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Zugspitze via "Himmel & Hölle"


Published by hanef , 22 February 2021, 12h50.

Region: World » Germany » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Date of the hike:18 February 2021
Mountaineering grading: TD
Climbing grading: V+ (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Height gain: 2000 m 6560 ft.
Height loss: 2000 m 6560 ft.

Aufgrund der zwangsläufigen Fokussierung auf die heimischen Gefilde rückte wieder mal die Nordwand der Zugspitze in den Fokus. Schon länger hatte ich die Tour auf dem Schirm (inspiriert u.a. von Fritz Millers Tourenbericht) aber mangels Seilpartner oder guter Verhältnisse war mir eine Begehung bisher nicht vergönnt.
Zuletzt rückte die Tour dann vor ein paar Tagen wieder in den Fokus, aber Temperaturen um die -15°C am Parkplatz erschienen mir dann doch etwas zuviel des Guten und ich entschied mich für eine alternative, leichtere Nordwanddurchsteigung. Inzwischen waren die Temperaturen um gut 20° C gestiegen aber in der Höhe herrschten dennoch winterliche Bedingungen. Die Voraussetzungen für eine Winterbegehung waren gut, wie bereits einige Tage zuvor auf einer Erkundungstour feststellen konnte. Der Triebschnee, der zuvor noch für eine angespannte Lawinenlage sorgte, hatte sich inzwischen auch gut gesetzt und entlang der Route schaute nur wenig Fels aus der Schneedecke, was das Vorankommen erleichtern sollte. Die Zeit ist natürlich ein Faktor, soll es sich doch immerhin um eine 1200 Meter hohe Wand handeln, die sich laut Beschreibung auf bergsteigen.com durchaus in Augenhöhe mit den großen Wänden der Westalpen befinde. 

Eine genaue Betrachtung relativiert die Dimension jedoch etwas. Die 1200 m beziehen sich auf die gesamte Wand, beginnend kurz oberhalb der Station Riffelriss. Der Einstieg der Tour hingegen, ein plattiger Aufschwung am oberen Ende des Bayr. Schneekars, liegt erst auf 2150 m und ist "fußläufig" erreichbar. Schlechte Schneebedingungen können den Zustieg natürlich beträchtlich in die Länge ziehen und ein Biwak unabdingbar machen. Der offziell beschriebene Ausstieg der Tour, bei dem man auf den Klettersteig trifft, liegt auf etwa 2770 m, woraus sich dann für mich letztlich 600 m Wandhöhe ergeben. Mit allem drum und dran kommt man dennoch auf 2000 hm und 2000 hm sind 2000 hm, vor allem im Winter und mit Kletterausrüstung. Gute Bedingungen, ein früher Start und eine eingespielte Seilschaft sind also Grundvoraussetzungen, diese Tour an einem Tag zu schaffen, insbesondere ohne Seilbahnunterstützung.

Wir sind also vorab guter Dinge, die Tour an einem Tag zu schaffen und starten entsprechend leicht bepackt am Eibseeparkplatz. Hardgepresster Schnee auf der Piste und ein relativ freigeblasenes Schneekar ermöglichen ein schnelles Vorankommen und nach ca. 3 h Zustieg stehen wir am Einstieg.
Der Vorbau und das 1. Schneefeld lassen sich, begünstigt durch die gute Schneelage, noch seilfrei gewinnen und schon stehen wir vor einem senkrechten Riss, der ersten echten Kletterstelle, die mit M5+ bewertet ist.

Wie die gesamte restliche Tour ist diese Stelle selbst abzusichern und ein wackliger Friend wandert in den Riss, an dessen Ende bereits der Stand an zwei Stiftbohrhaken wartet. Ab hier quert man über eine breite Rampe steil nach links oben, die Schwierigkeiten belaufen sich laut Beschreibung im Bereich M3-4, für uns ist jedoch dankbares Schneestapfen am langen Seil angesagt. Auf etwa 2400 m dann ein wenige Meter hoher Abbruch, der sich gut abklettern lässt und im Anschluss wieder das gewohnte Bild: Steile Schneerinnen führen in Richtung Headwall, wo sie sich im unübersichtlichen Felsgelände verlieren. Die Bergstation der Eibseeseilbahn vermittelt schon seit einiger Zeit den Eindruck, nur noch höchstens 200 m entfernt zu sein, aber dieser Eindruck täuscht.

Es folgt der anspruchsvollste Teil der Tour durch die Headwall. Der Fels ist brüchig und der Wegverlauf nicht eindeutig. Haken oder andere Orientierungspunkte gab es schon seit geraumer Zeit keine mehr, vielleicht sind sie auch im Schnee begraben. Aber auch im steilen Fels an vermeintlich logischen Durchschlüpfen - Fehlanzeige. Wir sind froh um unsere Felshaken und einige davon wandern singend in den Fels (nicht belassen). Ansonsten bietet der kleinsplittrige und plattige Fels oft nur wenig Möglichkeiten zur Anbringung mobiler Sicherungen. Wir folgen einer Reihe von Kaminen, Rissen und Schneerinnen, immer der Bergstation entgegen.

Den originalen Ausstieg verpassen wir und folgen stattdessen unterhalb des Grats noch weiter einer Rampe bis sich links ein möglicher Durchschlupf auftut (2810 m). Gut 25 m oberhalb kratzt der KS hier am Grat (Irmerscharte, 2835), bevor er nach einem Linksknick den Schlussanstieg zum Gipfel vollzieht. Ein letztes Mal kratzen auch die Frontzacken und zwar über die glatten Platten und ein Blick zurück offenbart Zwischen-"Sicherungen", die munter am Seil baumeln. Aber auch diese Stelle ist bald überwunden und es folgt ein gemütlicher Stand an einem dicken Drahtseil. Von hier aus lässt es sich gut Sprüche klopfen, während der nachsteigende Kamerad noch mit der nun zwischensicherungs-losen und brüchigen Querung (ca. M5) zu kämpfen hat. Im Nachhinein war ja bekanntlich dann doch alles "easy".
Schnell geht es über den KS zum Gipfel und entlang des Stopselziehers zurück an den Eibsee.

Fazit:
Die Tour bietet einen relativ direkten Aufstieg durch die beeindruckende Nordwand der Zugspitze. Bei entsprechender Schneelage reduziert sich die Kletterstrecke auf wenige Seillängen, die jedoch durchaus anspruchsvolle Mixed-Kletterei bieten und meist schwierig absicherbar sind. In der Route steckt so gut wie gar kein fixes Material oder es war alles vom Schnee begraben. Wir haben insgesamt zwei Stände mit Stiftbohrhaken gesehen, an für uns uninteressanten Stellen und sonst nichts. Längere Runouts im mittelschwierigen, unübersichtlichen Gelände sollten einen nicht in Verlegenheit bringen. Die Headwall müsste sich zur Not auch über den Schlussteil der "Eisenzeit" umgehen lassen.

Material:
60 m Doppelseil, Eisgeräte + Hammeraufsatz, Satz Keile, mittlere Friends, Felshaken, 2 Eisschrauben (nicht benötigt), Schlingen


Hike partners: hanef


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Comments (2)


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DonMiguel says: Gratuliere!
Sent 22 February 2021, 15h49
Hört sich nach einem anständigen Abenteuer an! Lese gerne von solch zünftigen Unternehmungen. Gruss aus der Schweiz, Don

hanef says: RE:Gratuliere!
Sent 22 February 2021, 16h18
Vielen Dank Don, kann ich genauso zurückgeben. Vielleicht lassen es die Umstände zu und ich schaffe dieses Jahr auch mal einen Abstecher in deine schöne Heimat.
Grüße aus Bayern, Hannes


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