront, ist der Guggernell wahrscheinlich der am seltensten bestiegene Gipfel in der Strelakette zwischen der Lenzerheide und Davos. Zumindest, wenn man das Fehlen jeglicher Wegspuren, die paar wenigen digtalen Spuren im Internet und den unauffälligen Steinmann ohne Gipfelbuch als Massstab nimmt.

Im SAC-Führer sind 3 Routen über den Südgrat und den Westgrat beschrieben, jeweils von Westen (Ramozhütte und Alp da la Creusch) her kommend. Auf hikr.org haben wir zum Guggernell gar nur eine einzige Beschreibung von Roald gefunden, über den Südgrat (siehe hier).

Wir kommen bei dieser Tour hingegen von Osten (Schmitten, bzw. das Maiensäss Raglauna oberhalb vom Dorf), steigen ins einsame Schaftobel hinauf, erklimmen den wild zerfurchten Grat zwischen Guggernell und Schafläger am Fuss des Gipfelaufbaus und steigen das letzte Stück über die stumpfe NO-Kante zum höchsten Punkt hoch. Abwärts geht es nach Westen (auf einer etwas anderen Variante als derjenigen von Roald) hinunter zur Alp da la Creusch.


Von Schmitten den Wegweisern folgend nach Acla, oberhalb der Hütten nach links auf dem Fahrweg bis zur Sackgasse und von dort auf einem Wanderweg zu den Hütten von Raglauna.

Auf dem Grashang über den Hütten führt eine Wegspur in den Wald hinein. Kurze Zeit später kommt man im Wald an einem alten Jägerunterstand vorbei, danach führt die Spur mehr oder weniger deutlich stets aufwärts nach Gebrenst und folgt dabei stets gelegentlichen gelb/roten Wildzonenmarkierungen. Zuletzt quert der Pfad einen steileren Hang mit Arvengebüsch und hört in einer Lichtung bei einem Hirten- oder Jägerunterstand mit Blechdach auf. Wir gehen noch ein paar Meter weiter zur Geröll-/Bachrinne, die von oben in der Mitte des unteren Schaftobels herunterkommt. Weiter unten kreuzt die Rinne übrigens den Wanderweg, der von Raglauna zur Alp da la Creusch führt; man kann auch von dort (am linken Rand) gerade hoch zum aktuellen Standort aufsteigen, allerdings meiner Meinung nach etwas mühsamer.

Nun weiter über steile, mit mehr oder weniger mühsamem Geröll durchsetzte Grashänge in der Falllinie hoch ins eigentliche Schaftobel, wo das Terrain wieder flacher wird. Über die ebene Geröllhalde nach NW in Richtung des Gipfelaufbaus vom Guggernell, wo die steile Kante vom Gipfel in den wilden Zackengrat übergeht. Von dort ziehen sich mehrere, schon von weitem sichtbare steile Geröllrunsen hinunter in die breite Ebene des Schaftobels.

Durch zunehmend steiles Geröll hinauf in Richtung Grat. Mehrere Felsrippen kommen vom Grat herunter und teilen das Geröll in verschiedene steile Schluchten (Achtung: Steinschlaggefahr durch Gemsen möglich). An den Felsen kann man sich beim Heraufarbeiten im rutschigen Geröll gut festhalten. Das Ziel ist die Grathöhe selber. Kleine Felsabsätze, die den Weg dorthin versperren, können wahlweise im Geröll umgangen oder direkt erklettert werden. Wichtig ist jedenfalls, die Orientierung nicht zu verlieren und sich bei der Auswahl der passenden Schlucht möglichst links zu halten. Falls man am falschen Ort auf der Grathöhe herauskommen sollte (und vor mächtigen Gendarmen steht), kann man etwa 20 Meter im Geröll wieder absteigen, tiefer unten die Rippe zur nächsten Geröllrinne leicht überklettern und sein Glück erneut versuchen.

Am richtigen Ort auf dem Grat angekommen, finden wir uns direkt am Fuss des Gipfelaufbaus wieder. Rechts sieht man die glatten Felsen der Nordflanke, links die Abbrüche ins Schaftobel hinein. Dazwischen vor uns eine stumpfe Kante, über deren einfache Felsstufen (I) wir unkompliziert den Gipfel erreichen.

Im Abstieg folgen wir dem Westgrat auf abwärts geschichteten Platten zunächst einige Meter und steigen dann entlang von Rissen und Geröllblöcken hinunter, bis der Grat wieder in einen begehbaren Geröllgrat übergeht. Wir folgen ihm weiter hinunter, wobei einzelne Türmchen rechts (nördlich) gut umgangen werden können. Weiter unten versperrt eine Felsrippe wieder den Weg; wir steigen ihren Felsen entlang nach links im Geröll ab, umgehen sie und queren dann weiter das Geröll, immer in Richtung des markanten braun-gelben Sattels zwischen dem Guggernell und dem grossen Felsaufschwung (östlich von P.2612 auf der LK).

Beim Sattel geht das Geröll in erdigen braunen Schutt über. Von hier aus sind die auslaufenden Geröllhänge weiter unten gut einsehbar. Wir können nun direkt in der Falllinie zum Weidegelände darunter absteigen.

Auf den Weiden erreichen wir horizontal, am oberen Rand der Abbrüche zur Bova Gronda entlang, den kleinen Bergsee Lai Grond. Von hier führen Wegspuren weiter zu P.2334 und hinab zu den Hütten der Alp da la Creusch.

Von der Alp auf dem Fahrweg (je nach Saison mit Abkürzungsmöglichkeiten auf der Weide) in Richtung Acla Dafora bis zum Wegweiser, an dem ein Wanderweg nach Raglauna abzweigt. Von hier aus wieder über Raglauna und Acla nach Schmitten, oder alternativ auf dem Fahrweg weiter über Acla Dafora nach Alvaneu.

P.S.: Den möglichen Aufstiegsweg vom Schaftobel hatten wir im Winter zuvor auf einem Drohnenflug erstmals untersucht. Hier sind ein paar Eindrücke von damals: https://youtu.be/peai2YfZivg .

Hike partners: berg.land, Susanne60


Minimap
0Km
Click to draw, click on the last point to end drawing

Gallery


Open in a new window · Open in this window


Comments (3)


Post a comment

mong says:
Sent 15 September 2021, 04h31
> Alp da la Creusch

Was heisst Creusch auf Deutsch?

berg.land says: RE:
Sent 15 September 2021, 09h01
Creusch heisst Kreuz, also "Kreuzalp". Die Alp steht im Gemeindegebiet von Alvaneu, wo sich in der Gegenreformation rätoromanisch durchgesetzt hat, während das benachbarte Schmitten deutschsprachig geblieben ist.

mong says: RE:
Sent 16 September 2021, 01h12
Danke!

Die letzten Heiden im Valle di Blenio (TI) wurden damals von den bereits zum Christentum bekehrten Bewohnern 'Cröisch' genannt. Quelle: "Le Case dei pagani" (Mosè Bertoni)

Darum hat es mich interessiert, ob die beiden Begriffe 'Creusch' und 'Cröisch' dasselbe bedeuten. Offensichtlich nicht - im Gegenteil.


Post a comment»