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Zugspitze via "Eisenzeit"


Published by hanef , 7 February 2021, 13h24.

Region: World » Germany » Alpen » Wetterstein-Gebirge
Date of the hike: 6 February 2021
Climbing grading: IV (UIAA Grading System)
Waypoints:
Geo-Tags: D   A 
Height gain: 2000 m 6560 ft.
Height loss: 2000 m 6560 ft.
Route:21 km

Ein feucht-fröhlicher Wärmeeinbruch Ende Januar setzte der guten, wenn auch kurzen Eisklettersaison ein abruptes Ende. Das Eis war weg, der Schnee, anfangs noch reichlich, schmolz auch dahin, dazu kam erhebliche Lawinengefahr und der Bergsport rückte zunächst in weite Ferne. Geduldig sein und sich zu keinen Dummheiten hinreißen lassen, hieß die Devise. Allmählich ging die Lawinengefahr dann zurück und ich wagte eine Erkundungstour an die Zugspitze, um Informationen für eine etwaige Nordwandbegehung zu sammeln. Wo, wenn nicht hier, in den nördlichen Abbrüchen des höchsten Berge Deutschlands, lassen sich jetzt noch passable Bedingungen für anregende Winterkraxeleien finden?

Am Vortag
Über den Stopselzieher geht's rauf und schnell wird aus der Erkundungstour eine ausgewachsene Tagestour. Schnell geht es auch voran, nur selten muss ich wühlen und meist erlaubt guter Trittfirn ein rasches emporsteigen. Am Gipfel ist dann spätestens klar: Bei diesen Bedingungen sollte auch eine Begehung über einen etwas anspruchsvolleren Weg möglich sein, trotz eng gesteckter Rahmenbedingungen. Letztere bedeuten u.a. ein Zeitfenster von 5:00 - 21:00 (aufgrund der Ausgangssperre) inklusive An- und Abreise aus München und Verzicht auf sämtliche künstliche Auf- und Abstiegshilfen.

Einige anspruchsvolle Nordwand-Routen werden abgewogen und wieder verworfen und letztlich fällt die Wahl auf die eher gemäßigte Kletterroute Eisenzeit, ein alter Tunnelbauersteig durch die Nordwand der Gr. Riffelwandspitze, der vor nicht allzulanger Zeit wiederentdeckt und um einen zweiten, etwas kletterlastigeren Teil erweitert wurde.

Tags darauf
Bereits am nächsten Tag stiefel ich also wieder die vereisten "Pisten" zur Riffelscharte empor, diesmal in bester Begleitung. Wir passieren die Stelle, an der ich am Vortag rechts durch den Wald in Richtung Wiener-Neustädter Hütte abgezweigt bin und stehen nach nicht einmal zwei Stunden Zustieg am Wandfuß (1815 m).

Der Tunnelbauersteig
Etwa 150 m über uns führt ein breites Band nach rechts ins Bayerische Schneekar. Dieses gilt es nun zu erreichen, normalerweise ein gutes Stück links oberhalb, an der Stelle, an der das Band quasi auf dem Wanderweg mündet. Diesen Umweg sparen wir uns und steigen stattdessen gerade hoch. Im kombinierten Gelände geht es steil empor, an einem kurzen Aufschwung ist sogar ein wenig Eiskletterei gefragt. Das Band ist somit schnell erreicht und wir treffen völlig überraschend auf eine Spur. Da ich gestern auf der Webcam außer mir niemanden auf dem Gipfel gesehen habe, muss die wohl von heute sein. Oder von gestern, mit Biwak im Tunnel? Oder Verzicht auf Gipfel und Abstieg übers Höllental?
Das Rätsels Lösung erfolgt wenige Minuten später beim Erreichen des Schneekars. Gute 100 m über uns ist schon eine Seilschaft am werkeln. Wir grüßen hoch und signalisieren ihnen, dass sie sich wohl abseits der Route befinden müssen und queren noch ein gutes Stück weiter ins Kar, wo wir unseren Irrtum erkennen und reumütig zurückkehren. Also doch da hoch. Eigentlich ja ganz einfach, man steuert den riesigen mit Scheinwerfern bespickten Strommast an, der etwa 200 hm über einen thront. Das bedeutet zunächst gemütliches Stapfen in der Spur unserer Vorgänger.

Spätestens jetzt wird auch klar, woher der Name "Eisenzeit" rührt. Man bewegt sich entlang des alten Tunnelbauersteigs, teilweise klettersteigartig versichert, wobei die bald 100 Jahre alten Stahlseile und Leitern natürlich mit Vorsicht zu genießen sind.
Wer auf der Suche nach unberührter Natur ist, ist hier fehl am Platz. Ständig ragt irgendwo verrostetes Alteisen aus dem Fels, über einem schweben die Gondeln der Eibsee-Seilbahn und der Gipfel ist zubetoniert. Wer allerdings weiß, worauf er sich da einlässt und das Ganze als technisch anspruchsvolle und historisch interessante Sightseeing-Tour versteht, kommt hier schon auf seine Kosten.
Dann auf einmal ein besonders windiges Gerät, das seinem Namen "Harakiri-Leiter" alle Ehre macht, dann der Strommast und dann die erste 4er-Stelle, die jedoch komplett im Schnee begraben ist. Wenig später schon schlupfen wir durch eine kleine Öffnung in den alten Tunnel. Viel mehr Schnee dürfte hier nicht sein, sonst muss man hier graben oder sonstwie improvisieren. Im Tunnel treffen wir dann auf die vorausgehende Seilschaft und wir entschuldigen uns für den Versuch, sie vom rechten Weg abzubringen. Als Entschädigung spuren wir nun vorne weg.

Nach dem Tunnel
...beginnt die eigentliche Klettertour mit einigen Kletterstellen im oberen 3. Grad. Glatte Platten, die im Sommer wahrscheinlich in leichter Reibungskletterei zu bewältigen sind, erfordern nun äußerste Vorsicht. Die  Frontzacken der Steigeisen finden oft nur Platz auf kleinsten Leisten und einige Stellen sind auch ordentlich exponiert. Trotz geringer Schneeauflage können wir viele Bohrhaken und Kratzspuren erkennen, was uns die Orientierung insbesondere an den schwereren Stellen erleichtert. Bei größerer Schneeauflage sind diese Passagen sehr anspruchsvoll.
Insgesamt ist die Route ja sehr gut im Netz dokumentiert und wer sich die Beschreibungen (z.B. sehr gut beschrieben hier auf hikr) und das gute Topo auf bergsteigen.com gewissenhaft zu Gemüte führt, sollte hier auch wenig Probleme mit der Orientierung haben, die entsprechende Erfahrung vorausgesetzt. Andernfalls gibt es natürlich auch eine Reihe ausgezeichneter einheimischer Bergführer, die mit der Route bestens vertraut sind und im Rahmen einer geführten Tour wahrscheinlich auch jede Menge historischen Kontext liefern können.

Nach einigen Kraxeleinlagen ist das steile Schuttfeld erreicht, das gerade zum Grat hochführt. Auch hier heißt es wieder Stapfen, zwar in Spurarbeit aber sehr dankbar. Angesichts der Steilheit und Exposition wird nochmal deutlich, dass stabile Schneeverhältnisse eine absolute Grundvoraussetzung für eine Winterbegehung der Tour sein müssen. Etwa 30 hm unterhalb des Grates quert man nach rechts, einer steilen Wand ausweichend und im Anschluss gerade hoch zum Ausstieg auf 2680 m. Auch hier lassen sich wieder viele Klettermeter durch einfaches Stapfen in der benachbarten Rinne umgehen.

Das große Finale
Aus guten Gründen endet hier die Kletterroute, zumindest im Sommer. Anstatt über den Grat den Gipfel zu erreichen (sehr hohe Steinschlaggefahr für den KS), seilt man hier  1-2 SL auf den wenig unterhalb parallel verlaufenden KS ab, den man dann zum Gipfel folgt. Jetzt im Winter sieht die Sache jedoch etwas anders aus. Durchs Höllental führt keine Spur, wir sind allein hier oben und der Grat sieht herrlich winterlich-abenteuerlich aus, im Gegensatz zum mit Triebschnee gefüllten Klettersteig. Zudem müsste man hier erstmal den Abseilhacken ausfindig machen, im hüfthohen Schnee ein absolut hoffnungsloses Unterfangen. Also wühlen wir uns hoch. Überraschend exponiert, teilweise im Reitsitz auf der Schneide, geht es den Grat entlang, bis wir 150 hm unterhalb des Gipfels endgültig auf den KS treffen, bzw. dem, was davon hin- und wieder aus dem Schnee herausragt.

Die andere Seilschaft hat inzwischen wieder gut aufgeschlossen und folgt unserer Spur am langen Seil, der wohl einzigen hier sinnvollen Sicherungsmöglichkeit. Am Gipfelplateau dann noch ein herzliches Berg Heil und ein kleiner Plausch über das weitere Vorgehen. Die beiden haben noch große Pläne, aber für uns ist Feierabend.

Der Abstieg
Wir folgen meiner Spur hinab zum Stopselzieher und Wiener Neustädter Hütte und ab da über Schneerinnen und zuletzt zwei Steilstufen direkt hinab zum Wandfuß.
Gute 10 Stunden nach Aufbruch und noch vor Sonnenuntergang sind wir wieder am Parkplatz, wohlgemerkt bei sehr guten Bedingungen und ohne Benutzung des mitgeführten Seils. Eingeplant war- und einplanen sollte man jedoch deutlich mehr für eine Winterbegehung.

Das Gerücht, es handle sich bei der Eisenzeit um den leichtesten Winteranstieg auf die Zugspitze, kann ich übrigens nicht bestätigen. Im direkten Vergleich mit dem Stopselzieher bei gleichen (sehr guten) Bedingungen am Vortag ist die Eisenzeit technisch um einiges anspruchsvoller und man sollte auch hier nochmal ein paar zusätzliche Stunden einplanen. Naturgemäß hängt die Schwierigkeit einer Winterbegehung stark von den Bedingungen ab. Nach Schneefall sollte man einige Tage warten, bis der Fels freigeblasen/-getaut ist da sonst die Platten nach dem Tunnel sehr heikel werden können. Die Route ist dann um ein vielfaches anspruchsvoller, wie ich einen Monat später erlebt habe. Jeder einzelne Griff, oftmals nicht die besten, musste ausgegraben werden und war danch vereist und die Wegfindung ab dem Tunnel war aufgrund der fehlenden Anhaltspunkte (Stände, Zwischenhaken) überraschend anspruchsvoll.


Hike partners: hanef


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Comments (2)


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t2star says:
Sent 9 February 2021, 08h41
Eine irre Stimmung am Gipfel und eine echt eine coole und eindrückliche Tour. Respekt!

hanef says: RE:
Sent 9 February 2021, 12h21
Ja wars wirklich, Danke!


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